Webcode: 01014889

Hofübergabe: Sonderkündigungsrecht bei betrieblichen Versicherungen

Rechtzeitig vor der Hofübergabe sollte der Hofübernehmer einen gründlichen Versicherungscheck durchführen. Prüfen sollte er, ob die Versicherungen veraltet sind, den veränderten Gegebenheiten angepasst werden müssen oder zu teuer sind. Wenn ja, kann er innerhalb von vier Wochen nach Hofübernahme bzw. Eigentumsübergang die betrieblichen Versicherungen kündigen mit sofortiger Wirkung oder zum Ende des Versicherungsjahres.


Für den Versicherungscheck der Versicherungen benötigt der Betriebsleiter folgende Unterlagen:

  • Antragsdurchschrift
  • Versicherungsschein, -police
  • Versicherungsbedingungen
  • Vertragsänderungen
  • Beitragsbescheinigungen

Zur Überprüfung der Gebäude-Feuerversicherung braucht er weiter:

  • Lageplan der Hofstelle und
  • Beschreibung der Gebäude.

Tipp: Einen Ordner für betriebliche Versicherungen anlegen und einen für die
         privaten Versicherungen.

Gebäude-Feuerversicherung
Kündigungsmöglichkeit für die Gebäudefeuerversicherung besteht innerhalb von vier Wochen nach Grundbuchumschreibung.

Ermittlung der Versicherungssumme 
Insbesondere bei älteren Gebäuden empfiehlt es sich, die Versicherungssumme durch Sachverständige oder Spezialisten der Versicherungsgesellschaft ermitteln zu lassen. Dies ist auch häufig Voraussetzung für die Versicherungsgesellschaft, um den Unterversicherungsschutz zu akzeptieren. Laufen die Versicherungen schon länger, prüfen, ob Umbauten und Erweiterungen nachgemeldet sind.
Alle Gebäude, die zur Bewirtschaftung eines Betriebes notwendig sind und im Schadensfall wieder aufgebaut werden, werden zweckmäßig zum gleitenden Neuwert versichert. Das Gebäude kann in gleicher Form und Nutzung wieder errichtet werden. Werden Gebäude nicht wieder aufgebaut, wird nur der Zeitwert entschädigt, d.h. hier könnte man um Prämien zu sparen, auch nur den Zeitwert versichern. Die Entschädigung ist je nach Alter und Abnutzung des Gebäudes entsprechend geringer.

  • Wohngebäude
    Steht das Wohngebäude frei oder besteht zwischen Wohn- und Wirtschaftsgebäude eine Brandmauer oder ein kleiner Zwischenbau, kann das Wohnhaus meist zum Wohngebäudetarif nach VGB-Bedingungen versichert werden. Dieser Tarif ist wesentlich umfangreicher und günstiger als der landwirtschaftliche Tarif. So werden die Dreifachkombination Feuer,  Leitungswasser, Sturm/Hagel je nach Region schon ab 0,50 €/ 1000 € Versicherungssumme pro Jahr angeboten.
  • Gebäudezubehör
    Gebäudezubehör wurde in der Vergangenheit bei der Inventar-Feuerversicherung zum Zeitwert versichert. Empfehlenswert ist, Gebäudezubehör wie Melkanlagen oder Stalleinrichtung möglichst beim jeweiligen Gebäude und somit zum gleitenden Neuwert mitzuversichern. Brennt zum Beispiel ein Stall ab, wird auch eine neue Stalleinrichtung notwendig sein. Prüfen sie, ob aus den Versicherungsunterlagen ersichtlich ist, wo Gebäudezubehör versichert ist und ob bei der Gebäudeeinschätzung diese Werte erfasst sind.
  • Heu- und Strohlagerung 
    Ist aus den Versicherungsunterlagen ersichtlich, dass Heu- und Stroheinlagerung in bestimmten Gebäuden ausgeschlossen ist, ist dies unbedingt einzuhalten. Schon ein Ballen Heu in der Maschinenhalle für z.B. das Pony der Kinder gilt nicht als halmfrei!
  • Versicherung auf erste Gefahr
    Veraltet sind heutzutage bei zunehmende Umweltschutzauflagen und Verträge Aufräumkosten von nur 5 - 10% der Versicherungssumme. Die Aufräumkosten bis 100% der Versicherungssumme sowohl bei Gebäude- als auch bei der Inventarversicherung sind heutzutage angebracht.
  • Blitz Überspannungschäden
    Fällt wegen Überspannung durch Blitz die Lüftungsanlage im Stall aus, kann es passieren, dass als Folge die Tiere verenden. Überspannungsschäden können sowohl beim Gebäude als auch beim Inventar entstehen und sollten bei beiden Versicherungen im Bedarfsfall mit ausreichender Summe versichert werden.

Inventar-Feuerversicherung
Die Inventar-Feuerversicherung kann innerhalb von 4 Wochen nach Hofübergabe gekündigt werden. Praktisch also in den meisten Fällen bis Ende Juli, wenn die Hofübergabe am 1. Juli stattgefunden hat.

Überprüfen sie anhand der Unterlagen, wie das Inventar versichert ist. Unterschieden wird derzeit zwischen dem Positions- oder Pauschalsystem.

  • Positionssystem
    Beim Positionssystem wird für die Ermittlung der Versicherungssumme das gesamte Inventar, welches sich aus den Positionen Vieh, Maschinen- und Geräte, Ernte- und Wirtschaftsvorräte zusammensetzt, einzeln bewertet. Da diese Positionen jährlichen Mengen- und Wertschwankungen unterliegen, empfiehlt sich die regelmäßige Überprüfung der Versicherungssumme anhand eines Summenermittlungsbogens der Gesellschaft. Erhöht sich z.B. der Viehbestand oder sind neue Maschinen angeschafft worden, ist die Versicherungssumme in den Positionen anzupassen, damit keine Unterversicherung besteht. Bei Positionsversicherung wird nach Zeitwert entschädigt. Beim Kauf neuer Maschinen bietet die Versicherung die Möglichkeit der Neuwertversicherung, was häufig sinnvoll ist.
  • Pauschalsystem
    Bei der Ermittlung der Versicherungssumme werden für Tiere und bewirtschaftete Flächen pauschale Werte vorgegeben. Der Vorteil dieser Systems ist, dass Inventar zum Neuwert entschädigt wird und Unterversicherungsschutz in Höhe der Versicherungssumme geben ist. Ob allerdings die Versicherungssumme insgesamt zu hoch oder niedrig ist, ist im Einzelfall zu prüfen.

Haftpflichtversicherung
Das Kündigungsrecht besteht, wie für die Inventar-Feuerversicherung, innerhalb von vier Wochen nach der Hofübergabe.

Jeder Landwirt haftet für schuldhaft verursachte Schäden, die sich aus der Tätigkeit in seinem landwirtschaftlichen Betrieb ergeben, in unbegrenzter Höhe und mit dem ganzen Vermögen. Durch eine Haftpflicht werden berechtigte Schadensansprüchen Dritter bei Personen-, Sach- und Vermögensschäden abgesichert im Rahmen der vereinbarten Deckungssummen. Die Deckungssumme sollte mindestens 3 Millionen besser 5 Millionen pauschal für Personen- und Sachschäden betragen.

Eine wesentliche Grundlage für den Versicherungsschutz ist die korrekte Angabe der bewirtschafteten Fläche. Kommen weitere Flächen dazu, ist dies der Versicherungsgesellschaft zu melden, um den Versicherungsschutz nicht zu gefährden. Dies gilt auch für neue Risiken.

Welche Risiken in der Grunddeckung einer Haftpflichtversicherung enthalten sind oder nicht, ist unterschiedlich bei den Versicherungsgesellschaften geregelt. Hier nur einige Beispiele:

  • Sind Flurschäden durch Weidetiere in der Grunddeckung enthalten oder muss dieses Risiko zusätzlich versichert werden? Dann ist darauf zu achten, dass die Anzahl der Tiere korrekt angegeben wird.
  • Wie ist das Risiko „Hundehaltung“ abgesichert? Sind alle Hunde einzeln zu erfassen oder sind sie pauschal versichert?
  • Muss die Vermietung von Gebäuden z.B. Laden, Werkstatt oder Wohnung zusätzlich vereinbart werden?
  • Sind in der Umwelt-Basis-Deckung die Heizöltanks für das Wohnhaus enthalten?
  • Ist der Hofladen oder der Markstand mitversichert? Oder ist dies gewerblich?
  • Ist die Produkthaftpflicht enthalten?

Vor dem Wechsel der Versicherung prüfen Sie vorab, welche Risiken über die Grunddeckung gedeckt sind und welche Risiken sie für ihren Betrieb zusätzlich versichern müssen.

Hofübernahme - Richtige Vorsorge nicht vergessen 


Kontakt:
Katharina von Hahn
Beraterin Sozioökonomie für die Bezirksstellen Braunschweig und Hannover
Telefon: 0511 3665-4466
Telefax: 0511 3665-994466
E-Mail:


Stand: 18.05.2010