Webcode: 01019928

Bundesfreiwilligendienst - wie abgesichert?

„Nichts erfüllt mehr, als gebraucht zu werden!“ – Unter diesem Motto wirbt  das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend für den Bundesfreiwilligendienst. Er wurde zum 1. Juli 2011 ins Leben gerufen, nicht nur um die Lücken durch den Wegfall der Wehrpflicht und damit des Zivildienstes zu schließen. Neue Rahmenbedingungen regeln die finanzielle und soziale Absicherung der Freiwilligen (Bufdis).

Wer soll mitmachen?


Motiviert werden sollen Männer und Frauen aller Altersgruppen und gesellschaftlicher Schichten, die  sich für das Allgemeinwohl engagieren wollen. Der Freiwilligendienst soll also nicht nur junge Menschen ansprechen, sondern auch ältere, die beispielsweise nach der Hofüber- oder aufgabe noch eine Sinn bringende Beschäftigung im sozialen, kulturellen oder sportlichen Bereich oder im Umwelt-, Natur- oder Denkmalschutz anstreben. Der Bundesfreiwilligendienst fördert damit gleichzeitig das lebenslange Lernen – so ist es ausdrücklich im §1 des entsprechenden Gesetzes verankert.

Welche Leistungen erhalten Bufdis?
Neben fachlicher Betreuung und kostenlosen Pflicht-Seminarangeboten (25 Seminartage pro Jahr) erhalten Freiwillige ein monatliches Taschengeld, über dessen Höhe die Einsatzstellen entscheiden dürfen. Die Höchstgrenze ist gesetzlich auf sechs Prozent der Beitragsbemessungsgrenze in der allgemeinen Rentenversicherung festgeschrieben, 2015 monatlich 363 € (West). Ein Teil dieses Betrages kann als Sachleistung, beispielsweise in Form eines Bustickets oder einer Bahncard geleistet werden. Daneben können Unterkunft, Verpflegung und Arbeitskleidung gestellt oder die Kosten dafür ersetzt werden. Diese Sachleistungen sowie die Taschengeldhöhe liegen im Ermessen der Einsatzstelle und sind direkt mit dieser auszuhandeln.
Wird der Freiwilligendienst nicht in Vollzeit ausgeführt, wird das Taschengeld anteilig gekürzt. Es müssen aber mehr als 20 Wochenstunden geleistet werden. Die Dauer kann zwischen sechs und 24 Monaten betragen.
Wer zusätzlich einer Erwerbsarbeit in Teilzeitform nachgehen will, muss sich diese von der Einsatzstelle als Nebentätigkeit genehmigen lassen.
Freiwillige haben einen Anspruch auf 24 Tage Jahresurlaub bei zwölfmonatiger Einsatzdauer.
Rentnerinnen und Rentner, die Freiwilligendienst leisten, müssen die Zuverdienstgrenzen bei Erwerbsminderungs- und Frührente beachten. Dabei zählen nicht nur das Taschengeld mit, sondern auch die Sachleistungen mit. Wird nur Taschengeld gezahlt, gibt es keine Probleme mit der Zuverdienstgrenze, die für Frührentner 450 € monatlich beträgt, also bei Rentenbezug vor Erreichen der Regelaltersgrenze. Altersrentner dürfen dagegen beliebig viel dazu verdienen.

Als Bufdi pflichtversichert?
Versicherungspflicht besteht in der gesetzlichen Renten-, Unfall-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung. Bemessungsgrundlage für die Beitragshöhe sind das Taschengeld und die Sachbezüge, wobei die Trägerstelle die Beiträge in voller Höhe zahlt, also Arbeitgeber- sowie Arbeitnehmeranteil.
Achtung: Zeiten zwischen Ausbildungsende und Freiwilligendienst sind in der gesetzlichen Rentenversicherung auf Antrag anrechenbar, wenn  der Dienst spätestens fünf Monate nach Ausbildungsende beginnt.
Versicherungspflicht in der gesetzlichen Rentenversicherung besteht auch für Erwerbsminderungsrentner und Altersteilrentner, die eine Rente in Höhe von einem Drittel, der Hälfte oder zwei Dritteln einer Vollrente beziehen. Lediglich Altersvollrentner sind versicherungsfrei in der Rentenversicherung.
Wer mindestens zwölf Monate als Freiwillige/r tätig war, hat Anspruch auf Leistungen aus der Arbeitslosenversicherung, beispielsweise auf Arbeitslosengeld. Die Einsatzstelle leistet die Beiträge in voller Höhe. Lediglich für Dienstleistende, die die Altersgrenze für die Regelaltersrente erreicht haben, muss nur der dem Arbeitgeberanteil entsprechende Betrag abgeführt werden.
Bufdis sind gesetzlich krankenversichert. Eine beitragsfreie Familienversicherung ruht während der Einsatzdauer. Wer bisher privat krankenversichert ist, sollte vor Einsatz mit der privaten Versicherung klären, inwieweit ein Ruhen des Vertrages möglich ist, um anschließend wieder ohne neue Gesundheitsprüfung aufgenommen werden zu können.

Welche Ansprüche bestehen außerdem?
Der Anspruch auf Kindergeld besteht auch für Bufdis, wenn sie das  25. Lebensjahr noch nicht vollendet haben.
Im Gegensatz zum Zivildienst kann eine Waisen oder Halbwaisenrente auch während des Freiwilligendienstes weitergezahlt werden, längstens bis zum 27. Geburtstag. Während des freiwilligen Wehrdienstes besteht dieser Anspruch dagegen nicht.
Stellt der Träger des Dienstes keine freie Unterkunft, kann während der Zeit Anspruch auf Wohngeld bestehen. Er ist im Wesentlichen abhängig von der Miethöhe und den sonstigen Einkünften. Mietzuschuss kommt vor allem in Frage, wenn der Freiwillige an den Dienstort zieht und dort seinen ersten Wohnsitz anmeldet. Anträge nehmen die kommunalen Wohngeldstellen entgegen.
Können die Freiwilligen durch die erhaltenen Geld- und Sachleistungen ihren Unterhalt nicht decken, so haben sie grundsätzlich Anspruch auf Aufstockungs- Arbeitslosengeld 2. Auch  ältere Bezieher dieser Leistung können am Bundesfreiwilligendienst teilnehmen. Dabei sind dann 60 € des Taschengeldes nicht auf die Hartz IV- Leistung anzurechnen. Gleichfalls anrechnungsfrei bleiben 30 € für private Versicherungen, einschl. KFz-Versicherung sowie für notwendige Ausgaben im Zusammenhang mit dem Freiwilligendienst wie beispielsweise Fahrtkosten.
Universitäten und Hochschulen können die Zeit des Freiwilligendienstes als Praktikum auf die Wartezeit anrechnen, eine gesetzliche Verpflichtung dazu gibt es jedoch nicht. Ob und welchem Umfang eine Anerkennung erfolgt, ist abhängig vom jeweiligen Studienfach und vom Studienort und dort zu erfragen.

Welche private Zusatzabsicherung ist sinnvoll?
Bufdis haben Anspruch auf Wohnungsbauprämie und Arbeitnehmersparzulage, wenn sie die jeweiligen  Einkommensgrenzen nicht überschreiten. Diese betragen 17.900 € für Alleinstehende bei der Arbeitnehmersparzulage und 25.600 € bei der Wohnungsbauprämie.
Darüber hinaus sind Bufdis Riesterzulagenberechtigt. Ein Riester-Vertrag ist in dieser Zeit sogar besonders attraktiv, da aufgrund des niedrigen Einkommens meist nur 60 €  Eigenbeitrag fällig wird, der Staat jedoch 154 € Grundzulage dazuzahlt. Bei Abschluss vor dem 25. Geburtstag gibt es außerdem einmalig 200 € extra.
Für Jugendliche macht grundsätzlich eine private Berufsunfähigkeitsversicherung Sinn! Der Abschluss kann und sollte vor der eigentlichen Berufstätigkeit erfolgen, um günstigere Beiträge zu sichern und vor allem den Ausschluss von Erkrankungen zu minimieren.
Ob eine eigene Privathaftpflichtversicherung erforderlich ist, sollte mit dem Versicherer der Betriebs- bzw. Privathaftpflichtversicherung der Eltern geklärt werden. Eine Mitversicherung über die Police der Eltern ist in der Regel möglich, sollte aber schriftlich bestätigt werden.

http://www.bmfsfj.de
 


Kontakt:
Anne Dirksen
Fachreferentin Sozioökonomie
Telefon: 0441 801-329
Telefax: 0441 801-313
E-Mail:


Stand: 24.03.2015