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Private Altersvorsorge - auch für Junglandwirte aktuell!!

Junge Leute planen ihre private und berufliche Zukunft als Paar, als Familie und als Betriebsleiter. Altersvorsorge spielt dabei in den meisten Fällen keine oder nur eine untergeordnete Rolle – und das ist sehr verständlich. Andererseits bereitet ihnen das Baraltenteil, das sie Eltern und vielleicht auch noch den Großeltern überweisen müssen, mitunter erhebliches Kopfzerbrechen. Hinzu kommt die öffentliche Diskussion um drohende Altersarmut, die auch vor Hoftoren nicht Halt macht.

 

Finanzdienstleister und Versicherer malen gerne Schreckensszenarien von riesigen Rentenlücken, die nur mit regelmäßigen hohen Sparraten zu stopfen sein sollen. Panik ist jedoch gerade in jungen Jahren ebenso wenig angebracht wie perfektes Nicht-Tätigwerden!
Alles in allem entsteht eine große Verunsicherung, die am besten durch sachliche Information und überlegtes Handeln behoben werden kann. Und dazu soll der folgende Beitrag ermutigen. 
Altersvorsorge geht auch junge Landwirte und Landwirtinnen an! Sie verschafft eine Einkommenssicherung im Alter, die unabhängig von der nachfolgenden Generation ist. Sie berücksichtigt ferner, dass die landwirtschaftliche Alterskasse nur eine Taschengeldlösung darstellen kann. Gleichzeitig darf sie aber nicht die Liquidität gefährden, sondern soll das investierte Geld sicher und rentabel vermehren.

Schritt für Schritt vorgehen
Bevor junge Menschen über private Altersvorsorge nachdenken, sollten Sie prüfen, ob die finanziellen Folgen persönlicher und betrieblicher Risiken ausreichend abgesichert sind. Denn was nützt ein gutes Polster für den Ruhestand, wenn die Zeit bis dahin aufgrund einer Berufsunfähigkeit oder einer Tierseuche finanziell nicht gut genug abgefedert ist.
Der nächste Schritt ist es, die Liquidität auf jeden Fall zu wahren. Folglich scheiden alle unflexiblen Geldanlagen wie Kapital bildende Versicherungen aus, denn sie binden viel Geld für sehr lange Zeit und lassen in der Regel keine Zahlpausen oder Anpassung der Geldbeiträge ohne Nachteile zu. Doch genau das muss möglich sein, wenn aufgrund betrieblicher Investitionen, niedriger Erlöse oder sonstiger Ereignisse das Einkommen anderweitig verwendet werden muss. Tilgung hat Vorrang und Sparen auf Kredit ist unrentabel! Besonders kritisch sind daher auch Kombi-Produkte anzusehen. Damit sind beispielsweise Berufsunfähigkeitsversicherungen gemeint, die mit einer Kapitallebens- oder einer Rentenversicherung gekoppelt sind. Fehlt das Geld für die Beitragszahlung, so ist auch gleich die Risikovorsorge gefährdet. Daher sollten Risikoabsicherung und Altersvorsorge besser mit getrennten Verträgen erfolgen. Schließlich koppelt auch keiner seine Feuerversicherung mit einem Sparvertrag!

Vorsorge durch Sozialversicherungen
Die Landwirtschaftliche Alterskasse stellt eine Grundversorgung sicher. Neben der Altersrente gewährt sie eine Risikoabsicherung bei Erwerbsminderung sowie Betriebs- und Haushaltshilfe. Ihr um jeden Preis den Rücken kehren zu wollen, kann ein Fehler sein. Junglandwirte haben zudem in den ersten Jahren nach der Hofübernahme wie auch in späteren einkommensschwachen Jahren oftmals einen Anspruch auf Zuschuss zum Alterskassenbeitrag, so dass die Rendite daraus sehr akzeptabel sein kann. Die spätere Rente ist überschlägig leicht zu ermitteln, indem nach heutigem Stand jedes Beitragsjahr als Unternehmer eine Monatsrente von 12,96 Euro ergibt, nach Abzug von Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträgen netto etwa 11,60 Euro. Beitragsjahre als mitarbeitendes Familienmitglied bringen nur die Hälfte Rentenanspruch. Wer also 40 Jahre lang Mitglied in der Landwirtschaftlichen Alterskasse ist, kann derzeit mit einer Monatsrente in Höhe von ca. 518 Euro rechnen.
Bevor Landwirte jedoch alterskassenpflichtig werden, zahlen sie oft  Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung ein: zunächst in der Ausbildung, anschließend eventuell auf einem Fremdbetrieb oder bei den Eltern. Um daraus ebenfalls einen Rentenanspruch zu erreichen, empfiehlt es sich, die erforderlichen 60 Mindestbeiträge zu zahlen.
Bereits vor der Ausbildung oder während der Fachschul- oder Studienzeit sind viele Landwirtskinder zu Hause auf 450 Euro-Basis beschäftigt. Auch hierfür gibt es interessante Gestaltungsmöglichkeiten, um die Altersversorgung aufzupeppen: Wer den pauschalen Rentenversicherungsbeitrag (15 Prozent), den der Arbeitgeber allein trägt, aus eigener Tasche auf insgesamt 18,7 Prozent des Lohns aufstockt, baut sich dadurch Ansprüche auf, die Pflichtbeitragszeiten gleichgestellt sind.

Staatliche Fördermaßnamen
Durch die Aufstockung der Rentenversicherungsbeiträge erwirbt man auch eine Zulagenberechtigung für Riester-Verträge und ermöglicht sich ebenso den Zugang zur betrieblichen Altersversorgung („Minijob-Rente“), die sozialabgaben- und steuerbegünstigt ist.
Auch ohne Rentenaufstockung haben Minijobber Aussicht auf die Arbeitnehmersparzulage, wenn sie in einen förderfähigen Vertrag einzahlen und die Einkommensgrenzen nicht überschreiten. Diese betragen 20.000 Euro bei Alleinstehenden bzw. 17.900 Euro pro Jahr, wenn es sich um eine Anlage für wohnwirtschaftliche Zwecke handelt. Die staatliche Förderung beträgt maximal 86 Euro jährlich, wenn es sich um eine Fondssparanlage handelt.
Grundsätzlich sollte ohnehin die staatliche Förderung in Form von Zulagen und/oder Steuervorteilen zuerst geprüft werden, wenn Geld in die private Altersvorsorge investiert wird. Deshalb ist als weiterer Baustein die Riester-Rente attraktiv. Ein geförderter Vertrag bringt eine jährliche Grundzulage in Höhe von 154 Euro. Pro Kind gibt es 185 Euro bzw. 300 Euro bei Geburt ab 2008 obendrauf. Wer den Riester-Vertrag vor seinem 25. Geburtstag abschließt, darf sich über eine einmalige Zahlung von 200 Euro extra freuen. Allerdings ist auch ein Eigenbeitrag erforderlich, der sich nach dem sozialversicherungspflichtigen Einkommen richtet und mindestens 60 Euro im Jahr beträgt. Gerade in jungen Jahren ist die Riester-Rente renditestark, da der erforderliche Eigenbeitrag niedrig ist. Dieser lässt sich zudem Steuer mindernd geltend machen.

Sparen – aber wie?
Wer die beschriebenen Bausteine der Altersvorsorge für sich geprüft hat und noch freie Finanzkapazitäten investieren möchte, sollte sich für mäßiges Grundsparen entscheiden, das flexibel aus- und umgebaut werden kann. Wer beispielsweise 35 Jahre lang 50 Euro monatlich bei einer durchschnittlichen Verzinsung von 3 Prozent spart, hat am Ende einen Kapitalstock von 37.000 Euro angesammelt, aus dem er bei gleicher Verzinsung 20 Jahre lang monatlich 200 Euro entnehmen kann (s. Dateianhang Ansparplan, Entnahmeplan).
Auch in der derzeitigen Niedrigzinsphase gibt es renditestärkere Anlageformen, die für junge Leute durchaus interessant sind, sofern sie die Gelassenheit haben, das Geld beispielsweise in gut gemanagten Aktienfonds „liegen zu lassen“, bis sich die Kapitalmärkte erholt habe, und die Summe nicht kurzfristig benötigen.
Hohe Renditen bei gleichzeitiger absoluter Sicherheit, hoher Flexibilität und steuerlicher Vorzüglichkeit gibt es nicht. Deshalb muss jeder für sich seine Prioritäten nach verfügbaren Mitteln und Mentalität festlegen. In jungen Jahren sind renditestarke Anlagen grundsätzlich angebracht, während das Geld mit zunehmender Nähe zum Ruhestand in sichere Anlageformen umgeschichtet werden sollte (s. Dateianhang Anlageformen).
Wer größere Summen zur Verfügung hat, kann diese selbstverständlich auch in Flächen, Wohneigentum, Photovoltaik- oder Windkraftanlagen investieren und sich auf diese Weise ein zweites Einkommensstandbein schaffen, das unabhängig von der landwirtschaftlichen Produktion ist.

Private Altersvorsorge - kein Luxus!
Private Altersvorsorge ist in Anbetracht ständig steigender Lebenserwartung in jeder Lebensphase ein Thema, allerdings mit unterschiedlicher Bedeutung und unterschiedlichem Inhalt. Wer frühzeitig mit kleinen Bausteinen beginnt, sichert sich staatliche Förderung und Zinseszinseffekte. Allerdings ist Panikmache nicht angebracht, denn Risikovorsorge, Fremdkapitalabbau und betriebliche Entwicklung haben Priorität. Wer sich jedoch selbst um seine Einkommenssicherung im Alter kümmert, macht sich unabhängig von der nachfolgenden Generation. Er leistet damit sowohl einen wertvollen Beitrag zur Sicherung des Familienfriedens sowie zur Existenzfähigkeit des Betriebes. Betriebliche Investitionen und Altersvorsorge sind somit keine Gegensätze.
Patentrezepte für die ideale Altersvorsorge gibt es allerdings nicht. Wichtig sind flexible Anlageformen, die die Liquidität nicht gefährden. Kleine, finanzierbare Schritte mit staatlicher Beteiligung sind empfehlenswert und entlasten das Konto in späteren Jahren.
Um aus der Vielzahl der möglichen Wege den geeigneten herauszufinden, ist eine neutrale und sachliche Information im Vorfeld sehr wichtig. Diese gibt es beispielsweise bei der Stiftung Warentest. Zwecks Beratung sollten Interessenten sich an eine Institution wenden, die unabhängig von Verkaufsinteressen berät.


Kontakt:
Anne Dirksen
Leiterin Familie und Betrieb / Sozioökonomische Beratung
Telefon: 0441 801-329
Telefax: 0441 801-816
E-Mail:


Stand: 24.03.2015



PDF: 15396 - 54.1650390625 KB   Ansparplan   - 54 KB  
PDF: 15395 - 82.1357421875 KB   Entnahmeplan   - 82 KB  
PDF: 15397 - 92.0595703125 KB   Geldanlage   - 92 KB