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Altersversorgung - Was kann der Betrieb leisten?

Auch zukünftig wird der landwirtschaftliche Betrieb in vielen Fällen zur Altersversorgung beitragen. Eine vorsichtige Kalkulation schützt davor, die materiellen Leistungen vom Betrieb zu über- und den privaten Vorsorgebedarf zu unterschätzen.

 

Traditionell bildete der landwirtschaftliche Betrieb für die Eigentümer die finanzielle Absicherung

im Alter. Der Bewirtschafter hatte durch Pachtzahlungen bzw. durch Altenteilsleistungen den Lebensunterhalt der Altenteiler sicherzustellen. Mit dem fortschreitenden Strukturwandel und der Aufgabe vieler Betriebe kam dieses althergebrachte System ins Wanken.
Durch die Einführung der landwirtschaftlichen Alterskasse im Jahre 1957 wurden die Landwirte von staatlicher Seite gezwungen, außerhalb des Betriebes etwas für ihre Altersversorgung zu tun. Das landwirtschaftliche Altersgeld oder die Altersrente war jedoch zu keiner Zeit so konzipiert, dass die Aufwendungen für die Lebenshaltung im Alter davon bestritten werden können.
Im Folgenden wird deshalb darauf eingegangen, was zu beachten ist, wenn der landwirtschaftliche Betrieb als ein Segment der Altersvorsorge mit eingeplant wird. Dabei sind zunächst Haupterwerbs- und Nebenerwerbsbetriebe zu unterscheiden.

Verschiedene Ansätze
Bei einem Haupterwerbsbetrieb steht die Weiterentwicklung des Hofes im Vordergrund. Ziel ist es, ein ausreichendes Einkommen für die Betriebsleiterfamilie, Kapital für Nettoinvestitionen und für die erforderlichen Tilgungsverpflichtungen zu erwirtschaften. Erst darüber hinaus kann Geld für die private Vermögensbildung (Absicherung von Abfindungen/Altersvorsorge) angelegt werden. Anhand des Schemas der Tabelle 1 können die zur privaten Vermögensbildung zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel aus der Buchführung ermittelt werden.

Tab. 1
Beispiel für die Ermittlung des für die private Vermögensbildung zur Verfügung stehenden Kapitals

  Gewinn aus Land- und Forstwirtschaft 70.000 €
+ nicht landwirtschaftliche Einkünfte 10.000 €
= Gesamteinkommen 80.000 €
- Entnahmen für Lebenshaltung, Altenteilsleistungen, private Versicherungen,
private Steuern,  nicht landwirtschaftliche Einkünfte,  sonstige Entnahmen
45.000 €
- Rücklagen für Netto-Investitionen 10.000 €
- Tilgungsleistungen 15.000 €
= Kapital für private Vermögensbildung 10.000 €


Wer mit seiner finanziellen Absicherung im Alter nicht den Hofnachfolger belasten will, sollte durch eine Vorsorgeanalyse den notwendigen Geldbedarf für das Alter ermitteln und rechtzeitig beginnen zu sparen. 
In einem Nebenerwerbsbetrieb steht in der Regel der Bestand des Betriebes im Vordergrund. Das erwirtschaftete Vermögen wird anderweitig investiert. Einkommen, das den notwendigen Geldbedarf für die Lebenshaltung und die Substanzerhaltung übersteigt, sollte jedoch so angelegt werden, dass es neben der Altersrente aus der landwirtschaftlichen Alterskasse und der Rente aus der gesetzlichen Rentenversicherung dem späteren Bedarf entsprechend zur Verfügung steht.
In einem auslaufenden Betrieb sind besonders der Zeitpunkt und die Ursache der Betriebsaufgabe zu berücksichtigen. Wichtig ist auch, ob das frei werdende Kapital aus Vieh- und Maschinenverkäufen zur privaten Verwendung zur Verfügung steht oder ob noch bestehende Verbindlichkeiten abzulösen sind. Des Weiteren ist zu klären, ob die Netto-Einnahmen aus der Verpachtung von Flächen, Gebäuden usw. zusammen mit den zu erwarteten Renten und sonstigen Einnahmen ausreichen, um den Lebensunterhalt sicherzustellen. Die künftigen Einnahmen sollten dabei nicht überschätzt und die künftigen Ausgaben dürfen dabei nicht unterschätzt werden. Die Abgabe eines landwirtschaftlichen Betriebes hat betriebswirt-schaftliche, steuerliche und erbrechtliche Auswirkungen. Es empfiehlt sich daher dringend, sich rechtzeitig vor der Betriebsabgabe von versierten Fachleuten beraten zu lassen.

Grundlagen schaffen
Die Beantwortung zweier grundlegender Fragen ist zunächst wichtig:

  1.  Ist für meinen Betrieb ein Hofnachfolger vorhanden
  2.  Bietet mein Betrieb für einen Nachfolger auch weiterhin eine Existenzgrundlage bzw.
     ist mein  Betrieb entwicklungsfähig?

Wer die beiden Fragen ehrlich beantwortet hat, kann sich Gedanken darüber machen, was mit seinem Betrieb beim Erreichen der Altersgrenze geschehen soll. Hierbei spielen emotionale Aspekte (z.B. der Betrieb ist seit Jahren im Familienbesitz) eine mindestens genauso große Rolle wie finanzielle Gründe.

Wenn´s weiter geht….
Wenn der landwirtschaftliche Betrieb durch einen Hofnachfolger oder eine fremde Person im Ganzen fortgeführt wird, gibt es folgende Möglichkeiten:
Um beim Verkauf des geschlossenen Betriebes den maximalen Verkaufserlös zu erzielen, ist es erforderlich, durch geeignete Bekanntmachung ein möglichst großes Interessentenpotential auszuschöpfen. Der Verkaufserlös sowie weitere Erlöse bei der Betriebsaufgabe aus Vieh- und Maschinenverkäufen können nach Abzug des Fremdkapitals sowie eventuell fällig werdender steuerlicher bzw. erbrechtlicher Zahlungen (Nachabfindungsansprüche beachten!) für die Alterssicherung verwendet werden. Der verbleibende Betrag sollte unter Beachtung von Liquidität, Sicherheit und Rentabilität optimal angelegt werden.
Sofern der Betrieb nicht veräußert, sondern verpachtet oder im Zuge der vorweggenommenen Hofübergabe an den Hofnachfolger zum Eigentum übertragen werden soll, wird empfohlen, den Pachtpreis bzw. die Altenteilsleistungen vorab genau zu kalkulieren. So wird es dem Betriebsnachfolger ermöglicht, die Substanz des Betriebes zu erhalten und den Betrieb weiterzuentwickeln. Zu hohe Pacht bzw. Altenteilsleistungen behindern die Entwicklung des Betriebes und gefährden dessen Substanz.

Pacht richtig kalkulieren
Bei der Ermittlung von Pachtpreisen können sowohl Brutto- als auch Nettopachten kalkuliert werden. Eine besonders sorgfältige Kalkulation der Preise ist insbesondere notwendig, da der Betrieb die Lebensgrundlage der Bewirtschafterfamilie darstellt, deren Vermögen erhalten bleiben muss und deren Arbeit ordnungsgemäß entlohnt werden soll, um eine dauerhafte Motivation für die Bewirtschaftung des Betriebes sicher zu stellen.
Die zu zahlende Pacht hängt ganz entscheidend von den Einkommensmöglichkeiten bzw. den betrieblichen Kapazitäten ab. Für den Betrieb mit seinen begrenzt vorhandenen Kapaztäten (Flächen, Stallanlagen), ist zunächst der Gesamtdeckungsbeitrag des Hofes zu ermitteln. Hier von abzusetzen sind die festen Kosten und Löhne für Fremdarbeitskräfte.
Unter Berücksichtigung des Lohnansatzes für die nicht entlohnten Familienarbeitskräfte ergibt sich der Reinertrag. Der Reinertrag steht zur Verfügung für:

  • die Verzinsung des Verpächterkapitals (das Pachtentgelt),
  • die Verzinsung des Pächterkapitals,
  • das Entgelt der Unternehmertätigkeit,
  •  den Risikoausgleich.

In vielen Fällen wird der verbleibende Reinertrag zwischen Pächter und Verpächter geteilt, um die Nettopacht zu ermitteln. Beispielhaft wird in der Tabelle 2 die Berechnung einer angemessenen Nettopacht für einen ganzen Betrieb dargestellt. Bei den Berechnungen wird von durchschnittlichen Standarddeckungsbeiträgen und durchschnittlichen Festkosten ausgegangen. So wird einerseits der Verpächter nicht durch eine unterdurchschnittliche Wirtschaftsweise des Pächters mit einer niedrigen Pacht belastet und andererseits dem Pächter nicht aufgrund einer durch sein Können bewirkten überdurchschnittlichen Wirtschaftsweise eine zu hohe Pacht aufgebürdet.

Tab. 2
Schema zur Ermittlung angemessener Pachtpreise für ganze Höfe
(ohne Inventar) als Lebensgrundlage einer Pächterfamilie (Nettopacht)
Beispiel: 90 ha Grünlandbetreib mit 900.000 kg Milchreferenzmenge

  Gesamtdeckungsbeitrag des Betriebes ohne Zinsansstz nachStandards 150.000 €
+ Betriebsprämie 29.000 €
- Festkosten (Standards) ohne Zinsen und Pachten 88.000 €
= Betriebseinkommen 91.000 €
- Fremdlöhne 0 €
- Lohnanspruch für nichtentlohnte Familienarbeitskräfte 41.000 €
= Reinertrag 50.000 €
  davon 50% = Nettopacht 25.000 €


Ist bei Pachtbeginn bereits zu erkennen, dass außergewöhnlich schlechte Land- und Ge-bäudeverhältnisse vorhanden sind, muss man unter Umständen Abschläge vornehmen. Wenn ganze Höfe zu bereits bestehenden Produktionseinheiten hinzugepachtet werden, sind die möglichen Pachtpreise anders zu kalkulieren.

 Wenn der Betrieb ausläuft…
Sofern der Betrieb nach Ausscheiden aus dem Erwerbsleben nicht fortgeführt wird, muss die Entscheidung, ob die Produktionsverfahren verpachtet oder verkauft werden sollen, sehr sorgfältig abgewogen werden. Das Umlaufvermögen wie Vieh und Maschinen wird in der Regel veräußert. Auch eine vorhandene Referenzmenge muss zurzeit (abgesehen von einigen Ausnahmen) über die Milchquotenbörse verkauft werden. Sofern nach der Ablösung der Verbindlichkeiten sowie Steuer- und Erbzahlungen (Nachabfindung) noch überschüssiges Kapital vorhanden ist, kann dieses zur Alterssicherung verwendet werden.
Ob Gebäude oder Flächen verkauft oder verpachtet werden, wird sehr häufig nicht nach ökonomischen sondern nach emotionalen Gesichtspunkten entschieden. Häufiger werden Produktionsfaktoren wie etwa Flächen stückweise verpachtet und die Familie wohnt weiterhin auf der Hofstelle. In Zeiten steigender Pacht- und Bodenpreise sowie sinkender Zinsen, sollte der Verkauf von Flächen genau überlegt werden. Die Verlagerung des Kapitals von Sach- in Geldwerte verändert auch die Chancen-/ Risikensituation deutlich.
Der Zeit- und Kostenaufwand für die Unterhaltung von großen Gebäuden und Hofflächen wird des Öfteren unterschätzt. So kann es aufgrund einer falschen Entscheidung dazu kommen, dass den Altenteilern später die Gebäudeunterhaltungskosten teuer zu stehen kommen.


Für Landwirtsfamilien, deren Betrieb bei Erreichen der Altersgrenze ausläuft, muss es daher vorrangiges Ziel sein, die im Alter zu erwartenden Einnahmen mit den zu erwartenden Ausgaben in Einklang zu bringen. Hierfür sollten frühzeitig die Einnahmen (Pacht, Renten, Zinseinkünfte) realistisch eingeschätzt und den erwarteten Ausgaben gegenübergestellt werden. Je später die zukünftigen Altenteiler diese Überlegungen anstellen, desto schwieriger ist die finanzielle Lücke zu schließen.
Ebenfalls sollte die Entscheidung über die Zukunft der Hofstelle nicht nur „aus dem Bauch heraus“ gefällt werden. Den positiven Aspekten wie etwa ein gutes soziales Umfeld, schöne Wohnlage und gewohnte Umgebung sollten auch einmal die negativen Aspekte wie hohe Gebäudeunterhaltungskosten und hoher Pflegeaufwand gegenübergestellt werden. Auch die Bereitwilligkeit vorgesehener Erben, ihren Wohnsitz an der Betriebsstelle zu nehmen und ihren Anteil an Pflege- und Unterhaltungsaufwand zu tragen spielt sicherlich bei der Entscheidung über den Verkauf der Hofstelle oder des Betriebes eine Rolle.


 


Kontakt:
Jan Hillerns
Berater Unternehmensberatung
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Hajo Rothe
Leiter Fachgruppe Betrieb / Tier
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Stand: 08.08.2012