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Als Azubi schon an die Zukunft denken

Mit Beginn der Ausbildung wohnen viele Auszubildende zwar noch bei ihren Eltern, stehen aber in vielen Bereichen schon auf eigenen Beinen. Wo sie für sich selbst verantwortlich sind, sollten sie ihre persönlichen Risiken absichern und passende Versicherungen abschließen. Welche zwingend notwendig sind, was zu empfehlen und was verzichtbar ist, erklärt Wiebke Wohler von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen.

 

Mit dem Antritt einer Lehrstelle werden die meisten Jugendlichen zum ersten Mal

krankenversicherungspflichtig. Bis dahin waren sie meist bei ihren Eltern ohne eigenen Beitrag mitversichert. Daher steht die Wahl einer Krankenkasse an. Bis 14 Tage nach Ausbildungsbeginn ist dem Lehrherrn die gewünschte Krankenkasse mitzuteilen, weil dieser den Azubi umgehend bei einer Krankenkasse anmeldet. Ansonsten könnte der Lehrherr eine Krankenkasse aussuchen.

Auf Leistung achten
Als Lehrling in der landwirtschaftlichen Krankenversicherung versichert zu bleiben, ist nicht möglich, da es sich um eine berufsständische Versicherung handelt, die nur einen definierten Personenkreis versichern darf. Dazu zählen unter anderem die
Kinder landwirtschaftlicher Unternehmer, allerdings nur solange bis sie eine Ausbildung beginnen, oder einer anderen krankenversicherungspflichtigen Tätigkeit außerhalb des elterlichen Betriebes nachgehen. Daher muss sich der Lehrling eine andere Krankenkasse aussuchen.
Im Zuge der Gesundheitsreform ist der Betragssatz der gesetzlichen Krankenversicherungen  zum 1. Januar 2011 bundesweit auf 15,5 % des Bruttolohns festgesetzt worden. Davon trägt der Arbeitnehmer 8,2 % und der Arbeitgeber 7,3 %. Außerdem dürfen die Krankenkassen seit Jahresbeginn 2011 Zusatzbeiträge in unbegrenzter Höhe erheben. Von dieser Möglichkeit machen aktuell aber nicht einmal eine Handvoll Krankenkassen Gebrauch, außerdem ist bei ihnen schon die Abschaffung des Zusatzbeitrages geplant. Der Beitrag ist daher kein Entscheidungskriterium für die Wahl der Krankenkasse. Es ist trotzdem empfehlenswert, sich Gedanken zur Wahl der Krankenkasse zu machen, weil gewisse Unterschiede in den Leistungen bestehen. Einige übernehmen die Kosten für Reiseimpfungen, Osteopathie oder Homöopathie, andere nicht. Der Versicherungsnehmer kann entscheiden, welche Zusatzleistungen ihm wichtig sind.
Der Beitrag für die Krankenversicherung wird direkt vom Arbeitgeber abgeführt. Außerdem überweist der Lehrherr die Beiträge für die gesetzliche Pflegeversicherung und für Renten- und Arbeitslosenversicherung. Diese Beiträge tragen Arbeitnehmer und Arbeitgeber jeweils zur Hälfte. Die genannten Versicherungen sind allesamt gesetzlich vorgeschrieben.

Haftpflichtversicherung
Die private Haftpflichtversicherung ist nicht Pflicht, aber man kann fast von einer Pflichtversicherung sprechen. Sie ist nicht sehr teuer, aber im Schadensfall sehr viel wert. Jeder kann durch unglückliche Umstände oder Unachtsamkeit in die Situation geraten, dass ein Dritter Schadenersatzansprüche geltend macht, was unter Umständen eine lebenslange Verschuldung bedeutet, wenn keine Haftpflichtversicherung besteht.
Der Auszubildende ist meist noch über die Eltern abgesichert, sofern diese eine private Haftpflichtversicherung besitzen. Bei landwirtschaftlichen Betrieben ist die private Haftpflichtversicherung in der Betriebshaftpflicht enthalten. Absolviert der Auszubildende aber bereits seine zweite Ausbildung oder ist er verheiratet, dann wird eine eigene Haftpflichtversicherung notwendig.

Arbeitskraft absichern
Neben der Haftpflichtversicherung ist die Berufsunfähigkeitsversicherung fast unerlässlich. Es gibt eine ganze Reihe von Gründen als junger Mensch eine Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen:
Der Anspruch auf gesetzliche Erwerbsminderungsrente besteht erst, wenn man mindestens fünf Jahre in die gesetzliche Rentenkasse eingezahlt hat. Nur bei einem Arbeitsunfall besteht der Anspruch schon bei Beginn der Erwerbstätigkeit. Wer also gleich am Anfang des Berufslebens erwerbsunfähig wird, steht in den meisten Fällen komplett ohne finanzielle Absicherung da.
Aber auch nach längerer Zeit im Berufsleben reicht es nicht aus, sich auf den Schutz der gesetzlichen Erwerbsminderungsrente zu verlassen. Sie ist mit durchschnittlich 640 €/Monat bei voller Erwerbsunfähigkeit gering und kann erst beansprucht werden, wenn man keinen anderen Beruf mehr ausüben kann. Selbst nachgewiesene Erwerbsunfähigkeit ist kein Garant dafür, dass ein Antrag auf Erwerbsminderungsrente bewilligt wird. In unzähligen Verfahren haben die Gerichte am Ende die Rente versagt. Die gesetzliche Absicherung reicht also nicht aus!
Eine Berufunfähigkeitsversicherung tritt im Vergleich zur gesetzlichen Erwerbsunfähigkeitsrente bereits dann ein, wenn Betroffene in ihrem derzeitigen Beruf nicht mehr arbeiten können. Das ist unabhängig davon, ob man trotz der Erkrankung noch einen beliebigen anderen Beruf ausüben „könnte“ (abstrakte Verweisung). Um sicher zu gehen, sollte in der Police keine „abstrakte Verweisung“ enthalten sein. Gute Berufsunfähigkeitsversicherungen verzichten darauf.

Ohne Minderungsklausel
Bei Abschluss der Versicherung gilt es außerdem, darauf zu achten, dass sie schon während der Ausbildungszeit eintritt. Einige Anbieter versichern in der Ausbildungszeit nur die Erwerbsunfähigkeit. Diese Variante nennt sich Berufsunfähigkeitsversicherung mit Erwerbsminderungsklausel. Erst nach Ende der Ausbildung wird aus dem Erwerbsminderungsschutz ein Berufsunfähigkeitsschutz.
Die Höhe des Versicherungsbeitrags bemisst sich nach Alter und Gesundheitszustand. Letzterer wird mit einem umfangreichen Fragebogen geprüft. In diesem Punkt sind junge Menschen deutlich im Vorteil, da sie meist entweder keine oder nur wenige Vorerkrankungen haben. Das reduziert einerseits den Beitrag, andererseits das Risiko, dass der Versicherer die Aufnahme verweigert oder Körperteile oder Organe wegen einer  Vorerkrankungen aus der Versicherung ausschließt. Grundsätzlich sollte man möglichst keinen Vertrag abschließen, bei dem ein Ausschluss festgeschrieben ist, sondern stattdessen einen höheren Versicherungsbeitrag in Kauf nehmen. Bei Ausschlüssen kann sich der Anbieter im Versicherungsfall auf Folgeerscheinungen der Vorerkrankung berufen und eine Zahlung unter Umständen verweigern.
Ein weiteres Kriterium für die Beitragshöhe ist die Risikogruppe, in die der ausgeübte Beruf eingeordnet wird. Für die Beitragsfestsetzung ist der Beruf ausschlaggebend, der zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses ausgeübt wird. Wird der Beruf in der Vertragslaufzeit gewechselt und zählt er danach zu einer höheren Risikogruppe, hat das keinen Einfluss auf den Tarif.
Der Beitrag bemisst sich zudem nach der im Versicherungsfall fälligen Rentenhöhe. Die Höhe der Rente bestimmt der Versicherte selbst. Sie sollte sich am eigenen Nettogehalt orientieren. Auszubildende schließen dementsprechend erst einen Vertrag mit einer geringen Berufsunfähigkeitsrente ab, sollten aber darauf achten, dass ihre Police eine Nachversicherungsgarantie enthält. Damit kann die Rentensumme später ohne erneute Gesundheitsprüfung angehoben werden.
Die günstigen Tarife, die guten Versicherungsbedingungen für junge Menschen und das erhöhte Risiko innerhalb der ersten fünf Jahre des Berufslebens erwerbsunfähig zu werden und komplett ohne Schutz dazustehen, sind drei schwerwiegende Gründe, sich frühzeitig um eine Absicherung zu kümmern.

Hausratversicherung
Bei Haftpflicht- und Berufsunfähigkeitsversicherung spricht man von der Absicherung existenzieller Risiken. Etwas weiter unten auf der Prioritätenliste steht die Vorsorge fürs  Alter, die relativ teuer und für Auszubildende noch nicht zu realisieren ist. Junge Leute sollten sie daher erst nach der Ausbildung angehen. Doch vor dem finanziellen Schaden durch den Verlust des aktuellen Besitzes, also des Hausrats, sollten sich Auszubildende schon während der Lehrzeit schützen.
Als Azubi wohnt man oft noch Zuhause oder hat ein Zimmer auf dem Lehrbetrieb. Wer eine eigene Wohnung oder ein WG-Zimmer bezieht, sollte vorher klären, ob die Hausratversicherung der Eltern dies für die Zeit der Ausbildung mit einschließen kann, oder ob eine eigene Versicherung ratsam ist. Diese Entscheidung ist besonders vom Wert des Hausrats abhängig. Oft wird der Gesamtwert der Wohnungseinrichtung unterschätzt und damit die Versicherungssumme zu gering angesetzt. Eine Reihe von Versicherern kürzt im Schadensfall die Entschädigungssumme, wenn der Hausrat unterversichert war. Um sicher zu gehen, sollte der Wert des Hausrates daher möglichst genau ermittelt und zusätzlich Unterversicherungsverzicht vereinbart werden.

Das erste eigene Gehalt ist etwas Besonderes. Doch ein Teil davon und der eine oder andere Feierabend sollte in die soziale Absicherung investiert werden. Dann lässt sich das erste selbst verdiente Geld auch etwas beruhigter ausgeben.
 


Kontakt:
Wiebke Wohler
Landwirtschaftsinspektor-Anwärterin
Telefon: 0441 34010-152
Telefax: 0441 34010-170
E-Mail:


Stand: 27.08.2012