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Rente: Mütter können nachzahlen!

Viele Frauen sind zwar im Rentenalter, bekommen aber keine Rente ausgezahlt. Außer den Kindererziehungsjahren können sie keine weiteren anrechenbaren Zeiten aufweisen und kommen deshalb nicht auf die erforderlichen 60 Monate Mindestversicherungszeit. Diese Frauen haben jetzt durch eine Änderung des Sozialgesetzbuches die Möglichkeit, die Fehlzeiten aufzufüllen. Mit relativ wenig finanziellem Aufwand lässt sich so die eigene Altersversorgung verbessern.

Worum geht es?
Wer vor dem 1. Januar 1955 geboren ist und die Regelaltersgrenze, also das Alter, in dem es normalerweise die Rente gibt, erreicht hat, kann einen Antrag auf Nachzahlung von Beiträgen stellen. Voraussetzung ist, dass dieser Person mindestens ein Monat Kindererziehungszeit anzurechnen ist und sie die erforderlichen fünf Jahre (60 Monate) Mindestversicherungszeit nicht erreicht hat. Davon ist ein Großteil der Mütter im Rentenalter betroffen, nicht nur in landwirtschaftlichen Familien.
Ein Grund ist, dass für Kinder, die vor 1992 geboren wurden, nur zwei Jahre Kindererziehungszeit angerechnet werden, für Geburten ab 1992 jedoch drei Jahre. Wer also außer ein bis vier Jahren Kindererziehungszeiten keine weiteren Einträge auf dem Rentenkonto vorweisen kann, bekommt daraus keine monatliche Auszahlung.
Diese Frauen können sich an die Deutsche Rentenversicherung wenden, um für so viele Monate Beiträge nachzahlen, wie für die erforderliche Wartezeit erforderlich sind. Lediglich für die bereits mit Beiträgen belegten Zeiten kann keine Nachzahlung erfolgen. Betroffene sollten sich entweder direkt an die Geschäftsstellen der Rentenversicherung oder an die Versichertenältesten der jeweiligen Gemeinde wenden. Sie sind bei der Antragstellung behilflich. Ansprechpartner finden sie in jedem Rathaus. Der entsprechende Antrag kann frühestens ein halbes Jahr vor Erreichen der Regelaltersgrenze gestellt werden.
Diese Möglichkeit besteht selbstverständlich auch für Väter, denen die Kindererziehungszeiten angerechnet wurden, die aber sonst über keine Versicherungszeiten verfügen. Das könnten beispielsweise Landwirte sein, die bereits ihre Rente aus der Alterskasse beziehen. Manche von ihnen haben zwar die Kindererziehungszeiten übertragen bekommen, erfüllen aber trotzdem die erforderliche Wartezeit von 60 Monaten nicht.
 

Lohnende Investition
Wie lukrativ die Nachentrichtung für viele Elternteile sein kann, verdeutlicht folgendes Beispiel:
Helga Muster ist 67 Jahre alt. Nach ihrer schulischen Ausbildung hat sie einen Landwirten geheiratet und zwei Kinder erzogen. Da sie betriebliche Aufgaben übernommen hat, hat sie keine weiteren Beiträge an die deutsche Rentenversicherung entrichtet, sondern zahlt seit 1995 selbst in die Landwirtschaftliche Alterskasse ein, aus der sie bereits eine Rente erhält.
Die Kindererziehungszeiten „bringen“ eigentlich nach heutigen Stand 28,61 € Monatsrente (WEst) pro Kind, für Helga Muster also 85,83 €, die sie aber nicht bekommt, da sie keine 60  sondern nur 48 Monate auf ihrem Rentenkonto mit Beiträgen belegt hat. Wenn sie jetzt auf Antrag für ein zurück liegendes Jahr Beiträge nachzahlt, sichert sie nicht nur die 85,83 €, sondern je nach Nachzahlungssumme eine höhere monatliche Leistung aus der gesetzlichen Rentenversicherung. Außerdem wandelt sie darüber hinaus ihre schulische Ausbildung ab dem 17. Geburtstag, ihre Mutterschutzzeiten sowie die Kinderberücksichtigungszeiten in Rente um. Bei Letzterem handelt es sich um die Zeit von der Geburt des ersten bis zum zehnten Geburtstag des jüngsten Kindes. Sie steigern unter bestimmten Voraussetzungen ebenfalls die Rente. Insgesamt ist es also durchaus denkbar, den genannten Betrag zu verdoppeln.
Auch Elternteile, die noch ein wenig Zeit bis zum Rentenbeginn haben, sollten prüfen, ob es für sie nicht Gestaltungsmöglichkeiten gibt, mit wenig finanziellem Aufwand den Rentenanspruch zu erhöhen. Dazu bieten sich Arbeitsverträge mit dem Hofnachfolger, aufgestockte Minijobs, Pflegezeiten oder eventuell auch freiwillige Beiträge an. Auf jeden Fall sollte jeder seinen Versicherungsverlauf, den die deutsche Rentenversicherung regelmäßig verschickt, erst dann abheften, wenn er geprüft und gegebenenfalls nachgebessert wurde.


Fazit
Die Nachentrichtungsmöglichkeit ist eine interessante Gelegenheit, noch als Rentnerin oder Rentner die eigenen Einkünfte im Alter zu erhöhen. Sie verhilft somit zu einem Stück finanzieller Unabhängigkeit vom Betrieb und entlastet gleichzeitig die wirtschaftende Generation. In Einzelfällen kann es nach Rücksprache mit dem Steuerberater daher auch sinnvoll sein, dass der Hofnachfolger die Nachentrichtung finanziert, um dann den eigenen monatlichen Zahlbetrag zu reduzieren. In diesem Fall muss aber der Hofübergabevertrag angepasst werden.
Unabhängig davon ist die zusätzliche lebenslängliche Geldquelle ein guter Ausgleich für steigende Lebenshaltungskosten, Mehrbedarfe durch gesundheitliche Beeinträchtigungen oder durch die größer werdende Schar der Enkelkinder.


Kontakt:
Anne Dirksen
Leiterin Familie und Betrieb / Sozioökonomische Beratung
Telefon: 0441 801-329
Telefax: 0441 801-816
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Stand: 24.03.2015