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Risikovorsorge - Verträge sichten und überprüfen

Versicherungen in der landwirtschaftlichen Familie und im Betrieb sollten regelmäßig darauf  überprüft werden, ob sie noch aktuell  und auf die derzeitige individuelle Situation zugeschnitten sind. Nur so vermeidet man  schlechte oder unnütze Absicherung oder auch  zu hohe Prämien. Worauf man beim Abschluss von Personen versicherungen achten sollte, wird im Folgenden erläutert.

 

So unterschiedlich wie die Lebensumstände bei den einzelnen Familien sind, so verschieden müssen

auch die einzelnen Risiken bei den Familienmitgliedern gewertet und abgesichert werden. Vor dem Abschluss eines Versicherungsvertrages sollte deshalb immer eine gründliche Vorsorgeanalyse durchgeführt werden, um zu prüfen, welche Versicherungen in welchem Umfang für die einzelnen Familienmitglieder erforderlich sind. Da Lebensumstände häufig Änderungen unterworfen sind, sollte auch die regelmäßige Überprüfung der vorhandenen Absicherung nicht vergessen werden. 

Grundabsicherung vorhanden
Eine Grundabsicherung bietet die gesetzliche Sozialversicherung zu der innerhalb der Landwirtschaft folgende Bereiche gehören:
- Landwirtschaftliche Alterskasse
- Landwirtschaftliche Krankenkasse
- Landwirtschaftliche Pflegekasse
- Landwirtschaftliche Berufsgenossenschaft.
Die genannten Versicherungen stellen ein soziales Netz dar, dass jeder darin versicherten Person eine Mindestabsicherung bietet. Da ein vollkommen dichtes gesetzliches Sozialnetz jedoch nicht bezahlbar ist, sind nicht alle Risiken umfassend abgedeckt. Es liegt in der Verantwortung des Einzelnen für seine Familie und sich die bestehenden Versicherungslücken zu erfassen und mit privaten Personenversicherungen preiswert zu schließen.

Hierbei eröffnen sich verschiedene Fragen: 
1. Welchen Risiken sind die Mitglieder meiner Familie ausgesetzt?
2. Welcher finanzielle Bedarf entsteht, wenn diese Risiken eintreten?
3. Wie viel eigene finanzielle Mittel sind vorhanden um wirtschaftliche Einbußen durch Risikofälle ausgleichen zu können?
4. In welcher Höhe könne wir bei Eintritt des Risikofalles mit finanziellerUnterstützung durch die
Sozialversicherung rechnen?
5. Wie sollten wir mit festgestellten Risikolücken sinnvoll umgehen?

Risikolücken aufdecken – Konsequenzen ziehen
Alle Menschen sind von Geburt an bestimmten Risiken ausgesetzt, die sich unter die Begriffe Arbeitsunfähigkeit, gesundheitlicher Dauerschaden, Pflegebedürftigkeit und Tod zusammenfassen lassen. Die Ursachen für diese Risiken können in einem Arbeitsunfall, einem privaten Unfall oder einer Krankheit bestehen.
Der finanzielle Bedarf ist von der Höhe und von der Zeitdauer her je nach Art des Risikofalles, der wirtschaftlichen Bedeutung der geschädigten Person innerhalb der Familie und der erbrechtlichen sowie der bisherigen wirtschaftlichen Lage unterschiedlich hoch. Bei durchgeführten Versicherungsanalysen lässt sich regelmäßig feststellen, dass durch Arbeitsunfall oder privaten Unfall ausgelöste Schäden in der Regel besser abgesichert sind, als Schäden, die durch eine Krankheit hervorgerufen werden können.
Wenn man bei der Ermittlung der Risikolücke für die einzelnen Familienmitglieder davon ausgeht, dass der Risikofall durch eine Krankheit entsteht und diese Lücke mit entsprechenden privaten Versicherungen schließt, so hat man auch die Ursachen Arbeitsunfall und Freizeitunfall ausreichend abgesichert. 

Welche Eigenmittel sind aufzubringen?
Bei der Kalkulation der finanziellen Situation nach einem Schadenfall muss zwischen einmaligen Einnahmen und Ausgaben einerseits und laufenden Einnahmen und Ausgaben andererseits unterschieden werden. Einmalige Einnahmen können z.B. entstehen durch den Verkauf von Flächen, Gebäuden, Lieferrechten und Inventar, von denen dann einmalige Ausgaben, wie z.B. die Ablösung der bestehenden Verbindlichkeiten, Erbabfindungen, Steuern und Privathauskauf abgezogen werden müssen. Entsteht bei der Verrechnung ein Fehlbetrag, so ist diese Lücke durch private Versicherungen zu schließen. Ergibt sich ein Überschuss, kann dieser Überschuss unter Umständen mit zur Bestreitung der laufenden Ausgaben verwendet werden. Ob der Hof, vor allem im Todesfall eines Betriebsleiters, als Vorsorgequelle genutzt werden kann, entscheidet darüber hinaus auch die erbrechtliche Situation in der Familie des Verstorbenen. Sollte beispielsweise der Mann als Pächter des Hofes versterben und die Schwiegereltern noch Eigentümer des Betriebes sein, kann die hinterbliebene Ehegattin den Betrieb kaum als Vorsorgequelle für sich und die Kinder nutzen. Gleiches gilt, wenn im Hofübergabevertrag eine Rückübertragungsklausel für den Fall getroffen wurde, dass der Hofübernehmer vor dem Hofübergeber verstirbt.
Für die Ermittlung der Risikolücken bei den laufenden Einnahmen und Ausgaben sollten Berechnungsbögen verwendet werden, anhand derer man den Geldbedarf ermitteln kann. Mit solchen Bögen arbeiten z. B. die sozio-ökonomischen Berater/innen der Landwirtschaftskammer. Es wird empfohlen bei der Kalkulation mit realistischen und nachhaltigen Werten zu rechnen.
Neben einem evtl. Überschuss aus der Verwertung des Betriebsvermögens (soweit die Verwertung gewollt und möglich ist) können im Einzelfall auch vorhandene Vermögensanlagen als Vorsorgequelle genutzt werden. Hierzu zählen unter anderem Sparbücher, Bausparverträge, Pfandbriefe, Anleihen, Festgeld, Investmentfonds und Immobilien. Für die Bestreitung laufender Ausgaben nach einem Schadenfall können eventuell Kapitalerträge bzw. Nettopacht- oder Nettomieteinnahmen herangezogen werden. In einzelnen Fällen können die laufenden Ausgaben befristet auch durch Kapitalverzehr der o. g. Anlagen bestritten werden. Auch vorhandene Versicherungen (z. B. Lebens- oder Berufsunfähigkeitsversicherungen) werden in die Kalkulation mit aufgenommen, sofern diese Versicherungen von Art, Umfang und Laufzeit her für die persönliche Absicherung geeignet sind. Dabei sollte auch auf die Versicherungsbedingungen und die Preiswürdigkeit der vorhandenen Versicherungen geachtet werden.

Gesetzliche Absicherung nicht überschätzen
Umfragen in landwirtschaftlichen Familien haben ergeben, dass die Art und Höhe der finanziellen Absicherung durch die landwirtschaftlichen Sozialversicherungsträger sehr häufig überschätzt wird. So leistet z. B. die Landwirtschaftliche Berufsgenossenschaft nur dann, wenn Schäden durch Arbeitsunfälle oder Berufskrankheiten entstanden sind. Sofern keine Höherversicherung bei der Berufsgenossenschaft besteht, ist auch die Höhe der Zahlungen bei Schäden durch Arbeitsunfälle in der Regel nicht ausreichend, um den Lebensunterhalt einer Familie sicherstellen zu können. Auch die Erwerbsminderungsrenten bzw. Hinterbliebenenrenten der Landwirtschaftlichen Alterskasse reichen nicht aus, um davon zu leben. Bei der Ermittlung der Risikolücke sollte deshalb eine finanzielle Leistung der Berufsgenossenschaft überhaupt nicht berücksichtigt bzw. sollten die möglichen Ansprüche an die Landwirtschaftliche Alterkasse genau erfragt werden.
Auf Leistungen der gesetzlichen Rentenversicherung infolge Erwerbsminderung bzw. auf Hinterbliebenenrenten haben Mitglieder der landwirtschaftlichen Familien keinen Anspruch, es sei denn, dass durch günstige Umstände entsprechende Pflichtbeiträge in den letzten Jahren vor Eintritt des Versicherungsfalles geleistet wurden.
 

Maßgeschneiderte Versicherungsverträge
Vorsorgelücken, die sich bei der Risikoanalyse ergeben haben, müssen mit maßgeschneiderten Versicherungsverträgen geschlossen werden. Dabei sollte auf ausreichende Versicherungssummen, angepasste Vertragslaufzeiten, gute Versicherungsbedingungen und preiswerte Beiträge geachtet werden. Sofern die aus einer Vorsorgeanalyse gewonnenen Erkenntnisse konsequent umgesetzt werden, entstehen weder zu hohe Versicherungsbeiträge noch Risikolücken.
Neben der regelmäßigen Überprüfung der vorhandenen Absicherung sollte eine umfassende Vorsorgeanalyse immer dann durchgeführt werden, wenn

  • sich die Lebensplanung bzw. -situation bei einem Familienmitglied grundlegend ändert.
  • Betriebliche Investitionen oder Umstellungen vorgenommen werden.
  • Die letzte Analyse schon länger her ist.

Um eine aussagekräftige und unabhängige Vorsorgeanalyse erstellt zu bekommen, bedarf es eines umfassenden Hintergrundwissens und auch einer gewissen Übung. Deshalb wird empfohlen, hierzu die Hilfe eines neutralen und sachkundigen Beraters in Anspruch zu nehmen.
Übrigens: Genauso wie die sich ändernden Lebensumstände eine situationsgerechte Anpassung der Personenversicherungen erforderlich machen, bedarf es auch einer regelmäßigen Kontrolle und Anpassung der Betriebs- bzw. Sachversicherungen, vor allem in Wachstumsbetrieben.

 

 


Kontakt:
Hajo Rothe
Leiter Fachgruppe Betrieb / Tier
Telefon: 0441 34010-130
Telefax: 0441 34010-170
E-Mail:


Stand: 29.11.2012