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Frührentner - weniger Rente wegen Fotovoltaik

Rentenbezieher unter 65 Jahren müssen mit Renteneinbußen rechnen, wenn sie "Einkünfte aus einem Gewerbebetrieb" von mehr als 450 Euro pro Monat erzielen. Dazu zählen auch z.B.  Gewinne aus Fotovoltaik- und Biogasanlagen. Diese Regelung gilt sowohl für Erwerbsminderungsrenten aus der Alterskasse wie aus der gesetzlichen Rentenversicherung und für vorzeitige Altersrenten der Rentenversicherung.

Hinzuverdienstgrenzen bei Erwerbsminderungsrente
Landwirt M., gesundheitlich sehr angeschlagen mit 60 Jahren, verpachtet seine landwirtschaftlichen Flächen und Gebäude an seinen Sohn und beantragt Erwerbsminderungsrente bei Landwirtschaftlichen Alterskasse. Die Anspruchsvoraussetzungen für die volle Erwerbsminderungsrente sind erfüllt, die Alterskasse rechnet ihm eine monatliche Rente von ca. 390 Euro aus. Nun kommt der Wermutstropfen: Landwirt M. hat auf seinen Scheunendächern, als Altersvorsorge gedacht, Fotovoltaikanlagen installiert, die ihm lt. Steuerbescheid monatlich einen Gewinn von  700 Euro einbringen. Und diese "Einkünfte aus Gewerbe" schmälern seine Rente um ¼ auf ca. 290 Euro. Ohne Einbußen könnte Herr M.  bis zu 450 Euro monatlich hinzuverdienen.
Überschreitet er diese Grenze von 450,00 Euro, erhält er die Rente je nach Einkommen nur noch anteilig oder überhaupt nicht mehr. Liegt sein Hinzuverdienst zwischen 450 - 1.410,15 Euro, erhält er nur 3/4 seiner Rente,  bis zu 1.907,85 Euro Hinzuverdienst die ½ der Rente, bis 2.322,60 Euro ein 1/4 der Rente. Liegt der Hinzuverdienst höher als 2.322,60 Euro, entfällt die Rentenzahlung ganz. Die Rentenkürzungen fallen erst weg, sobald die Regelaltersgrenze erreicht ist. Dann kann unbegrenzt hinzuverdient werden.
Übrigens werden bei der Alterskasse Arbeitseinkommen aus Landwirt- und Forstwirtschaft,  in diesem Beispiel die Pachteinnahmen aus dem Betrieb, nicht beim Hinzuverdienst berücksichtigt. Das gilt  allerdings nicht vorzeitigen Renten aus der gesetzlichen Rentenversicherung wie im weiteren Beispiel  beschrieben.

Vorzeitige Altersrente und  Einkünfte aus Landwirtschaft und Gewerbe
Landwirt H. ist seit 37 Jahren im VW-Werk beschäftigt und möchte nun mit 63 Jahren die  vorzeitige Altersrente bei der gesetzlichen Rentenversicherung beantragen. Im Nebenerwerb erzielt er weiter Einkünfte aus seinem landwirtschaftlichen Betrieb und gewerbliche Einkünfte aus Beteiligung an einer Biogasanlage.
Um die volle vorzeitige Altersrente aus der gesetzlichen Rentenversicherung zu erhalten, darf er die Hinzuverdienstgrenze von 450 Euro nicht überschreiten. Je höher seine Einkünfte liegen, desto geringer die Rente. Als Hinzuverdienst würden ihm in diesem Beispiel die Einkünfte aus Landwirtschaft wie auch aus dem Gewerbebetrieb angerechnet. Die Hinzuverdienstgrenzen werden individuell errechnet und daher empfiehlt es sich, vor Rentenantragstellung mit dem Rentenversicherungsträger Kontakt aufzunehmen, um keine „bösen Überraschungen“ zu erleben.

Unser Tipp: Um eventuelle  Rentenkürzungen zu vermeiden, nehmen Sie auf jeden Fall vor Beantragung von Erwerbs- und vorzeitigen Altersrenten Kontakt mit dem zuständigen Versicherungsträger auf, um Fragen des  „Hinzuverdienstes“ zu klären und  gegebenenfalls nach Alternativen zu suchen, um Rentenkürzungen zu vermeiden durch z.B. frühere Hofübergabe, Übertragung von Eigentum an Kinder  oder  Ehegatte, etc. oder auch mit der Rentenbeantragung zu warten bis zur regulären Regelaltersgrenze.


Kontakt:
Katharina von Hahn
Beraterin Sozioökonomie für die Bezirksstellen Braunschweig und Hannover
Telefon: 0511 3665-4466
Telefax: 0511 3665-994466
E-Mail:


Stand: 12.09.2014