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Die Ehefrau fällt aus - wer macht die Arbeit?

Sie managen den Haushalt, versorgen die Familie und übernehmen Arbeiten im Betrieb – alles selbstverständlich und professionell. Die Frauen auf den landwirtschaftlichen Betrieben leisten jeden Tag aufs Neue ihren Beitrag zum Familieneinkommen. Deshalb ist es gut zu wissen, wer die Arbeit erledigt, wenn die Ehefrau des Betriebsleiters ausfällt, sei es durch Unfall, Krankheit, Schwangerschaft oder Kur.

Leistungen der SVLFG

SVLFG ist nicht etwa das Kürzel eines Sportvereins, sondern die Abkürzung für Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau, die seit einem Jahr als Bundesträger die Alterskasse, Kranken- und Pflegekasse sowie die Berufsgenossenschaft unter einem Dach in Kassel vereint.

Fällt die Ehefrau eines Landwirts oder Gärtners durch einen anerkannten Berufsunfall oder eine Krankheit aus, übernimmt die Berufsgenossenschaft die Heilbehandlungskosten, zahlt bei Bedarf die Betriebs- und Haushaltshilfe und bei dauerhafter Invalidität eine Verletztenrente sowie gegebenenfalls auch Hinterbliebenenrenten. Diese Versicherungsleistungen sind im Beitrag des Betriebes enthalten. Es muss also weder ein extra Beitrag dafür gezahlt werden, noch muss die Ehefrau namentlich versichert sein. Selbst wenn sie ansonsten keinem Zweig der landwirtschaftlichen Sozialversicherung angehört, weil sie außerlandwirtschaftlich erwerbstätig ist, leistet die Berufsgenossenschaft für sie.

Sind Schwangerschaft oder Krankheit der Grund für die Arbeitsunfähigkeit, so besteht Anspruch auf Betriebs- und Haushaltshilfe, wenn die Frau in der landwirtschaftlichen Krankenversicherung versichert ist. Besteht die Versicherungspflicht dagegen in der gesetzlichen Krankenversicherung, so besteht nur Anspruch auf eine Haushaltshilfe. Die betrieblichen Aufgaben müssen dann von der Familie übernommen werden. Das kann vor allem bei längeren Ausfallzeiten zu Engpässen oder aber zusätzlichen Kosten führen.

Die  landwirtschaftliche Alterskasse übernimmt die Kosten für eine Ersatzkraft, wenn die Bäuerin zur Kur ist oder wenn sie zwar nicht in der landwirtschaftlichen Krankenkasse, wohl aber in der Alterskasse versichert ist. Eine voreilige Befreiung von der Beitragspflicht zur Alterskasse sollte daher auch aus diesem Grund wohl überlegt werden.

Betriebs- und Haushaltshilfe erhalten Familien darüber hinaus, wenn die Mutter ein Kind ins Krankenhaus begleitet. Auch bei Tod der Ehefrau des Betriebsleiters besteht dieser Anspruch. Wie lange diese wertvolle Leistung bezahlt wird, entscheiden die Sozialversicherungsträger in Abhängigkeit von den familiären Erfordernissen und den Satzungsbestimmungen.

Die Ersatzkraft wird von der Sozialversicherung gestellt. Ansprechpartner dafür sind in Niedersachsen – Bremen die Maschinenringe, die in der Regel auch die Abwicklung der Einsätze übernehmen. Nur wenn keine Ersatzkraft zur Verfügung steht oder bei speziellen Erfordernissen wie beispielsweise besondere Betriebszweige, für die Spezialwissen erforderlich ist, oder wenn nur ein stundenweiser Einsatz bewilligt wird, erstatten die Sozialversicherungsträger auch die Kosten für eine selbstbeschaffte Ersatzkraft.

Der Antrag für den Einsatz einer Betriebs- und Haushaltshilfe muss unbedingt vor Einsatzbeginn gestellt und bewilligt werden. Ansonsten werden die Kosten nicht erstattet. Rückwirkende Bewilligungen sind nur möglich, wenn der Einsatz an einem Wochenende oder Feiertag beginnt und unbedingt am darauffolgenden Tag Kontakt zur SVLFG aufgenommen wird.

Der Antrag kann zunächst formlos per Telefon oder Fax gestellt werden. Alle Unterlagen inklusive Formularantrag (unter www.svlfg.de) und ärztlicher Bescheinigung müssen dann innerhalb von 14 Tagen bei der Einsatzstelle vorliegen. Sonst droht Leistungsversagung!

Die Leistung gibt es im Übrigen nicht für die Ehefrau eines mitarbeitenden Familienangehörigen oder Altenteilers oder die nicht verheiratete Partnerin des Unternehmers!

 


Bestimmungen für den Einsatz einer Dorfhelferin

Die SVLFG übernimmt die Kosten für die Betriebs- und Haushaltshilfe durch eine besonders qualifizierte Dorfhelferin, wenn ganztägige Hilfe benötigt wird und kein anderes Haushaltsmitglied die anfallenden Arbeiten übernehmen kann, und

  • Mindestens zwei Kinder unter zwölf zu versorgen sind oder
  • ein Altenteiler hilfs- oder pflegebedürftig ist oder
  • eine besondere familiäre Situation gegeben ist, beispielsweise durch einen Säugling, eine behinderte Person, eine lebensbedrohliche Erkrankung eines Familienmitglieds oder einen besonders großen Haushalt oder
  • mindestens zwei Mitarbeiter des Betriebes zu verpflegen sind oder
  • neben der Haushalts- und Familienhilfe auch Mitarbeit im Betrieb erforderlich ist.

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für den Dorfhelferinneneinsatz, wenn die Arbeit durch keine andere Haushaltsperson erledigt werden kann und

  • drei Kinder unter zwölf Jahren oder
  • zwei Kinder unter sechs Jahren
  • oder ein Säugling unter neun Monaten
  • ein krankes, pflegebedürftiges oder behindertes Kind im Haushalt zu versorgen sind oder
  • eine andere außergewöhnliche Situation in der Familie vorliegt.

Ansprechpartner für den Einsatz der Dorfhelferin in Niedersachsen gibt es in jedem Landkreis. Ein Verzeichnis gibt es auch im Internet unter dhw@evlka.de.


 

Private Vorsorge ernst nehmen!

Auch wenn die Betriebs- und Haushaltshilfe eine wahrhaft segensreiche Leistung für Familien in Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau ist, ersetzt sie nicht die private Risikovorsorge für den Ausfall der Ehefrau des Betriebsleiters.

Für den längerfristigen oder dauerhaften Ausfall der Arbeitskraft der Ehefrau sollte der Abschluss sowohl einer privaten Berufsunfähigkeits- als auch einer Risikolebensversicherung erwogen werden, um eine Ersatzkraft über die Einsatzdauer der Betriebs- und Haushaltshilfe hinaus zu finanzieren.

Ferner sollte der betriebs- und familienindividuelle Notfallordner auch Informationen für den Ausfall der Ehefrau des Betriebsleiters enthalten! Die Telefonnummern der Einsatzstelle der Dorfhelferinnen sowie des Maschinenringes bzw. Betriebshilfsdienstes dürfen dabei auf keinen Fall fehlen!

Viele Arbeiten in Haushalt und Betrieb fallen erst auf, wenn sie ausfallen! Diese Situation gilt es gedanklich vorwegzunehmen! Jede Familie und jeder Betrieb hat dazu eine individuelle Risikoanalyse und –bewertung vorzunehmen, um dann angepasst vorzusorgen und im Notfall schnell Hilfe zu bekommen. Die gesparte Zeit kommt allen zugute!


Kontakt:
Anne Dirksen
Leiterin Sachgebiet Familie und Betrieb / Sozioökonomische Beratung
Telefon: 0441 801-329
Telefax: 0441 801-819
E-Mail:


Stand: 07.02.2014