Webcode: 01031396

Kinderzuschlag hilft Lücken schließen

Mit dem Kinderzuschlag, der zum 01.07.2016 von 140 € auf 160 € monatlich je Kind erhöht wurde, sollen Familien unterstützt werden, die zwar grundsätzlich den eigenen Bedarf bestreiten können, aber nicht über genügend finanzielle Mittel verfügen, um den Bedarf ihrer Kinder zu decken. Dazu sind einige Voraussetzungen zu erfüllen. Der Kinderzuschlag wird genauso wie das Kindergeld von den Familienkassen bei der Agentur für Arbeit gewährt.

Wer kann einen Anspruch auf Kinderzuschlag geltend machen?

Elternpaare und Alleinerziehende haben Anspruch auf Kinderzuschlag für ihre unverheirateten, unter 25 Jahre alten Kinder, die in ihrem Haushalt leben, wenn

  • für diese Kinder Kindergeld bezogen wird
  • die monatlichen Einnahmen der Eltern eine Mindesthöhe erreichen
  • eine Höchstgrenze aus Einkommen und Vermögen nicht überschritten wird
  • sich der Bedarf der Familie durch die Zahlung von Kinderzuschlag decken lässt und deshalb kein Anspruch auf Arbeitslosengeld II bzw. Sozialgeld besteht

Die Mindesteinkommensgrenze der Eltern beträgt bei Elternpaaren 900 € monatlich und bei Alleinerziehenden 600 €, dabei werden Kindergeld und Wohngeld nicht berücksichtigt.

 

Wie wird das Höchsteinkommen berechnet?

Die Höchsteinkommensgrenze setzt sich aus dem elterlichen Bedarf in Anlehnung an die Regelungen zum Arbeitslosengeld II, einem prozentualen Anteil der Eltern an den Wohnkosten sowie dem Kindergesamtzuschlag zusammen. Was heißt das jetzt im Einzelnen?

Der Berechnung des Bedarfes liegen die pauschalierten Regelbedarfe zur Sicherung des Lebensunterhaltes zugrunde, die seit dem 01.01.2016 in folgender Höhe angesetzt werden: Für ein Elternpaar 728 €, für Kinder je nach Alter 237 € (bis 6 Jahre), 270 € (7-14 Jahre), 306 € (15-18 Jahre) bzw. 324 € (18-24 Jahre).

Für die Bedarfe für Unterkunft und Heizung werden die tatsächlichen Aufwendungen angesetzt, wobei der Anteil der Eltern prozentual festgelegt wird. So beträgt der Wohnanteil für Eltern mit 2 Kindern beispielsweise 62,13 %.

 

Beispiel:

Ein Elternpaar lebt mit zwei minderjährigen Kindern in einer Wohnung, die monatlichen Kosten für Unterkunft und Heizkosten (Warmmiete bzw. bei Eigentum: tatsächlich nachgewiesene Kosten bzw. Wert nach kommunaler Satzung)  beträgt 600 €.

Berechnung der Höchsteinkommensgrenze:

Grundbedarf für das Elternpaar

   728,00 €

% Anteil am Wohnbedarf sind 71,17 % von 600 €

   427,02 €

Bemessungsgrenze (= Bedarf der Eltern)

1.155,02 €

Zzgl. 2 x Kinderzuschlag (2 x 160 €)

   320,00 €

Höchsteinkommensgrenze

1.475,02 €

Das monatliche Einkommen der Eltern muss also zwischen dem Mindesteinkommen von 900 € und der Höchsteinkommensgrenze von 1.475,02 € liegen, um den Kinderzuschlag zusätzlich zum Kindergeld zu bekommen.       

                                                                                    

Wie wirken sich Einkommen und Vermögen aus?

a. Einkommen und Vermögen der Kinder:

Haben die Kinder ein eigenes Einkommen, z. B. Unterhaltsleistungen oder Halbwaisenrente, so wird dieses vom Kinderzuschlag abgezogen. Diese Berechnung wird für jedes Kind einzeln vorgenommen. Hat z. B. eine alleinerziehende Mutter zwei Kinder und für das eine Kind wird Unterhalt in Höhe von 100 € gezahlt, für das andere 110 €, so erhält sie für das erste Kind 60 € (160 € - 100 €) Kinderzuschlag und für das zweite 50 € (160 € - 110 €); also einen Gesamtzuschlag von 110 €.

b. Einkommen und Vermögen der Eltern:

Zum Einkommen der Eltern gehören:

  • Einnahmen aus einer nichtselbstständigen oder selbstständigen Erwerbstätigkeit
  • Unterhaltsleistungen
  • Entgeltersatzleistungen wie Arbeitslosengeld oder Krankengeld
  • Elterngeld
  • Renten aus Sozialversicherungen
  • Kapital- und Zinserträge
  • Einnahmen aus Vermietungen und Verpachtungen

    Nicht dazu zählen:

  • Leistungen aus der Pflegeversicherung
  • Grundrenten

Von diesen Bruttoeinnahmen werden Ausgaben wie Steuern, Beiträge zu gesetzlichen Sozialversicherungen und sonstigen angemessenen Versicherungen, Beiträge zu Altersvorsorgen wie Riester, Werbungskosten u. a. abgezogen.

Als Vermögen werden alle verwertbaren Vermögensgegenstände berücksichtigt, wobei es hier auch Freibeträge gibt. Dient Vermögen, wie z. B. landwirtschaftliche Nutzfläche zur Erzielung des Lebensunterhalts, so wird dieses nicht in Anrechnung gebracht.

 

Ein Beispiel:

Familie Weniger hat 3 Kinder, sie zahlen monatlich eine Warmmiete von 900 €. Der Vater erzielt ein monatliches Bruttoentgelt von 1900 € und es ergibt sich nach Abzug der Freibeträge und gesetzlichen Aufwendungen ein zu berücksichtigendes Einkommen von 1.170 €.

Berechnung:

  1. Mindesteinkommen – beträgt bei Elternpaaren 900 € - ist also erfüllt
  2. Bemessungsgrenze und Höchsteinkommensgrenze

 

Grundbedarf für das Elternpaar

   728,00 €

% Anteil am Wohnbedarf sind 62,20 % von 900 €

   559,80 €

Bemessungsgrenze (= Bedarf der Eltern)

1.287,80 €

Zzgl. 3 x Kinderzuschlag (3 x 160 €)

   480,00 €

Höchsteinkommensgrenze

1.767,80 €

Die Bemessungs- und Höchsteinkommensgrenze sind dem bereinigten Arbeitsentgelt des Ehemannes von 1.170 € gegenüberzustellen. Es liegt unter der Höchsteinkommensgrenze und liegt unterhalb der Bemessungsgrundlage, also dem Bedarf der Eltern. In Folge dessen ergibt sich je Kind ein Kinderzuschlag von 160 €, insgesamt 480 € monatlich.

 

Sollte das monatliche Bruttoeinkommen der Eltern die Bemessungsgrenze überschreiten aber unterhalb der Höchsteinkommensgrenze liegen, wird der Kinderzuschlag nicht komplett gestrichen, sondern gekürzt. Für je 10 volle Euro, die die Bemessungsgrenze überschritten wird, werden 5 € vom Kinderzuschlag abgezogen. D. h. wenn die Bemessungsgrenze mit z. B. 127 € überschritten wird, wird der Kinderzuschlag um 5 € x 12 = 60 € gekürzt. In der Beispielfamilie Weniger bekämen die Eltern statt der 480 €  Kinderzuschlag 420 € (480 € - 60 €).

Bei Alleinerziehenden oder bei Kindern mit besonderem Förderungsbedarf bzw. Pflegeaufwand kann es Zuschläge geben.

 

Bildungs- und Teilhabepaket

Bezieher von Kinderzuschlag haben Anspruch auf Leistungen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket. Die Leistungen zum Mitmachen in Kultur, Sport und Freizeiten stehen lediglich Kindern zu, die noch keine 18 Jahre alt sind.

Die Leistungen des Bildungspakets umfassen:

  • ein- und mehrtägige Ausflüge der Schule/Kindertageseinrichtung
  • mehrtägige Klassenfahrten (die von den Schulen oder Kitas organisiert werden)
  • Schulbedarfspaket - Schülerbeförderung für Schüler ab Klasse 11
  • Lernförderung (für Schülerinnen und Schüler, deren Versetzung gefährdet ist)
  • gemeinschaftliches Mittagessen (Schule und Kita)
  • Teilhabe am sozialen und kulturellen Leben, z. B. Beiträge für Sportvereine, Musikunterricht

    Weitere Auskünfte zum Kinderzuschlag erhalten Sie bei den Sozioökonomischen Beratern der Landwirtschaftskammer Niedersachsen oder den Familienkassen.


Kontakt:
Flentje, Iris
Sozioökonomische Beratung
Telefon: 05021 9740-112
Telefax: 05021 9740-125
E-Mail:


Stand: 22.09.2016