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Einwohnerschwund und Völkerwanderung in Niedersachsen

Niedersachsens Bevölkerung nimmt seit einigen Jahren kontinuierlich ab. Nach den neuesten Daten des Landesbetriebes für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen (LSKN) hat sich die Einwohnerzahl in 2011 gegenüber 2001 um 30.448 verringert. Das entspricht einem Minus von 0,4 %. Gleichzeitig fand eine Völkerwanderung von Süden nach Nordwesten statt, wobei ein Zusammenhang mit wirtschaftlicher Prosperität unverkennbar ist.

Nachdem von 2001 bis 2004 noch ein Anstieg der niedersächsischen Bevölkerung von 7.956.416 bis auf fast genau 8 Mio. Einwohner zu registrieren war, hat sich dieser Trend inzwischen rückläufig entwickelt und zu einer Bevölkerungsabnahme auf aktuell 7.925.968 Einwohner geführt. Diese landesweite Entwicklung fand jedoch regional sehr unterschiedlich statt. Während in den Kreisen der ehemaligen Regierungsbezirke Braunschweig und Hannoverfast ausnahmslos ein Bevölkerungsschwund zu verzeichnen war, hat es in einigen Kreisen des Bezirks Lüneburg und in fast sämtlichen Kreisen des Bezirks Weser-Ems Zunahmen gegeben. Daraus hat sich bei der insgesamt stattgefundenen Verringerung der Bevölkerung eine Verschiebung bzw. Völkerwanderung in Richtung Norden und vor allem in Richtung Nordwesten ergeben. Hier ist eine Bevölkerungszunahme um 51.796 und im Süden Niedersachsen eine Abnahme um 82.244 Einwohner eingetreten. Den Saldo von 30.448 hat Niedersachsen eingebüßt.

Größter Verlierer der Entwicklung ist der ehemalige Regierungsbezirk Braunschweig. Er allein hat in den vergangenen 10 Jahren 59.776 Einwohner eingebüßt. Das kommt dem Verlust einer ganzen Kleinstadt gleich. Bis auf die Stadt Braunschweig, die um ein paar tausend Einwohner zulegen konnte, und die Stadt Wolfsburg, deren Einwohnerzahl konstant geblieben ist, haben alle Verwaltungseinheiten Einwohner verloren. Besonders drastisch sind die Einwohnerverluste in der kreisfreien Stadt Salzgitter (-8,7%) und den Landkreisen Osterode (-9,3%), Goslar (-8,4%), Northeim (-7,8%) und Helmstedt (-7,1%) ausgefallen.

Auch im ehemaligen Regierungsbezirk Hannover haben fast alle Verwaltungseinheiten Einwohner verloren. Zunahmen waren lediglich in der Region Hannover mit der dazugehörigen Landeshauptstadt Hannover (+1%) und dem Landkreis Diepholz (+1,6%) zu verzeichnen. Alle übrigen Landkreise mussten Verluste hinnehmen. Davon war insbesondere das Weserbergland betroffen. In den dortigen Landkreisen Holzminden (-10,0%), Hameln-Pyrmont (-5,5%) und Schaumburg (-3,8%) werden heute 23.386 Einwohner weniger gezählt als noch vor 10 Jahren. Selbst der Landkreis Hildesheim, zu dem die Großstadt Hildesheim gehört, zählt 10.911 Einwohner (-3,7%)  weniger. Per Saldo beträgt der Verlust im Bezirk Hannover 22.468 Einwohner.

Der ehemalige Regierungsbezirk Lüneburg hat zwar insgesamt 8.424 Einwohner hinzugewonnen, jedoch konzentrieren sich diese „Gewinne“ auf die Landkreise Harburg und Lüneburg (jeweils +5,2 %) sowie Stade (+2,3 %) und damit auf den „Speckgürtel“ von Hamburg. Ansonsten haben die Landkreise Einwohner verloren oder konnten die Einwohnerzahl lediglich konstant halten. Lüchow-Dannenberg (-5,1%), Uelzen (-3,9 %), Cuxhaven (-3,0 %) und Celle (-2,1 %) sind hier die Landkreise, die am meisten Einwohner verloren haben.

Gewinner der Bevölkerungsentwicklung ist der ehemalige Regierungsbezirk Weser-Ems, der eine Bevölkerungszunahme um 43.372 Einwohner verzeichnet. Insbesondere nach dort hin hat sich die niedersächsische Bevölkerung verschoben. Mit aktuell 2.485.582 Einwohnern, wohnt in dieser Region inzwischen jeder dritte Niedersachse. Geringe Einwohnerverluste von zusammen 11.281 Einwohnern haben hier lediglich die kreisfreien Städte Delmenhorst (-2,3 %) und Wilhelmshaven (-4,1 %) sowie die Landkreise Friesland (-1,8 %) und Wesermarsch (-4,0 %) hinzunehmen gehabt. Fast alle übrigen Verwaltungseinheiten haben Einwohner hinzugewonnen oder konnten die Anzahl konstant halten. Besonders hohe Zuwächse hat es in den wirtschaftlich boomenden Landkreisen Vechta (+9 %), Ammerland (+6,1 %) und Cloppenburg (+5,6 %) sowie Oldenburg und Grafschaft Bentheim (jeweils +2,9 %) gegeben. Überdies hat auch die kreisfreie Stadt Oldenburg um 6.052 Einwohner zugelegt.

Ursächlich für die Bevölkerungsentwicklung sind in erster Linie die Wirtschaftskraft der Regionen und die damit verknüpfte Generierung von Erwerbstätigkeit. Das verdeutlicht ein Vergleich der Grafik 1: Entwicklung der niedersächsischen Bevölkerung 2001-2011mit der Grafik 2: Entwicklung der niedersächsischen Erwerbstätigkeit 2000-2010. Mit wenigen Ausnahmen korrelieren die Zu- und Abnahmen der Bevölkerung nämlich mit einer positiven bzw. negativen Entwicklung der Erwerbstätigkeit. So hat der Bezirk Braunschweig in fast allen der vom Einwohnerschwund stark betroffenen Verwaltungseinheiten auch Abnahmen bei der Erwerbstätigkeit zu beklagen. Im Landkreis Osterode ist die Abnahme der Erwerbstätigkeit mit -10,4 % besonders gravierend ausgefallen. Starke Abnahmen gab es dann noch mit -7,1 % im Landkreis Goslar und mit -8,9 % in der kreisfreien Stadt Salzgitter, moderatere Abnahmen in den Landkreisen Northeim und Helmstedt. Eine deutliche Zunahme der Erwerbstätigkeit verzeichnet lediglich der Landkreis Göttingen, zu dem allerdings die Universitätsstadt Göttingen gehört. In den übrigen Landkreisen und kreisfreien Städten gab es in der Zeit von 2000-2010 lediglich leichte Zuwächse bei der Erwerbstätigkeit, so dass der Bezirk Braunschweig insgesamt nur 0,2 % bei der Erwerbstätigkeit zulegen konnte und damit weit unter dem Landesdurchschnitt von 5,1 % Zunahme liegt.

Mit nur durchschnittlich 1,4 % konnte auch der Bezirk Hannover nur wenig Erwerbstätigkeit generieren. Die Landkreise des Weserberglandes und Hildesheim, davon Hildesheim trotz dazugehöriger Großstadt, hatten bei der Erwerbstätigkeit Einbußen hinzunehmen. Die Region Hannover mit der Landeshauptstadt und die meisten übrigen Landkreise konnten Ihre Erwerbstätigenzahlen leicht verbessern. Ausnahmelandkreis im Bezirk Hannover ist Diepholz, wo es mit 7,1 % einen starken Anstieg der Erwerbstätigkeit gegeben hat. Ganz offensichtlich ist diese besondere Entwicklung vom benachbarten Weser-Ems übergeschwappt.

Wesentlich besser gegenüber den Bezirken Braunschweig und Hannover schneidet die Entwicklung der Erwerbstätigkeit im Bezirk Lüneburg ab. In dieser Region gab es mit 6,8 % einen deutlich über dem Landesdurchschnitt von 5,1 % liegenden Zuwachs. Nur in Lüchow-Dannenberg und Uelzen ging die Erwerbstätigkeit leicht zurück, alle anderen Landkreise verzeichnen Zuwächse, davon Rotenburg (+13,1 %), Harburg (+12,2 %), Stade (+11,1 %) und Lüneburg (+7,6 %) am meisten.

In Weser-Ems geht die positive Entwicklung der Bevölkerung mit der Entwicklung der Erwerbstätigkeit besonders konform. Denn hier boomt die Wirtschaft wie in kaum einer anderen Region und hat zu einer ganz erheblichen Steigerung der Erwerbstätigenzahl geführt. Sie stieg von 2000-2010 um 119.800 bzw. 11,0 % auf 1.213.000 und macht ein Drittel der gesamten niedersächsischen Anzahl an Erwerbstätigen aus. An diesem Ergebnis war der Landkreis Vechta mit +25,3 % ganz vorne weg beteiligt. Ebenfalls als hervorzuhebende Jobmotoren sind die Landkreise Emsland (+21,5 %), Cloppenburg (+18,4 %) und Leer (+18,0 %) in Erscheinung getreten. Nur die kreisfreie Stadt Emden und der Landkreis Friesland haben bei der Erwerbstätigenzahl geringe Verluste hinnehmen müssen.

Die Zusammenhänge zwischen Bevölkerungsentwicklung und Wohlstand sind unverkennbar. Leider stehen aufgrund einer schon länger andauernden großen Revision der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung zurzeit keine aktuellen Kreisdaten zur Bruttowertschöpfung zur Verfügung.  Es liegt aber auf der Hand, dass sich auch diese Daten in das Ergebnis des hier angestellten Vergleichs einreihen würden. Kehrseite der Prosperität ist jedoch die Tatsache, dass damit ein Raubbau an der Flächeninanspruchnahme einhergeht. Die Zunahme der Siedlungs- und Verkehrsfläche (SuV), die sich fast ausschließlich aus landwirtschaftlicher Fläche rekrutiert und durch die Umwidmung zu einem Großteil der Versiegelung anheim fällt, wird immer bedenklicher. Allein innerhalb der letzten 10 Jahre hat die SuV in Niedersachsen um 1 % zugelegt und bereits einen Anteil an der Gesamtfläche von 13,6 % erreicht. Von den boomenden Regionen wurden die niedersächsischen Durchschnittswerte bei der SuV Zunahme und dem SuV Anteil bereits überschritten.


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Kirsten Murek
Agrarstatistik, Qualitätssicherung Tier
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Stand: 22.11.2013