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In die Freilandhaltung einsteigen?

Eierproduktion
Durch das Verbot der Käfighaltung für Legehennen haben sich die Produktionsbedingungen in Deutschland entscheidend verändert – und der Selbstversorgungsgrad bei Eiern liegt in Deutschland deutlich unter 100 %. Wen wundert’s also, dass Vermarkter vielfach unterwegs sind, Landwirte für die Einstieg in die Freilandhaltung von Legehennen zu gewinnen.

Gerade mal zwei Drittel der in Deutschland vermarkteten Eier werden auch im Land produziert und die Tendenz ist weiter abnehmend. Im vergangenen Jahr betrug der Anteil der Käfighaltung an der Gesamtproduktion 59,3 %, in Kleingruppen gerade mal 2,7 %. Der Rest verteilte sich auf die Bodenproduktion (22 %) sowie die Freilandhaltung (11 %) und den Ökobereich (5 %).
Der Lebensmitteleinzelhandel, insbesondere die Discountschiene, will die Haltung in Kleingruppen zurzeit noch nicht akzeptieren. Aktuell werden Eier aus der Kleingruppenhaltung zum Beispiel von Aldi und Lidl nicht gelistet. Entsprechend erhöht sich die Nachfrage nach Eiern aus Bodenhaltung und vor allem nach Freiland- und Bioeiern. Vor dem Hintergrund des Verbots der Käfighaltung ab dem Jahr 2012 für Länder in der Europäischen Union ergeben sich positive Marktchancen für die Freilandhaltung. Familienbetriebe bekommen somit die Möglichkeit, in einen Produktionszweig zu investieren, der noch vor kurzer Zeit hauptsächlich von gewerblichen Großbetrieben beherrscht wurde.

Regionale Entwicklung
Viele Betriebsleiter aus der Region Emsland und Grafschaft Bentheim haben diese Veränderung im Eiermarkt erkannt. Die Investitionsbereitschaft insbesondere im Bereich Freiland- und Biohaltung hat in den vergangenen Monaten erheblich zugenommen. Zum einen besteht der Wunsch von Legehennenhaltern, ihre Produktion auszudehnen, zum anderen möchten andere Landwirte den Einstieg in diesen neuen Produktionszweig wagen. Insbesondere Milchviehhalter sind aufgrund des desolaten Milchpreises an der Legehennenhaltung interessiert. Doch auch Nebenerwerbsbetriebe, die mehr oder weniger schon aus der landwirtschaftlichen Produktion ausgeschieden waren, sehen ihre Chance, zum Vollerwerbsbetrieb zurückzukehren.



Derzeit werden Landwirte auch von regionalen Futtermittelfirmen motiviert, in diesen Bereich zu investieren. Hierbei fungieren diese Firmen zugleich auch als Marktpartner. Sie sind Lieferant für Junghennen und Futter und auch Abnehmer der Eier. Zuweilen kommt auch die tierärztliche Betreuung über den Marktpartner. Häufig ist dies mit einer engen produktionstechnischen Betreuung gepaart. Gerade viele Neueinsteiger sind aus Gründen der Marktsicherheit an so engen Integrationen interessiert.

Sehr unterschiedliche Verträge
Die einzelnen Lieferverträge zwischen Landwirten mit dem jeweiligen Marktpartner sind sehr unterschiedlicher Art. Je nach Wunsch des Landwirts kann das Produktionsrisiko in verschiedener Form vom Marktpartner mitgetragen werden. So kann im Liefervertrag neben der Vertragsdauer lediglich die Eierabnahme zu Tagespreisen festgelegt werden. Die Lieferdauer bezieht sich normalerweise immer auf eine Legeperiode. Diese liegt zwischen 13 und 14 Monaten, so dass sich hieraus 0,87 Umtriebe pro Jahr ergeben.

In weitergehenden Verträgen werden neben der Lieferdauer auch Marktpreise und Futtermittelpreise für eine Legeperiode festgelegt. Hierbei kommt es häufig zu einer Kopplung von Eier- und Futtermittelpreisen, dass heißt, dass der Eierpreis an den Futtermittelpreis angepasst wird.

Häufig wird vom Marktpartner auch das Umlaufkapital finanziert. In diesem Fall werden sowohl die Kosten für Junghennen, Futtermittel und tierärztliche Betreuung vom Marktpartner übernommen. Der Landwirt bekommt einen festen Beitrag je Ei, von dem er die übrigen Produktionskosten wie beispielsweise die Energiekosten und natürlich die Stallbaukosten bezahlen muss. Diese Vertragsgestaltung erfreut sich in dieser Branche hoher Beliebtheit. Gerade für Neueinsteiger ist diese enge Form der Zusammenarbeit interessant, da neben den Stallbaukosten kein zusätzliches Umlaufkapital benötigt wird. Der Landwirt hat erst einmal Zeit, entsprechende Produktions- und Markterfahrungen zu sammeln. Sowohl Landwirt als auch der Marktpartner genießen bei diesen Verträgen einen hohen Grad an Planungssicherheit.

Tiergesundheit als Risiko
Bei aller Aufbruchstimmung muss jedoch auch auf Risiken hingewiesen werden. Gerade in Gebieten mit hoher Geflügeldichte, wie es die Region an der niederländischen Grenze ist, birgt die Freilandhaltung ein hohes Gefahrenpotential hinsichtlich Geflügelkrankheiten. Auch die Problematik eines Salmonellenausbruchs nimmt durch die Freilandhaltung zu. Hiervon sind nicht nur die Hühnerhalter, sondern auch die Hähnchenmäster betroffen. Entsprechend kritisch wird von diesen Berufskollegen die Entwicklung der Hühnerhaltung im Freiland gesehen. Insbesondere die Gefahr der Vogelgrippe hätte für die Region gravierende Auswirkungen. Letztendlich muss der investitionswillige Landwirt abwägen zwischen der einzelbetrieblichen Chance und dem regional gegebenenfalls hohen Krankheitsrisiko.

Neben der konventionellen Freilandhaltung hat die ökologische Freilandhaltung eine relativ große Bedeutung. Nach EU-Biostandard muss nicht der gesamte Betrieb umgestellt werden, sondern nur der entsprechende Produktionszweig. Dies ist eine wichtige Voraussetzung für viele Betriebsleiter, sich überhaupt mit der Biohaltung zu beschäftigen.
Da bei beiden Haltungsformen je Huhn vier Quadratmeter Auslauffläche benötigt werden, die Biohaltung jedoch eine höhere Wertschöpfung je Stallplatz besitzt, ist sie insbesondere für Betriebe mit einer eingeschränkten Auslauffläche interessant. Nach ökonomischen und markttechnischen Gesichtspunkten haben sich Stallgrößen zwischen 15.000 bis 40.000 Plätzen etabliert. Die Belegdichte ist bei der Biohaltung mit sechs Tieren je Quadratmeter deutlich niedriger als in der konventionellen Freilandhaltung mit neun Tieren. Dadurch ergeben sich im Biobereich entsprechend höhere Stallbaukosten je Platz.

Wirtschaftlichkeit in beiden Bereichen 
Die nachfolgende Kalkulation zeigt eine zusammengefasste Kalkulation einer konventionellen Freilandhaltung mit 30.000 Stallplätzen und einer Biohaltung mit 18.000 Plätzen. Hierbei würde in der konventionellen Haltungsform eine Auslauffläche von 12 ha und im Biobereich von 7,2 ha benötigt.

Hinsichtlich Stallbaukosten bewegen sich die beiden Ställe zwischen 1 bis 1,1 Millionen Euro. Eine AFP-Förderung wurde nicht einbezogen, ist aber aufgrund des geringen Anteils der Geflügelhaltung vom Gesamtfördervolumen auch nicht zu erwarten. Die Abschreibungsdauer wurde auf 20 Jahre kalkuliert. Bezogen auf die Stallinneneinrichtung ist dieser Zeitraum sicherlich sehr optimistisch, da durch die Hühner eine starke Beanspruchung stattfindet. Dafür wurden die jährlichen Unterhaltungskosten etwas höher angesetzt.

Bezogen auf die Rentabilität ergibt sich für beide Haltungsformen eine Gewinnerwartung von etwa 40.000 €. Festzuhalten bleibt, dass der aktuelle Eiertrag höher ist als in der Beispielplanung laut Tabelle. Der Eierpreis, aber auch die Legeleistung wurden „vorsichtig“ kalkuliert und liegen in vielen Praxisbetrieben höher. Vor diesem Hintergrund liegen die aktuellen Gewinne eher über den Kalkulationswerten.

Bei einem Arbeitsaufwand von etwa 0,6 Arbeitskräften resultiert daraus eine akzeptable Arbeitsentlohnung. Vergleicht man entsprechende Investitionen in herkömmliche Bereiche der Tierhaltung wie Schweine- oder Hähnchenmast, bietet die Legehennenhaltung eine ernst zu nehmende Alternative.

Fazit
Letztendlich bleibt festzuhalten, dass die Marktperspektiven der Freilandhaltung insgesamt positiv zu bewerten sind. Je nach den betrieblichen Rahmenbedingungen kann sie eine wirtschaftliche Chance für den Einzelbetrieb sein. Andererseits müssen auch die zunehmenden Krankheitsrisiken in geflügelstarken Regionen bedacht werden. Vertreter aus der Futtermittelindustrie werben derzeit vermehrt mit sehr optimistischen Kalkulationsrechnungen, die bei Landwirten euphorische Erwartungen erzeugen. Sie sollten jedoch von neutraler Seite durchleuchtet und für den Einzelbetrieb betrachtet werden.

 


Kontakt:
Uwe Bintz
Fachgruppe 1
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Stand: 10.11.2010