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Legehennenhaltung - Drum prüfe, wer sich (ewig) bindet?

Der Eiermarkt boomt. Das Verbot der Käfighaltung hat in Deutschland zu erheblichen Verschiebungen im Eiermarkt geführt. Insbesondere der Bereich Freilandhaltung bietet für Familienbetriebe die Möglichkeit, hier neu zu investieren. Eine vertragliche Bindung an einen Vermarkter ist dabei üblich, bei der Vertragsgestaltung gibt es verschiedene Varianten.

Da die Eier aus der Kleingruppenhaltung vom Einzelhandel nur teilweise akzeptiert werden, hat sich die Nachfrage nach Eiern aus der Bodenhaltung und vor allem nach Freiland- und Bioeiern entsprechend

erhöht. Bei dem aktuell knappen Angebot und den überdurchschnittlich hohen Auszahlungspreisen planen zahlreiche Landwirte den Einstieg in die Legehennenhaltung beziehungsweise eine Ausweitung vorhandener Stallkapazitäten. Insbesondere für Betriebe, die ein neues Standbein suchen, zum Beispiel, weil ein anderer Produktionszweig abgeschafft werden soll oder für Betriebe, die einen zusätzlichen Arbeitsplatz für ein Familienmitglied schaffen wollen, wird die Eierproduktion interessant.
Landwirte werden derzeit auch vermehrt von regionalen Futtermittelfirmen motiviert, in diesen Bereich zu investieren. Hierbei fungieren die Futtermittelfirmen zugleich als Marktpartner. Neben Futterlieferungen bieten sie auch die Lieferung der Junghennen, die tierärztliche Betreuung sowie die Vermarktung der Eier an. Häufig ist dies mit einer engen produktionstechnischen Betreuung gepaart. Gerade viele Neueinsteiger sind aus Gründen der Marktsicherheit an so engen Integrationen sehr wohl interessiert.
Die einzelnen Lieferverträge zwischen Landwirten mit dem jeweiligen Marktpartner sind sehr unterschiedlich. Je nach Wunsch des Landwirts kann das Produktionsrisiko in verschiedener Form an den Marktpartner weitergegeben werden.
Maßgebend für die Reihenfolge der nachfolgenden Vertragsvarianten ist der Aspekt der Marktsicherheit für den Landwirt. Dabei reduziert sich zunehmend das Marktrisiko für den Landwirt. Allerdings reduzieren sich auch Gewinnchancen bei einem entsprechend hohem Eierpreis.

1. Variabler Eierpreis:
Der Liefervertrag geht in der Regel über eine Legeperiode, die in der Konsumeierproduktion zwischen 13 bis 14 Monaten liegt. Abgerechnet wird nach dem NOP-Wochenpreis. Der NOP-Preis ist eine Preisnotierung von niederländischen Eierproduzenten, die unter der Internetadresse: www.pluimveebeurs.com abgerufen werden kann. Der NOP-Wochenpreis bezieht sich auf Eier aus Bodenhaltung. Für Freilandeier wird in der Regel ein Cent je Ei mehr gezahlt. Hinzu kommen noch Zuschläge von 0,15 bis 0,35 Cent für Eier aus deutscher Produktion.

2. Variabler Eierpreis mit vorgegebenem Preiskorridor:
Auch hier gilt der NOP-Wochenpreis. Allerdings werden zwischen den Vertragspartnern Höchst- und Tiefstpreise vereinbart. Wenn der Wochenpreis den vereinbarten Preiskorridor über- bzw. unterschreitet, bleibt der Auszahlungspreis an den vereinbarten Preisgrenzen stehen. Der Preiskorridor bietet dem Landwirt die Sicherheit, einen definierten Marktpreis nicht zu unterschreiten.

3. Eierfestpreis:
Zwischen den Marktpartnern wird ein fester Eierpreis für eine Legeperiode vereinbart. In abgewandelter Form gibt es auch Vereinbarungen über drei Legeperioden, wobei sich dann der Eierpreis in der Regel je Legeperiode etwas reduziert. In dieser Variante ist die Gesamtwirtschaftlichkeit des Durchganges neben der Eierleistung auch von der Entwicklung des Futtermittelpreises abhängig. In der aktuellen Hochpreisphase war diese Variante durchaus üblich.

4. Eierfestpreis mit Kopplung an den Futtermittelpreis:
Auch hier wird ein fester Eierpreis für mindestens eine Legeperiode vereinbart. Gekoppelt ist dieser Eierpreis an einen festgelegten Futtermittelpreis. Verändert sich der Futtermittelpreis, so wird auch der Eierpreis in einem festgelegten Verhältnis angepasst. Üblich ist bei einer Veränderung des Futtermittelpreises von 1 € je dt eine Eierpreisanpassung von 0,15 Cent je Ei. Grundlage bei der Ermittlung des Futtermittelpreises ist die niederländische Preisnotierung der LEI (Landbauökonomisches Institut), die ebenfalls im Internet unter „www3.lei.wur.nl/bin_asp/show.exe“ abgerufen werden kann.

5. Teillohnhaltung (Eierfestpreis ohne Umlaufkapital):
Hier wird vom Marktpartner das Umlaufkapital finanziert. Der Vertragspartner übernimmt die Kosten der Junghennen, Futtermittel und tierärztliche Betreuung. Die Tiere gehören somit dem Vertragspartner. Der Landwirt bekommt einen festen Beitrag je Ei, von dem er die übrigen Produktionskosten wie beispielsweise die Energiekosten und natürlich die Stallbaukosten bezahlen muss. Diese Vertragsgestaltung erfreut sich in dieser Branche hoher Beliebtheit. Gerade für Neueinsteiger ist diese enge Form der Zusammenarbeit interessant, da neben den Stallbaukosten kein zusätzliches Umlaufkapital benötigt wird. Der Landwirt hat erst einmal Zeit, entsprechende Produktions- und Markterfahrungen zu sammeln. Sowohl Landwirt als auch der Marktpartner haben bei diesen Verträgen einen hohen Grad an Planungssicherheit. Bei Hochpreisphasen wie in den vergangenen Monaten wird der Landwirt davon allerdings nicht profitieren.

In den vergangenen Monaten wurde aufgrund der überdurchschnittlich hohen Wochenpreise die Teillohnhaltung weniger in Betracht gezogen. In den nächsten Wochen ist mit einem Preisrückgang der Eierpreise zu rechnen. Vor diesem Hintergrund könnte die Teillohnhaltung dann wieder interessant werden. Häufig gibt es bei Unterschreitung definierter Futterverwertungen vom Marktpartner noch eine definierte Bonuszahlung.

6. Lohnhaltung mit Leistungsprämien:
Diese Art der Lohnhaltung ist eher die Ausnahme. Ihr Einsatz erfolgt eher in der Bioeierproduktion. Der Marktpartner zahlt für jedes Huhn einen festen Betrag. Dieser Betrag gilt bis zu einer definierten Eierleistung. Für jedes Ei, das über der Leistungsgrenze liegt, gibt es einen festen Eierpreis. Vertragsbeispiel in der Biohaltung: 9,50 € je Henne bis 250 Eier je Tier fest, für jedes weitere Ei 4 Cent zusätzlich.

Diese Vertragsvariante ist die größtmögliche Form der Risikoabgabe und die höchstmögliche Marktsicherheit für den Landwirt. Allerdings gibt er auch einen erheblichen Teil der Ertragserwartung in Hochpreisphasen ab.

Wer als Landwirt neu in die Legehennenhaltung einsteigt, sollte vor Vertragsabschluß noch ein paar Punkte beachten. Insgesamt sollte bei allen Formen der Vertragsgestaltung darauf geachtet werden, dass man mit Marktpartnern zusammenarbeitet, die über einen ordentlichen wirtschaftlichen Hintergrund verfügen. Hierzu gehört auch, dass das Zahlungsziel zwei Wochen nicht überschreiten darf.
Was nützen einem die besten Verträge, wenn gemachte Preiszusagen bei dem ersten Markteinbruch nicht mehr aufrechterhalten werden können. Auch hierbei gilt das Sprichwort, dass der Spatz in der Hand besser ist, als die Taube auf dem Dach.
Zusätzlich spielt die Intensität und Qualität der Betreuung durch den Marktpartner gerade für Neueinsteiger eine entscheidende Rolle. Bei geringer Erfahrung ist der Landwirt von seinem Berater besonders abhängig. Hier muss auch die Chemie zwischen beiden Partnern stimmen. Gerade in der aktuell schnell wachsenden Hühnerhaltung kommen die Firmenberater mit der Kundenbetreuung kaum mehr nach. Deshalb sollte man sich die Stallbesuche des Beraters in dem Liefervertrag vertraglich zusichern lassen.
Ein weiterer wichtiger Bestandteil des Liefervertrages ist die Bezahlung der Eier zweiter Wahl. Neben dem Eierpreis sind auch die Qualitätskriterien von Bedeutung. Üblich ist als Maßstab für Eier erster Sorte ein Eiergewicht von über 50 g. Für die zweite Sorte sollte annähernd die Hälfte des Preises der ersten Sorte gezahlt werden. Bei überdurchschnittlicher Sortierung sollte die Möglichkeit einer Bonuszahlung definiert werden. Häufig besteht die Gefahr, dass bei Lieferverträgen mit sehr hohen Eierpreisangeboten andere Kriterien deutlich unterdurchschnittlich angeboten werden.

Fazit
Insgesamt ist die Nachfrage nach neuen Hühnerställen sowohl in der Bodenhaltung als auch im Freiland- und im Biobereich ungebrochen groß. Insbesondere im Emsland und der Grafschaft Bentheim ist das Interesse der Landwirte aufgrund der hohen Eierpreise in den vergangen Monaten weiterhin hoch. Doch Vorsicht: Bereits für die nächsten Wochen ist mit rückläufigen Eierpreisen zu rechnen. Deshalb sollte sich Interessenten von der aktuellen Situation nicht blenden lassen, sondern mit Durchschnittspreisen langfristig kalkulieren.
Bei der Vertragsgestaltung gibt es je nach Sicherheitsbedürfnis der landwirtschaftlichen Familie vielfältige Gestaltungsspielräume. Von mehrjährigen Lohnhaltungsverträgen bis hin zu der Bezahlung nach Wochenpreisen ist alles möglich. Doch nicht nur die Preisgestaltung ist wichtig. Insgesamt muss das Gesamtpaket des Vertrages stimmen. Hierbei spielen neben dem Eierpreis auch die Lieferdauer, das Betreuungsangebot und die Verlässlichkeit des Marktpartners eine entscheidende Rolle.


Kontakt:
Uwe Bintz
Fachgruppe 1
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Stand: 10.11.2010