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Überschüssige Liquidität - Wie anlegen?

Da die Ernte bevorsteht und das Preisniveau trotz jüngster Rückschläge noch hoch ist und teilweise auch schon attraktive Abschlüsse im Vorfeld getätigt wurden, gibt es auch eine Reihe von Betrieben, bei denen in der zweiten Jahreshälfte ein Liquiditätsüberhang entstehen dürfte. Es stellt sich die Frage, wie man damit umgehen soll. Hier hat in der Vergangenheit der Landhandel eine wesentliche Rolle eingenommen. Da die Attraktivität, dort Liquidität zu parken aus verschiedenen Gründen abgenommen hat, sollen nachfolgend schwerpunktmäßig Alternativen im Bankbereich betrachtet werden.

Beispiel:

120 ha LF: 80 ha Getreide (Ø 80 dt/ha), 25 ha Zuckerrüben, 15 ha Raps (Ø40 dt/ha)

Die Rapsernte wird komplett direkt vermarktet, beim Getreide werden von den 6.400 dt zur Risikostreuung 2.000 dt verkauft. Beim Raps ergibt sich ein Erlös von 45 €/dt, beim Getreide eine Durchschnittpreis von 20 €/dt. Es ergibt sich eine Gesamtsumme von 67.000 €. Da das Liquiditätspolster größtenteils aufgebraucht ist, benötigt der Betrieb ca. 5.000 – 10.000 € den Sommer über. Weitere 20.000 € werden zum 1.10. für Pachtzahlungen benötigt. Mit dem Rübengeld (ca. 50.000 €) und der Betriebsprämie (ca. 34.000 €) stehen zu Ende der Jahreshälfte weitere Zahlungseingänge an. Des Weiteren verbleiben 4.400 dt. Getreide, dessen Erlös und Vermarktungszeitpunkt noch ungewiss ist.

Auch wenn im Beispiel nur die wesentlichsten Liquiditätspositionen der zweiten Jahreshälfte genannt wurden, so fällt auf, dass es eine Vielzahl von Positionen und Zeitpunkten gibt. Starre Produkte (z.B. Termingelder, Sparbücher) scheiden daher schon aus, da der der Steuerungsaufwand zu groß wäre. Gleiches gilt für Anlageformen mit Kursrisiken (Aktien, Anleihen), die sich als langfristige Anlageformen ebenfalls nicht zum Parken von Liquidität eignen.

Das Geschäftskonto wird in der Regel nicht oder nur sehr niedrig verzinst (0 – 0,5% p.a). Tagesgeld stellt eine attraktive Alternative dar. Der Zinssatz liegt ca. 1 - 1,5% höher als auf dem Geschäftskonto. Wobei die Tagesgeldzinssätze der einzelnen Banken stark variieren. Während einige Banken sehr bescheidene Tagesgeldzinssätze offerieren, da man auf diesem Weg keine Mittel einwerben möchte, so fokussieren andere das Tagesgeldgeschäft stark (insbesondere die Direktbanken). Hierbei findet der Wettbewerb insbesondere um Neukunden statt, denen höhere Zinssätze angeboten werden.

In Anlehnung an das Beispiel soll der Einfluss des Zinssatzes betrachtet werden. Es wird von einem durchschnittlichen Betrag von 50.000 € über 6 Monate ausgegangen. Der betrachtete Zinskorridor stellt das mögliche Spektrum dar, von einem unverzinsten Betriebskonto bis zu einem attraktiven Tagesgeldangebot. 

Zinssatz

Zinsen
50.000 €

 6 Monate

0,00%

0,00 €

0,50%

125,00 €

0,75%

187,50 €

1,00%

250,00 €

1,00%

250,00 €

1,25%

312,50 €

1,50%

375,00 €

1,75%

437,50 €

2,00%

500,00 €

2,25%

562,50 €

Auch wenn die Unterschiede zwischen den einzelnen Zinssätzen sicherlich keinen entscheidenden Einfluss auf die Betriebsentwicklung haben, so lässt sich im Zeitalter des Online-Bankings ohne viel Aufwand ein Mehrerlös im niedrigen bis mittleren dreistelligen Bereich erzielen.

Sollte man sich mit seiner Hausbank nicht auf einen annehmbaren Zinssatz verständigen können (über 1,00% p.a.), so sollte eine Auslagerung des Tagesgeldes an eine andere Bank mit einem entsprechenden Angebot geprüft werden. Anbieter mit entsprechendem Hintergrund, wie die Direktbanken der deutschen Automobilhersteller, können dabei bedenkenlos gewählt werden. Bei „Exoten“ sollte im Vorfeld geprüft werden, inwieweit die Einlagen abgesichert sind. Nicht der höchste Zinssatz ist stets der attraktivste! Neukundenangebote sind branchenüblich, daher auch nur bedingt als Lockangebote zu werten. Generell sollte aber ein Anbieter gewählt werden, der in der Vergangenheit stets durch attraktive Angebote aufgefallen ist.


Kontakt:
Patrik Meier
Berater
Telefon: 0531 28997-128
Telefax: 0531 28997-111
E-Mail:


Stand: 29.06.2011