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Maispreis 2014 - So kalkulieren Sie richtig

Der Anbau von Silomais als Gärsubstrat für Biogasanlagen stellt nicht nur aus betriebswirtschaftlicher Sicht eine interessante Alternative dar. Auch die Auflockerung der Fruchtfolge und der arbeitswirtschaftliche Effekt sind zu berücksichtigen. Die Rücklieferung von Gärrest ist bei hohen Mineraldüngerpreisen vor allem  in Ackerbauregionen ein zusätzliches Bonbon.

Die Anzahl der Biogasanlagen hat sich bis 2012 niedersachsenweit deutlich erhöht und bestehende Anlagen sind z.T. erweitert worden. Damit steigt gleichzeitig der Bedarf an Biomasse für die Anlagen.

Für den Marktfruchtbaubetrieb kann der Mais in vielen Regionen eine Bereicherung in der Fruchtfolge sein. Die erhöhte Nachfrage nach Biomasserohstoffen kann also als Chance gesehen werden. Auf eine Anfrage zum Vertragsanbau von Silomais sollte der Silomaislieferant gut vorbereitet in die Verhandlung gehen und seine Preisvorstellung präzise formulieren. Dabei darf nicht vergessen werden, dass die Gärrestrücklieferung Düngerkosten spart und die Bodenfruchtbarkeit erhöht.

Ziel der Landwirte muss es sein, sich nicht als Konkurrent um die Fläche, sondern in dem Fall als Partner für die Energieproduktion zu sehen. Von hohen Pachten profitieren nur die Landeigentümer. Bei einer Kooperation von Nachfrager und Lieferant verbleibt das Geld bei den aktiven Landwirten.

Wie kalkuliert man seine Preisforderung für Silomais ab Feld einschließlich des Rechts der Gärrestrücknahme?
Zunächst ist zu klären, welche Frucht durch den Silomaisanbau verdrängt werden soll. Auf den Gunststandorten ist das in der Regel der Stoppelweizen mit 85 dt/ha, auf den schwächeren Standorten der Roggen mit 65 dt/ha. Ziel für den Anbauer ist eine optimale Flächenverwertung. Vorab wird die Direkt- und Arbeitskostenfreie Leistung (DAL) ermittelt.

In der Tabelle wird beispielhaft die DAL für den Winterweizen ermittelt. Die Preiserwartungen für den Weizen der Ernte 2014 werden von der MATIF abgeleitet. Diese notiert zurzeit für August 2014 mit 196 €/t abzüglich einer Händlermarge von 15,00 €/t. Damit liegt der abgeleitete Erzeugerpreis für Weizen der Ernte 2014 bei 181 €/t. Eine zusätzliche Leistung bringt die Nährstoffrücklieferung des Strohs.

Parallel dazu werden die Kosten für den Silomais kalkuliert und die DAL der verdrängten Frucht werden dem Mais angelastet. Die Gesamtkosten liegen lt. Tabelle  für den Mais bei 1.186 €/ha. Diese Kosten werden ins Verhältnis zum Maisertrag gesetzt. Das Ergebnis ist der sogenannte „Gleichgewichtspreis“. Die Preisvorstellung des Lieferanten muss natürlich über dem Gleichgewichtspreis liegen, damit ein Wettbewerbsvorteil gegenüber der verdrängten Frucht entsteht. Nach der Vergärung der Substrate im Fermenter bleiben Gärreste als wertvoller Wirtschaftsdünger zurück. Durch den Einsatz von Gärresten können teure mineralische Dünger ersetzt werden. In der vorliegenden Kalkulation wird die Gärrestausbringung als Komplettdienstleistung mit 3,00 €/m3 kalkuliert und erlaubt bei diesen Ausbringungskosten eine maximale Entfernung von 5 km zwischen Biosgasanlage und Acker.

Aus 470 dt Frischmasse Silomais mit 33 % Trockensubstanz fallen ca. 33 m3 Gärrest mit folgenden durchschnittlichen Nährstoffgehalten an: 

Düngewert von Gärrest

Nährstoff

Gehalt je kg/m3

Wert je €/kg
Nährstoff

Wert €/m3

N

4,10

0,91

3,73

P205

0,72

0,80

0,56

K20

4,20

0,70

2,94

MG0

1,00

0,20

0,20

Wert von 1m3 Gärrest =

7,43 €

Mithin liegt der Wert der Gärrestrücklieferung aus 1 ha Silomais mit 155 dt Trockenmasseertrag bei ca. 244 €. Die Option zur kostenlosen Rücknahme des Gärsubstrates verbessert die Wettbewerbssituation um 2,74 €/t Silomais. Nach genauer Analyse der Produktionskosten folgt die klare Aussage, dass Biogasmais gut mit den gängigen Marktfrüchten konkurrieren kann. Die Vorzüglichkeit steigt, wenn Gärreste kostenfrei zurückgegeben werden.

Bei Betrieben mit knapper AK-Ausstattung bringt der Silomaisanbau eine deutliche Arbeitsentlastung, weil Aussaat, Ernte und Abtransport in der Regel von Lohnunternehmern übernommen werden. Damit einher geht eine deutliche Verbesserung des Deckungsbeitrages je Arbeitsstunde. Weitere Vorteile, die für den Anbau von Silomais sprechen, sind:

  • Auflockerung der Fruchtfolge und Entzerrung der Arbeitswirtschaft durch Aufnahme einer Sommerung.
  • Von Maiszüchtern werden in den kommenden Jahren deutliche Zucht- und Ertragsfortschritte postuliert.
  • Freisetzen von Lagerkapazität im Getreidebaubetrieb.
  • Die Biogasanlage im Nahbereich zum Maisacker kann als deutlicher Wettbewerbsvorteil für den Marktfruchtbetrieb gewertet werden. Größere Entfernungen verursachen Mehrkosten von ca. 20-30 €/ha je Entfernungskilometer.

Wer als Maisproduzent im Nahbereich einer Biogasanlage eine Lieferung frei Siloplatte vertraglich vereinbart hat, muss dafür Ernte- und Transportkosten in Höhe von ca. 225 € kalkulieren. Dieses belastet die Tonne Silomais mit ca. 4,78 €.

Die vorgelegte Kalkulation muss selbstverständlich die einzelbetriebliche Situation berücksichtigen und kann ggf. zu abweichenden Ergebnissen führen. Wir kalkulieren gerne für Sie. Sprechen Sie uns an.

In der Anlage finden Sie den Maispreisrechner als Download-Datei.


Kontakt:
Wolfgang AWengen
Berater Unternehmensberatung, Betriebswirtschaft, Investitionsförderung (AFP)
Telefon: 0511 4005-2260
Telefax: 0511 4005-2213
E-Mail:
Hermann Alps-Lammers
Leiter Fachgruppe Betrieb / Tier
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Stand: 08.07.2014



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