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Vollkostenrechnung in spezialisierten Milchviehbetrieben unverzichtbar

Insbesondere bei größeren Milchviehbeständen, die zumeist auf Betrieben mit einem hohen Spezialisierungsgrad stehen, wird die Kontrolle und Optimierung der Wirtschaftlichkeit der Milchproduktion immer wichtiger und gehört zu den zentralen Managementaufgaben des Unternehmers. Für die eigene Liquiditätssicherung ist die Kenntnis über die eigene Kostenstruktur eine fundierte Grundlage.

Viele Betriebe nutzen die Betriebszweigauswertung bis zur direktkostenfreien Leistung (DkfL) um so Kennzahlen zur eigenen Produktivität zu erlangen und diese mit anderen ähnlich gelagerten Betrieben zu vergleichen.

Um ein detailliertes Bild zur Wirtschaftlichkeit des Betriebes zu erhalten, müssen aber auch die Festkosten einbezogen werden. Dieses wurde beispielhaft und nicht repräsentativ für 15 Milchviehbetriebe eines Arbeitskreises im Norden Niedersachsens durchgeführt (siehe beiliegende Tabelle im Anhang). Mit der Berateranwendung AgriCon der Landwirtschaftskammer Niedersachsen wurden hierbei die Jahresabschlüsse eingelesen, unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten korrigiert und die Auswertung nach dem bundeseinheitlichen Schema der DLG erstellt.

In der 2. Spalte der Tabelle wird der Ertrag, bzw. Aufwand verbucht, in der 3. Spalte werden die innerbetrieblichen Verrechnungen aus anderen Betriebszweigen eingetragen. So wird hier davon ausgegangen, dass die Färsenaufzucht und die Futtererzeugung jeweils für sich getrennte Betriebszweige darstellen. In der 4. Spalte werden die kalkulatorischen Faktorkosten, also die Kostenansätze für eigenen eingebrachten und bisher noch nicht entlohnen Produktionsfaktoren, Arbeit, Boden und Kapital eingetragen, um so in der 5. Spalte die Summe für den Betrieb zu erhalten. In der letzten Spalte sind dann jeweils die Summen je kg Milch abgetragen worden.

Bei dieser Auswertung zeigt sich, dass die Direktkosten mit 27,01 Cent über zwei Drittel der Gesamtkosten von 39,55 Cent/kg erzeugter Milch ausmachen. Der Grund für diesen auch im Vergleich mit anderen Kostenrechnungen sehr hoch erscheinenden Wert liegt begründet in den hohen Grobfutterkosten. Anders als im herkömmlichen Vergleich befinden sich in den Grobfutterkosten auch die Kosten für die eigene Arbeit sowie ein Zinsansatz für das eigene Kapital. Zusätzlich spiegelt sich in dem Wert das hohe Pachtpreisniveau der Region wider. Hier wird deutlich, dass die übliche Betrachtung mit Richtwerten häufig nur bedingt zutreffende Aussagen zur eigenen Kostenstruktur liefern kann. Im Bereich der Festkosten stellen die Arbeitserledigungskosten von 7,07 Cent den größten Kostenblock dar. Davon entfallen 5,32 Cent/kg erzeugter Milch auf Löhne für Fremd-Arbeitskräfte bzw. Lohnansatz für die nicht-entlohnte Familienarbeitskräfte. Je nach Veralterungsgrad und Ausstattung der Betriebsvorrichtungen können die Arbeitserledigungskosten sehr stark schwanken. Des Weiteren schlagen unter Rechtekosten die Kosten für die Milchquote mit ca. 3 Cent je kg zu Buche. Dieser Kostenblock wird ab April 2015 mit Wegfall der Milchquotenregelung entfallen. Die Gebäudekosten belaufen sich auf  2 Cent je kg. Die Summe der Kosten beläuft sich auf insgesamt 39,55 Cent, so dass bei einem Erlös von 41,75 Ct noch ein kalkulatorisches Betriebszweigergebnis von 2,19 Cent je kg Milch oder 19.600 €/Betrieb verbleibt. Von diesem Wert, der auch als Unternehmergewinn bezeichnet wird, sind dann alle Kosten incl. der eigenen kalkulatorischen  Aufwendungen wie eigene Arbeit, Pachtansatz für eigene Flächen und Zinsansatz für das eigene eingebrachte Kapital bereits abgezogen.

Um ein Abbild der betriebswirtschaftlichen Situation der eigenen Milcherzeugung inkl. Aussagen zu Arbeitserledigungskosten und Gebäudekosten je kg Milch liefern zu können ist eine Vollkostenrechnung notwendig. Sie liefert ebenfalls wichtige Daten zu der Kostenstruktur des Betriebes und dient so als Grundlage für Optimierungs- und Absicherungsansätze.

Haben wir Ihr Interesse an einer Vollkostenrechnung geweckt? Dann wenden Sie sich gern an Ihre betriebswirtschaftlichen  Berater der Landwirtschaftskammer Niedersachsen

 


Kontakt:
Renke Harms
Unternehmensanalyse AgriCon, Betriebsplanung AgriPlan, Agrarinformatik
Telefon: 0441 801-307
Telefax: 0441 801-313
E-Mail:
Hilmar Gerdes
Unternehmensberatung, Betriebswirtschaft
Telefon: 0441 801-426
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E-Mail:


Stand: 26.01.2012



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