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Jetzt die erzeugten Vieheinheiten hochrechnen!

Für die landwirtschaftliche Tierhaltung dürfen die Betriebe im Wirtschaftsjahr nicht mehr Tiere halten bzw. erzeugen, als an Vieheinheiten von der selbst bewirtschaften Flächen zur Verfügung gestellt wird. Auch ohne Wachstumsschritte bewegen sich viele Schweinehalter eng an der Vieheinheitengrenze. Steigende Ferkel- und Umtriebszahlen führen schnell zum Überschreiten der Grenze.
 

Viele Betriebe reizen die Vieheinheiten-Grenze „bis zum Anschlag“ aus. Bisher war eine Überschreitung der Grenze unschädlich, wenn sie nicht nachhaltig erfolgte, das heißt nach geringfügiger Überschreitung innerhalb von drei Wirtschaftsjahren in Folge trat die Gewerblichkeit frühestens im 4. Wirtschaftsjahr ein. Das wird als „allmählicher Strukturwandel“ bezeichnet.

Seit einem Urteil des Bundesfinanzhofs vom 19.2.2009 ist nicht mehr der dreijährige Zeitraum entscheidend, sondern die Überschreitung in einem Jahr: „Wird die Vieheinheiten-Grenze um mehr als 10 % überschritten und wird dadurch zugleich ein zusätzlicher Bedarf an landwirtschaftlichen Flächen von mehr als 10 % erforderlich, lässt dies den Schluss eines sofortigen Strukturwandels zu.“ (BFH-Urteil IV R 18/06).

Das bedeutet für den betroffenen Betrieb, dass er gewerblich eingestuft wird. Er unterliegt umsatzsteuerlich nicht mehr der Pauschalierung, sondern der Regelbesteuerung. Die Folge ist, dass der Betrieb Umsatzsteuererklärungen abgeben und mit dem Finanzamt die vereinnahmte Umsatzsteuer (als Pauschalierer: 10,7 %, als Regelbesteuerter 7 %) und die verausgabte Vorsteuer (7 % zum Beispiel auf Futter, 19 % zum Beispiel auf Medikamente) verrechnen muss. In durchschnittlichen Jahren beträgt der umsatzsteuerliche Nachteil der gewerblichen Schweinehaltung ca. 6 € je erzeugtem Mastschwein und etwa 60 € je Sau. 

Betriebe, die an der Vieheinheiten-Grenze produzieren, sollten jetzt  ihre Produktion zum Wirtschaftsjahresende hochrechnen, um keine bösen Überraschungen zu erleben. Wird es eng, muss rechtzeitig gegengesteuert werden.  Bei Bedarf wenden Sie sich gern an Ihre betriebswirtschaftlichen  Berater der Landwirtschaftskammer Niedersachsen.

 


Kontakt:
Ruth Beverborg
Fachreferentin Betriebswirtschaft, Wirtschaftsberatung
Telefon: 0441 801-304
Telefax: 0441 801-392
E-Mail:


Stand: 23.02.2012