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Kartoffellagerung - Mut zum notwendigen Risiko

Weil das laufende Jahr für die Kartoffelanbauer wieder zu den weniger erfolgreichen gehören wird, stellt sich die Frage, geht es jetzt wieder aufwärts oder wird es 2012 noch schlimmer kommen und kann man durch eigene Lagerung wirtschaftliche Täler besser überbrücken? Unter welchen Bedingungen die Kartoffellagerung zu besseren wirtschaftlichen Ergebnissen führt, analysiert Dr. Mathias Schindler von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen.

Die Marktlage im Rückblick

Der Verbrauch an Kartoffeln ist eigentlich relativ konstant, passt sich natürlich aber immer an die vorhandenen Mengen an, die sich aus der aktuellen Erzeugung und den vorhandenen Vorräten in Form von Roh- und Verarbeitungsprodukten ergibt. In der Übersicht 1 sind für das Jahr 2011 neben den Anbauflächen für Kartoffeln auch die Hektarerträge und die gesamten Erntemengen nach Bundesländern ausgewiesen. Die Kartoffelanbaufläche variiert nur sehr gering (<25), während die Erträge deutlicher schwanken. Sie lagen 2010 mit 399 dt/ha um 10% unter und 2011 mit 460,4 dt/ha um 4% über dem langjährigen Mittelwert von 443 dt/ha.

Daraus ergibt sich, dass in 2011 die Gesamternte mit fast 12 Mio. t knapp 1 Mio. t (=7,8%) höher ausfiel als im Durchschnitt der Jahre 2004 bis 2009, während die Ernte 2010 mit 10,15 Mio. t um etwa 8,4% niedriger ausfiel als das vorherige mehrjährige Mittel.

Weil die Anpassung des Verbrauchs an diese schwankenden Gesamtmengen aber nur sehr schwerfällig (im Ökonomendeutsch: unelastisch) erfolgt, sind große Preisschwankungen erforderlich, um diese doch verhältnismäßig geringen Änderungen im Verbraucherverhalten zu erreichen. Sind Kartoffeln also mal „knapp“ (wie 1983, 1994, 2006 und 2010) steigt der Preis schnell deutlich an, sind sie zudem auch nur bedingt lagerfähig (1983 und 1994), steigt der Preis immer weiter. Gibt es „zuviel“ Kartoffeln (wie 1984, 1985, 1993, 1996, 1999, 2000 und 2004) so fällt der Preis ins Bodenlose und steigt im weiteren Verlauf des Jahres nicht mal um die Lagerkosten. Diese Effekte lassen sich schon bei Erntemengenschwankungen um +8% feststellen.

Für die Analyse der Speisekartoffelpreise aus den letzten 29 Jahren werden ausgewählte Jahre und verschiedene langfristige Durchschnitte in der Übersicht 2 dargestellt. An Effekten war (fast) alles dabei:

  • hohe Startpreise und hohe Anstiege (1983, 2006 und 2010)
  • hohe Startpreise und deutliche Einbrüche (1995 und 2003)
  • niedrige Startpreise mit weiterer Verschlechterung (1987,1996 und 1999)
  • niedrige Startpreise und kaum Änderung (1997)
  • niedrige Startpreise mit leichtem Anstieg (2009 und 2011)
  • mittlere Startpreise und kaum Änderung (2007)
  • mittlere Startpreise mit starkem Anstieg (1998)
  • und zum Glück auch ein ganz normales durchschnittliches Jahr (2008)

Bei der Analyse der Durchschnittswerte zeigt sich eine Preisdifferenz von 1,75 €/dt zwischen September- und Oktoberpreisen. Diese war vor 1990 mit bis zu 3 €/dt wesentlich ausgeprägter, in den neunziger Jahren und bis 2007 mit ca. 1 €/dt deutlich geringer und ist jetzt wieder ansteigend. Weil hier „der frühe Vogel den Wurm fängt“, gehören die Septemberkartoffeln eher sofort auf den Markt als ins Lager.

Für den wirtschaftlichen Erfolg der Kartoffellagerung ist aber entscheidend, welcher Preisanstieg durch die Kartoffellagerung auf der Preisbasis „Anfang Oktober“ (Ernte 2011 für Optierer (netto): 7,97 EUR/dt) im Laufe des Jahres bis zur nächsten Frühkartoffelsaison erreicht werden kann. In diesem Jahr zeichnet sich ab, dass es nach dem ungünstigen Start und einer leichten Stabilisierung bei etwa 10 €/dt zu einer Seitwärtsbewegung kam. Für die letzten 10 Jahre (Ernten 2002 bis 2011) wird mit 11,58 EUR/dt ein um 1,50 EUR/dt gegenüber dem langjährigen Mittelwert (10,14 €/dt) höherer Durchschnittspreis ermittelt. Bis Januar war dann noch ein Preisanstieg von etwa 1 €/dt, bei längerer Lagerung von 2 €/dt drin. Auch wenn im fünfjährigen Mittel das sehr gute Jahr 2006 schon wieder draußen ist, liegt dieser Durchschnitt mit 11,95 €/dt für Anfang Oktober und Preisanstiegen bis Januar von 2,62 und bis März/April von ca. 4 €/dt auf einem deutlich höheren Niveau. Interessante Nebenbeobachtung: Bis auf 2007 kam es in den letzten 8 Jahren (seit 2004) immer zu einem deutlichen nacherntigen Preisanstieg. Eine derart lange Konstanz war in der Vergangenheit vorher nie zu beobachten.

Aus dem Vergleich der zehnjährigen Durchschnittswerte (unterer Teil der Übersicht 2) ist  langfristig eine leichte Aufwärtsbewegung bei den Kartoffelpreisen erkennbar. Wurde in der ersten Zehnjahresperiode von 1983 bis 1992 ein Preisniveau von 9,16 €/dt ermittelt, so stieg der Durchschnitt bis auf 11,58 €/dt in der Periode von 2002 bis 2011 an. Der beobachtete Anstieg betrug 26%; auf den ersten Blick beachtlich, hat aber allerdings auch 19 Jahre gedauert, so dass sich (nach Zinseszinsrechnung) eine durchschnittliche Preissteigerung von 1,24%/Jahr ergibt. Da dies deutlich unter der allgemeinen Inflationsrate liegt, sind die Kartoffelpreise langfristig eher als stabilisierend denn als inflationstreibend anzusehen.

Als Quintessenz für den eigentlichen Zweck des Beitrages bleibt festzuhalten, dass der Preisanstieg, der bei Lagerung realisierbar war, im zehnjährigen Mittel bis zu 2,08 €/dt betrug, während sich im fünfjährigen Schnitt bis März 3,91 €/dt Preisdifferenz gegenüber Anfang Oktober ergeben.

Kartoffellagerung – ein wirtschaftliches Muss

Die Entscheidung für den Anbau von Kartoffeln darf nicht ohne Beantwortung der Frage, wie gelagert werden kann, getroffen werden. Zwar sind die logistischen Anforderungen im Kartoffelanbau (noch) nicht ganz so hoch wie bei Getreide und Zuckerrüben, wo Abfuhrmengen 30 bis 150 t pro Stunde bewältigt werden müssen, dafür sind an das Handling aber deutlich höhere Anforderungen zu stellen. Die Probleme, die während der Ernte bei der direkten Anlieferung die aufnehmende Hand entstehen würden, machen es für den größeren Anbauumfang unverzichtbar, mit eigener Schlagkraft selbst einzulagern, da meistens die Ladezeiten, Anfahrtswege und Wartezeiten sonst unverhältnismäßig viel Transport- und Arbeitskapazität binden.

So ist zum einen die eigene Lagerung quasi unverzichtbar, andererseits sollte sie aber auch einen Beitrag zum wirtschaftlichen Erfolg liefern. Für die Beurteilung, ob sich die Lagerung lohnt, muss aber ein Vergleich des durch Lagerung erzielbaren Preisaufschlages mit den Vollkosten der Lagerung durchgeführt werden.

Bei der Ermittlung der durch die Lagerung entstehenden Kosten kann eine Strukturierung in  verschiedene Kostenbereiche helfen. Dabei können in zwei Kostengruppen fünf verschiedene Kostenbereiche abgegrenzt werden.

Dem „Kartoffellager“ (1. Kostengruppe) sind folgende Kostenpositionen zuzuordnen:

  • Die Kosten des Kartoffellagers (Abschreibung, Zinsanspruch und     Unterhaltung)
  • Die Betriebskosten des Lagers während der Lagerung  

Dem Produkt „Kartoffel“ (2. Kostengruppe) können folgende Kostenpositionen zugeordnet werden:

  • Die Kosten für das Produkthandling (Transport, Ein- und Auslagerung)                  
  • Zinsverluste aufgrund späterer Verkaufs- und Zahlungstermine und           
  • Kosten durch Substanzverluste (Schwund und Absortierung)            

Diese Unterteilung ist sinnvoll, weil bestimmte Kosten wie Abschreibung, Zinsanspruch und Teile der Unterhaltung immer anfallen, wenn das Lager erst einmal geschaffen wurde („sind sowieso da), unabhängig davon, ob überhaupt gelagert wird.

Andere Kosten fallen erst an, wenn das Lager genutzt werden soll, wie Z. B. Reparaturen und die Betriebskosten (z. B. Strom). Mit den Reparaturen ist das so eine Sache: Wer das Lager nie mehr nutzen will, kann darauf verzichten und lässt es verfallen, wer später eventuell wieder eine Nutzung plant, sollte das Lager instand halten, also würde er Reparaturen unabhängig von der aktuellen Nutzung durchführen. Deshalb werden diese zur ersten Kostengruppe zugeordnet.

Die Positionen der zweiten Kostengruppe sind stark an das Produkt „Kartoffel“ gekoppelt und würden bei anderen Produkten anders ausfallen. Während die Kosten des Handlings “nur“ von den kartoffelspezifischen Ansprüchen beeinflusst werden, besteht bei den Zinsverluste für das länger gebundene Kapital und bei den Kosten durch die Substanzverluste eine zusätzliche Abhängigkeit vom Kartoffelpreis. Ist der hoch, sind die für diese Positionen anzusetzenden Beträge auch höher und umgekehrt.

Bei sehr spitzfindiger Betrachtungsweise ergäbe sich sogar noch ein weitere zu berücksichtigender Bereich. Sofern die Lagerung die Qualität der Kartoffeln beeinflusst, könnten die eventuell daraus resultierenden

  • Preisänderungen aufgrund von lagerbedingten Qualitätsänderungen

Als sechste Kostenposition berücksichtigt werden. Da diese aber dann auch in der am Markt im Jahresverlauf beobachtbaren Preisentwicklung enthalten wäre, sind diese eventuellen Effekte bereits in der Kartoffelpreisentwicklung berücksichtigt.

Kosten verschiedener Kartoffellager

Beispielhaft sollen im Folgenden die Kosten für zwei verschieden große Kartoffellager ermittelt werden. Dabei soll ein Lager für die Lagerung lediglich der betriebseigenen Kartoffelmenge gebaut werden, das andere Kartoffellager wird als Gemeinschaftslager so dimensioniert, dass dort die Kartoffelmenge von 3 Betrieben gemeinsam gelagert werden kann.

Das Einzellager (vgl. Übersicht 3, Variante 1) soll für ein Lagervolumen von ca. 2.700 t gebaut werden, so dass bei einem angenommenen Ertrag von 45 t/ha Kartoffeln von ca. 60 ha Anbaufläche als Kistenlager gelagert werden können. Wegen des Investitionsvolumens von 675.000 € ergibt sich ein spezifischer Investitionsbedarf von 250 EUR/t Lagerraum. Da Nutzungsdauern von 40 Jahren für das Gebäude, 20 Jahre für die technische Ausstattung und 13,33 Jahre für die Kisten unterstellt werden, betragen die jährlichen Kosten des Lagers 1 insgesamt 54.233 EUR bzw. 20,09 EUR/t/Jahr (= 8,03% der Investitionssumme). Davon entfallen mit 10,52 EUR/t/Jahr wegen des derzeit sehr niedrigen Zinsniveaus ca. 52,4% auf die Abschreibung. Etwa 25,3% (5,08 EUR/t/Jahr) werden durch die Zinskosten der Annuitätenfinanzierung  (1 Darlehen über 20 Jahre Laufzeit mit 10 Jahren ZInsbindung zu 3,50%; Rentenbank, TOP, Klasse „C“) verursacht und 22,3% (4,49 EUR/t/Jahr) entstehen durch Unterhaltung und Versicherung. Wird nach Gruppen aufgeschlüsselt, verursacht das Gebäude Kosten von 8,79 €/t (43,7%), während die gesamte Ausstattung mit 11,30 €/t (56,3%) zu Buche schlägt.

Sofern eine AFP-Förderung nach den derzeit geltenden Bedingungen in Anspruch genommen werden kann, könnte der Eigenanteil am Investitionsbetrag auf ca. 529.000 EUR (inkl. Zwischenfinanzierungskosten der AFP-Mittel für 11 Monate) reduziert werden. Neben der Bilanzsumme verringern sich durch den kapitalisierten Zinszuschuss auch die Abschreibung und der Zinsaufwand um jeweils ca. 24%, so dass eine jährliche Gesamtbelastung von ca. 41.181 EUR bzw. 15,25 EUR/t Lagerkapazität verbleibt.  Da die sonstigen Kosten identisch bleiben, während sich Abschreibung und Zinsaufwand ändern, verschieben sich die Anteile auf ca. 49,3% für die AfA, 23,8% für den Zinsaufwand und ca. 29,4% für Unterhaltung und Versicherung. Durch die Förderung würden die Kosten des Lagers 1 also um ca. 20% sinken.

Alternativ könnte im Rahmen einer „großen“ Lösung (Variante 2) ein gemeinschaftliches Kistenlager für ca. 11.250 t gebaut werden, in dem bei einem Investitionsvolumen von 2.141.000 EUR die Ernte von ca. 250 ha Kartoffelfläche (Ertrag 45 t/ha) gelagert werden kann. Der spezifische Investitionsbedarf liegt mit 190 EUR/t um ca. 24% unter dem der Individuallösung.  

Aufgrund der unterschiedlichen Anteile für Gebäude und Technik fallen die jährlichen Kosten des größeren Lagers mit 15,58 EUR/t/Jahr um 22,45% und damit fast ein Viertel niedriger aus als im Einzellager und liegen sogar um 6,8% unter denen des AFP-geförderten Einzellagers. Dabei hat die AfA einen Anteil von 52%, während 24,8% auf die Zinsen und 23,1% auf Unterhaltung und Versicherung entfallen.

Noch günstiger wird es, wenn alle Partner des größeren Lagers für Ihre Anteile AFP-Förderung in Anspruch nehmen können. Dann ließen sich der Eigenanteil am Investitionsbedarf auf 1.695.000 EUR und die jährlichen Kosten von 175.248 EUR auf 147.208 EUR (72.222 EUR AfA, 34.431 EUR Zinskosten und 40.555 EUR Unterhaltung/Versicherung) senken (= 13,09 EUR/t).

Für die spezifischen Betriebskosten der Lager (= Kosten pro t Kartoffeln) sind zwischen den zwei Varianten nur geringe Unterschiede zu erwarten. Deswegen werden hier Pauschalwerte angesetzt, die für den ersten Lagerungsmonat 0,40 EUR/dt (0,40 EUR/dt für Lagerung überhaupt und 0,09 EUR/dt für den 1. Monat) und jeden weiteren Monat ebenfalls 0,09 EUR/dt betragen (vgl. dazu Übersicht 3). Bei 6 Monaten Lagerungsdauer entstehen somit Kosten von 0,85 EUR/dt.

Produktgebundene Kosten der Lagerung

Hier sind zunächst die Kosten für die Ein- und die Auslagerung der Kartoffeln zu nennen. Diese hängen im Wesentlichen von der Art der Lagerung (lose oder in Kisten) und dem eventuell erforderlichen Aufwand an „Hand“arbeit (Versetzen von Trennwänden, Förderbändern, etc.) ab. Da in den zwei Varianten das gleiche Lagerverfahren (Kistenlagerung, aber mit unterschiedlicher Leistung) zum Einsatz kommt und deshalb die gleichen Arbeitsschritte erforderlich sind, werden hier Pauschalwerte für die variablen Kosten des Ein- und Auslagern mit zusammen 0,52 EUR/dt angesetzt.

Wer aus der Ernte heraus verkauft, hat in der Regel meistens 2 bis 3 Wochen später sein Geld und verfügt dann über Liquidität, um Verbindlichkeiten und aktuell entstehende Kosten zu begleichen oder kurzfristige Geldanlagen zu tätigen. In Zeiten niedriger Anlagezinsen spielt letzteres zwar nur eine geringe Rolle, wer aber den Kontokorrentkredit reduzieren kann, spart bei den Zinsen schon erheblich. Durch die eigene Lagerung verschiebt sich der Zeitpunkt für den Zufluss an Liquidität durch die Verkaufserlöse allerdings oft um mehrere Monate. Da die Erlöse nun erst später zufließen, muss je nach Finanzlage des Betriebes innerhalb dieses Zeitraumes entstehender Liquiditätsbedarf anderweitig gedeckt werden oder auf die Zinseinkünfte aus der Anlage überschüssiger Liquidität verzichtet werden. Die Ausgangsbasis für die Kalkulation dieser Kostenposition bildet in diesem Fall der durchschnittliche Erzeugerpreis der letzten fünf Jahre (2007-2011) von 11,95 EUR/dt (Basismonat: Oktober). Da sich dieser aber auf sortierte Ware bezieht, sind die entsprechenden Sortierkosten, die bei einem Verzicht auf ein eigenes Lager und Verkauf als unsortierte Ware aus der Ernte heraus üblicherweise im Lohn erfolgt, vom Erzeugerpreis abzuziehen.

Bei einem Ansatz von 1,47 EUR/dt für die Lohnsortierung (1,40 EUR/dt bezogen auf 95% Verkaufsware) ist also ein „Netto“-Wert der Kartoffeln von 10,48 EUR/dt über die geplante Dauer der Lagerung mit einem marktüblichen Zinssatz zu bewerten. Bei einem Zinssatz von 5,65% mit einem Zinsanspruch von ca. 0,046 EUR/dt und Lagerungsmonat zu rechnen.

Darüber hinaus entspricht die nach der Auslagerung vermarktungsfähige Ware nicht mehr der ursprünglich eingelagerten Menge. Ursächlich dafür sind der Schwund, der aufgrund des Eigenlebens der Kartoffeln durch Veratmung und Verdunstung entsteht und die unter Umständen entstehenden Verluste durch Verderb. Haupteinfluss auf diese Größen haben neben dem Lagerungsklima (Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Luftbewegung) auch die Einlagerungsbedingungen (Knollenbeschä­d­i­gungen, -temperatur und –feuchte, anhaftende Verunreinigungen, Steinbesatz und Fäulnis). Zusammen mit den Verlusten bei der Ein- und Auslagerung werden für die Gesamtverluste bei „normalen“ Bedingungen je nach Lagerungsdauer zwischen 4,1 und 5,5% angesetzt.

Der Wert dieser nach der Lagerung nicht mehr verkauften Mengen setzt sich zusammen aus deren „Netto“-Preis zuzüglich der bereits entstandenen Kosten (Zinsanspruch, Einlagerungskosten, Kosten des anfänglich beanspruchten Lagerraumes) und ist den verbleibenden Kartoffeln, also den tatsächlich verkauften, in Form einer zusätzlichen Kostenkomponente anzulasten. Dazu kommen dann auch noch die Kosten für das Handling und die Lagerung der „Sortierverluste“, die ebenfalls von der am Schluss verkauften Ware mit getragen werden müssen.

Der daraus resultierende Preisaufschlag beträgt bei einem Monat Lagerungsdauer 0,73 EUR/dt und steigt bis auf 0,98 EUR/dt bei 6 Monaten Lagerung an.

Als letzte der oben genannten Positionen sind die variablen Kosten der Eigensortierung zu berücksichtigen. Diese gehen ebenfalls mit einem Pauschalwert von 0,62 EUR/dt in die Kostenermittlung ein.

Somit ergibt sich eine Vollkostenbelastung im Einzellager (abzüglich der Kosten einer Lohnsortierung) zwischen 2,27 EUR/dt bei einem Monat Lagerungsdauer und 3,25 EUR/dt bei sechs Monaten Lagerung (siehe Übersicht 4). Mit AFP ist es im Einzellager aufgrund der bei den Festkosten niedrigeren Ansätze für AfA und Zinsanspruch um ca. 0,47 EUR/dt günstiger.

Ein ungefördertes Gemeinschaftslager ist um weitere 0,07 EUR/dt preiswerter als die geförderte Einzellösung und wenn die Gemeinschaftslagerung gefördert werden kann, dann kostet die Lagerung dort noch einmal 0,24 EUR/dt günstiger. Durch Ausnutzung aller Vorteile lassen sich somit die Kosten um 0,63 EUR/dt senken.

Fazit

In den letzten 10 Jahren waren für spätere Vermarktung Erlösanstiege von  bis zu 2,08 EUR/dt feststellbar. Damit hat sich den Situation für die Lagerung gegenüber den neunziger Jahren zwar schon wieder deutlich gebessert, vollkostendeckend ist diesser Durchschnitt aber immer noch nicht. Die in Einzeljahren feststellbaren deutlich höheren Anstiege werden von anderen Jahren, in denen es schlecht lief, deutlich gedämpft. Der Blick weiter zurück zeigt, dass es früher mit Anstiegen von durchschnittlich bis zu 3,15 EUR/dt als längerfristigem Mittelwert deutlich besser war. Lichtblick ist aber, dass es in den letzten 5 Jahren ebenfalls deutlich besser lief und mit Lagerung von 4 bis 6 Monaten die Erlöse um 3,67 bis 4,06 €/dt gesteigert werden konnten.

Für die Lagerung sind in einer Vollkostenbetrachtung Kosten von rund 3 EUR/dt bei 4 bis 6 Monaten Lagerungsdauer im ungeförderten Einzellager anzusetzen. Durch den Erlösanstieg können hier im zehnjährigen Mittel nur etwa 68% der Kosten gedeckt werden, im fünfjährigen Mittel blieben allerdings rund 0,88 €/dt unterm Strich als „Gewinn aus Lagerung“ übrig.

Bei maximaler Ausnutzung aller Kostensenkungspotenziale lassen sich die Kosten durch ein Gemeinschaftslager zwar um ca. 0,45 EUR/dt auf rund 2,58 EUR/dt senken. Dies ermöglicht eine Kostendeckung von etwa 81% im zehnjährigen Mittel. Wenn dann noch AFP genutzt werden konnte, waren die Kosten um weitere 0,38 €/dt absenkbar, was die Kostendeckung auf fast 95% erhöht.

Eine Deckung der Lagerungskosten war über 10 Jahre also aus dem Erlösanstieg allein nicht erreichbar. Die Lagerung stellte somit einen „notwendigen“ Kostenfaktor des Kartoffelanbaus dar, der sich nur vom einem insgesamt rentablen Verfahren finanzieren lässt, wenn aus arbeitswirtschaftlichen und/oder anbautechnischen Gründen nicht auf ein Lager verzichtet werden kann.

Das Verfahren „Lagerung“ wird weiter betrieben, solange zumindest die variablen Kosten gedeckt sind, weil dies die Verlust minimierende Handlungsstrategie darstellt, denn so können die aktuell unbeeinflussbaren Festkosten wenigstens zum Teil gedeckt werden.

Hoffnung gibt aber, dass zumindest in den letzten Jahren auch mit ungeförderten Einzellagern Geld (0,88 €/dt) verdient werden wurde. Durch Optimierung der Lagerungskosten war dieser Betrag um 0,47 €/dt (AFP-gefördertes Einzellager) bzw. um 0,45 €/dt ungefördertes Gemeinschaftslager oder gar um 0,83 €/dt (AFP-gefördertes Gemeinschaftslager) steigerbar.


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Dr. Mathias Schindler
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Stand: 04.01.2013