Webcode: 01026034

Arbeitskreis Unternehmensführung: Andere Regionen, andere Ideen

Aus ganz Niedersachsen kommen die Leiter unterschiedlichster landwirtschaftlicher Betriebe, die sich einmal jährlich für drei Tage treffen - raus aus dem Alltag und rein in die gemeinsame Betriebsanalyse und Aufarbeitung von Fragestellungen. In diesem Jahr traf sich der Arbeitskreis Unternehmensführung der LWK Niedersachsen in der Genossenschaftsakademie in Rastede.  

 Zwölf Jahre ist es jetzt her, dass sich auf Initiative von Landwirten und Beratern der LWK Niedersachsen der Arbeitskreis Unternehmensführung bildete. Im Kloster Frenswegen bei Nordhorn wurde das erste Treffen abgehalten. „Für einige im ersten Moment etwas weit weg von zu Hause, aber genau richtig, um sich kennenzulernen und sich ganz auf die Arbeitskreisarbeit zu konzentrieren“, sagt Renke Hullmann, ein Teilnehmer der ersten Stunde. Zu Beginn waren es 20 Landwirte, inzwischen hat sich die Gruppe auf 37 erweitert. Die Betriebsleiter stammen aus ganz Niedersachsen. Wie sie finden, eine gute Sache: „Gerade durch die räumliche Distanz wird sehr offen über die betrieblichen Kennzahlen und geplante Entwicklungsschritte diskutiert. Denn es besteht keine direkte räumliche Konkurrenz um beispielsweise Flächen oder Mitarbeiter. Außerdem können wir uns absolut auf die Verschwiegenheit jedes Einzelnen verlassen“, so ein Teilnehmer. Ebenso sei es höchst interessant, neue Ansätze aus anderen Regionen zu diskutieren. Andere Regionen, andere Probleme, andere Ideen, betonen die Landwirte.

Sauenhalter, Futterbau und Schweinemast

Der Ablauf der Tagung hat sich in den vergangenen Jahren bewährt. Der erste Tag wird in der Regel der Analyse der Jahresabschlüsse gewidmet. Hierzu gehen die Teilnehmer in die drei Gruppen Sauenhaltung, Futterbau und Veredelung mit dem Schwerpunkt Schweinemast. Die kleinen Gruppengrößen ermöglichen hier einen intensiven fachlichen Austausch. Sich mit seinen eigenen Zahlen zu beschäftigen, mit Berufskollegen zu vergleichen und Tipps einzuholen, ist das Ziel dieser Arbeit.

Neben der Analyse der Jahresabschlüsse werden jeweils Fachvorträge im Plenum zu einem selbstgewählten Themenschwerpunkt angeboten. In diesem Jahr wurde das Thema „Erben und Vererben“ behandelt. Damit es nicht zu theoretisch wird und auch, um die jeweilige Region etwas näher kennen zu lernen, gibt es im Rahmen der Tagung jeweils eine halbtägige Exkursion. In diesem Jahr ging es zur Baumschule Bruns nach Bad Zwischenahn. „Bei den Exkursionen geht es nicht darum, sich wieder einen Kuh- oder Schweinebetrieb anzusehen. Es werden bewusst erfolgreiche Betriebe anderer Branchen ausgewählt, um Unternehmensführung in anderen Bereichen kennen zu lernen und Anregungen für sich selbst mitzunehmen“, betont Hajo Rothe, Leiter der Gruppe Futterbau.

Der dritte Tag ist dem methodischen Arbeiten vorbehalten. Hier zeigt sich der Unterschied zu anderen, spezialisierten Arbeitskreisen, bei denen es überwiegend um fachliche Belange geht. Im Arbeitskreis Unternehmensführung soll es insbesondere um die persönliche Weiterentwicklung als Unternehmer, aber auch als Mensch gehen. Anhand von Methoden wie dem kollegialen Coaching oder der so genannten Zielelandkarte werden Probleme konkret bearbeitet. Es werden Ziele formuliert und Tipps zur Umsetzung gegeben. Zum Abschluss der dreitägigen Veranstaltung gibt es wiederum einen Vortrag im Plenum und anschließend ein festes Ritual: Jeder Teilnehmer gibt jedem die Hand und wünscht für das kommende Jahr alles Gute.

Betriebsbesichtigung inklusive

Neben dieser dreitägigen Arbeitskreistagung treffen sich die einzelnen Gruppen in der Regel einmal im Sommer zur Betriebsbesichtigung bei einem oder mehreren Teilnehmern. Gerade diese Betriebsbesichtigungen ermöglichen es, sich ein besseres Bild der Hofstrukturen zu machen und bieten somit eine gute Grundlage für die Diskussionen der folgenden Treffen. Auch hier ist das methodische Arbeiten integriert. Anstatt einfach betriebliche Kennzahlen aufzuzählen, wird mittels der SWOT-Methode (Stärken – Schwächen – Chancen – Risiken – Methode) systematisch analysiert. Die SWOT-Methode dient der Positionsbestimmung und der Strategieentwicklung von Unternehmen. Auch der landwirtschaftliche Betrieb kann damit systematisch mit Stärken und Schwächen in sein Umfeld eingeordnet werden. So werden Strategien für die Zukunft entwickelt und mögliche Risiken festgestellt.

Diesjähriges Thema Erben und Vererben

Beim diesjährigen Treffen in Rastede ging es schwerpunktmäßig um „Erben und Vererben“. Dazu gab es mehrere Vorträge. Anne Dirksen von der LWK Niedersachsen legt in ihrem Vortrag dar, wie die Hofübergabe zur Zufriedenheit aller Beteiligten gestaltet werden kann. Es gilt, persönliche und familiäre Aspekte zu berücksichtigen, um die Hofübergabe reibungslos zu gestalten und auch das spätere Zusammenleben gut zu regeln. Absprachen und Regeln müssen vereinbart und dann auch von allen Beteiligten eingehalten werden. Die Verantwortung für den Betrieb und die Entscheidungsbefugnis müssen an den Hofnachfolger abgeben werden.

Dirksen wies darauf hin, dass bei wichtigen Entscheidungen wie der Hofübergabe auch immer Emotionen mit im Spiel sind, die Konflikte entstehen lassen können. Da helfe es, die Situation einmal aus Sicht des Anderen zu betrachten. Gegenseitige Wertschätzung nannte die Mitarbeiterin der LWK hier als Stichwort. Aber sie gab auch Tipps zu rechtlichen und organisatorischen Fragen in Zusammenhang mit der Hofübergabe. Was soll an den Hoferben übergehen? Wie sind die weichenden Erben abzufinden? Wie soll das Altenteil gestaltet werden und was soll mit dem hoffreien Vermögen passieren? Dirksen empfahl unter anderem, die Abfindung der weichenden Erben zum Zeitpunkt der Hofübergabe bereits abgeschlossen zu haben. Dies sei Aufgabe der Eltern und vermeide Konflikte zwischen den Geschwistern. Bestehende Verträge, etwa zum Altenteil der vorherigen Generation, behalten ihre Gültigkeit und gehen folglich bei der Hofübergabe mit auf den Übernehmer über.

Seitens der Seminarteilnehmer wurde unter anderem die Verwendung von Hofübertragungsklauseln angesprochen. Diese sollten gut überlegt sein, so Dirksen. Kommt es zum Einsatz einer solchen Klausel, sollte diese zeitlich begrenzt sein. Jeder sollte sich heute Gedanken über eine Vorsorgevollmacht machen. Ist sie vorhanden, werden im Ernstfall viele Probleme verhindert.

Für Diskussionsstoff sorgte die Information von Dirksen, dass gewerbliche Anlagen im Sinne der Höfeordnung nicht zum Hof zugerechnet werden, sondern über das BGB vererbt werden. Folglich könnte zum Beispiel eine gewerblich betriebene Biogasanlage in eine Erbengemeinschaft fallen, wenn keine vorweggenommene Hofübergabe stattfindet. 

Wilhelm Meyer zu Uphausen, Gruppe Veredelung : Diskussion über „weiche“ Themen bringt persönlich weiter

„Ich bin seit 12 Jahren im Arbeitskreis Unternehmensführung. Mein Betrieb und ich haben stark profitiert, denn ich lerne von den Erfahrungen der anderen Teilnehmer. Die offene Art, über Dinge zu diskutieren und auch mit Kritik umzugehen, haben mich persönlich weitergebracht. Gleiches gilt für die vielen „weiche Themen“, die im Rahmen der Treffen bearbeitet werden. Aus dem Arbeitskreis heraus haben sich über die Jahre feste Freundschaften entwickelt, das erleichtert meines Erachtens die Diskussion in der Gruppe. Schön finde ich nebenbei, dass ich durch die wechselnden Veranstaltungsorte unterschiedliche Regionen in Norddeutschland kennen lerne.

Im Vorfeld des diesjährigen Treffens habe ich gedacht, dass mich das Thema „Erben und Vererben“ nicht so betrifft. Aber im Nachhinein muss ich doch feststellen, dass ich viele Anregungen und Informationen für meine persönliche Situation mitnehmen kann. Der Aufwand, die Zeit im Betrieb freizuschaufeln, um an dem Arbeitskreistreffen teilzunehmen, hat sich wieder einmal gelohnt.“  

Renke Hullmann, Gruppe Futterbau : "Unterhalten auf Augenhöhe"

„Wir sind eine bunt gemischte Gruppe. Ich bin, mit kleinen Unterbrechungen, seit zwölf Jahren dabei. Für mich beginnt die Arbeitskreisarbeit schon vor dem eigentlichen Treffen. Ich muss mir Freiräume schaffen, um drei Tage wegfahren zu können. Aber schon hier zeigt sich mittlerweile, dass der Betrieb auch ohne mich ganz gut läuft. Ich kann absolut frei weg fahren und diese gedankliche Freiheit ist besonders wichtig. Während des Treffens konzentriere ich mich ausschließlich auf den Arbeitskreis. Selbst Telefonate nach Hause habe ich auf ein Minimum reduziert - in der Gewissheit, dass meine Leute den Betrieb gut im Griff haben.

Der freie Gedankenaustausch zwischen den Teilnehmern ist mir persönlich sehr wichtig. Die meisten haben mit gleichen Problemen zu kämpfen. Wir unterhalten uns auf Augenhöhe. Besonders den Austausch mit Kollegen, die andere betriebliche Schwerpunkte haben, finde ich hoch interessant. Denn gerade der Umgang mit Mitarbeiten oder Investitionsentscheidungen sind unternehmerische Fragestellungen, die gut schwerpunktübergreifend diskutiert werden können.

In den vergangenen zwölf Jahren sind im Arbeitskreis viele neue Gesichter hinzugekommen. Das Wichtigste ist meines Erachtens, dass Teilnehmer neugierig und offen für neue Menschen und Betriebe sind. Es geht nicht darum, sich zu profilieren, die besten Zahlen zu haben. Wir wollen gespannt sein auf das, was die anderen Kollegen erreicht haben. Wichtig ist die absolute Verschwiegenheit in der Gruppe. Der vertrauensvolle Umgang mit Daten und Infos ist Grundlage für einen offenen Austausch.“

Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen betreut insgesamt 5 dieser Arbeitskreise Unternehmensführung. Sie können gern weitere Informationen zu den Arbeitskreisen Unternehmensführung nutzen.

Neue Teilnehmer immer willkommen!

Wenn auch Sie Interesse an der Mitarbeit im Arbeitskreis Unternehmensführung haben, melden Sie sich bei Stephan gr. Siemer, den Ansprechpartner bei der LWK Niedersachsen. Er ist unter 04471/9483-30 oder per Mail unter: stephan.grossesiemer@LWK-Niedersachsen.de zu erreichen.

Autoren: Marlene Wilken, Paula Klostermann, LWK Niedersachsen

 


Kontakt:
Stephan Grosse Siemer
Berater Unternehmensberatung
Telefon: 04471 9483-30
Telefax: 04471 9483-19
E-Mail:
Ruth Beverborg
Fachreferentin Betriebswirtschaft, Wirtschaftsberatung
Telefon: 0441 801-304
Telefax: 0441 801-313
E-Mail:


Stand: 12.05.2014