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Wie reagiere ich auf das Greening?

Wie Futterbaubetriebe am besten auf das Greening reagieren, erläutert Jan Hillerns von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen.

 

Mehrere Ausnahmemöglichkeiten bei der Anbaudiversifizierung sowie Freistellungsmöglichkeiten von der Schaffung ÖVF bestehen für die Betriebe. Eine der wichtigsten Ausnahmeregelung für Grünlandregionen ist der anliegenden Übersicht zu entnehmen: Der Anteil vom Dauergrünland, Ackergras und Brache umfasst mehr als 75 % der landwirtschaftlich genutzten Fläche und die verbleibende Ackerfläche überschreitet nicht die 30 ha-Grenze. Dann ist der Anbau von nur einer weiteren Kultur zulässig und es muss keine ökologische Vorrangfläche vorgehalten werden.

Eine der Ausnahmemöglichkeiten vom Greening:

Bedingung: DGL + Ackergras/Grünfutterpflanzen/Brache > 75 % der LN und
verbleibende Ackerfläche < 30 ha.
 

Im folgenden Beitrag sollen Anpassungsstrategien für zwei verschiedene Futterbau-Betriebe aufgezeigt werden. Lohnt sich eine Anpassung des Anbauprogramms, so dass Ausnahmemöglichkeiten bei der Anbaudiversifizierung gegeben sind und der Betrieb von der Schaffung ÖVF freigestellt wird? Wenn dieses nicht mehr in Betracht kommt, bleibt die Frage nach der geeigneten zweiten bzw. dritten Frucht und die Frage nach der optimalen Gestaltung der erforderlichen Vorrangfläche. 

Von Ausnahmemöglichkeiten profitieren?
Niedersachsen ist das „Milchland Nummer 1“. So haben sich die Betriebe in den Grünlandregionen häufig auf die Produktion von hochwertigem Grundfutter für die eigenen Milchkühe und Rinder spezialisiert. Die Grünlandbewirtschaftung und der Silomaisanbau umfassen das Anbauprogramm in der Außenwirtschaft, so auch auf dem Betrieb Muster. Mit einem Umfang von 95 ha Mähweiden und 35 ha Silomais wird ausschließlich der eigene Tierbestand versorgt. Ackergras wird bisher nicht angebaut. Herr Muster fragt sich, ob er dieses Anbauprogramm auch künftig beibehalten kann. Der Grünlandanteil an der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche (LF) beträgt 73 % und die Ackerfläche liegt über 30 ha. Damit kommen die möglichen Ausnahmemöglichkeiten bei der Anbaudiversifizierung und Freistellungsmöglichkeiten bei der ÖVF mit dem jetzigen Anbauprogramm nicht in Betracht. Herr Muster überlegt jetzt 6 ha Grünland bzw. Ackergras anzusäen, der Silomaisanbau würde künftig 29 ha betragen. Damit könnte der Betrieb die Ausnahmemöglichkeiten bei der Anbaudiversifizierung und ÖVF nutzen (siehe oben).

Auf diesem Wege nutzt Herr Muster weiterhin die auf dem Betrieb vorhandene Mechanisierung. Rüstzeiten für Kulturen mit geringen Anbauumfängen entfallen. Eine vergleichsweise geringe Umstellung in der Ration ist zu beachten. Je nach Ertragsniveau beim Silomais und in Abhängigkeit von den Erträgen der Neuansaat ist gegebenenfalls ein geringer Zukauf von Grundfutter zu berücksichtigen. Positiv dürfte hingegen ein Fruchtwechsel auf dem Ackerland wirken.
Betrieben mit hohen Anteilen an Dauergrünland (nahe 75 %) und Ackerflächen leicht oberhalb von 30 ha ist in der Regel durch den Ackergrasanbau eine Reduzierung der verbleibenden Ackerfläche anzuraten, so dass diese 30 ha nicht überschreitet. Der Anbau weiterer Kulturen und die Schaffung von ökologischer Vorrangfläche sind damit in dieser Konstellation zu vermeiden und weisen in der Regel die geringsten Anpassungskosten aus.

Aktuelles Anbauprogramm und künftige Bewirtschaftung für den Betrieb Muster:




Acker-Futterbau-Betrieb:
Einen höheren Ackeranteil bewirtschaftet der Betrieb Meyer. Mit 65 ha Ackerland (davon 60 ha Silomais und 5 ha Ackergras) und 90 ha Dauergrünland werden in der Summe 155 ha bewirtschaftet. Damit werden weder die Anbaudiversifizierung erfüllt noch liegt ausreichend ökologische Vorrangfläche vor. Um von den Ausnahmemöglichkeiten profitieren zu können, müsste Herr Meyer seinen Ackergrasanbau um 30 ha erhöhen und den Silomaisanbau entsprechend  reduzieren. Der Anteil von Dauergrünland und Ackergras beträgt dann mit 80 % mehr als die geforderten 75 %, und die verbleibende Ackerfläche überschreitet nicht 30 ha.   
Die wirtschaftlichen Auswirkungen dieser Variante sind ebenfalls von den Erträgen und Aufwendungen beim Silomais- sowie Ackergrasanbau abhängig. Sofern in dieser Situation künftig ein Grundfutterzukauf notwendig wird, sind auch diese Kosten zu berücksichtigen. Diese Parameter gilt es möglichst genau für den eigenen Betrieb zu erfassen, damit betriebsindividuell gerechnet werden kann. Mit durchschnittlichen Werten kalkuliert, ergibt sich bei dieser Anpassung für den Betrieb Meyer eine Reduzierung im Gesamt-Deckungsbeitrag von 3.270 € (21 €/ha LF).

Welche dritte Anbaukultur?
Nimmt Herr Meyer von dieser Möglichkeit Abstand, benötigt er für seine Anbauplanung neben dem Silomais und dem Ackergras eine weitere Kultur. Der Silomaisanbau ist künftig nur noch auf 48,75 ha möglich (75 % der Ackerfläche von 65 ha). Für die eigene Grundfutterproduktion werden künftig 13 ha Ackergrasanbau vorgesehen. Damit betragen der Silomais und das Ackergras 95 % der gesamten Ackerfläche. Eine dritte Frucht mit mindestens 3,25 ha nimmt der Betriebsleiter in das Anbauprogramm auf.
Eine Überlegung ist, die verbleibende Ackerfläche mit Getreide zu bestellen. Eine Ernte als Ganzpflanzensilage ist möglich. Die Versuchsergebnisse weisen für Wintertriticale und Winterroggen sehr gute Trockenmasseerträge aus. Auch das Dreschen sowie die Nutzung des Strohs sind denkbar.

Wie ist die Ökologische Vorrangfläche zu schaffen?
Nachdem eine dritte Kultur das Anbauprogramm erweitert hat, möchte Herr Meyer zum Erhalt der Greening-Prämie zusätzlich fünf Prozent seiner Ackerfläche als ökologische Vorrangfläche ausweisen; In diesem Beispiel mindestens 3,25 ha. In Kombination mit dem Getreideanbau beschäftigt Herr Meyer sich mit dem Zwischenfruchtanbau. Auch das Anlegen von Untersaaten ist eine Möglichkeit. Beides wird bei der Berechnung der ökologischen Vorrangfläche mit dem Faktor 0,3 gleich gewichtet. Damit müsste Herr Meyer mindestens 10,83 ha Untersaaten/ Zwischenfrüchte bestellen. Bei Zwischenfruchtanbau ist zu bedenken, dass die Einsaat spätestens bis zum 01.10. zu erfolgen hat, erstmals zum Sommer/ Herbst 2015. Die Untersaaten sind im Mais in dieser Hinsicht günstiger zu beurteilen. Beide Möglichkeiten haben den Vorteil, dass keine zusätzliche Fläche für die Schaffung der Vorrangfläche beansprucht wird. Zudem sind weitere positive Wirkungen auf die Umwelt und auf das Bodenleben zu erwarten. Der Verbleib der Zwischenfrucht/ Untersaat ist voraussichtlich bis zum 15.02. des Folgejahres auf der Fläche vorgesehen. Dieses hat für die schweren Ackerstandorte den Nachteil, dass die erforderliche Winterfurche nicht sichergestellt werden kann. Hier sind gegebenenfalls weitere Möglichkeiten ins Kalkül zu ziehen.

Dass Stilllegen der Fläche ist dabei sicherlich eine wirtschaftlich ungünstige Option, auch wenn Streifen entlang von Feldrändern (bis zu 20 m) mit einem Faktor von 1,5 bei der Erstellung von ÖVF gewichtet werden sollten. Für Randstreifen oder für einzelne Flächen bietet sich die Kombination mit den Agrar- und Umweltmaßnahmen an. Hier sind Blühsteifen oder Blühflächen bis zu 2 ha förderfähig. Als weitere Option kann der Anbau von Leguminosen in Reinsaat erfolgen. Der Anbau von einem Hektar Leguminosen bewirkt 0,7 ha ökologische Vorrangfläche. Für Futterbaubetriebe ist hier der Anbau von Klee als Reinsaat eine Möglichkeit. Gegenüber dem Zwischenfruchtanbau/ den Untersaaten haben die Leguminosen und die Blühstreifen (bei Teilnahme an den NiB-AUM) den Vorteil, dass beide einen positiven Deckungsbeitrag erwirtschaften. Allerdings weicht in beiden Fällen eine Hauptkultur, so dass lediglich auf Standorten mit sonst unterdurchschnittlicher Wirtschaftlichkeit der Anbau der Leguminosen und der Blühflächen positiv zu bewerten ist. Werden Kulturen mit guter Wirtschaftlichkeit von Leguminosen und Blühstreifen „verdrängt“, ist dieses ohne Betrachtung der Fruchtfolgewirkung bei den Leguminosen aus wirtschaftlicher Sicht als nachteilig anzusehen.


Fazit:
Die aufgeführten Beispiele zeigen, dass für intensive Grünlandbetriebe mit Ackerflächen um 30 ha Ausnahmemöglichkeiten in Bezug auf die Anbaudiversifizierung und Vorrangfläche nutzbare Alternativen darstellen. Für die Acker-Futterbau-Betriebe bietet der Anbau einer dritten Kultur verbunden mit Untersaaten oder dem Zwischenfruchtanbau umsetzbare Optionen. Zudem können mit der Einsaat von Klee oder anderen Leguminosen in Reinsaat oder durch das Anlegen von Blühstreifen beide Anforderungen des Greening erfüllt werden. 


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Kontakt:
Jan Hillerns
Berater Unternehmensberatung
Telefon: 0441 34010-168
Telefax: 0441 34010-170
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Stand: 02.03.2016