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Landwirte haben viele Fragen zum Greening

Agrarreform: Kaum ein Thema beschäftigt Landwirte und Berater so sehr wie die Auflagen, die sich aus den Greening-Verpflichtungen im Rahmen der EU-Agrarreform ergeben. Wirtschaftsberater Franz-Josef Schoo von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen beantwortet  häufig gestellte Fragen.

 

Zahlungsansprüche



Werden die alten Zahlungsansprüche (ZA) wirklich eingezogen?
Ja, ab Förderantrag 2015 wird ein ZA je Hektar der im Förderantrag beantragten Fläche neu zugeteilt, vorausgesetzt, Sie sind aktiver Betriebsinhaber, der in 2013 zum Erhalt von Direktzahlungen berechtigt war. Liegt die letztgenannte Voraussetzung nicht vor, greifen eine Vielzahl von Ausnahmeregelungen.

Was passiert, wenn ich nächstes Jahr zusätzliche Flächen im Antrag habe. Wird für alle Flächen ein ZA zugeteilt?
Für jede beihilfefähige Fläche im Antrag werden ZA zugeteilt, vorausgesetzt, der Antragsteller hat am 15. 5. 2015 die Verfügungsgewalt über die Fläche.

Wem gehören die Zahlungsansprüche (Pächter/Verpächter)?
Die ZA werden dem Pächter zugeteilt (sind sein Eigentum). Allerdings müssen die im Pachtvertrag getroffenen privatrechtlichen Absprachen bezüglich der ZA bei Beendigung des Pachtverhältnisses eingehalten werden. Grundsätzlich sind auch die „neuen“ ZA übertragbar.

Können ZA auch weiterhin gehandelt werden?
ZA können - wie in der Vergangenheit auch - gehandelt werden. Neu ist eine weitere Möglichkeit: Zukünftig können ZA auch ohne Fläche verpachtet werden.

Ein Verpächter hat zum Zeitpunkt der Verpachtung darauf vertraut, dass seine mit Fläche verpachteten ZA entsprechend der Laufzeit des Pachtvertrages auch wieder an ihn zurückübertragen werden. Im Rahmen der Einziehung der alten ZA sind dann auch diese verpachteten ZA ungültig. Die 2015 neu zu verteilenden ZA würde der Pächter nun allerdings als Eigentums-ZA erhalten und der Verpächter würde leer ausgehen, da in diesem Fall zu der Rückgabe von ZA bei Pachtende nichts vereinbart wurde. Gibt es für diese Fälle Bestandsschutz oder so eine Art "Wiedereinsetzung in den vorherigen Stand"?
Es ist davon auszugehen, dass für derartige Fälle auch ein Urteil des Bundesgerichtshofs vom 29.04.2009 einschlägig ist. Hiernach wäre der Pächter dann zur "Rückgabe" der neuen Basisansprüche bei Pachtende verpflichtet, wenn eine Regelung, die dieser Rechtsfolge entspricht, im Pachtvertrag vereinbart wurde.
Anbaudiversifizierung

Wie kann ich mit meinem Betrieb auf die Forderungen (zwei bzw. drei Kulturen) am besten reagieren und bei welchen Kulturen ist der wirtschaftliche Verlust am geringsten? Welche Alternativen gibt es zum Maisanbau (GPS, Getreideanbau, Leguminosen, etc.)?
Diese und ähnliche Fragen können nur betriebsindividuell beantwortet werden. Hier spielen zu viele Faktoren eine Rolle. Wir empfehlen in diesem Zusammenhang aber den Artikel Wie reagiere ich richtig auf das Greening?" von Herrn Jan Hillerns, Bezirksstelle Oldenburg-Nord.

Was passiert, wenn ich eine Kultur während der Frist (1. Juni bis 15 Juli) bereits geerntet habe? Kann ich in diesem Zeitraum bereits eine neue Kultur bzw. Ackergras ansäen?
Ein Beispiel bei über 30 ha Ackeranteil: Ein Betrieb baut 75 % Mais, 20 % Grünroggen (GPS) und 5 % Weizen (GPS) an und erntet die GPS-Fläche am 15.6. In diesem Fall muss der Bewirtschafter als Folgekulturen solche Kulturen wählen, die die Forderung nach drei Kulturen im vorgeschriebenen Zeitraum (1. Juni bis 15. Juli) und dem vorgeschriebenen Anbauverhältnis dieser drei Kulturen auch weiterhin erfüllt. Das Abernten der GPS-Flächen bedeutet nicht, dass dann nachfolgend auf den freigewordenen Flächen nur Mais oder Ackergras nachgesät werden kann. Das reine Abernten der Flächen gilt im übrigen noch nicht als Kulturwechsel, solange die Stoppeln noch erkennbar sind.

Mit welchen Konsequenzen, monetären Sanktionen, ist bei Verzicht auf das Greening zu rechnen? Wird auch die Greening-Prämie für das Dauergrünland mit sanktioniert?
Man unterscheidet zwischen Abzügen von der Greeningprämie und Sanktionen. Bei Verstößen gegen die Greeningauflagen werden bis Ende 2016 nur Abzüge von der Greeningprämie vorgenommen. Ihre Höhe hängt von verschiedenen Faktoren ab und kann mit Hilfe des Greeningrechners der Landwirtschaftskammer Niedersachsen selber ermittelt werden. Ab 2017 kommen zusätzlich zu den Abzügen bei Verstößen gegen die Greeningauflagen Sanktionen hinzu, und zwar in Höhe von maximal 20 % der zu gewährenden Greeningprämie. Ab 2018 steigt dieser „Sanktionsanteil“ auf maximal 25 %. Dabei ist in der EU-Verordnung Nr. 640/2014 genau festgelegt, welche Verstöße mit welchen Sanktionen zu belegen sind.

Ökologische Vorrangfläche (ÖVF)

Vor- und Nachteile von Untersaaten und Zwischenfrüchten?

In der Veredlungsregion Weser-Ems haben Untersaaten und Zwischenfrüchte nur Vorteile. Die Flächen können weiter als Dungverwertungsflächen genutzt werden. In Ackerbaugebieten können je nach Getreidepreis Brache und Blühstreifen (z.B. im Rahmen von AUM als Streifenkultur angelegt) Sinn machen.

Wie lange sind die Zwischenfrüchte auf der Fläche zu belassen (31. 12. oder 15. 2.)?
Geht es rein nach den Greeningauflagen, brauchen Zwischenfrüchte nur bis zum 31.12. auf der Fläche stehenbleiben. Mit Blick auf die Cross Compliance-Relevanz müssen Zwischenfrüchte aber bis zum 15. 2. auf dem Acker verbleiben. Ansonsten kostet dieser CC-Verstoß 5 % der GAP-Prämie, was weitaus schmerzlicher für einen Betrieb ist, als in diesem Fall der Verlust der Greeningprämie.

Macht es Sinn, Landschaftselemente als ökologische Vorrangfläche anzugeben?
Landschaftselemente anzugeben macht durchaus Sinn, wenn man die volle Verfügungsgewalt über diese hat. So werden Hecken als ÖVF z.B. mit dem Faktor 2 gewichtet. Ein Beispiel: Ein Landschaftselement mit einer Größe von 5.000 m2 erfüllt die Greeningauflage für 20 ha Ackerfläche (entspricht 5 % ÖVF).

Ist eine Ansaat einer Blühfläche damit zwischen 1.04. und 15.04. untersagt?
Ein Landwirt plant eine Blühfläche im Rahmen von AUM anzulegen und diese auch als öVf anzugeben. Für brachliegende Flächen beginnt der Zeitraum des Nichtmähens/-mulchens/-häckselns am 01. April.  Für die Ansaat der Blühstreifen innerhalb des Agrarumweltprogrammes gilt eine Ausnahmeregelung. Dadurch ist ein Umbruch zur Pflege und zur Erfüllung von Verpflichtungen im Rahmen der Agrarumweltmaßnahmen ein Umbruch im Zeitraum vom 1. April bis 30. Juni zulässig, wenn der Betriebsinhaber auf Antrag einer Verpflichtung zur Anlage von ein- oder mehrjährigen Blühflächen im Rahmen von Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen dieser Verpflichtung durch Neuansaat nachkommen muss (nach § 5 Abs. 1 der Agrarzahlungen-Verpflichtungenverordnung). Hinweis: Bei einjährigen Blühstreifen (BS 11 /BS 12) ist die Aussaat nach den Richtlinien zum 15. April 2015 vorzunehmen. 


Wie werden Flächen, die mit 452 codiert sind, aber noch Ackerstatus haben (pDGL Flächen) in Bezug auf die Vorrangfläche behandelt? Ist für diese Flächen auch ökologische Vorrangfläche zu schaffen?
Hintergrund: Ackerflächen, die mit mehrjährigem statt einjährigem Ackergras angesät wurden, haben die Codierung 452 „Mähweide“ erhalten und bekamen automatisch im zweiten Jahr den Status Dauergrünland (pDGL). 

Flächen, die mit 452 codiert waren oder im laufenden Jahr mit 452 codiert werden, gelten zunächst als Dauergrünland im Sinne der Greeningregelungen, so dass diese Flächen nicht in die Anbaudiversifizierung und in die Berechnung für die Schaffung notwendiger ökologischer Vorrangfläche einbezogen werden. Falls jedoch diese Vorgehensweise gewählt wird und die betreffenden Flächen in den kommenden Jahren doch ackerbaulich genutzt werden (was auch solange möglich wäre, solange noch kein DGL-Status für die Fläche vorliegt) würde für die abgelaufenden Jahre eine Prüfung dergestalt erfolgen, ob auch unter Einbeziehung dieser Flächen in die maßgebliche Ackerfläche die Regelungen des Greenings noch eingehalten wurden. Wenn aufgrund einer solchen Prüfung festgestellt werden würde, dass in den vergangenen Jahren die Anbaudiversifizierung nicht passte oder zu wenig ökologische Vorrangflächen ausgewiesen wurden, wird es zu Rückforderungen erhaltener Zahlungen kommen.

 
Sonstiges

Bekomme ich die Greeningprämie für meine gesamte Fläche oder nur für die Ackerfläche?

Die Greeningprämie erhält der Bewirtschafter für die gesamte Fläche (Acker und Grünland), vorausgesetzt, die Grünlandfläche bleibt nach dem 1.1.2015 erhalten. Wird Grünland nach diesem Datum umgebrochen, greift die Kürzungsregelung aus der Greeningregelung.

Bei der Anbaudiversifizierung habe ich verstanden, dass Raps als Kreuzblütler 1 Kultur ist. Winter- und Sommerweizen gelten jedoch als 2 Kulturen. Was ist mit Winter- und Sommerraps?
Nach Artikel 44 Abs. 4 der EU-VO 1307/2013 gelten grundsätzlich Winter- und Sommerkulturen als unterschiedliche Kulturen, auch wenn sie zur selben Gattung gehören. Diese Regelung gilt nicht nur für die klassischen landwirtschaftlichen Kulturpflanzen, sondern auch für die Kreuzblütler, Nachtschattengewächse und Kürbisgewächse

Anbaudiversifizierung: Beispiel bei 100 ha Acker werden 75 ha Mais, 20 ha Ackergras, und jeweils 2,5 ha Winter- und Sommerweizen angebaut. Habe ich dann mit 5 ha Weizen die Vorgaben erfüllt?
In dem geschilderten Fall werden die Vorgaben der Anbaudiversifizierung erfüllt. Die kleineren Kulturen werden gewissermaßen zusammengefasst. Nach den einschlägigen Verordnungen ist im Übrigen lediglich zu prüfen, ob die Hauptkultur 75% der Ackerfläche überschreitet und/oder die beiden größten Kulturen 95% der Ackerfläche überschreiten. Ist dieses nicht der Fall, ist die Anbaudiversifizierung erfüllt.

Beispielsweise pDGL10 wird in 2015 zu DGL. Der Landwirt stellt 2018 einen Antrag, diese Fläche wieder umbrechen zu wollen. Die UNB lehnt den Umbruch ab. Kann dieses ehemalige Ackerrecht dann noch auf eine andere Fläche per Antrag umgelegt werden? Und ist diese Umlegung grundsätzlich per Antrag möglich oder nur auf die bestimmte Fläche festgeschrieben und im schlimmsten Fall verloren?
In dem geschilderten Fall ist die betreffende Fläche in 2015 zu Dauergrünland geworden oder anders formuliert, die Fläche hat ab dem 15.05.2015 den Status „Dauergrünland – DGL“ erhalten. Das „Ackerrecht“ gibt es dann, vereinfacht ausgedrückt, nicht mehr. Insofern kann diese Fläche auch nicht mehr als Ersatzfläche für den Umbruch von Dauergrünland an anderer Stelle herangezogen werden.

Dürfen Grasuntersaaten nach Aberntung der Hauptfrucht genutzt werden? Wenn ja, wie?
Nach § 31 Abs. 3 der Direktzahlungen-Durchführungsverordnung darf im Jahr der Antragstellung eine Fläche mit Zwischenfruchtanbau oder Gründecke, die als im Umweltinteresse genutzte Fläche ausgewiesen wird, nur durch Beweidung mit Schafen oder Ziegen genutzt werden. Eine andere Nutzung ist nicht möglich. Dieses gilt auch für Grasuntersaaten, da sie eine Unterform des Zwischenfruchtanbaus darstellen. Erst ab dem 15.02. ist eine Schnittnutzung bei den Untersaaten bzw. eine einmalige Nutzung der Zwischenfrucht möglich. Die Untersaat kann dann sogar zur Hauptfrucht werden.

Wann müssen Untersaaten spätestens eingesät sein?
Nach § 31 Abs. 2 der vorgenannten VO ist eine klassische Zwischenfrucht mit der geforderten Kulturpflanzenmischung frühestens ab dem 16.07. einzubringen. Nach § 18 Abs. 3 des Direktzahlungen-Durchführungsgesetzes muss die Zwischenfrucht bis spätestens zum 01.10. ausgesät sein. Für Untersaaten gilt das erstgenannte Datum naturgemäß nicht. Der 01.10. gilt hier natürlich, ist aber logischerweise praktisch nicht von Belang.

Dürfen Zwischenfrüchte, z.B.  Kleegras nach Getreide GPS, noch im Herbst genutzt werden?
Eine Nutzung der Zwischenfrüchte ist im Antragsjahr (außer Beweidung mit Schafen oder Ziegen) nicht möglich (siehe Ziffer 1). Ein Häckseln oder Schlegeln, solange ein Pflanzenbestand auf der Fläche bleibt und die Bodenkrume nicht angegriffen wird, ist aber möglich um zum Beispiel das Blühen des Bestandes zu verhindern.

Dürfen Zwischenfrüchte im folgenden Frühjahr genutzt werden? Wenn ja, wie?
Eine Nutzung der Zwischenfrüchte im Frühjahr des der Antragstellung folgenden Jahres ist uneingeschränkt möglich. Dieses ergibt sich im Umkehrschluss aus § 31 Abs. 3 der Direktzahlungen-Durchführung-Verordnung.

Darf zur Zwischenfrucht im Herbst eine organische Düngung erfolgen?
Ja, die Fläche kann mit Gülle oder ggf. Festmist im Rahmen der düngerechtlichen Bestimmungen gedüngt werden (§ 18 Abs. 3 DirektZahlDurchfG).

Von wann bis wann gilt der Stilllegungszeitraum? Was darf eingesät werden? Was darf mit dem Aufwuchs geschehen? Wie muss die Fläche gepflegt werden?

Der Stilllegungszeitraum umfasst grundsätzlich das jeweilige Antragsjahr (§ 25 DirektZahlDurchfV). Hierbei ist zu beachten, dass ab dem 01.08. des jeweiligen Jahres eine Aussaat oder Pflanzung, die nicht vor dem Ablauf dieses Jahres zur Ernte führt, vorbereitet und durchgeführt werden kann (z.B. Anbau von Wintergetreide).
Die Brachefläche ist der Selbstbegrünung zu überlassen oder durch eine gezielte Ansaat zu begrünen, soweit keine landwirtschaftliche Erzeugung stattfindet (§ 5 Abs. 1 Agrarzahlungen-Verpflichtungenverordnung). Somit darf hier keine klassische landwirtschaftliche Kultur in Reinsaat (wie Getreide, Mais etc.) gesät werden. Der Aufwuchs darf nicht genutzt werden, außer es handelt sich um Pufferstreifen entlang von Gewässern (max. 20 m Breite) oder Waldrandstreifen (max. 10 m Breite). Diese dürfen beweidet und/oder gemäht werden.
Die Bracheflächen sind min. einmal im Jahr zu mähen oder der Aufwuchs ist zu zerkleinern. Diese Anforderung ergibt sich letztlich aus § 2 der Direktzahlungen-Durchführungsverordnung. Hier ist für den Erhalt und die Auszahlung von Direktzahlungen eine landwirtschaftliche Mindesttätigkeit gefordert. Diese Mindesttätigkeit liegt vor, wenn der Betriebsinhaber der Auswuchs der Fläche mindestens einmal im Jahr gemäht und abgefahren oder der Aufwuchs zerkleinert und ganzflächig verteilt wird. Diese Tätigkeit ist jedoch in dem Zeitraum vom 01. April bis zum 30. Juni eines Jahres verboten.
 

Bis wann muss bei aktiver Begrünung einer Stilllegungsfläche die Einsaat erfolgen? Darf die Fläche vorher mit Round-Up behandelt werden?
Bis zum 01. April hat die Ansaat zu erfolgen. Die Fläche darf im Antragsjahr nicht mit Pflanzenschutzmitteln behandelt werden. Wichtig bei der Beantwortung dieser Frage ist noch die Feststellung, dass für Brachefläche während des Zeitraums 01.04. bis 30.06. eine Ruhezeit gilt (§ 5 Abs. 2 AgrarZahlVerpflV). Hier ist das Mähen oder Zerkleinern des Aufwuchses nicht erlaubt. Ein Umbruch mit unverzüglich folgender Ansaat ist zu Pflegezwecken oder zur Erfüllung von Verpflichtungen im Rahmen von Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen entsprechend der hierzu in den AUM-Richtlinien enthaltenen Ermächtigungen jedoch auch innerhalb des genannten Zeitraums zulässig.

Wie verhält es sich bei Selbstbegrünung mit Ausfallgetreide von der Vorfrucht? Darf das aufgelaufene Ausfallgetreide auf der Fläche stehenbleiben? (z.B.  Kleegras mit Anteilen der Vorfrucht)
Hier gilt das bereits gesagte. Wenn auf der Fläche keine klassische Kultur in Reinsaat angebaut wurde, sind die Bedingungen erfüllt.

Muss die Untersaat oder Zwischenfrucht zwingend umgebrochen werden, oder darf sie im nächsten Antragsjahr als Hauptfrucht codiert werden?
Eine Zwischenfrucht ist eine Frucht zwischen zwei Hauptfrüchten. Insofern muss hier im nächsten Antragsjahr eine Hauptfrucht folgen (bis spätestens zum 01.06.). Bei Grasuntersaaten ist das anders. Hier kann die Untersaat auch zur Hauptkultur des Folgejahres werden.

Wie müssen pDGL- Flächen, bislang mit 452 codiert, im Antrag 2015 codiert werden?
Solche Flächen wären meines Ermessens mit Wechselgrünland (428) zu codieren, da es sich hier um Flächen mit dem Status Acker handelt und diese Flächen bei der Berechnung der Anteile bei der Anbaudiverifizierung und der ökologischen Vorrangflächen mit einzubeziehen sind. Sofern die Fläche allerdings den Status Dauergrünland erhalten soll bzw. der Status gewissermaßen festgeschrieben werden soll, kann die Codierung 452 gewählt werden.

Wie werden diese Flächen bei der Anbaudiversifizierung und bei der ÖVF berücksichtigt?
Solche Flächen gelten als Ackerland und wären bei der Berechnung der Anbauverhältnisse und der notwendigen ökologischen Vorrangfläche mit einzubeziehen.

Darf in solchen pDGL- Flächen im Herbst eine Zwischenfrucht eingesät werden?
Da die Flächen als Ackerland gelten und das Ackergras die Hauptkultur darstellt, können solche Flächen ab dem 16.07. bis zum 01.10. mit Zwischenfrüchten, die dann auch als ökologische Vorrangflächen mit dem Faktor 0,3 gewertet werden, bestellt werden.

Gelten Ackergras (424) und Mähweide (452) auf Ackerflächen als unterschiedliche Kulturen? Oder muss alles unter Grünfutterpflanzen geführt werden?
Es handelt sich in beiden Fällen um Gras und andere Grünfutterpflanzen. Diese gelten nach dem Verzeichnis der landwirtschaftlichen Kulturpflanzen für die Zwecke der Anbaudiversifizierung als eine Kultur.

Wie sieht die genaue Definition von Ackergras aus? Muss Welsches Weidelgras zwingend Bestandteil der Mischung sein?
Es gibt keine konkrete Definition von Ackergras. Sicherlich muss Welsches Weidelgras nicht zwingend Bestandteil der Mischung sein.

Wie wird der tatsächliche Ackerstatus eines Betriebes ermittelt? Wer macht das wann und wie? Welche Konsequenzen haben Abweichungen?
Als Ackerland im Sinne der Anbaudiversifizierung und der Bereitstellung von im Umweltinteresse genutzte Flächen gilt die beihilfefähige Fläche abzüglich der Dauergrünlandfläche abzüglich der Dauerkulturen. Es ist, wie in jedem Jahr, vorgesehen, den Status der Flächen in Anlage 1 vorzudrucken. Anhand dieser Daten sind dann die notwendigen Anbauverhältnisse und die notwendige ökologische Vorrangfläche zu ermitteln. Abweichungen von den einschlägigen Vorgaben hinsichtlich der Anbaudiversifizierung und der ökologischen Vorrangfläche werden mit Kürzungen nach dem Berechnungsgrundlagen der EU-VO 640/2014 belegt. Ab 2017 kommen neben den Kürzungen der Greeningprämie Sanktionen hinzu. Die Kürzungen können mit unserem Greeningrechner ermittelt werden (Google - Stichwort Greeningrechner).

Wann ist ein Pufferstreifen ein Pufferstreifen, wann ein Feldrandstreifen? Was darf wie breit sein und wo dran angrenzen? Darf vor dem Stilllegungszeitraum auf einem Puffer- oder Feldrandstreifen Grabenaushub verteilt werden?
Pufferstreifen sind Streifen von max. 20 m Breite an Gewässern. Streifen an Waldrändern liegen am Wald und können max. 10 m breit sein. Diese werden bei der Berechnung der ökologischen Vorrangflächen mit dem Faktor 1,5 gewertet. Hier sind grundsätzlich die Brachevorschriften der AgrarZahlVerpflV einzuhalten. Es ist aber die Beweidung und die Schnittnutzung erlaubt.
Feldrandstreifen sind Streifen mit max. 20 m Breite an Feldrändern jedweder Art (also auch an Gewässern oder Waldrändern). Sie zahlen bei der Berechnung der ökologischen Vorrangfläche ebenfalls das 1,5-fache. Hier ist jedoch die Weide- und Schnittnutzung nicht erlaubt.
Der Grabenaushub kann auf diesen Streifen außerhalb der vorgeschriebenen Ruhephase verteilt werden. Sofern hier jedoch AUM-Blühstreifen angelegt werden, sind die besonderen Bestimmungen zu diesen Programmen zu beachten.

Getreide als GPS Ende Juni geerntet, ist das erlaubt? Was darf bis zum 15.07. auf der Fläche geschehen? Aussaat neuer Frucht erlaubt? Muss das schon zur Antragsstellung feststehen?
Eine Aberntung von GPS vor dem 15.07. eines Jahres ist sicherlich zulässig. Für den Zeitraum, zu dem die Stoppeln der abgeernteten GPS-Frucht noch vorhanden sind, gilt die Fläche als mit dem betreffenden Getreide bestellt. Weiterhin ist zu beachten, dass nach einem Kulturwechsel die Anforderungen an die Diversifizierung noch eingehalten werden müssen. Die Meldung der Änderung der Kultur während des betreffenden Zeitraums ist per Änderungsantrag jederzeit möglich.

Können nicht eingesäte Zwischenfrüchte oder Untersaaten ohne Sanktionen wieder zurückgenommen werden?
Beispiel: Im Antrag 20 ha Zwischenfrüchte oder Untersaaten angegeben, jedoch nur 10 ha wirklich eingesät bekommen?

Wenn im Antragsverfahren bis zum 15.05. des Jahres insgesamt mehr Flächen zum Anbau von Zwischenfrüchten zwecks Erstellung ökologischer Vorrangfläche angegeben werden als notwendig sind, kann man natürlich zumindest vor dem 01.10. eines Jahres Zwischenfruchtanbauflächen zurückziehen.

Dürfen Untersaaten oder Zwischenfrüchte im Rahmen von freiwilligen Vereinbarungen mit Wasserwerken auch fürs Greening angegeben werden?
Untersaaten oder Zwischenfrüchte dürfen natürlich für das Greening angegeben werden. Es wird allerdings zu Abzügen bei den freiwilligen Vereinbarungen wegen Doppelförderung kommen.
 

Haben Sie Fragen zur Agarreform, zur Berechnung ihrer Betriebsprämie sowie zum Greening, dann wenden Sie sich gern an Ihre betriebswirtschaftlichen Berater der Landwirtschaftskammer Niedersachsen.


Kontakt:
Franz-Josef Schoo
Förderung, Betriebswirtschaft, Milchquotenregelung
Telefon: 05439 9407-12
Telefax: 05439 9407-39
E-Mail:
Ruth Beverborg
Leiterin Sachgebiet Betriebswirtschaft, Wirtschaftsberatung
Telefon: 0441 801-304
Telefax: 0441 801-313
E-Mail:


Stand: 02.03.2016