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Photovoltaik: Der Eigenverbrauch sichert die Rendite

Die letzte Novellierung des Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) sieht neben einer stärkeren Marktorientierung durch die freiwillige Direktvermarktung für Anlage bis 500 kWp und den Direktvermarktungszwang für Anlagen >500 kWp auch eine Belastung des Eigenverbrauchs mit der EEG-Umlage vor (außer Anlagen bis 10 kWp). Dadurch verändern sich die erwartbaren Renditen. Die Folgen dieser Neuerungen und der zukünftigen Senkungen der Solarstromvergütung bei gleichzeitigem Anstieg der Strombezugspreise, analysiert Dr. Mathias Schindler von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen.

Vergütungssätze sinken zukünftig langsamer  

Die Bundesregierung will den Anstieg der Ökostromumlage jetzt anders begrenzen. Lag bei schwarz-gelb der Schwerpunkt auf einer möglichst schnellen Absenkung der garantierten Einspeisevergütung, will schwarz-rot „mehr Markt“. Wer Strom passender zum Verbrauch erzeugt soll dafür neben der „Marktprämie“ (= Differenz aus Ø Markterlös und Garantievergütung nach EEG) mit zusätzlich 0,4 cts/kWh als Vermarktungsprämie belohnt werden. Aufgrund gesunkener Vergütungen (inzwischen weniger als 30% der Höchstwerte) und fehlender 1A-Standorte liegen die Zubauraten bereits deutlich unter dem (von 3,5 auf 2,4 bis 2,6 GW/Jahr) nach unten korrigierten Zielkorridor. Die monatliche Vergütungsabsenkung beträgt deshalb nur noch 0,25% (statt bis zu 2,5%, siehe Übersicht 1). Die zuletzt gemeldeten neuen Leistungen gingen von 972 MW im September 2012 auf nur noch 140,1 MW im August 2014 zurück.

Die Übersicht 1 zeigt auch die Entwicklung der garantierten Einspeisevergütungen in den letzten Monaten. Gab es im Oktober 2012 noch bis zu 18,36 €-cent/kWh für die kleinen Anlagen bis 10 kWpeak, so erhalten diese aktuell nur noch 12,65 cts/kWh eingespeistem Strom. Für größere Anlagen gab es geringfügig niedrigere Einspeisevergütungen, die aber in der Vergangenheit von der Kostendegression locker kompensiert wurden.

Alle Anlagen, die größer als 500 kWpeak sind, erhalten zukünftig keine garantierten Festvergütungen mehr. Sie müssen ihren Strom selbst vermarkten und erhalten nach dem Marktprämienmodell die Differenz zwischen dem durchschnittlichen Strompreis am Markt und der um 0,4 cts/kWh erhöhten EEG-Vergütung ausgezahlt. Wer Strom gut vermarktet, weil er ihn zum richtigen Zeitpunkt anbieten kann, erhält zusätzlich zu den 0,4 cts/kWh Aufschlag (die den Mehraufwand ausgleichen soll)en, ja auch noch einen überdurchschnittlichen Markterlös und so in der Summe vermutlich mehr als den EEG-Garantiepreis.

Alle Anlagen ab 10 kWpeak müssen seit 1.8.2014 für jede kWh Strom, die selbst verbraucht wird, zunächst 30% (bis 31.12.2015), danach 35% und ab 1.1.2017 40% der EEG-Umlage abführen. Aufgrund des Bestandsschutzes für Altanlagen gibt es also zukünftig 3 Modelle. Wer schnell genug investierte (bis 1.4.2012) und seinen Strom selbst verbraucht, bekommt bis zu 12,43 cts/kWh dazu: Wer zwischen dem 1.4.2012 und dem 1.8.2014 den Eigenverbrauch angemeldet hat, bekommt zwar nichts, muss aber auch nicht die anteilige EEG-Umlage zahlen und wer zu spät kam , muss eben zahlen.

Rahmenbedingungen und Erfolgsmaßstab

Weil inzwischen außer Firstrichtung, Dachneigung, Modulart und regionale Einstrahlung auch die ständig schwankenden Investitionskosten auf die Wirtschaftlichkeit massiv beeinflussen, sollen die Berechnungen nicht auf realen Kostenbeispielen basieren. Diese variieren ohnehin in Abhängigkeit von der Modulart und –qualität, Größe der Anlage und den bautechnischen Voraussetzungen deutlich und ändern sich zudem nahezu wöchentlich. Stattdessen wird in einer Schwellenwert-Berechnung ermittelt, wie viel für die jeweilige Anlage investiert werden darf, damit bestimmte Renditeziele erreicht werden können. Die Berechnung erfolgt somit „rückwärts“. Es wird unter Berücksichtigung sämtlicher Kosten (auch einer Eigenkapitalverzinsung von 3% und einem Lohnanspruch von 17,50 €/AKh) der Investitionsbetrag ermittelt, der maximal gezahlt werden darf, wenn entweder 3% Unternehmergewinn vom Umsatz (= Gewinnrate) zusätzlich übrig bleiben sollen bzw. in einer Szenario-Rechnung der Unternehmergewinn 0 Euro betragen kann.

Da viele wirtschaftlich relevante Parameter deutlich variieren und erhebliche Gewinnwirkungen auslösen, sind mehrere Varianten hinsichtlich der Renditeerwartung und des Eigenverbrauchs zu rechnen. Vier Fragen stehen im Fokus:

1. Welchen Effekt hat die EEG-Umlage bei Anlagengrößen um 10 kWpeak?

2. Soll ich dieses Jahr noch ans Netz gehen oder erst 2015?

3. Welche Renditeunterschiede bestehen zwischen unterschiedlichen Anlagengrößen?

4. Rechnet sich der Eigenverbrauch mit EEG-Umlage überhaupt noch?

Die wesentlichen technischen Eckdaten, der Investitionsbedarf und die realisierbaren Ergebnisse für die beispielhaften Anlagengrößen werden in der Übersicht 2 dargestellt.

Größer oder kleiner als 10 kWpeak?

Weil für Anlagengrößen bis 10 kWpeak die anteilige EEG-Umlage nicht entrichtet werden muss, aber einige Kostenpositionen unterproportional zur Anlagengröße steigen, sind beide Effekte gegeneinander abzuwiegen. Dazu wird zunächst eine Anlage mit 9,94 kWpeak durchgerechnet.

Wer damit noch Anfang Dezember 2014 bei 25% Eigenverbrauch (= 2.236 kWh/J.) ans Netz geht und eine Gewinnrate von 3% übrig haben will, darf maximal 10.668 € (= 1.074 €/kWpeak) für die betriebsbereite Anlage ausgeben. Wer nur die schwarze Null sehen will, kann 11.179 € (= 1.125 €/kWpeak) investieren. Beide Werte sind zurzeit nicht erreichbar.

Kann der Eigenverbrauch um 1% gesteigert werden (+90 kWh/J.), steigt der Gesamtgewinn um etwa 483 €. Bei 35% Eigenverbrauch beträgt das maximal tragbare Investment bei 3% Gewinnratenerwartung 13.165 € (= 1.325 €/kWpeak) bzw. 13.727 € (= 1.382 €/kWpeak) bei Kostendeckung. Dies dürfte derzeit am Markt knapp erreichbar sein.

Wird die Inbetriebnahme im Januar 2015 geplant, verlängert sich die Dauer der gezahlten Mindestvergütung um etwa 11 Monate. Es gibt zwar voraussichtlich eine weitere Absenkung der Vergütungssätze um 0,25%, aber wer genau rechnet, merkt, dass Geduld sich auszahlt. Bei gleichem Investitionsbedarf steigt der Gesamtgewinn um rund 1.600 €. Jetzt könnten bei 25% Eigenverbrauch ca. 1.159 €/kWpeak investiert werden. Das reicht zwar immer noch nicht, würde aber den Verlust etwa halbieren. Wer 35% des Stroms selbst verbraucht, darf bis zu 14.654 € (= 1.475 €/kWp; Gewinnschwelle) investieren, das sind immerhin 6,73% mehr. Wer jetzt kauft, Ende Dezember installieren und im Januar anschließen lässt, kann die zu erwartende Preiswelle vielleicht umgehen.

Die Vergleichsrechnungen für Anlagen über 10 kWpeak zeigen, dass diese bei 25% Eigenverbrauch trotz der anteiligen EEG-Umlage auf den Eigenverbrauch schon ab 10,78 kWpeak wieder genauso (un)wirtschaftlich sind wie Anlagen knapp unter 10 kWpeak. Bei 35% Eigenverbrauch steigt diese Schwelle nur geringfügig auf 11,13 kWpeak an. Durch die Umlage wird zwar die Wirtschaftlichkeit der größeren Anlagen etwas reduziert, es entsteht aber nur ein sehr kleiner Bereich (von 10 bis etwa 11 kWpeak) für den es heißt: „Weniger (maximal 10 kWpeak) ist Mehr!“.

 Größer bleibt besser!

Zur Beurteilung der Wirtschaftlichkeit größerer Anlagen werden noch Einheiten mit 38,4 bzw. 198,7 kWpeak analysiert.

Die Prognoserechnungen zeigen, dass Anlagen knapp unter 40 kWpeak schon bei Eigenverbrauchsanteilen von etwa 15% aktuell eine Wirtschaftlichkeit aufweisen, die Kleinanlagen erst mit 35% Eigenstromverbrauch erreichen können. Weil spezifische Investitionskosten von etwa 1.300 bis 1.350 €/kWpeak getragen werden können, scheint es weiter sinnvoll, derartige Anlagengrößen zu errichten, wenn mit einer effektiven Einspeisung von 900 kWh/kWpeak gerechnet werden kann. Jedes Prozent zusätzlichen Eigenverbrauchs (+346 kWh/J.) steigert den Gesamtgewinn um 1.600 Euro. Auch bei dieser Anlagengröße lohnt sich aber das Warten auf den Jahreswechsel. Dank der längeren Vergütungsgarantie wird die Absenkung aufgewogen und nach Ablauf der „Stützung“ dürften insgesamt ca. 5.100 € mehr übrig bleiben.

Noch größer ist noch besser

Bei der Anlagengröße von 198,7 kWpeak fällt schon die Basis-Kalkulation ebenfalls deutlich günstiger aus. Die um mehr als 1,3 cts/kWh niedrigere durchschnittliche Vergütung wird durch die Kostendegression bei den sonstigen zu erwartenden Kosten bereits mehr als aufgewogen. Selbst bei 3% Gewinnerwartung dürfen jetzt bei 10% Eigenverbrauch bereits 1.332 €/kWpeak investiert werden und jedes zusätzliche Prozent an Eigenverbrauch steigert den Gesamtgewinn um fast 10.400 Euro. Deshalb dürfte eine Anlage mit 15% Eigenverbrauch auch bis zu 1.467 €/kWpeak kosten, bevor das Renditeziel von 3% Unternehmergewinn ins Wanken gerät. Wird die „schwarze Null“ als Ziel gesetzt, kann für diese Anlage bereits ein Preis von fast 300.000 Euro gezahlt werden. Beim optimierten Inbetriebnahme-Termin „Januar 2015“ kann eine weitere Gewinnsteigerung um ca. 22.000 Euro realisiert werden oder die Schwelle für die maximal tragbaren spezifischen Investitionskosten auf bis zu 1.568 €/kWpeak erhöht werden.

Fazit

Selbst unter den sich weiter deutlich verschlechternden Vergütungssätzen kann bei PV-Anlagen im Bereich von Größen ab etwa 40 kWpeak immer noch lukrativ investiert werden. Je größer die Anlage ausgelegt wird, desto höher erscheinen die Renditechancen, weil die Degression in der Vergütung deutlich geringer ist als die erreichbare Kostendegression.

Besitzer von Einfamilienhäusern, die sich eine PV-Anlage installieren, können unter den aktuellen Bedingungen und den vom Gesetz vorgesehenen Anpassungsschritten meist nur noch von Renditen träumen. Allenfalls mit sehr hohen Eigenverbrauchsanteilen (>35%) wird ihnen ein kostendeckender Betrieb der Anlage möglich sein. In den anderen Fällen muss es reichen, damit sein Gewissen scheinbar ein bisschen grüner gestalten zu können. Angesichts der Industriefreundlichkeit der Bundesregierung scheint dies politisch auch so gewollt; die ach so gebeutelten großen Energiekonzerne jedenfalls investieren vermutlich ja nicht ohne Grund in die Großanlagen für PV-Strom oder in die noch besser abgesicherten Offshore-Wind“parks“.

Der Einfluss des Eigenverbrauchs auf die Wirtschaftlichkeit wird immer größer. Daran ändert auch die anteilige Einforderung der EEG-Umlage von den Eigenstromverbrauchern nichts. Bleibt dieser Anteil bei 40%, arbeitet die steigende EEG-Umlage, die ja in der Vergangenheit den Strompreis massiv trieb und wohl auch in der Zukunft ähnliche Nebenwirkungen haben dürfte nichts –im Gegenteil: Da sie hier nur mit 40% greift, wird der Strompreis vermutlich weiter schneller steigen als die EEG-Umlage auf den Eigenverbrauch, so dass dieser weiter immer rentabler wird. Weil dieser Anstieg jetzt nur langsamer voranschreitet, wird es eben etwas länger dauern, bis auch die Betreiber von Anlagen aus den Jahren vor 2011 über zukünftigen Eigenverbrauch nachdenken, dessen „Wert“ irgendwann auch deren garantierte Vergütungssätze übersteigt.

Leider hat die Technik der Energiespeicherung immer noch einen deutlichen Entwicklungs- und Kostenrückstand aufzuholen, damit es wirtschaftlich attraktiv wird, den Eigenverbrauchsanteil dadurch zu erhöhen, dass Energie aus den Produktionsspitzenzeiten durch Speicherung in die Bedarfsspitzenzeiten hinüber „gerettet“ wird. Die Stromspeicherung wird auch interessant, wenn direkt vermarktet wird und dadurch Strom aus Zeiten geringen Bedarfs in die Nachfragespitzen verlagert werden kann. Derzeitige Stromspeicher mit 10 kWh Kapazität kosten etwa 15.000 € und belasten die gespeicherte kWh mit allein schon 0,20 €/kWh an Abschreibung (15.000 € / 10 kWh /365 Tage / >20 Jahre), Zinsen und Unterhaltung gar nicht mit eingerechnet.

Ach ja, die Antworten zu den Fragen:

1. Die anteilige EEG-Umlage bremst den Anstieg der Wirtschaftlichkeit des Eigenverbrauchs ab und erzeugt ein „Rendite“-Loch für Anlagengrößen zwischen 10 und 11 kWpeak. Größere Anlagen werden dadurch zwar weniger wirtschaftlich, nicht aber unwirtschaftlich.

2. Diese Frage wird jedes Jahr wieder gestellt werden und ist derzeit so zu beantworten:           
Weil die monatliche Vergütungssenkung mit derzeit 0,25% sehr gering ausfällt, macht es rechnerisch bereits ab der Jahresmitte Sinn, die Anlage zum aktuellen Preis mit Liefer- und Montagetermin Mitte Dezember zu kaufen und (rechtzeitig!!!) mit dem örtlichen Netzbetreiber einen Anschlusstermin Anfang Januar zu vereinbaren, weil die längeren Garantievergütung den Effekt von 0,25% monatlicher Vergütungssenkung für bis zu 6 Monate garantiert überkompensiert. Steigt die Vergütungssenkung wieder auf 0,5%/Monat, verkürzt sich der Zeitraum auf etwa 3 Monate; bei (derzeit unrealistischen) noch stärkeren Anstiegen würde er sich noch weiter verkürzen.

3. Größere Anlagen bleiben weiter deutlich rentabler als die kleinen EFH-Anlagen. Daran ändert auch die scheinbare Großzügigkeit von Herrn Gabriel gegenüber dieser Wählerzielgruppe nichts.

4. Ja und das wird wahrscheinlich auch solange so bleiben, bis die Abgabe auf Eigenstrom mal stärker steigt als der Strompreis und den „Wert“ des Eigenstromverbrauchs unter den Verkaufserlös für Strom drückt.


Kontakt:
Dr. Mathias Schindler
Unternehmensberatung, Betriebswirtschaft
Telefon: 0511 3665-4350
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Stand: 09.12.2014