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Handeln in schwierigem Fahrwasser

Die landwirtschaftlichen Märkte sind unruhig und somit setzen sich viele Landwirtinnen und Landwirte mit Ihrer wirtschaftlichen Lage auseinander. Um eine optimale Beratung zu gewährleisten, haben sich 60 Wirtschaftsberaterinnen und -berater der LWK Niedersachsen während einer zweitägigen Tagung im landwirtschaftlichen Bildungszentrum in Echem mit den Themen Markt, Sanierung und Finanzierung sowie Lebensmotive und Zukunftsstrategien  auseinander gesetzt.

Die Tagung, die durch Ruth Beverborg moderiert wurde, begann mit einem Vortrag von Herrn Rainer Fricke zur Sachverständigen- und Gutachtentätigkeit. Herr Fricke warb für die Sachverständigentätigkeit. Die Bestellungsbehörde ist die Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Herr Daniel Blömer, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer, informierte die Wirtschaftsberater über den IDW S6 Standard mit Hilfe dessen Sanierungsgutachten erstellt werden können. Vier wesentliche Bestandteile umfasst ein solches Gutachten: 1. die Unternehmensanalyse, 2. das Unternehmensleitbild, 3. die Planungsrechnung und 4. die Sanierungsmaßnahmen. Die Betrachtung der Agrarbranche aus Bankensicht in diesen teils schwierigen Zeiten in der übernahm Herr Dr. Rüdiger Fuhrmann von der NordLB Hannover mit dem Thema „Finanzieren und Investieren in der Niedrigzinsphase – worauf Unternehmer und Berater achten sollten“. Er mahnte an, in Planungsrechnungen auch schlechte Zeiten und „Undenkbares“ vorzuplanen. Auf der anderen Seite ermunterte er, antizyklisch zu investieren.

Zur Abrundung der Themen des ersten Tages informierte Herr Detlef Siewert von der niedersächsischen Bürgschaftsbank die Anwesenden über die Finanzierung mittels Agrarbürgschaften. Seit Oktober 2015 bieten die Bürgschaftsbanken in Zusammenarbeit mit der Landwirtschaftlichen Rentenbank Bürgschaften für den Agrarsektor an. Gegen eine von der Bonitätsklasse abhängige Bürgschaftsprovision (0,50 - 2,2 % p.a.) kann bis zu 60 % des Finanzierungsvorhabens und maximal 600.000 € über eine Bürgschaft besichert werden. Durch die Bürgschaft verbessern sich die Besicherungsklasse und damit die Preisklasse des Darlehens.

Um das Verständnis für die landwirtschaftlichen Familien, die von den Wirtschaftsberatern der LWK beraten werden, weiter zu verbessern, erklärte Frau Birgit Arnsmann von der Andreas-Hermes-Akademie den Teilnehmern das REISS Profil mit seinen 16 Lebensmotiven. Lebensmotive beschreiben die grundlegenden psychologischen Bedürfnisse, die die Persönlichkeit bestimmen. Professor Reiss identifizierte 16 grundlegende Motivdimensionen, die die Antriebs- und Wertestruktur eines Menschen abbilden. Mit dem Reiss Profile legte er ein Instrument vor, mit dem die individuelle Ausprägung der Lebensmotive ermittelt werden kann. Die Lebensmotive sind bei den Menschen genetisch veranlagt, unterschiedlich ausgeprägt und verlangen immer wieder Befriedigung. Ist bei einem Menschen das Lebensmotiv "Macht" stark ausgeprägt, so kann es bei einem anderen Menschen das Lebensmotiv "Familie" sein. Das REISS-Profil ist ein wertvolles Instrument in der Beratung, das den persönlichen Bedürfnissen menschlichen Handelns auf den Grund geht. Vertieft wurden die neuen Erkenntnisse aus den Plenarvorträgen in Workshops, die von Frau Birgit Arnsmann, Herrn Arnold Krämer, Herrn Rainer Fricke, Herrn Renke Harms und Herrn Uwe Bintz moderiert wurden.

Zu Beginn des zweiten Tages informierten Herr Dr. Herbert Funk und Herr Dr. Vinzenz Bauer über die aktuelle Entwicklung der pflanzlichen und tierischen Märkte und wiesen auf Trends sowohl im In- als auch Ausland hin. Einen Schwerpunkt bildete der Milchmarkt, der mit dem Anstieg des Kieler Rohstoffwertes positive Tendenzen aufzeigt aber derzeit aufgrund der hohen Anlieferungsmengen noch schwierig bleibt.

Christoph Gers-Grapperhaus stellte das neue EEG und ein Förderprogramm zur Steigerung der Energieeffizienz in der Landwirtschaft und im Gartenbau vor. Deutlich wurde, dass das Ziel des EEG 2017 ist: weg von politisch festgesetzten Preisen hin zu wettbewerblichen Ausschreibungen. Politisch liegt der Fokus auf dem Ausbau der Windenergie an Land und der Solarenergie. Im Rahmen des NAPE Förderprogrammes ist es zudem möglich Gebäude und Technik die der Optimierung der Energieeffizienz auf landwirtschaftlichen und gartenbaulichen Betrieb dienen fördern zu lassen.

Herr Stefan Ortmann informierte als stellvertretender Direktor der Landwirtschaftskammer Niedersachsen über die anstehende Novelle des Kammergesetzes sowie dessen Auswirkungen für die Wirtschaftsberatung in der Landwirtschaftskammer. Zum Abschluss der Tagung stand die Besichtigung des landwirtschaftlichen Bildungszentrum Echem an, das im September letzten Jahres nach fünfjähriger Bauzeit neu eröffnet wurde.

Für Fragen rund um die oben aufgeführten Themen zur Liquiditätsplanung, Unternehmensentwicklung und Förderung stehen Ihnen unsere Unternehmens- und Wirtschaftsberater gern zur Verfügung.

Autorin: Lizzy Magerhans, Inspektor Anwärterin Betriebswirtschaft bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen


Kontakt:
Ruth Beverborg
Leiterin Sachgebiet Betriebswirtschaft, Wirtschaftsberatung
Telefon: 0441 801-304
Telefax: 0441 801-313
E-Mail:


Stand: 18.08.2016