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Wer langfristig denkt, heizt am besten mit Holz

Weg vom Öl und Gas – hin zu nachhaltiger Energieversorgung. Dieser Schritt fällt leichter, wenn außer den ökologisch und politisch motivierten Argumenten auch der Blick auf die Kosten zeigen kann: Der nachwachsende, lokale Energieträger Holz rechnet sich auch noch.

Der Energieträgerwechsel wird im Regelfall dann sinnvoll, wenn neben vermuteten niedrigeren Brennstoffkosten auch der Ersatz des Heizkessels erforderlich wird, egal ob der Schornsteinfeger es verlangt oder die Heizung reparaturanfällig wird. Dann sind alle Kosten „variabel“ und der Vergleich zwischen einem neuen Heizkessel, der mit dem bisherigen Brennstoff betrieben wird, und den heiztechnischen Alternativen wird sinnvoll.

Der beste Weg, die Heizkosten nachhaltig zu senken und gleichzeitig ökologisch verträglicher zu gestalten, ist das Vermeiden von Wärmebedarf bei der Beheizung vor allem älterer Wohngebäude durch energetische Sanierungsmaßnahmen wie Dämmung oder Fensterwechsel.

Steigende Kosten für Heizstoffe bewirken, dass die laufenden Kosten einen wesentlich höheren und vor allem auch weiter zunehmenden Anteil an den Gesamtkosten der Wärmeversorgung haben als die Festkosten. Weil sich dadurch die bislang wesentlich höheren Festkosten des Heizens mit Holz und Stroh stärker relativieren, lohnt sich der Kostenvergleich mit alternativen Heizsystemen umso mehr.

Investitionshöhe für verschiedene Heizsysteme

Die folgende Vollkostenanalysen der Investitionsalternativen für das Heizen mit Öl, Gas und Holz in Scheit-, Hackschnitzel- und Pelletform sollen anhand von Beispielen Aufschluss über das günstigste Heizsystem geben:

Die Ausgangssituation:

Der Gesamtwärmebedarf wird auf 100.000 kWh/Jahr geschätzt und wurde bislang durch ca. 12.650 l Heizöl pro Jahr gedeckt. Nach heutigem Stand der Technik wurden davon ca. 15 % (1.900 l/J.) aufgrund des schlechten Wirkungsgrades des alten Kessels sprichwörtlich ungenutzt in die Luft geblasen.

In der Tabelle 1 sind für die denkbaren Anlagenalternativen Öl, Gas, Scheitholz, Holz-Hackschnitzel und Holzpellets außer dem (hypothetischen) Investitionsbedarf auch die zu erwartende Nutzungsdauer und das im Rahmen einer Annuitätenfinanzierung über diesen Zeitraum im Durchschnitt gebundene Kapital dargestellt (Annahme zum Finanzierungszins: 2,5%). Ferner werden der Kesselwirkungsgrad sowie in Abhängigkeit davon der Brennstoffbedarf und die unter Berücksichtigung der aktuellen Brennstoffpreise daraus resultierenden Brennstoffkosten ausgewiesen.

Heiztechnik-Varianten im Vergleich

Variante Öl: Ein neuer Ölheizkessel wird mit 14.600 € Investitionsbedarf und einer Lebensdauer von 14 Jahren  veranschlagt. Aus dem Wärmeenergiebedarf und dem Wirkungsgrad des zukünftigen Kessels von 94 % ergibt sich bei  einem Energiegehalt von ca. 10 kWh/l Öl für die neue Ölheizung ein Brennstoffverbrauch von ca. 10.638  l pro Jahr. Daraus resultieren bei einem Ölpreis von ca. 0,56 €/l insgesamt Brennstoffkosten von 5.940 € pro Jahr.

Variante Gas: Für die alternative Gasheizung mittels Brennwerttherme werden 11.300 € Investitionsbedarf (inklusive Neuanschluss an das Gasnetz), 16 Jahre Nutzungsdauer und ein Wirkungsgrad von 96% angenommen. Deshalb sind pro Jahr bei einem durchschnittlichen spezifischen Brennwert von 9,2 kWh/m3 Gas ca. 11.091 m3 Gas erforderlich. Sie kosten bei einem Gaspreis von umgerechnet etwa 0,5244 €/m3 (ermittelt in einem reinen Arbeitspreistarif) insgesamt 5.950 € pro Jahr.

Variante Scheitholz: Soll die künftige Wärmeerzeugung aus Scheitholz erfolgen, müssen 21.700 € investiert werden, wobei die Brennstoffzufuhr hier immer noch manuell erfolgen muss und deshalb über die Jahre einen deutlich höheren Zeitbedarf verursacht. Die Haltbarkeit wird mit 12 Jahren angenommen. Der Wirkungsgrad ist zwar in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen, mit 86 % aber immer noch erheblich geringer als bei Öl- und Gasheizkesseln, so dass hier mit fast 116.300 kWh der höchste Primärenergiebedarf entsteht.

Insgesamt werden 65 Raummeter Scheitholz benötigt, die bei einem Ansatz von 50 €/rm (Vollkosten der  Eigenwerbung, z.T. mit Lohnmaschinen) Brennstoffkosten in Höhe von 3.230 €/Jahr verursachen. Dies ist das untere Niveau der uns bekannten Verkaufspreise. Auch wer sein Holz selbst birgt und aufbereitet, sollte den Eigenverbrauch mit diesem Preis kalkulieren, denn das Nutzungskostenprinzip gibt, sofern eine Verkaufsoption besteht, diesen Ansatz vor, weil bei der „Selbstnutzung“ der Verkaufserlös entgeht.

Variante Holz-Hackschnitzel: Bei Holz-Hackschnitzeln entsteht wegen der aufwändigen mechanischen Zuführtechnik mit 28.500 € der höchste Investitionsbedarf. Der mit 88 % etwas höhere Wirkungsgrad erklärt sich aus dem gleichmäßigeren Brennverhalten, so dass hier 113.636 kWh/Jahr an Primärenergiemenge erforderlich werden. Dafür sind bei einem effektiven Heizwert von 780 kWh/m3 insgesamt 146 m3 Holz-Hackschnitzel erforderlich, die mit 3.059 €/Jahr zu Buche schlagen.

Variante Holzpellets: Wer über den Einsatz von Holzpellets nachdenkt, könnte dafür optional auch einen Kessel in Erwägung ziehen, mit dem unter Umständen bei entsprechender Kesselauslegung auch das Verbrennen von Getreidekorn und Strohpellets möglich wäre. Dies ist aktuell aus Kosten- und Genehmigungsgründen (wird der Schornsteinfeger eine entsprechende Zulassung erteilen?) zwar kein Thema; falls es aber doch wieder zur kostengünstigen Alternative wird, ist man dafür vorbereitet. Darüber nachzudenken lohnt sich, wenn Getreidepartien nur Preise von maximal 125 €/t erzielen. Dies ist aktuell zwar noch unwahrscheinlich, zukünftig aber nicht immer auszuschließen. Allerdings gibt es nur noch wenige Hersteller, die ihre Pellet-Kessel dafür freigeben. Diese Möglichkeit ist bei den Hackschnitzel-Kesseln eher gegeben. Für die Pellet-Heizung liegt der Investitionsbedarf bei ca. 20.600 €, wobei die Kesselhaltbarkeit auf 14 Jahre geschätzt wird. Die Brennstoffkosten liegen bei Holzpellets mit 5.121 €/Jahr deutlich höher als bei Scheitholz und Hackschnitzeln. Komfort hat leider seinen Preis.

Ohne Berücksichtigung anderer Kosten ergibt sich bei den reinen Brennstoffkosten zurzeit ein leichter Vorteil für die Holz-Hackschnitzel, gefolgt von Scheitholz. Holzpellets, Gas und Öl weisen deutlich höhere Brennstoffkosten auf.

Sämtliche Kosten unter die Lupe genommen

In der Übersicht 2 wird die Kostenkalkulation in zwei Stufen zur Vollkostenbetrachtung erweitert. Dazu wird zunächst der Aufwand für Wartung und Reparaturen, Gebühren und anteilige Versicherung sowie für den Betrieb (Strom), den Lohnansatz und den erforderlichen, bei Holz möglichst staubdichten Lagerraum für die Brennstoffe (Ausnahme: Gas) ermittelt und addiert.

Trotz des hohen Lagerraumbedarfs und der höheren Abschreibung liegen die Holz-Hackschnitzel bei den so errechneten variablen Kosten (inklusive Brennstoff) als günstigste Variante immer noch auf Platz 1. Sie können den Brennstoff Scheitholz aber nur aufgrund der Lohnkostenunterschiede um etwa 10% unterbieten. Das Ranking der arbeitswirtschaftlich sehr aufwändigen Scheitholzfeuerung hängt allerdings stark vom Lohn(anspruch) ab. Wer die Beschickung bezahlen muss, heizt teuer, wer das aus gesundheitlichem Interesse als „Sport“ ansieht, kommt dann viel günstiger weg. 

Holzpellets haben zwar (derzeit) eine geringe Preisvariabilität, sind aber in der Betrachtung der variablen Kosten sogar teurer als Gas und fast so teuer wie Öl, weil die Preise der fossilen Energieträger aktuell (ausnahmsweise?) deutlich gesunken und niedrig sind.

In der Vollkostenbetrachtung einschließlich Abschreibung und durchschnittlicher Kreditzinsen ergibt sich derzeit folgendes Bild:

Am günstigsten ist mit 7.534 €/Jahr die Gasheizung, gefolgt vom Öl, das mit 8.434 € derzeit etwa 12% teurer würde. Wer den Gasnutzer durch günstigeren Brennstoffeinkauf unterbieten will, müsste schon etwa 16% günstiger einkaufen (0,47 €/l in Zeile „Schwellenpreis zu günstigstem Brennstoff“). In der Vollkostenermittlung fallen die anfänglichen Kostenvorteile der Hackschnitzel- und Scheitholz-Heizungen weg.. Grund sind die erheblich höheren Festkostenbelastungen. Unterm Strich ergeben sich nach Abzug von Abschreibung und Zins(-anspruch) derzeit für Scheitholzheizungen mit 8.574  €/Jahr Gesamtkosten, die sogar höher sind als die bei Ölheizungen. Der Einsatz von Holz-Hackschnitzeln wird mit 8.613 € (+1.079 €/J. zu Gas) an jährlichen Kosten sogar noch teurer. Die Pellet-Heizung verursacht (derzeit) mit 8.865 €/Jahr die höchsten Gesamtkosten und ist 1.331 €/J. teurer als die Gasheizung.

Wer meint, die Umstellung auf Flüssiggas wäre eine Alternative, wird feststellen, dass dies in der Summe mit 8.865 €//Jahr genauso teuer wird wie die Pelletheizung.

Wann kippt die Vorzüglichkeit?

Durch Sensitivitätsanalysen, bei denen die Brennstoffpreise variieren, kann ermittelt werden, bei welchen Preisrelationen die  Vorteilhaftigkeit zwischen den Brennstoffen wechselt. Einige dieser Ergebnisse befinden sich ebenfalls im unteren Bereich der Tabelle 2. Hier wird zunächst danach gefragt, welchen Preis der jeweilige Brennstoff maximal haben dürfte, um mit der günstigsten Alternative „Gas“ kostenmäßig gleichzuziehen.

Bei einem Gaspreis von 0,057 €/kWh dürfte Öl derzeit maximal 0,47 €/l kosten. Für Scheitholz könnten maximal 33,90 €/rm ausgegeben werden, Holz-Hackschnitzel  müssten für maximal 13,59 €/m3 bzw. Holzpellets für 206 €/t beschaffbar sein. Alle drei Preise sind aber unrealistisch.

Wird der Ölpreis als Referenz angenommen, weil z. B. Gas zwar theoretisch am günstigsten wäre, aber nicht verfügbar ist, dann dürften Scheitholz maximal 47,83 €/rm, Holz-Hackschnitzel bis zu 19,77 €/m3 und Holzpellets höchstens 194,15 €/t kosten, um bei einem Ölpreis von 0,56 €/l mithalten zu können (vorletzte Zeile der Übersicht 2).

Ab welchem Heizbedarf lohnt die Umstellung?

Aber was wäre denn günstiger, wenn mein Energiebedarf dann doch nicht so hoch ist? Dieser Frage wird in der letzten Zeile der Übersicht 2 nachgegangen. Dort wird ermittelt, ab welcher Brennstoffmenge sich statt einer Umstellung von Öl auf Gas oder auf die Holzbrennstoffe rechnet.

Eine Umstellung von Öl auf Gas erscheint aus ökonomischer Sicht eigentlich immer sinnvoll, da sowohl die variablen Kosten als auch die Festkosten niedriger sind als beim Öl. Andererseits ist die Aussicht, vielleicht doch mal im Kalten zu sitzen, wenn die Krise zwischen der Ukraine (und der EU) und Russland weiter eskaliert und die „Schröder“-Pipeline zwar betriebsbereit ist, aber aus taktischen Gründen nicht genutzt wird, nicht besonders beruhigend.

Die höheren Festkosten eines entsprechenden Scheitholzkessels amortisieren sich bereits ab einer Verbrauchsmenge von ca. 79 Raummetern pro Jahr (+22% Auslastung), während bei Holz-Hackschnitzeln dafür mindestens 165 m3 verbrannt werden müssen (+ 13% Auslastung). Bei Holzpellets kann unter den derzeitigen Rahmenbedingungen keine entsprechende Menge ermittelt werden, da sowohl die „variablen Kosten“ als auch die Festkosten höher sind und die Kosten somit unabhängig von den Mengen immer höher sind als bei Gas.

Was wäre, wenn ….?

Diese Frage erfordert meist Szenario-Berechnungen, in denen die Auswirkungen der Änderung einzelner Parameter auf das Ergebnis analysiert werden. Da die zentrale erfolgsbestimmende Größe der Brennstoffpreis ist, werden  in der Übersicht 3 die Ergebnisse entsprechender Analysen für verschiedene Ölpreise gezeigt.

Dazu werden in zeilenweiser Darstellung zu dem jeweiligen Ölpreis, die Preise der anderen Brennstoffe wiedergegeben, bei denen die Wirtschaftlichkeit beider Brennstoffe gleich ist.

Kostet Öl 0,66 €/l, so sind Holz-Hackschnitzel-Heizungen wirtschaftlich, solange der Hackschnitzelpreis unter 27,07 €/m3 liegt. Holzpellets sind bis zu einem Preis von 238,20 €/t günstiger und mit Holzscheiten heizt man kostengünstiger, wenn diese unter 64,30 €/rm kosten.

Fazit

Bei den derzeit sehr günstigen Öl- und Gaspreisen ist es schwierig, für die nachhaltigen Heizsysteme mit Holz eine betriebswirtschaftliche Vorzüglichkeit zu ermitteln. Zurzeit ergeben sich hier eher Nachteile in einer Größenordnung von 100 bis 1.000 € gegenüber Öl und Gas.

Sobald der Ölpreis aber wieder über 0,66 €/l steigen wird, wird das Heizen mit Holz – egal ob mit Scheiten, Hackschnitzeln oder Pellets - neben der Unabhängigkeit und der Nachhaltigkeit, weil selbst regional mehr nachwächst als verheizt wird, auch wieder einen wirtschaftlichen Vorteil besitzen.


Kontakt:
Dr. Mathias Schindler
Unternehmensberatung, Betriebswirtschaft
Telefon: 0511 3665-1350
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Stand: 11.01.2017