Webcode: 01032652

Im Kartoffelanbau durch Beregnung die Erlöse optimieren

Im nachfolgenden Beitrag analysiert Dr. Mathias Schindler von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, inwieweit die Wirtschaftlichkeit im Kartoffelbau durch Beregnung gesteigert werden kann.

Auch schon vor den Diskussionen im Rahmen des Klimawandels über die steigenden Durchschnittstemperaturen und über die veränderte Niederschlagsverteilung wurde die Installation von Beregnungstechnik in den meisten Kartoffelanbaugebieten als ein „must have“ für eine ertragsstabile und nachhaltig wirtschaftliche Kartoffelerzeugung empfohlen. Ohne die Beregnung geht es im Prinzip zwar auch, aber wer einmal zusah, wie die Pflanzen im Frühsommer unter Wasserknappheit litten, will das in der dann folgenden Ernte fällige Lehrgeld nicht nochmals bezahlen.

Doch welche Ertragseffekte brauche ich eigentlich, um die Kosten der Beregnung decken zu können?

Damit diese Frage belastbar beantwortet werden kann, sollten zunächst die Kosten der Beregnung ermittelt werden, z.B. in Form von jährlichen Gesamtkosten. Dies hat den Nachteil, dass sich diese bei jährlich variierendem Einsatzumfang ändern. Besser wäre es die Kosten direkt als Kosten pro Einheit auszuweisen, wobei sich als Einheit dann entweder m3/ha oder besser „mm Beregnung/ha“ anbieten, damit es gleich auf den Wetterbericht-Standard berechnet wird.

Im zweiten Schritt sind die ermittelten Kosten mit den durch die Beregnung erzielbaren Erlössteigerungen zu vergleichen. Hier ist zwar auch die absolute Änderung des Gesamtertrages von Bedeutung, mehr Einfluss haben aber die Ertragseffekte, die in den marktgängigen Sortiergrößenklassen auftreten. Die Anforderungen an das produktionstechnische Knowhow werden dabei eher größer. Schließlich geht es nicht um die Masse insgesamt, sondern um die Menge in der richtigen Größenklasse und damit um die „Feinjustierung“ in der Produktion.

 

Investitionsbedarf und jährliche Kosten

Anders als bei der Maschinenausstattung, bei der in der Regel das Grundmodell von der Stange kommt und durch zusätzliche Sonderausstattung individualisiert wird, muss die Beregnungstechnik im Normalfall immer individuell konfiguriert werden. Dies erschwert die Kostenkalkulation, da sich die jeweilige Situation jedes Mal anders darstellt und deshalb andere Komponenten mit unterschiedlichem Investitionsbedarf erfordert.

Die für das Berechnungsbeispiel genutzte Ausstattung und der daraus resultierende Investitionsbedarf sind in der Übersicht 1 ersichtlich. Neben einem Brunnen sind Leitungen sowie Schlauch mit Regner in beiden untersuchten Verfahren gleich. Für einen Vergleich der Bewässerungsverfahren werden eine elektrische betriebene Pumpe mit dem erforderlichen Anschluss sowie eine dieselbetriebene Pumpe gegenübergestellt.

Dabei fällt zwar der ermittelte Gesamtinvestitionsbedarf für die Variante mit dem elektrischen Antrieb mit 116.700 € etwas höher aus (+3,36%) als für die Variante mit der dieselbetriebenen Pumpe (112.900 €). Weil aber letztere eine geringere Lebensdauer aufweist, ist sie im Endeffekt bei den Festkosten mit 0,29 €/m3 um etwa 0,023 €/m3 teurer.

Die Kostendifferenz vergrößert sich durch den Unterhaltungsaufwand um weitere 0,02 €/m3, weil bei einer Pumpe mit Dieselantrieb 0,03 €/m3 anfallen, während die Unterhaltung für eine Pumpe mit Stromantrieb nur 0,01 €/m3 kostet. Da der Rest der Beregnungsanlage einen Unterhaltungsaufwand von 0,04 €/m3 verursacht, wirkt dieser vermeintlich kleine Unterschied von „nur“ ca. 0,43 €/m3 relativ deutlich (+13%).

Hinzu kommen die Unterschiede bei den Betriebskosten. Da es sich bei dieselbetriebenen Pumpen in der Regel um mobile Anlagen handelt, darf kein Heizöl eingesetzt werden. Aufgrund der aktuell niedrigen Rohöl- und damit auch Treibstoffpreise ist der Liter Diesel selbst nach Abzug der Steuerrückerstattung noch mit 0,77 €/l (netto) zu bewerten, während der Strom mit 0,19 €/kWh zu Buche schlägt. Dies bedeutet für den Dieselbetrieb trotz der zurzeit gerade relativ günstigen Betriebskosten von immer Kosten in Höhe von 0,094 €/m3, während beim Elektroantrieb dafür „nur“ 0,074 €/m3 an Kosten entstehen. Damit beträgt der Unterschied bei den Betriebskosten zwischen beiden Verfahren derzeit nur noch 0,02 €/m3 Beregnungswasser. Sollten die Dieselpreise allerdings wieder deutlich anziehen und damit Bruttopreise von 1,45 €/l Diesel wieder Realität werden, so würde daraus ein Kostenanstieg um etwa 0,032 €/m3 (ca. 7%) resultieren, der in dem Vergleich voll auf das Ergebnis durchschlägt, da Diesel- und Strompreis nicht korreliert sind und deshalb als unabhängig voneinander gelten.

Bei Addition dieser Kostenpositionen ergibt für eine dieselbetriebene Anlage ein Kostensatz von 0,457 €/m3, während bei Stromantrieb die Kosten mit 0,393 €/m3 um 0,064 €/m3 (bzw. ca. 14%) niedriger ausfallen.

Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit im Kartoffelanbau

Um den wirtschaftlichen Erfolg einer Beregnung beurteilen zu können, müssen alle sich ändernden Parameter einer ökonomischen Bewertung unterzogen werden. Das Ergebnis ist dann mit einer Erfolgsrechnung ohne Beregnungseinsatz zu vergleichen. Dies erfolgt in der Übersicht 2.

Wird als Referenz von einem Gesamtertrag von 410 dt/ha ausgegangen, von denen 300 dt/ha in die Sortiergröße 35-65 mm fallen und mit 16 €/dt bezahlt werden, so ergibt dies mit einem Erlös von 4.800 €/ha einen Anteil von knapp 90% am Gesamterlös von 5.362 €/ha. Werden davon die standardisierten Kosten für Pflanzgut (1.013 €/ha für 27 dt), Düngung (abzüglich der Nährstoffrücklieferung aus dem Kartoffelkraut), Pflanzenschutz, Maschineneinsatz, Lagerung, Hagelversicherung und Lohnanspruch in Höhe von insgesamt 4.545 €/ha (= 11,09 €/dt) abgezogen, so verbleibt ein „Überschuss“ von 817 €/ha bzw. 1,99 €/dt geernteter Ware.

Durch 100 mm Beregnung, was ja er Aufwandmenge von 1.000 m3/ha entspricht, kann der Gesamtertrag um mindestens 85 dt/ha gesteigert werden. Diese vorsichtig kalkulierte Ertragssteigerung wird zwar nicht immer in jedem Jahr realisierbar sein, ist aber mit Durchschnittswerten aus mehrjährigen Versuchen belegbar. Für den wirtschaftlichen Erfolg ist ausschlaggebend, wie sich der Ertrag und der Mehrertrag nach Beregnung auf die verschiedenen Sortiergrößen verteilen. Dabei ist zu erwarten, dass der Ertragsanteil der größten Sortierung am stärksten zunehmen wird, während es am unteren Ende eher zu einer Abnahme kommen wird. Der Ertrag in der eigentlich idealen mittleren Sortiergröße nahm in entsprechenden Versuchen oft nur unterdurchschnittlich zu, genau wie die Menge in der Abgangssortierung. Bei der konservativ geschätzten neuen Ertragsaufteilung wird durch einen Gesamterlös von insgesamt 6.398 €/ha eine Steigerung um ca. 1.036 €/ha erwartet.

Neben konstanten Pflanzgutkosten sind geringfügig höhere Düngerkosten zu erwarten, weil die Düngermengen aufgrund der höheren Ertragserwartung in der Beregnungsvariante berechnet werden. Auch der Pflanzenschutzaufwand könnte etwas höher ausfallen, falls zur Wachstumsbeeinflussung kurz vor der Ernte ein erhöhter Krautregulierungsaufwand erforderlich wird. Um hier auf jeden Fall auf der sicheren Seite zu sein, werden dafür Kosten angesetzt, die möglicherweise nicht jedes Jahr anfallen. Zusätzlich zu den ebenfalls geringfügig höheren Maschinen- und Lohnkosten sind aber auch noch die Kosten der Beregnung (mit Dieselbetrieb), die mit 457 €/ha fast die Hälfte des Mehrerlöses beanspruchen, zu decken. Weil die größere Gesamtmenge auch mehr Lagerraum beansprucht und dadurch höhere Lagerungskosten entstehen, bleiben nach Abzug von 5.390 € Kosten pro Hektar noch 1.008 €/ha Überschuss. Dies entspricht 2,04 €/dt.

Werden die Produktionskosten ermittelt, so liegen diese jetzt mit 10,89 €/dt etwas unter den 11,09 €/dt aus dem Verfahren ohne Beregnung. Dies resultiert daraus, dass der zusätzliche Ertrag zu (Grenz)-Kosten von 10,56 €/dt produziert werden kann.

Die erreichte Ertragssteigerung liegt bei 0,85 dt/mm Beregnungswasser, durch die ein Gewinnzuwachs von 190,24 €/ha (= 23,3%) bzw. 1,90 €/mm Beregnungswasser prognostiziert werden kann.

Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass hier keine Wasserentnahmegebühr berücksichtigt wurde. Bei einem „Überschuss“ von 1,90 €/mm bzw. 0,19 €/m3 Beregnungswasser kann diese Gebühr die bisherige Kalkulation aber sehr schnell ins Wanken bringen.

Fazit

Eine komplette Beregnungsanlage kann durchaus einen Investitionsbedarf von deutlich über 100.000 € verursachen.

In der Investitionssumme unterscheiden sich Anlagen mit elektrisch- bzw. dieselbetriebenen Pumpen kaum, in den jährlichen Kosten hingegen schon. Der Dieselbetrieb ist selbst bei günstigen Dieselpreisen um 0,64 €/mm Beregnung teurer; an entlegenen Standorten gibt es aber keine Alternative, weil die Stromerschließung dort meistens „unbezahlbar“ ist. Wird Diesel wieder so teuer wie in den Jahren 2011 bis 2014, so resultieren daraus weitere Kostensteigerungen um etwa 0,03 €/m3 Beregnungswasser.

Bei sehr konservativer Betrachtung ermöglichen sinnvoll eingesetzte 100 mm Beregnung im Durchschnitt Ertragssteigerungen um mindestens 85 dt/ha bzw. Mehrerlöse von etwa 1.000 €/ha.

Wer hier den Erfolg sucht, muss außerdem auch noch die Produktionstechnik gut im Griff haben. Wenn das Kraut „dank“ fehlendem Wasserstress zulange „grün“ ist und deshalb die Kartoffeln immer weiterwachsen können, bewahrheitet sich der Spruch vom „dümmsten Bauern mit den größten Kartoffeln“. Wer diese jedoch hochpreisig vermarkten kann, mag auch mit dem wenig schmeichelhaften Attribut gut leben können, der Regelfall wird das aber nicht sein.

Wer also die Technik zur Anbausteuerung beherrscht, hat nach Abzug sämtlicher zusätzlicher Kosten noch etwa 190 €/ha zusätzlich übrig.

Durch den Einsatz von Beregnung bei Kartoffeln können Erträge stabilisiert und gesteigert werden, die zusätzlichen Gewinne werden aber nicht in den Himmel wachsen.


Kontakt:
Dr. Mathias Schindler
Unternehmensberatung, Betriebswirtschaft
Telefon: 0511 3665-1350
Telefax: 0511 3665-1509
E-Mail:


Stand: 03.08.2017