Nach der Ernte ist vor der Ernte
Die laufende Ernte wird in wenigen Wochen vorbei sein. Dann steht die Aussaat für 2012 vor der Tür und jeder Landwirt muss entscheiden, was wo angebaut werden soll. Die Rübenquote und Verträge mit Biogasanlagen geben den Anbauumfang der betroffenen Kulturen vor. Die Frage ob es Sinn macht, Wintergerste anzubauen oder lieber auf Stoppelweizen zu setzten muss, wie der drei oder vierjährige Rapsanbau, jedes Jahr neu diskutiert werden.
Die folgende Tabelle 1 soll als Entscheidungshilfe dienen. Dabei sind die Werte brutto dargestellt (pauschalierender Betrieb). Die Direktkosten ergeben sich aus dem Nährstoffentzug (bewertet nach mittleren Werten aus der Land u. Forst), Pflanzenschutz und Saatgut sind Durchschnittswerte aus eigenen Betriebsauswertungen. Die Arbeitserledigungskosten setzen sich zusammen aus Maschinenkosten und Löhnen bzw. Lohnansätzen; sie sind angelehnt an vorliegende Maschinenringsätze und ergänzt um eigene Annahmen. Aktuelle Nährstoffpreise dienen dabei als Grundlage und sind in Tabelle 2 aufgeführt. Aus derzeitiger Sicht werden alle Kulturen eine positive Direkt- und arbeitserledigungskostenfreie Leistung (DAekfL) erreichen können. Besonders hervorzuheben sind die Zuckerrüben und der Winterraps, aber auch der Anbau von Silomais für eine Biogasanlage kann, bei entsprechenden Angeboten, interessant sein.
Dem aufmerksamen Leser fällt auf, dass die Direktkosten für Silomais relativ gering und die Arbeitserledigungskosten, trotz Maisernte durch die Biogasanlage, relativ hoch sind. Dazu muss man wissen, dass der Maisanbauer Anspruch auf den Gärrest hat (ca. 70% der gelieferten Substratmenge). Der Nährstoffrückfluss wird mit dem Nährstoffentzug saldiert, daher fallen relativ geringe Nährstoffkosten an. Der Anspruch auf Gärrest besteht allerdings „Ab Behälter Biogasanlage“. Der Transport von Anlage zum Feld muss vom Landwirt organisiert und bezahlt werden, daher die relativ hohen Arbeitserledigungskosten.
Grundsätzlich kann der Vergleich der DAekfL als nützliche Entscheidungshilfe für die kommende Saison dienen. Allerdings sollten weitere Aspekte bei der Anbauplanung eine Rolle spielen.
Die Fruchtfolgegestaltung darf nicht vernachlässigt werden, Fruchtfolgekrankheiten, Resistenzen und auch Fusarien können mittel- und kurzfristig zu erheblichen Problemen führen.
In wachsenden Betrieben hat die Arbeitwirtschaft einen Einfluss auf die Anbauplanung. Für die optimale Bestellung, Pflege und Ernte der Kulturen stehen nur enge Zeitfenster zur Verfügung.
Beispiel:
Im Bereich Northeim kann, im Durchschnitt der Jahre, im Zeitraum 15. Juli bis 20. August an 20 Tagen gedroschen werden. Das vergangene Jahr hat gezeigt, dass die Entzerrung der Ernte sinnvoll sein kann.
Damit Engpässe vermieden werden, ist es wichtig, dass der Betriebsleiter seine technischen und personellen Kapazitäten in der Anbauplanung berücksichtigt. Der Anbau von Wintergerste kann interessant sein, um AK zu optimieren. Zwischen der Gersten- und Raps- bzw. Weizenernte vergehen in der Regel einige Tage. Diese Tage können bereits für Feldarbeiten genutzt werden. Die Optimierung der Mähdruschkapazität und die Streuung von Anbaurisiken kann ein Argument für die Wintergerste sein.
Der Anbau von Mais ist besonders für solche Betriebe interessant, die eine geringe AK Ausstattung haben und möglicherweise eine geringe Mähdruschkapazität.
Fazit:
Die Direkt- und arbeitserledigungskostenfreie Leistung der Kulturen, eine optimierte Fruchtfolgegestaltung abgestimmt mit einer professionellen Organisation der Arbeitwirtschaft macht eine gute Anbauplanung aus.





