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Jederzeit bereit für die Kunden

Verkaufsautomaten Immer mehr Landwirte kommen ihren Kunden entgegen und bieten Waren über Automaten an. Diese sind inzwischen sowohl auf vielen Höfen, als auch an Standorten außerhalb der Betriebe zu finden. Wir sagen, worauf es zu achten gilt.

Von Kartoffeln und Eiern über Obst und Gemüse bis zu Honig und verarbeiteten Produkten: es gibt fast nichts, was Landwirte nicht über Verkaufsautomaten anbieten können. Die Vorteile liegen auf der Hand: Kunden können so die leckeren Hoferzeugnisse jederzeit kaufen, auch wenn sie es nicht zu den Öffnungszeiten des Hofladens schaffen. Außerdem können sie in Ruhe schauen, ohne warten zu müssen und bleiben anonym.

Dagegen können die Landwirte ihre Verkaufszeiten im Hofladen verringern, wodurch sich gleichzeitig Personalkosten reduzieren lassen. Das Angebot steht rund um die Uhr zur Verfügung, auch außerhalb der Ladenschlusszeiten sowie sonn- und feiertags. Die Ware lagert sicher und sauber. Die Vermarktung fügt sich gegebenenfalls besser in die betrieblichen Abläufe ein, damit können Arbeitsspitzen entzerrt werden und es ist möglich, neue Kunden zu erreichen.

Der Aufstellungsort

Gerade der Aufstellungsort bedarf guter Überlegung. Liegt dieser auf dem Hof, können der Aufwand für Beschickung und Betreuung geringgehalten, Installationen mit vertretbarem Aufwand geschaffen werden und der Automat ist in Blicknähe. Allerdings muss der Betrieb verkehrsgünstig liegen, damit genügend Kunden den Weg zum Automaten finden. Ist dies nicht gegeben, hilft ein entfernter liegender Standort mit guter Kundenfrequenz. Dazu müssen aber vorab die entsprechenden Nutzungsrechte oder Pachtmöglichkeiten geklärt werden.

In beiden Fällen sind gute Beleuchtung, sichere Zuwegung, gut sichtbare Ausschilderung und ausreichend Parkmöglichkeiten wichtig. Auch die Absicherung gegen Diebstahl und Vandalismus gehört zur Vorbereitung. Als Witterungsschutz erfolgt die Aufstellung unter einem Vordach, Unterstand oder in einer separaten Hütte.

Die Modellwahl

Je nach Hersteller und Modell arbeiten die Automaten mit unterschiedlichen Mechanismen. Automaten mit Einzelwarenfächern werden in unterschiedlichen Größen und flexibler Zahl an Fächern, mit und ohne Kühlung angeboten. Die Fächer sind zum Aufklappen oder Herausziehen. Hat ein Kunde eingekauft, steht das Fach erst mal leer. Bei Modellen mit Ausgabefach lagern die Produkte hintereinander. Nach dem Bezahlen fällt die gewählte Ware ins Ausgabefach oder den Warenlifter, das nächste Exemplar rutscht nach.

Welcher Automat in Frage kommt, ist abhängig davon, was verkauft werden soll. Je mehr verschiedene Produkte angeboten werden, desto flexibler zu gestalten sollten die Fächer sein, um sie kurzfristig an saisonale Bedingungen anpassen zu können. Bei gekühlten Automaten bietet sich eine automatische Temperaturaufzeichnung an. Wichtig sind auch die saubere Aufzeichnung der Verkaufsdaten sowie eine Frostschutzheizung. Es ist hilfreich, wenn Füllmengen und Störungen online abfragbar sind.

Ist das Gerät schwer einsehbar, kann über eine Videoüberwachung sinnvoll sein. Dann muss unbedingt der Hinweis „Dieser Bereich ist videoüberwacht“ erfolgen. Für den Kunden ist es komfortabler, wenn sowohl mit Münzgeld als auch Banknoten bezahlt werden kann. Einige Automaten lesen auch EC-Karten. Ein Kartenreader verursacht im Monat rund 100 € Kosten.

Die Kosten

Für den Automaten muss mit 3.000 bis 17.000 Euro Gerätekosten gerechnet werden, je nachdem ob neu, gebraucht gekauft oder geleast wird. Dazu kommen die Gründung des Standortes sowie der Unterstand/die Hütte. Als grobe Kalkulation können die Anschaffungskosten des Automaten verdoppelt werden.

Die Betriebskosten sind vergleichsweise gering. Neben Stromkosten fallen Wasser, Reinigungsmittel an und natürlich ein Zeitansatz fürs Vorbereiten der Ware, Befüllen und Reinigen. Dazu kommen ein Etat für Werbung (z.B. Flyer, Schilder, Website, …) sowie die notwendigen Anpassungen der Betriebshaftpflicht und Gebäudeversicherung. Eine eigene Versicherung des Automaten gegen Diebstahl und Vandalismus ist angebracht.

Aus rechtlicher Sicht müssen für die Vorbereitung der Produkte bis hin zur Verpackung hygienische Auflagen beachtet werden. Das gilt sowohl für die Tätigkeiten als auch für genutzte Räumlichkeiten. Beim Verkauf von leichtverderblichen Produkten müssen alle Personen, die mit Tätigkeiten Arbeiten am Produkt bedacht sind, über eine Erstbelehrung nach Infektionsschutzgesetz verfügen. Auf die Verpackung gehören die nötigen Pflichtangaben. Zusätzlich muss für jedes Produkt klar ersichtlich sein, wie viel es kostet.

Beim Automaten selbst sind die Reinigungs- und Wartungsintervalle, die Temperatur im Gerät und das Mindesthaltbarkeitsdatum der Produkte regelmäßig zu überwachen und dokumentieren.

Wird der Verkaufsautomat in einer eigenen Hütte aufgestellt, ist zu prüfen, ob Baugenehmigungspflicht besteht. Dies gilt auch für Schilder und Werbemaßnahmen. Neben dem Bauamt sollte auf Grund der Auflagen an Kreis- und Bundesstraßen auch die Verkehrsbehörde im Vorfeld angesprochen werden. Wenn Verarbeitungsprodukte wie Fruchtaufstriche, Wurst oder Zukaufprodukte angeboten werden, kommt das Gewerberecht zum Tragen.

Die Abrechnung ist als offene Ladenkasse möglich. Dazu müssen täglich Aufzeichnungen mit Zählprotokollen geführt werden. Um die Vollständigkeit nachzuweisen, sollten die Kassenberichte fortlaufend nummeriert sein. Verkaufszähler und Software für die Buchführung unterstützen den Nachweis fürs Finanzamt.

Eine Vermarktung über Automaten benötigt eine gewisse Anlaufzeit. Je attraktiver das Angebot ist, desto eher kommen die Kunden. Wenn die Qualität stimmt, die Produkte schmecken und auch schön verpackt sind, läuft der Verkauf. Das bedeutet aber wieder mehr Zeitaufwand für das Nachfüllen, besonders zu solchen Zeiten, zu denen andere Verkaufsorte geschlossen sind. Vergessen Sie nicht, Ihre Telefonnummer für Notfälle am Automaten zu hinterlassen. Nur zufriedene Kunden kommen regelmäßig wieder.


Kontakt:
Christiane Heeren
Beraterin Frauen in der Landwirtschaft, Direktvermarktung
Telefon: 04471 9483-41
Telefax: 04471 9483-19
E-Mail:


Stand: 07.03.2017