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Der Wald im Landkreis Harburg

Optimierung der Waldbewirtschaftung und Holzverwendung mit dem Ziel, die CO2-Senkenleistung Wald und Holz nachhaltig zu steigern


Der Landkreis Harburg liegt im Norden Niedersachsens in der Metropolregion Hamburg. Die Region weist eine hohe naturräumliche Vielfalt auf mit Marschgebieten der Unterelbe, die Harburger Berge, Teile des Naturparkes Lüneburger Heide und Teile der Stader Geest. Auf 27,5% (34.540 ha) der Landkreisfläche befindet sich Wald, an den vielfältige Ansprüche gesetzt werden (u.a. durch das Ballungszentrum Hamburg).

Waldbesitz und Strukturen

Nahezu 75% des Waldes (25.740 ha) in der Region sind Privatwald, wobei der Organisationsgrad der Waldbesitzer sehr hoch ist. Insgesamt gibt es in der Region fünf Forstbetriebsgemeinschaften, die wiederum Mitglieder der Forstwirtschaftlichen Vereinigung Nordheide-Harburg als professioneller Vermarktungsorganisation sind. Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen betreut den Privatwald der Region, der zum Forstamt Nordheide-Heidmark gehört. Es gibt sechs Revierförstereien im Landkreis, die sich um die Belange der Waldbesitzer kümmern. Insgesamt herrschen ideale Voraussetzungen, um die Waldbesitzer mit dem Projekt zu erreichen und eine optimierte Bewirtschaftung zu etablieren.

Es gibt über 1.000 Waldbesitzer in der Region, wobei der Kleinprivatwald dominiert. Über 60% von ihnen bewirtschaften weniger als 10 Hektar, die durchschnittliche Größe pro Bestand beträgt 0,71 ha. Gerade der Kleinprivatwald ist besonders gefährdet, da er in der Regel bei ungünstigen Strukturen nur über begrenzte Ressourcen verfügt, um sich der Herausforderung Klimawandel zu stellen.

In vielen Regionen ist jedoch der Großteil des Waldes Kleinprivatwald, so dass es zur Sicherung der Funktionen entscheidend ist, genau diese Waldbesitzergruppe mit passenden Angeboten zu erreichen.

Forstliche Rahmenbedingungen

Das Gebiet wird durch eine hohe landschaftliche Vielfalt geprägt, die zu sehr unterschiedlichen Standortbedingungen führt. Für das Projektgebiet liegt auch im Privatwald eine flächendeckende forstliche Standortkartierung und Forsteinrichtung vor.  Die Wuchsbedingungen sind sehr vielfältig, wobei der Schwerpunkt klar auf mäßig frischen bis trockenen und schwach bis mäßig nährstoffversorgten Standorten liegt. Es gibt jedoch eine Reihe von Standorten, die über eine gute Wasser- und Nährstoffversorgung verfügen.

Bislang ging man bei der forstlichen Klassifizierung der Standortbedingungen von konstanten Klimarahmenbedingungen aus. Mit zunehmenden Schwankungen des Temperatur- und Niederschlagregimes muss man jedoch von erheblichen Veränderungen der Standortbedingungen innerhalb vergleichsweise kurzer Zeiträume ausgehen. Dies führt in der Folge zu Bedingungen, die das Baumwachstum erheblich beeinträchtigen können. Die Wahl standortgerechter Baumarten muss unter diesen Voraussetzungen mit besonderer Sorgfalt vorgenommen werden. Die Abschätzung der möglichen Veränderungen der Standorts- und damit Wuchsbedingungen und damit einhergehender Risiken sind eine wichtige Voraussetzung für eine optimierte Waldbewirtschaftung.

Der Schwerpunkt der Waldbestände im Privatwald der Region liegt mit einem Anteil von mehr als 75% im Nadelholz. Die Kiefer ist mit mehr als 50% die klar dominierende Baumart der Region, gefolgt von der Fichte mit ca. 16% der Privatwaldfläche. Davon sind mehr als 10.000 ha Kiefern- und mehr als 3.000 ha Fichtenreinbestände. Der Großteil der Kiefern- und Fichtenbestände hat ein Alter von ca. 40-80 Jahren, wobei die Fichte auch in der Altersklasse von 21-40 Jahren einen vergleichsweise hohen Anteil an der Waldfläche einnimmt. Der Zuwachs liegt bei 7,2 Erntefestmeter ohne Rinde pro Hektar und Jahr, der Hiebssatz bei 5,2 Efm o.R. pro Hektar und Jahr und der Vorrat bei 203 Efm o.R. pro ha.

Schutzgebiete

Im Projektgebiet findet sich eine Vielzahl verschiedener Schutzgebiete, von Landschaftsschutz-, Naturschutz- und Wasserschutzgebieten bis hin zum Schutzgebietssystem Natura 2000 der Europäischen Union. Über 50% der Waldfläche des Landkreises sind mit einer Schutzkategorie versehen, der Wald leistet somit einen überdurchschnittlichen Anteil an der Schutzgebietsfläche. Insbesondere sind die Naturschutzgebiete zu nennen, deren Anteil an der Fläche des Landkreises bei über 11% (Durchschnitt Niedersachsen < 5%) liegt. Der Waldanteil beträgt über 60%, so dass ca. 9.860 ha Wald als Naturschutzgebiet ausgewiesen sind. Die Trinkwassergewinnung für die Stadt Hamburg hat eine überdurchschnittlich hohe Bedeutung in der Region. Der Wald leistet einen großen Anteil an der Grundwasserneubildung, bislang werden diese Leistungen den Waldbesitzern jedoch nicht vergütet. Das Thema Waldumbau in Bezug zum Grundwasser wird im Projekt aufgrund der Bedeutung für die Region eine wichtige Rolle spielen.

Die Auswirkungen der Schutzgebietskategorien auf die Waldbewirtschaftung sind sehr unterschiedlich und reichen von Gebieten ohne jegliche Einschränkungen bis hin zu starken Einschränkungen, wie zum Beispiel bei der Baumartenwahl. Ziel des Projektes ist es die verschiedenen Ansprüche zu berücksichtigen und trotzdem praktikable Lösungen für die Waldbewirtschaftung zu erarbeiten. Der Klimawandel wird sich auf die Lebensräume und Arten in den Schutzgebieten auswirken, auch hier müssen entsprechende Konzepte erarbeitet und Lösungen gefunden werden.


Kontakt:
Torben Hansen
Projektmitarbeiter
Telefon: +49(0)511 3665-1446
Telefax: +49(0)511 3665-1513
E-Mail:
Jean-Lionel Payeur-Poirier
Projektmitarbeiter
Telefon: +49(0)511 3665-1147
Telefax: +49(0)511 3665-1513
E-Mail:


Stand: 03.07.2017