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Web als Berater bei der Baumartenwahl

Der Klimawandel verändert die Bedingungen für unsere heimischen Baumarten. Dennoch müssen Waldbesitzer und Förster heute waldbaulichen Entscheidungen für morgen treffen. Ein Web-basiertes Computerprogramm könnte jetzt dabei helfen, die klimatisch angepassten Baumarten zu wählen.

Die Folgen des Klimawandels auf Wälder sind weitreichend. Eine heute getroffene Wahl für eine zu pflanzende Baumart kann gravierende, auch finanzielle Folgen für die nahe und ferne Zukunft haben.


Veränderte Klimabedingungen

Als praxisnahes Werkzeug, das seine Anwender in ihren Entscheidungen unterstützt und konkrete, auf einzelne Standorte bezogene Informationen liefern kann, wurde kürzlich das Decision Support System - Wald und Klimawandel (DSS-WUK) vorgestellt. Entwickelt hat es ein Forscherteam der Universität Göttingen, der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt (NW-FVA) und des Johann von Thünen-Institutes im Rahmen eines Forschungsprojektes des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF).

 

Bei einem Anwenderworkshop im Rahmen des LEADER-Projekts Lachte-Lutter-Lüß, der im Gymnasium Lachendorf durchgeführt wurde, informierte Jan C. Thiele, einer der Entwickler, Waldbesitzer und beratende Förster über das System. Auf der Basis von regionalen Klimaprojektionen liefert das DSS-WUK eine Abschätzung der vergangenen und zukünftigen Wachstums- und Risikobedingungen einzelner Baumarten auf gegebenem Standort.
Modelle von Klimaforschern zeichnen für unsere Region ein einheitliches Bild. Bis zum Ende des Jahrhunderts wird das Klima wärmer, die Sommerniederschläge sinken und können durch die Winterniederschläge nicht mehr ausgeglichen werden. Klimafolgen, wie zunehmende Trockenheit, Hitzewellen, aber auch Sturm, fehlendes Grundwasser, Waldbrand und zunehmende Schaderreger machen die Waldbewirtschaftung erheblich risikoreicher. Die möglichen positiven Auswirkungen des Klimawandels können diese zunehmenden Risiken nicht ausgleichen.



Bild: Wald und Klimawandel

Eine Expertenbefragung ergab das in der Graphik „Auswirkungen des Klimawandels“ dargestellte Bild. Die Anfälligkeit von Baumarten gegenüber Einflüssen des Klimawandels wird von den Fachleuten - wie in der gleichnamigen Graphik dargestellt - eingeschätzt. Danach werden vor allem Fichten und Lärchen Verlierer des Klimawandels sein. Die Douglasie, Roteiche, Traubeneiche, Birke und Kirsche können dem sich wandelnden Klima am besten widerstehen und gelten als kommende Baumarten in unseren Wäldern. Bei Kiefer und Buche ist sich die Wissenschaft durchaus uneinig. Gilt die Kiefer dem einen als resistenter Pionier, fürchten andere ihre hohe Anfälligkeit bei zunehmender Wärme auf Schadinsekten und Brand.


Risiko für Baumarten einschätzen

Das System DSS-WUK beurteilt die fünf Hauptbaumarten (Eiche, Buche, Fichte, Kiefer, Douglaise) hinsichtlich ihres Zuwachses, der Windwurfgefahr, Trockenstress und Käferrisiken. Zudem werden der Holzproduktionswert heute und in Zukunft sowie mögliche Risikokosten ermittelt. Auskünfte können sowohl für Regionen oder nach Anmeldung mit Passwortschutz für konkrete Waldbestände abgefragt werden. Diese Variante ermöglicht eine räumliche Auflösung von 1 x 1 km und liefert eine genauere Auskunft für eine Baumart an einem bestimmten Standort.

Anfragen können von Nutzern deutschlandweit gestellt werden, z.B. indem sie mit einem Klick auf eine topographische Karte die Koordinaten des betreffenden Standortes angeben. Nach dieser Festlegung ermittelt das System die Meereshöhe, Hangneigung und Exposition. Diese Daten können übernommen oder durch eigene Erhebungen ersetzt werden. Das Programm liefert eine Liste von Bodentypen mit Beschreibung und Profilfoto, die in dem gewählten Gebiet am häufigsten auftreten. Zusätzlich kann aus einer Liste aller Bodentypen der passende Standort gewählt werden. Der Beginn der Simulation muss zunächst vom Nutzer festgelegt werden (Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft). Im nächsten Schritt wird eine der fünf möglichen Baumarten gewählt, sein Alter und Wuchsleistung angegeben. Nach dem Start der Simulation erhält der Nutzer eine E-Mail mit den angeforderten Ergebnissen, die sowohl grafisch wie tabellarisch aufbereitet sind. Um eine Bandbreite von möglichen Klimafolgen abbilden zu können, werden die Ergebnisse jeweils für zwei unterschiedliche Klimaszenarien, Szenario B1 (moderate Klimaveränderung) und Szenario A1B (stärkere Klimaveränderung) dargestellt.

Kein Entscheider, Unterstützer

Zwar nimmt DSS-WUK dem Bewirtschafter von Waldflächen die Entscheidung nicht ab, aber es kann bei der Entscheidungsfindung unterstützen. Nutzer werden zum Teil erstaunt sein, wie gering manche Risiken und mögliche Auswirkungen in konkreten Beständen vom System eingeschätzt werden. Die hinterlegten Rechenmodelle bilden den jetzigen Stand des forstlichen und klimatologischen Wissens ab. Manche Ursache-Wirkungsbeziehungen lassen sich derzeit nur vage abschätzen. Trotz einiger Unwägbarkeiten ist DSS-WUK deutschlandweit derzeit das einzige Auskunftssystem, das dem forstlich interessierten Nutzer konkrete Hilfe zu Fragen von Wald und Klimawandel bietet.

Voraussetzung für aussagekräftige Informationen ist eine stetige Anpassung des Systems an den aktuellen Stand des Wissens. Diese Aktualisierung wiederum ist nur möglich, wenn hierfür auch in Zukunft Projektmittel zur Verfügung gestellt werden. Die Workshop-Teilnehmer im Gymnasium Lachendorf versicherten, sie werden DSS-WUK erproben und ihre Erfahrungen mitteilen. Das System steht allen Interessenten unter folgender Adresse zur Verfügung:
www.dss-wuk.de

Quelle: Land und Forst, vTi, NW-FVA, LWK Nds.

 


Kontakt:
Frank Haufe
Fachreferent Waldnutzung, Holzmarkt
Telefon: 0511 3665-1438
Telefax: 0511 3665-1513
E-Mail:


Stand: 29.03.2011