Webcode: 01019129

Steuervereinfachung im Kalamitätsfall - der § 34b Einkommensteuergesetz mit neuen Regelungen

Die Regierungskoalition in Berlin hat sich die Aufgabe gesetzt, die Regelungsflut im Steuerrecht einzudämmen. Das nun verabschiedete Steuervereinfachungsgesetz 2011 soll die Steuerpraxis vereinfachen, modernisieren, vorhersehbar gestalten und von unnötiger Bürokratie befreien. Diese hochgesteckten Ziele haben nun auch die Forstbetriebe erreicht. Im Folgenden werden die wichtigsten Änderungen dargestellt.

Die Steuersätze bei Einkünften aus außerordentlichen Holznutzungen (§ 34b Einkommensteuergesetz (EStG)) wurden grundlegend neu gefasst (siehe Tabelle). Ab 01.01.2012 werden bereits Holznutzungen infolge höherer Gewalt ab dem ersten Festmeter Kalamitätsholz mit dem halben Steuersatz begünstigt. Übersteigen diese Schadholznutzungen den in einem amtlichen Betriebsgutachten (-werk) festgestellten Nutzungssatz, wird nur der viertel Steuersatz angewendet. Als Grundvoraussetzung für die Gewährung der Tarifvergünstigung sind wie bisher, Kalamitäten bei der zuständigen Finanzverwaltung fristgerecht anzumelden (Vordruck).

Da bereits bei einfachem Überschreiten des Nutzungssatzes im Kalamitätsfall der viertel Steuersatz angewendet wird, ist Forstbetrieben auch weiterhin zu empfehlen, ein amtlich anerkanntes Forstbetriebsgutachten/-werk aufstellen zu lassen und der Steuerverwaltung zur Festsetzung eines Nutzungssatzes vorzulegen. Die entsprechenden neu gefassten Regelungen sind nun vollständig im § 68 EStDV und nicht mehr im § 34 b EStG aufgeführt. Es ist davon auszugehen, dass Kleinbetriebe auch weiterhin einen pauschalierten Nutzungssatz erhalten können.

Diese verbesserten Regelungen wurden vom Waldbesitz seit Jahren gefordert. Der Gesetzgeber reagiert mit diesen Tarifvergünstigungen bewusst oder unbewusst auf das erheblich gestiegene Betriebsrisiko unserer Forstbetriebe. Stark angestiegene Holzvorräte, gepaart mit prognostiziertem höheren Wind-, Insekten- und Waldbrandrisiko durch den Klimawandel, machen die Waldbewirtschaftung riskanter.

Mit Hilfe des § 34b EStG wird versucht, diese Besonderheiten und Risiken der forstlichen Produktion zu berücksichtigen. Die entstehenden Progressionsnachteile bei außerordentlichen Holznutzungen, die der Forstbetrieb nicht beabsichtigt hat, werden durch die Tarifvorschrift vermindert. Die Vergünstigungen des § 34b EStG stellen daher systematisch keine Subventionen dar.

Die Berechnung der genannten Tarifvergünstigungen wird für den steuerpflichtigen Waldbesitzer stark vereinfacht. Zukünftig entfällt der bisher notwendige komplizierte vierseitige Vordruck (Anlage Forstwirtschaft zur Anlage L), da die mit den Holznutzungen in Zusammenhang stehenden Betriebsausgaben gleichmäßig auf alle Nutzungen verteilt werden. Dies führt gegenüber der bisherigen Regelung allerdings zu einer Verringerung der errechneten Einkünfte aus den außerordentlichen Holznutzungen, da die Fixkosten nicht mehr nur auf die Erlöse der Holznutzungen innerhalb des Nutzungssatzes verteilt werden.

Leider wurden die Tarifvergünstigungen für außerordentliche Holznutzungen aus privatwirtschaftlichen Gründen gestrichen. Betriebe mit hohem Investitionsbedarf können nun keine Steuervorteile mehr geltend machen. Die außerordentlichen Holznutzungen aus volks- oder staatswirtschaftlichen Gründen (Trassen, Autobahn etc.) sind weiterhin tarifbegünstigt und werden wie Kalamitäten behandelt.

Wir erwarten für das nächste Jahr weitere Konkretisierungen der neugefassten Vorschriften durch die Steuerverwaltung.

 

 

Bisherige Regelung

Regelung ab 01.01.2012

Steuervereinfachungsgesetz 2011

Zu außerordentlichen Einkünften aus Holznutzungen gehören:

 Holznutzungen aus wirtschaftlichen             Gründen (privatwirtschaftliche, volks- oder staatswirtschaftliche)

 

 

 

 

Holznutzungen infolge höherer Gewalt (Kalamitätsnutzungen)

 

Außerordentliche Holznutzungen sind: 

            gestrichen

 

Holznutzungen, die aus volks- oder             staatswirtschaftlichen Gründen  erfolgen, veranlasst durch gesetzlichen oder behördlichen Zwang

 

 Holznutzungen infolge höherer Gewalt (Kalamitätsnutzungen)

 

Außerordentliche Holznutzungen werden erst bei Überschreiten des festgestellten steuerlichen Nutzungssatz begünstigt.

 

Außerordentliche Holznutzungen werden grundsätzlich begünstigt.

Kalamitätsnutzungen, die den Nutzungssatz übersteigen, werden mit der Hälfte des durchschnittlichen Steuersatzes bemessen.

Kalamitätsnutzungen, die den doppelten Nutzungssatz übersteigen, werden mit einem Viertel des durchschnittlichen Steuersatzes bemessen.

 

Außerordentliche Holznutzungen werden grundsätzlich mit der Hälfte des durchschnittlichen Steuersatzes bemessen.

Sie werden mit einem Viertel des durchschnittlichen Steuersatzes bemessen, wenn sie den Nutzungssatz übersteigen.

 


Kontakt:
Martin Hillmann
Leiter Fachbereich Forsteinrichtung, Bewertung, Waldinventur Raumordnung, Naturschutz
Telefon: 0511 3665-1441
Telefax: 0511 3665-1513
E-Mail:


Stand: 25.02.2013