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"Liebhaberei" im Forstbetrieb - ein unterschätztes Steuerproblem

Unter dem Begriff der "Liebhaberei" wird im Steuerrecht die Ausübung einer Tätigkeit ohne Streben nach finanziellem Nutzen verstanden. In der Regel fehlt es dabei nicht an der ernsthaften Ausübung der Tätigkeit, sondern an der Absicht, etwas an dieser Tätigkeit zu verdienen. Wird eine Tätigkeit als Liebhaberei eingestuft, bleiben die Einkünfte daraus und damit auch die Aufwendungen steuerlich außer Ansatz. Im Falle von dauerhaft negativen Einkünften wird so vermieden, dass diese mit anderen positiven Einkünften verrechnet und so ungerechtfertigt Steuervorteile erzielt werden.

Waldbesitzer Meyer-Berkeloh (Name von Autor geändert) hat Post von seinem zuständigen Finanzamt erhalten. Nach erfolgter Betriebsprüfung seines im Landkreis Soltau-Fallingbostel liegenden, 100 ha großen Forstbetriebes hat das Finanzamt entschieden, den Betrieb rückwirkend als Liebhaberei und nicht als Erwerbsbetrieb einzustufen. Die Prüfung des Finanzamtes hat ergeben, dass der Forst- und Jagdbetrieb nicht zur Gewinnerzielung geeignet ist. Dies hat für unseren Waldbesitzer fatale Folgen. Konnte er bisher die mit seiner Tätigkeit als Forstwirt verbundenen Verluste in seiner Einkommenssteuererklärung geltend machen, ist dies nun nicht mehr möglich. Schlimmer noch, Meyer-Berkeloh muss sein Einkommen rückwirkend über einen Zeitraum von mehreren Jahren nachversteuern. Eine Nachzahlung der Einkommens- und Nebensteuern in nicht unerheblichem Maße droht.

Gründe für Liebhabereibetriebe

Der geschilderte Fall kann als durchaus typisch angenommen werden. Gerade im Bereich der Forstwirtschaft kommt es immer häufiger vor, dass bisher nicht aus der Land- und Forstwirtschaft stammende Steuerpflichtige Anwesen kaufen. Der Kauf von Forstflächen ist häufig auch jagdlich motiviert. Viele dieser neuen Waldbesitzer treten allerdings schnell einem örtlichen forstwirtschaftlichen Zusammenschluss bei und zeigen sich sehr interessiert am forstlichen Geschehen. Zahlreichen dieser Forstbetriebe droht allerdings durch die steuerliche Aberkennung des Erwerbsbetriebes das Aus.

Weitere Gründe dafür, dass potentielle Liebhabereibetriebe in ihrer Zahl zugenommen haben, sind in ihrer Struktur und der Holzpreisentwicklung zu finden. Nord- und Nordostdeutschland sind geprägt durch unter 60jährige Kiefernbestände. Ein kleinerer Forstbetrieb mit einer solchen Naturalausstattung hat es schwer, bei heutiger Holzmarktlage von Beginn an einen stetigen Gewinn zu erzielen. Das gleiche gilt für Betriebe, die einen hohen Anteil mittelalter Nadelholzbestände aufweisen, die nun vorzeitig in eine neue Waldgeneration überführt werden. Über Jahre durchzuführende Verjüngungsmaßnahmen (Vor-/Unterbau) stellen vorgezogene Investitionen dar, die zunächst den Gewinn schmälern.

Der typische Bauernwald bleibt allerdings bisher von der Liebhabereiprüfung verschont, da eine fehlende Gewinnneigung hier nicht angenommen wird. Dies gilt auch für Betriebe, die über Generationen immer weiter vererbt werden. Der Fall eines Betriebes, der mutwillig hohe Kosten produziert, um dann ungerechtfertigte Steuervorteile zu erzielen, soll hier nicht untersucht werden. Trotz allem wird mit unterschiedlichem Maß gemessen, gelte doch jeder Landesforstbetrieb in Deutschland steuerlich als Liebhabereibetrieb, wenn er der Einkommensbesteuerung unterläge.

Wie prüft die Finanzverwaltung die Erwerbseigenschaft des Betriebes?

Werden in der Steuererklärung über Jahre hinaus Verluste geltend gemacht, gilt dies als Ansatzpunkt für die Finanzverwaltung, die Gewinnerzielungsabsicht des Betriebsinhabers zu prüfen. Die Prüfung läuft in der Regel nach folgendem Schaubild ab:

 

  • Persönliche Einschätzung der Ertragssituation:

Fällt die Ertragsprognose des Steuerpflichtigen positiv aus? Handelt es sich tatsächlich nur um sog. Anlaufverluste?

 

  • Art der Betriebsführung:

Wird der Betrieb nach betriebswirtschaftlichen Grundsätzen geführt? Liegt ein aktuelles Forsteinrichtungswerk vor und wird danach gehandelt? Wie ist die Beförsterung geregelt? Sind mittelfristig geeignete Maßnahmen getroffen, um die Ergebnissituation zu verbessern (Struktur- und Umstellungsmaßnahmen)?

 

  • Persönliche Gründe und Neigungen:

Handelt es sich um eine Tätigkeit, die vornehmlich der Freizeitgestaltung dient (Jagd, Reitsport, Erholung etc.)? Aufrechterhaltung des Betriebes für Nachkommen? Steht die Steuerersparnis im Vordergrund (Verrechnung mit positiven Einkünften aus anderen Einkunftsarten)?

Kommt die Finanzverwaltung nach Prüfung der Kriterien zu der Auffassung, dass es Indizien für das Vorliegen von Liebhaberei gibt, kann sie eine sog. Totalgewinnprognose erstellen, die im Folgenden erläutert wird.

 

Totalgewinnprognose und mögliches Ergebnis Totalverlust

Allein negative Jahresergebnisse über einen langen Zeitraum, sind hinsichtlich der Gewinnerzielungsabsicht nicht aussagefähig. Sog. aussetzende Betriebe, die auf Grund ihrer Struktur oder geringer Flächengröße keine jährlichen Nutzungen realisieren können, sind besonders betroffen. Einem langen Verlustzeitraum steht ein einziger Ertrag im Zeitpunkt der Holzernte gegenüber. Dieser Ertrag kann ausreichen, die zuvor entstandenen Verluste mindestens auszugleichen. Daher ist zur Ermittlung des sog. Totalgewinns die gesamte Umtriebszeit des Betriebes zu betrachten. Über die Dauer der im Forsteinrichtungswerk festgestellten Umtriebszeit (z. B. 100 Jahre) werden die jährlichen Aufwendungen und Erträge nach heutigen Preisen ermittelt. Aus dem Vergleich der Bestandeswerte zu Beginn und am Ende des Prognosezeitraums lassen sich Gewinne herleiten, die hauptsächlich im Bestandeszuwachs begründet liegen (Stille Reserven). Der Totalgewinn eines typischen Betriebes in der Lüneburger Heide mit hohem Kiefernanteil und hohem Anteil unter 60jähriger Bestände ist in der Tabelle rechts dargestellt. Besondere Probleme weisen Betriebe auf, deren Kauf im Wesentlichen fremdfinanziert wurde. Der jährliche Zinsaufwand macht es häufig unmöglich, langfristige Gewinne zu erzielen. Dies wird umso deutlicher, wenn man die sog. interne Verzinsung eines Kiefernbetriebes (kleiner als 1 %) mit dem marktüblichen Hypothekenzins vergleicht. Gleiches gilt für Betriebe, deren Waldflächen weit über Wert erworben wurden.

Ermittelt die Steuerverwaltung nach Prüfung der Sach- und Rechtslage einen Totalverlust, wird sie die Tätigkeit des Steuerpflichtigen der Liebhaberei zuordnen. Ab dem Zeitpunkt der Annahme einer Liebhaberei können entstehende Verluste ertragssteuerlich nicht mehr berücksichtigt werden. Eine Verrechnung mit anderen positiven Einkünften ist ausgeschlossen.

Maßnahme: Gutachten erstellen lassen

Ob tatsächlich eine Gewinnerzielungsabsicht besteht, muss vom Steuerpflichtigen bewiesen werden (Beweislast). Könnte es zu den geschilderten steuerlichen Problemen kommen, sollte der Inhaber eines solchen Forstbetriebes so frühzeitig wie möglich Maßnahmen ergreifen. Nach Erstellung eines Forsteinrichtungswerkes sollte eine Totalgewinnprognose in Auftrag gegeben werden. Beide Gutachten können objektiv die Gewinnerzielungsabsicht belegen. Solche Gutachten werden von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen und von Forstsachverständigen erstellt.

Übrigens konnte dem in unserem Beispiel gewählten Waldbesitzer Meyer-Berkeloh geholfen werden. Nachdem sein Steuerberater Einspruch gegen den Festsetzungsbescheid des Finanzamtes eingelegt hatte, erstellte die LWK Niedersachsen eine Totalgewinnprognose. Das Finanzamt revidierte seine Meinung. Der Waldbesitzer geht weiterhin mit seinem Forstbetrieb einer Erwerbstätigkeit nach. Hätte der Einspruch keinen Erfolg gehabt, wäre Klage vor dem zuständigen Finanzgericht in Hannover geführt worden.


Kontakt:
Martin Hillmann
Fachbereich 4.2
Telefon: 0511 3665-1441
Telefax: 0511 3665-1513
E-Mail:


Stand: 13.02.2017



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