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Wallhecken und Moorflächen: nachhaltige Energiequellen im Landkreis Friesland

Unter der Leitung der Landwirtschaftskammer Niedersachsen wirkt der Landkreis Friesland als Pilotregion bei der erfolgreichen Umsetzung des EU-Projektes greenGain mit und steuert dafür wichtige Angaben zu lokalen Potenzialen der energetischen Nutzung von Landschaftspflegeholz bei. Es kommen im Landkreis Friesland verschiedene Quellen für diese Art von  Biomasse in Frage, wobei im Rahmen von greenGain zwei Typen genauer betrachtet werden: Wallhecken  und Moorflächen.  Die Thematik hat zusätzliche Aktualität, da mit dem Auslaufen der niedersachsenweiten Brennverordnung  2014 das Abbrennen von Gartenabfällen und Strauchschnitt an sogenannten Brenntagen nicht mehr erlaubt ist.

 

Wallhecken

Als Wallhecken werden mit Bäumen oder Sträuchern bewachsene Erdwälle bezeichnet, die im Rahmen der historischen Landnutzung hauptsächlich zur Umzäunung von Acker- und Weideflächen angelegt wurden. Als Bestandteile der friesischen Kulturlandschaft und wertvolle Landschaftselemente gliedern und beleben sie die waldarme Landschaft und prägen das Landschaftsbild auf unverwechselbare Weise. Zudem sind sie unersetzbarer Lebensraum und Rückzugsort für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Durch Wallhecken geprägte Landschaftsausschnitte nehmen heute ca. 80,4 km² Fläche, einen Flächenanteil von ca. 13,4 %, vom Kreisgebiet ein. Im Vergleich dazu beträgt der Waldanteil nur ca. 5,7 %. Die Gesamtlänge aller erfassten Wallhecken beträgt ca. 562 km.

Die größte Netzdichte der Wallhecken tritt im Bereich Sandelermöns, Bohlenbergerfeld, Grabstede, Seghorn und Altjührden auf. Weitere Informationen zur Geschichte, dem Zweck, der Gefährdung und dem Schutz von Wallhecken finden Sie in der Wallheckenbroschüre.

Der Landkreis Friesland nimmt seit Jahren erfolgreich an einem Landesprogramm zur Pflege und Wiederherstellung von Wallhecken teil. Zusätzlich gibt es seit den 1990er Jahren ein landkreiseigenes Wallheckenpflegeprogramm. Diese beiden Programme, die auch durch die Landvolkverbände im friesischen Raum unterstützt werden, führen zu einem erheblichen Anfall von holzbasierter Biomasse, die nur zum Teil, meist als normales Brennholz, energetisch genutzt wird.

In Zusammenarbeit mit den Landvolkverbänden und der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises werden im Rahmen von greenGain zum Thema Wallhecken Informationen gesammelt, Kontakte zwischen Akteuren geknüpft, Erfahrungen ausgetauscht und im zweiten Teil des Projektes, sofern  sinnvoll, Fallbeispiele umgesetzt.

 

Geschützte Moorflächen

Im Landkreis Friesland befinden sich rund 12 gesetzlich geschützte Hochmoore. Um diese wertvollen Biotope zu erhalten, müssen sie gepflegt werden. Dichte Waldbestände werden dabei gelichtet, um einen zu großen Entwässerungseffekt durch die Bäume zu verhindern.

Die Moorverwaltung beim Amt für regionale Landesentwicklung Weser-Ems ist zuständig für die Umsetzung des Moorschutzprogramms auf landeseigenen Flächen und die Durchführung von Pflege und Entwicklungsmaßnahmen. Sie tut dies in Abstimmung mit dem Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) und mit den in den Landkreisen zuständigen Unteren Naturschutzbehörden.

Um die anfallende Menge an Biomasse aus der Pflege der Moorflächen im Landkreis Friesland abschätzen zu können, arbeitet greenGain mit den verantwortlichen Mitarbeitern der Moorverwaltung und der Unteren Naturschutzbehörde zusammen.

 


Ideen für Aktionen auf regionaler Ebene sind bisher:

  • Optimierung des gesetzlichen Pflegefensters (Anfang Oktober bis Ende Februar) für Schnittmaßnahmen an Gehölzen in der freien Landschaft  durch die Schaffung eines Systems für die frühzeitige Planung und Vorbereitung des Technikeinsatzes.
  • Entwicklung von effizienteren Methoden der Entkusselung von Hochmoorflächen unter besonderer Berücksichtigung der schwierigen Zugänglichkeit mit technischen Geräten.
  • Kostenlose Beratung für Interessierte in den Projekt-Landkreisen und angrenzenden Regionen zur Installierung von Holzhackschnitzelfeuerungen für die Nutzung von Schwachholz aus Landschaftspflegemaßnahmen (gültig während der Projektlaufzeit, siehe Kontaktangaben).

Weitere Ideen werden sich in der engen Zusammenarbeit zwischen  den regionalen Arbeitsgruppen ergeben.

 

Mehr Details zur zweiten Pilotregion Rotenburg (Wümme), der Projektorganisation, den aktuellen Tätigkeiten und erarbeiteten Ergebnissen finden Sie in der entsprechenden Domäne der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Zusätzlich finden Sie den Zugang zur greenGain Projekt Plattform und zur Anmeldung für einen halbjährig erscheinenden Newsletter auf der offiziellen Projektseite.

 

Dieses Projekt wird durch das Förderprogramm Horizont 2020 der Europäischen Gemeinschaft für Forschung, technologische Entwicklung und Demonstration mit der Fördernummer 646443 finanziert.

 


Kontakt:
Aline Clalüna
Projekt greenGain
Telefon: 0511 3665-1443
Telefax: 0511 3665-1513
E-Mail:


Stand: 28.07.2017