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Organisation der Landwirtschaftskammer Niedersachsen und deren Aufgaben in der forstlichen Beratung und Betreuung

Seit 01. Januar 2006 ist die Fusion der Landwirtschaftskammern Hannover und Weser-Ems zur Landwirtschaftskammer Niedersachsen rechtskräftig umgesetzt worden. Sitz der fusionierten Kammer ist Oldenburg, aber auch in Hannover verbleiben die wichtigen Geschäftsbereiche Förderung, Pflanzenbau und Pflanzenschutz sowie Forst und Gartenbau.

Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen mit mehr als 2.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist dann die mit Abstand größte landwirtschaftliche Selbstverwaltungsorganisation in Deutschland (Körperschaft des öffentlichen Rechts). Ihr Betreuungsgebiet umfasst rund 2,7 Millionen Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche und über 500.000 Hektar Privatwald. Die Mitglieder und Kunden der Landwirtschaftskammer sind rund 59.000 Betriebe der Land- und Forstwirtschaft sowie rund 6.500 Gartenbaubetriebe und 50.000 Privatwaldbesitzer. Fachlich betreut werden von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen außerdem rund 160 Betriebe der Kleinen Hochseefischerei und der Küsten- und Krabbenfischerei sowie 200 Binnenfischereibetriebe. Zusätzlich ist die Landwirtschaftskammer für die Aus-, Fort- und Weiterbildung von rund 50.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in der niedersächsischen Land- und Forstwirtschaft und im Gartenbau zuständig.
Erklärtes Ziel der Fusion ist es, trotz wachsender Aufgabenvielfalt die Kosten für Verwaltung, Beratung, Bildung und Forschung der Landwirtschaftskammer Niedersachsen weiter zu senken. So wird die neue Landwirtschaftskammer Niedersachsen künftig sämtliche staatliche Aufgaben der Agrarförderung erledigen. Die Zuständigkeiten dafür waren bisher über mehrere Behörden zersplittert. Mit den neuen Aufgaben kamen auch mehr als 400 neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus der Landesverwaltung hinzu - und die Auflage, mittelfristig Personal in dieser Höhe einzusparen.

Der gesetzliche Auftrag der Landwirtschaftskammer
Nach dem Gesetz über Landwirtschaftskammern (LwKG) in der Fassung vom 10.02.2003, zuletzt geändert am 10.11.2005 (Gesetz zur Änderung des Gesetzes über Landwirtschafts-kammern und anderer Gesetze) hat die Landwirtschaftskammer die Aufgabe, im Einklang mit den Interessen der Allgemeinheit die Landwirtschaft und die Gesamtheit der in der Landwirtschaft tätigen Personen in fachlicher Hinsicht zu fördern sowie ihre fachlichen Belange wahrzunehmen und dabei an der Entwicklung der ländlichen Räume mitzuwirken.
Für den forstlichen Bereich hat die Landwirtschaftskammer die Pflichtaufgabe, die Privatwaldbesitzenden nach § 17 des Niedersächsischen Gesetzes über den Wald und die Land-schaftsordnung (NWaldLG) zu betreuen. Neben den Pflichtaufgaben hat die Landwirtschaftskammer durch Verordnung der Landesregierung auch staatliche Aufgaben (Auftragsangelegenheiten) wahrzunehmen. Hinzu kommen Aufgaben als Träger öffentlicher Belange aufgrund verschiedener Gesetze.

Im Einzelnen stellen sich die Aufgaben wie folgt dar:

  • Förderung und Steigerung der forstlichen Erzeugung
  • Beratung und Betreuung für Einzelbetriebe und Zusammenschlüsse im Gesamtbereich der Forstbetriebe
  • Beratung bei Gründung Forstwirtschaftlicher Zusammenschlüsse und deren Förderung
  • Fortbildung der Waldbesitzer
  • Betreuung von Körperschafts- und Genossenschaftswald auf Antrag
  • Beratung beim Holzverkauf einschl. Holzaushaltung und -sortierung
  • Vorbereitung, Vermittlung und Durchführung von Holzverkäufen
  • Mitwirkung bei der Erstellung von Waldwert- und Entschädigungsgutachten
  • Mitwirkung und Überwachung bei Forsteinrichtungsarbeiten
  • Durchführung der Standortkartierung
  • Mitwirkung bei der Erhebung von Daten für das Testbetriebsnetz des BMELV
  • Mitwirkung bei der Durchführung von Forstschutzmaßnahmen

Aufgaben mit hoheitlichem Charakter umfassen im Wesentlichen:

  • Mitwirkung bei der Durchführung des Landeswaldgesetzes
  • Mitwirkung als Träger öffentlicher Belange nach dem Baugesetzbuch
  • Mitwirkung bei der Erarbeitung regionaler Raumordnungsbelange
  • Beteiligung bei Maßnahmen des Naturschutzes und der Landschaftspflege (z. B. FFH, Vertragsnaturschutz usw.)
  • Mitwirkung bei Flurbereinigungsverfahren

Der Bereich Forstliche Förderung zählt zusätzlich zu den übertragenen Aufgaben des Lan-des, ist aber seit dem 01.01.2005 dem Geschäftsbereich Agrarförderung mit seinen antrags-annehmenden Außenstellen auf Niedersachsen verteilt und der Bewilligungsstelle in Hannover zugeordnet.
Somit gibt es zwischen Förderangelegenheiten und Dienstleistungen im Forstbereich eine klare Trennung.

Organisation
Der Geschäftsbereich Forstwirtschaft ist ein selbständiger Geschäftsbereich im System der Landwirtschaftskammer Niedersachsen und hat zwei Fachbereiche mit Sitz in Hannover.
Das Gebiet der Landwirtschaftskammer Niedersachsen ist in neun Forstamtsbezirke und 135 Bezirksförstereien aufgestellt (Stand: 31.12.2005). Die durchschnittliche Forstamtsgröße beträgt rund 50.000 Hektar (ohne Privatwald mit eigenem Forstpersonal). Für die mit Forstwirtschaftlichen Zusammenschlüssen (FWZ) organisierte Waldfläche, die durch Beratungs-vertrag zwischen der Landwirtschaftskammer und den FWZ intensiver betreut werden, entspräche das einer Durchschnittsfläche von rund 40.000 Hektar je Forstamt. Die durchschnittliche Größe einer Bezirksförsterei beträgt rund 3.500 Hektar, bezogen auf die organisierte Fläche knapp 2.700 Hektar.

Forstwirtschaftliche Zusammenschlüsse (FWZ)
In 93 FWZ mit Vertrag sind insgesamt rund 31.000 Mitglieder mit rund 360.000 Hektar Wald zusammengeschlossen. Damit sind rund 73 % der betreuten Waldfläche und 62 % der Waldbesitzer in Zusammenschlüssen organisiert. Die durchschnittliche Größe der FWZ be-trägt knapp 3.900 Hektar mit 333 Mitgliedern. Das Schwergewicht der Mitgliedsflächen liegt in der Größenklasse bis 100 ha.
Allen Mitgliedern kommen die gegebenen Vorteile durch Kooperations- und Koordinierungsmöglichkeiten bei Planung und Durchführung der forstlichen Maßnahmen, dem gemein-schaftlichen Holzverkauf und dem gebündelten Materialeinkauf, den relativ niedrigen Waldbrand-Versicherungsprämien und andere Vergünstigungen zugute. Die Waldbewirtschaftung wird für den Waldbesitzer bei geringerem Zeitaufwand rationeller und kostengünstiger. Die-ses stärkt das Interesse an dem Zusammenschluss.
Aber die politische Forderung, die Forstwirtschaftlichen Zusammenschlüsse zukünftig zu Dienstleistungszentren weiterzuentwickeln sowie die Forderung der Landwirtschaftskammer, aufgrund der angespannten Haushaltslage zukünftig höhere Dienstleistungsentgelte zur Er-reichung einer höheren Kostendeckung von den FWZ zu erheben, stellt alle Beteiligten vor neue Herausforderungen. Hinzu kommt, dass ab 2007 die EU keine Förderung für die Forstwirtschaftlichen Zusammenschlüsse, die zu 50 % vom Land Niedersachsen kofinanziert wurde, mehr vorsieht. Inwieweit dann noch reine Landesmittel als Zuschüsse für die Forstfachliche Betreuung im Privatwald zur Verfügung stehen, bleibt offen.
Ebenfalls geändert wird auf Bundesebene ab 2007 der Rahmenplan für die forstliche Förderung der Gemeinschaftsaufgabe "Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes - GAK". In Zukunft wird die Förderung für Forstwirtschaftliche Zusammenschlüsse nicht mehr wie bisher von Strukturparametern, sondern von Effizienzkriterien abhängig gemacht. Die Bundesländer erarbeiten zurzeit ein Konzept, dessen Ergebnis im Frühjahr 2006 erwartet wird. Wie sich diese Förderung konkret auf die Forstwirtschaftlichen Zusammenschlüsse auswirkt, lässt sich augenblicklich auch hier noch nicht exakt voraussagen.

Von der Betreuung zur Dienstleistung
Der Strukturwandel in der Landwirtschaft hat mit zahlreichen Betriebsaufgaben eine entscheidende Wende bei der Arbeitserledigung ausgelöst. Haben früher die bäuerlichen Wald-besitzer die meisten Forstarbeiten selbst erledigt, so werden diese heute immer mehr auf Forstwirtschaftliche Zusammenschlüsse und Unternehmer übertragen.
Unter den Waldbesitzern ist der Anteil der aktiven Landwirte auf weniger als die Hälfte geschrumpft. Durch intensive Rationalisierung in den noch vorhandenen landwirtschaftlichen Betrieben ist bei diesen die Eigenleistung im Wald erheblich zurückgegangen. Sie liegt bei der stark angestiegenen Zahl der Nichtlandwirte unter den Waldbesitzern noch niedriger. Immer mehr Forstarbeiten werden daher heute im Auftrag der Waldbesitzer von den betreuenden Forstfachkräften und meistens in Verbindung mit den Forstwirtschaftlichen Zusammenschlüssen oder auch mit Lohnunternehmern geplant, arrangiert, beaufsichtigt und abgewickelt. Aus der ehemals vorrangigen Beratungstätigkeit der Bezirksförster ist mehr und mehr ein Dienstleistungsgeschäft geworden, das inzwischen alle Bereiche des Forstbetriebes umfasst. Die forstlichen Betreuer sind dadurch bis an die Grenze ihrer zumutbaren Ar-beitskapazität und teilweise darüber hinaus ausgelastet.
Die Betreuung hat sich den geänderten Verhältnissen anpassen müssen. Dienstleistungen sind zum Bereich der Betreuung zu rechnen. Art und Umfang der zu übernehmenden Betreuung wurden im Kammergesetz nicht näher beschrieben. Ein genereller Rechtsanspruch besteht daher nicht. Vom Waldbesitzer wird zwar vielfach eine intensivere Betreu-ungsarbeit erwartet, doch können zusätzliche Dienstleistungen nur im Rahmen der finanziellen und personellen Möglichkeiten der Landwirtschaftskammer übernommen werden.

Ausblick
Der Zwang, gute Arbeit unter einem enormen Kostendruck zu leisten, ist für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter spürbar, der Auftrag ist jedoch auch klar:
Die neue Landwirtschaftskammer wird - stärker noch als die alten Kammern - die erste Adresse in der Agrarberatung und Agrarverwaltung in Niedersachsen sein. Das gilt ebenso für den Forstbereich, da nach dem Kammergesetz die Forstwirtschaft ein Zweig der Landwirtschaft ist. Und trotz der zunehmenden Aufgaben in der Verwaltung und Förderung wird sie vor allem eine "Wirtschaftskammer" mit einem klaren Bekenntnis zur Beratung bleiben, wie es der Berufsstand seit mehr als hundert Jahren zu Recht erwartet.
Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen steht bei der Weiterentwicklung des Zusammenschlusswesens den Privatwaldbesitzern mit Rat und Tat zur Seite, wie sie sich auch bei der Waldbetreuung als Partner versteht. Doch gilt auch für sie, dass Effizienz, Finanzierbarkeit und Integration die Parameter sind, die die künftigen Aufgaben beschreiben.
Durch die jetzt vollzogene Zusammenlegung der Landwirtschaftskammern Hannover und Weser-Ems mit einem (vormals zwei) Geschäftsbereich Forstwirtschaft, die Reduzierung von ehemals sieben Referaten auf zwei Fachbereiche sowie die Reduktion der Anzahl der Forstämter von siebzehn auf neun innerhalb von fünf Jahren ist ein wesentlicher Schritt zur Ausschöpfung von Rationalisierungspotenzialen und Synergieeffekten gemacht worden.
Die Grenzen einer für die Kunden qualitativ zufrieden stellenden Funktionsfähigkeit sind allerdings mit den jetzt erreichten Durchschnittgrößen der Forstämter und der Bezirksförstereien erreicht.
Ein weiterer Aspekt ist, dass mit der Novellierung des Landeswaldgesetzes im Jahr 2002 die Liberalisierung der Privatwaldbetreuung in Niedersachsen verankert worden ist. Neben dem Landesforstbetrieb und der Landwirtschaftskammer können auch private Dienstleister neben privat angestellten Förstern für einen bzw. mehrere Waldbesitzer, Forst-Consulting-Firmen, Lohnunternehmer mit angestellten Förstern etc. in der Beratung, Betreuung und Bewirtschaftung des Kommunal-, Genossenschafts- und Privatwaldes tätig werden. Der Waldbesitzer hat die freie Wahl für die Betreuung seines Waldes. Ordnungspolitisch ist dieses gewollt und kommt dem Wettbewerbsrecht der EU und Deutschlands entgegen.
Bei der v. g. Rechtslage ist nicht auszuschließen, dass private Dienstleister - aus Kosten-gründen - sich ausschließlich forstlicher Nachhaltsbetriebe annehmen werden und der Klein- und Kleinstprivatwald draußen vor bleibt. Je nach regionalen Waldbesitzstrukturen könnte es zu weiteren Veränderungen bestehender Organisationsstrukturen kommen.
Eine flächendeckende Privatwaldbetreuung, die vor allem den Klein- und Kleinstprivatwald einschließt, muss grundsätzlich durch den Gesetzgeber gewährleistet sein, da sonst eine ordnungsgemäße Forstwirtschaft in Teilen des Privatwaldes nicht mehr gewährleistet sein dürfte.
Immer mehr Klein- und Kleinstwaldbesitzer haben weder eine unmittelbare noch mittelbare Verbindung bzw. Bindung zur Landwirtschaft und sind oft auch nicht mehr ortsansässig. Demzufolge sind die Zielvorstellungen dieser v. g. Waldbesitzer von ihrem Wald sehr unter-schiedlich. Gerade diese Klientel ist schwierig in unser Betreuungssystem einzubinden.
In einer pluralistischen Gesellschaft, in der wir leben, wird sich wohl langfristig die völlige Liberalisierung in der Privatwaldbetreuung durchsetzen. Dieses muss aber nicht bedeuten, dass damit die Beratungs- und Betreuungstätigkeit der Landwirtschaftskammer ein Ende findet. Vielmehr muss das Dienstleistungsangebot der Landwirtschaftskammer in Verbindung mit den Forstwirtschaftlichen Zusammenschlüssen so gestaltet sein, dass es gegenüber an-deren Dienstleistern in jedem Falle konkurrenzfähig und nach Möglichkeit besser ist. Dazu ind die viel zitierten "intelligenten" Lösungen, die eine vom Kunden nachgefragte Leistung mit höchster Kosteneffizienz ermöglichen, gefragt. Die Leistung definiert dabei nicht unser Mitarbeiter, sondern der Kunde, das heißt, der Waldbesitzer. Letztlich und entscheidend geht es hierbei um eine kompetente Betreuungsleistung bei vertretbarem Aufwand zu vertretbaren Kosten.


Kontakt:
Rudolf Alteheld
Leiter Geschäftsbereich Forstwirtschaft
Telefon: 0511 3665-1433
Telefax: 0511 3665-1513
E-Mail:


Stand: 06.07.2009