Kompetenzzentrum Zierpflanzen
Die Situation des Produktionsgartenbaus ist gekennzeichnet durch einen ständig steigenden Importdruck aus benachbarten Ländern, sinkende Produktpreise, steigende Produktionskosten und verschärfte Umweltauflagen. Vor diesem Hintergrund zählt die Entwicklung kostensparender und umweltschonender Produktionsverfahren zu den vordringlichsten Aufgaben der Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau Ahlem. Darüber hinaus gilt ein besonderes Augenmerk der Qualitätssicherung und -erhaltung der erzeugten Produkte, sowie der Standardisierung der eingesetzten Produktionsfaktoren, wie z.B. dem Substrat.
Daten - Zahlen - Fakten
Die Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau Ahlem ist 1893 als Israelitische Gartenbauschule gegründet worden und seit 1955 ein Institut der Landwirtschaftskammer Niedersachsen.
Nach dem Verkauf einer Teilfläche stehen am Standort Ahlem zurzeit noch ca. 1000 m² für Freilandversuche und ca. 1500 m² für Gewächshausversuche zur Verfügung.
Zur Erweiterung der Gewächshauskapazitäten wurden externe Gewächshausflächen in der Größenordnung von ca. 1000 m² an zwei verschiedenen Standorten angemietet
Die Zahl der Mitarbeiter der LVG schwankt je nach Saison und laufenden Versuchsprojekten zwischen 35 und 38 Personen. Dem Bereich Versuchswesen sind 22 - 28 Mitarbeiter (einschließlich Gärtner) zuzuordnen, 4 Personen (einschließlich Gärtner) sind in der Überbetrieblichen Ausbildung und 7 - 8 Mitarbeiter in der Verwaltung, Werkstatt und Internat tätig.
Forschungsziele der LVG Ahlem = Kompetenzzentrum Zierpflanzen
- Entwicklung von Temperatur- und Belichtungsprogrammen zur exakten Kultursteuerung und Energieeinsparung
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Erarbeitung umweltschonender Kulturverfahren im Zierpflanzenbau:
- Verringerung des Hemmstoff- und chemischen Pflanzenschutzmitteleinsatzes durch integrierte Maßnahmen zur Klimaführung, Düngung und Bewässerung
- Vermeidung der Stoffauswaschung aus Gewächshausböden durch aride Kulturverfahren und geschlossene Kultursysteme -
Qualitätssicherung, -erhaltung und Haltbarkeit:
- Diagnose und Systematisierung von abiotischen Pflanzenschäden (Zierpflanzen und Gemüse)
- Entwicklung einer EDV-gestützten Bilddatenbank zur Diagnose von Pflanzenschäden (Zierpflanzen)
- Erarbeitung von Sortenprofilen bei Poinsettien und Elatior-Begonien (Testung auf Kultureignung und Haltbarkeit unter Wohnraumbedingungen) -
Standardisierung und Testung von Substraten und Substratkomponenten:
- Erarbeitung von Gütekriterien für Kompost als gärtnerisches Substrat oder Substratbestandteil zum Einsatz im Zierpflanzenbau und Gemüsebau
- Untersuchung physikalischer Eigenschaften von Substraten
- Testung von Torfersatzstoffen
Projekte im Bereich Zierpflanzenbau
- Diagnosezentrum für abiotische Pflanzenschäden
- Regulation des Streckungswachstums, besonders bei Beet- und Balkonpflanzen
- Überprüfung grundsätzlicher Temperatur- und Lichtreaktionen neuer Pflanzenarten für den Frühjahrs- und Sommerabsatz
- Beet- und Balkonpflanzen: Entwicklung von modernen Bepflanzungsbeispielen für Kästen und Kübel
- Prüfung neuer Substratzuschlagstoffe
- Überprüfung des dunkellaubigen Poinsettiensortimentes hinsichtlich seiner Eignung für die Produktion von Hochstämmchen
- Alternative Frühjahrsblüher - Überprüfung neuerer Arten aus dem Staudenbereich hinsichtlich ihrer Eignung als Frühjahrsblüher
- ZINEG: Ziel des Forschungsvorhabens ist es, den Verbrauch fossiler Energie und die damit verbundenen CO2-Emissionen für die Pflanzenproduktion in Gewächshäusern zu reduzieren. Das Gewächshaus soll im Vergleich zu einem herkömmlichen Produktionsgewächshaus rund 90 Prozent an fossiler Energie einsparen.
- Friedhof: Versuche zur Pflanzenverwendung auf Gräbern. Prüfung von Neuheiten aus dem Bereich Beet- und Balkonpflanzen und wenig bekannter Bodendecker aus dem Bereich der Gehölze und Stauden.
Ahlem historisch:
Der Standort der ehemaligen Israelitischen Erziehungsanstalt und Israelitischen Gartenbauschule in Hannover-Ahlem kann auf ein über 110-jähriges Bestehen zurückblicken. Eine Zeitspanne, die angesichts der wechselhaften Geschichte des Ortes nicht nur ein Grund zur Freude ist. Eines der dunkelsten Kapitel wurde in der Zeit des Nationalsozialismus geschrieben. Die Einrichtung in Ahlem wurde zum Zentrum für die Deportation von Juden aus der Region in die Konzentrationlager und zum Polizeiersatzgefängnis der Gestapo, wo ausländische Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene mißhandelt und ermordet wurden.
Der Landkreis Hannover ist intensiv bemüht um eine Aufarbeitung der Geschichte der Israelitischen Gartenbauschule. 1987 konnte im ehemaligen Direktorenhaus eine Mahn und Gedenkstätte für die Verfolgten des Nationalsozialismus der Öffentlichkeit übergeben werden.
Die Stiftung Topographie des Terrors in Berlin stellt Informationen über Gedenkstätten für die Opfer des NS-Regimes in Deutschland auf dem Server Deutsches Historischen Museum zur Verfügung.




