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Biomasse aus der Pflege von Straßenrändern und Moorflächen - der Landkreis Rotenburg (Wümme) produziert regionale Energie

Unter der Leitung der Landwirtschaftskammer Niedersachsen wirkt der Landkreis Rotenburg (Wümme) als Pilotregion bei der erfolgreichen Umsetzung des EU-Projektes greenGain mit und steuert dafür wichtige Angaben zu lokalen Potenzialen der energetischen Nutzung von Landschaftspflegeholz bei. Verschiedene Quellen für diese Art an Biomasse kommen im Landkreis Rotenburg (Wümme) in Frage, wobei im Rahmen von greenGain zwei Typen genauer betrachtet werden: Straßenbegleitgehölz und Moorflächen.

 

Straßenbegleitgehölz

Im Rahmen der kreiseigenen Bioenergie Initiative und dem abgeschlossenen EU Projekt „Bioenergy Promotion“ (2009-2012) wurde im Landkreis Rotenburg (Wümme) bereits eine Einschätzung des Energieholzpotenzialesaus Straßenbegleitgrün durchgeführt. Wie im Projekt greenGain wurden Bundesautobahnen, Bundesstraßen und Landesstraßen nicht näher betrachtet, sondern die Arbeit auf Kreis- und Gemeindestraßen konzentriert. Die Schlussfolgerung der Potenzialanalyse war, dass für den Landkreis Rotenburg (Wümme) Pflegemaßnahmen an Baumreihen, Hecken und Mischgehölzen entlang von Verkehrswegen in der Regel nie kostendecken sind. Der Autor zeigt jedoch praktische Ansätze auf, wie die finanzielle Gesamtbelastung unter die einer reinen Pflegemaßnahme gesenkt werden kann. Der Bericht kann am Ende dieser Seite heruntergeladen werden oder ist neben weiteren Resultaten auf der Seite der Bioneregie Initiative des Landkreises Rotenburg (Wümme) zu finden.

Die Arbeit an weiterführenden Fragestellungen, der Aufbau von Kontakten zu wichtigen Akteuren und die eventuelle Durchführung von praktischen Pilotbeispielen erfolgen in enger Zusammenarbeit mit der Stabstelle Kreisentwicklung in Rotenburg (Wümme).

 

Wegerandstreifen

Überpflügte Wegerandstreifen sind seit mehreren Jahren ein intensiv diskutiertes Thema im Landkreis Rotenburg (Wümme). Die Wege, zu denen neben der Fahrspur auch die Seitenstreifen an beiden Seiten gehören, befinden sich meistens im Besitz der Städte und Gemeinden und sind somit ein öffentliches Gut. Natürlich nutzen auch Landwirte diese Wege, um ihre Flächen zu erreichen und bewirtschaften zu können. Doch immer wieder kommt es vor, dass sie über die Grenzen ihrer Felder hinaus auch die Wegeseitenstreifen beackern und so nicht nur fremde Flächen „unter den Pflug nehmen“, sondern auch verhindern, dass dort wertvolle Biotope für Pflanzen und Tiere entstehen.

In Zusammenarbeit mit den betroffenen Landwirten sollen diese Wegerandsteifen wieder zu ihrer vorgesehenen Gestalt zurückgeführt werden, wobei dies in den meisten Fällen durch die Anpflanzung von Gras-, Gebüsch- oder Gehölzstreifen (Baumreihen oder schnell wachsende Baumarten) erreicht werden kann. An dieser Stelle möchte sich das Projekt greenGain einbringen und mit Blick auf zukünftig nötige Pflegemaßnahmen dieser neu bepflanzen Wegerandstreifen eine energetische Nutzung der anfallenden Biomasse fördern. Wird bereits beim Anlegen der Gehölze die Weiterverwendung des Schnittgutes miteingeplant, können für die unweigerlich anfallenden Pflegearbeiten die bestmöglichen Voraussetzung geschaffen werden (Artenwahl, Pflanzabstand, logistische Planung,…). Zudem kann gleich zu Beginn erfasst werden an welchen Wegabschnitten die Verarbeitung des Pflegematerials zu einem Energieträger sinnvoll ist.

Die Ansätze zur Lösung der Problematik im Landkreis Rotenburg (Wümme) werden aktuell noch auf verschiedenen Ebenen analysiert und diskutiert. GreenGain beobachtet die Entwicklung der öffentlichen Meinungsbildung und wird sich zum passenden Zeitpunkt bei der praktischen Umsetzung miteinbringen. Die Arbeit an der Fragestellung, der Aufbau von Kontakten zu wichtigen Akteuren und die eventuelle Durchführung von praktischen Pilotbeispielen erfolgen in enger Zusammenarbeit mit der Stabstelle Kreisentwicklung in Rotenburg (Wümme).

 

Moorflächen

Im Landkreis Rotenburg (Wümme) befinden sich auf rund 4 % der Kreisfläche Moore mit einer Gesamtfläche von rund 8.300 ha. Laut des aktuellen Landschaftsrahmenplanes sind davon etwa 3.000 ha Hochmoorfläche relevant für die Fragestellungen im Projekt greenGain.

Um diese wertvollen Biotope zu erhalten, ist die Pflege der darauf wachsenden Gehölze nötig. Dichte Waldbestände werden dabei gelichtet, um einen zu großen Entwässerungseffekt durch Bäume zu verhindern. Die Biomasse, welche bei der Durchführung dieser Erhaltungsmaßnahmen anfällt, kann nicht immer vor Ort liegen gelassen werden. GreenGain möchte die energetische Nutzung dieses Holzes in der Region fördern und die entsprechenden lokalen Akteure dabei unterstützen.

Um die anfallende Menge an Biomasse aus der Pflege der Moorflächen im Landkreis Rotenburg (Wümme) abschätzen zu können, arbeitet greenGain mit spezialisierten Unternehmen und interessierten Privatwaldeigentümern zusammen.

 

 


Ideen für Aktionen auf regionaler Ebene sind bisher:

  • Optimierung des gesetzlichen Pflegefensters (Anfang Oktober bis Ende Februar) für Schnittmaßnahmen an Gehölzen in der freien Landschaft  durch die Schaffung eines Systems für die frühzeitige Planung und Vorbereitung des Technikeinsatzes.
  • Machbarkeitsstudien für die Anlage von Gebüsch- und Baumreihen an überbreiten Wegeflurstücken der Gemeinden, wie sie häufig in Rotenburg (Wümme) vorkommen, als zugleich landschaftspflegerische und produktive Alternative zu anderen Maßnahmen der Grenzsicherung, die nur kostenträchtig sind.
  • Entwicklung von effizienteren Methoden der Entkusselung von Hochmoorflächen unter besonderer Berücksichtigung der schwierigen Zugänglichkeit mit technischen Geräten.
  • Kostenlose Beratung für Interessierte in den Projekt-Landkreisen und angrenzenden Regionen zur Installierung von Holzhackschnitzelfeuerungen für die Nutzung von Schwachholz aus Landschaftspflegemaßnahmen (gültig während der Projektlaufzeit, siehe Kontaktangaben).

Mehr Details zur zweiten Pilotregion Friesland, der Projektorganisation, den aktuellen Tätigkeiten und den erarbeiteten Ergebnissen finden Sie in der entsprechenden Domäne der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Zusätzlich finden Sie den Zugang zur greenGain Projekt Plattform und zur Anmeldung für einen halbjährig erscheinenden Newsletter auf der offiziellen Projektseite.

 

Dieses Projekt wird durch das Förderprogramm Horizont 2020 der Europäischen Gemeinschaft für Forschung, technologische Entwicklung und Demonstration mit der Fördernummer 646443 finanziert.

 


Kontakt:
Aline Clalüna
Projekt greenGain
Telefon: 0511 3665-1443
Telefax: 0511 3665-1513
E-Mail:


Stand: 28.07.2017