Webcode: 01031697

Die verborgenen Potenziale der Landschaftspflege - greenGain Biomassenabschätzung

Im Juli 2016 beendeten die greenGain-Projektpartner, darunter die Landwirtschaftskammer Niedersachsen, die Abschätzung der potenziellen Biomasse aus der Landschaftspflege in den vier Projektregionen. Der Projektbericht 5.2 illustriert unter anderem die angewandte Methodik auf der Basis eines Bottom-up-Ansatzes und zeigt für jeden Landschaftspflegetyp in den einzelnen Projektregionen, welche Potenziale berechnet wurden. Der folgende Artikel fasst die Biomassebewertung zusammen und gibt einen Überblick über die Ergebnisse.

Methode

Ausgangspunkt für die im Projekt durchgeführte Biomassebewertung war die Schätzung des theoretischen Potenzials auf der Basis statistischer Daten, Stichproben, Ertragsraten aus anderen Projekten, usw. Das Projekt Biomasse Energy Europe (BEE) zur Harmonisierung von Biomasseabschätzungen definiert: "Das theoretische Potenzial ist das Gesamtmaximum an terrestrischer Biomasse, die im Rahmen der grundlegenden biophysikalischen Grenzen theoretisch für die Bioenergieproduktion angesehen werden kann". Allerdings geben theoretische Potenziale oft keine genaue und realistische Einschätzung der Biomassemengen, die für die Energieerzeugung nutzbar sind. Daher wurden potenzielle Einschränkungen mit einem Reduktionskoeffizienten (CR= coefficient of reduction) quantifiziert, was zu beurteilten, nachhaltigen Potenzialen führte (Abbildung 1).

Praktisch bedeutet die Anwendung dieser Methodik, dass verfügbare lokale Daten gefunden werden und eine enge Zusammenarbeit mit Akteuren in den greenGain Projektregionen stattfinden musste. In einem Bottom-up-Ansatz haben die verantwortlichen greenGain-Partner darum:

  • nach lokalen zuverlässigen Bestandsaufnahmen gesucht, die durch Feldbeobachtung erstellt oder durch lokale Akteure zur Verfügung gestellt wurden,
  • die vor Ort tatsächlich herrschenden Biomasseproduktionsverhältnisse durch Zusammenarbeit mit lokalen Akteuren oder durch Stichproben eingeschätzt, um eine Verallgemeinerung durch nationale oder europäische Studien zu vermeiden,
  • in Kontakt mit lokalen Unternehmen und Behörden Einschränkungen für die Beschaffung von Biomasse aus der Landschaftspflege identifiziert.

Für die elf Arten an Biomasse aus der Landschaftspflege, die in den vier Projektländern beurteilt wurden, stand ein breites Spektrum an Menge und Qualität an Informationen zur Verfügung. Dementsprechend wurde nicht eine einzige Methode auf alle Typen angewendet, sondern die Situationen wurden individuell auf der Grundlage des vorhandenen Wissens und der verfügbaren Eingabedaten bewertet.

 

Ergebnisse

Die Untersuchungen und Berechnungen zur Bewertung der Biomassepotenziale in den Projektgebieten führten zu den Ergebnissen, welche in Tabelle 1 dargestellt sind.

Die hier gezeigten nachhaltigen Potenziale beziehen sich nur auf frisches Material. Das Biomassepotenzial der gemischten Rohstoffe wurde für die holzigen und krautigen Anteile nicht überall gesondert beurteilt. Dies war nicht möglich, da bei den tatsächlich umgesetzten Pflegearbeiten gemischte Rohstoffe entstehen und entsprechende Informationen über Verhältnisse und Biomasseeigenschaften von den zuständigen Akteuren sich auf diese Mischung beziehen. Nach Beenden der nun laufenden Pilot-Erfahrungen werden die Fraktionen, wenn möglich, getrennt analysiert.

Die detaillierten Berechnungen der Biomassenabschätzung der einzelnen Rohstoffarten in den vier Projektländern finden sich im Projektbericht 5.2 (auf Englisch). Weitere Übersichten zu den Ergebnissen stehen zudem in der Präsentation "Feedstock: biomass from landscape conservation and maintenance work" von Daniel Garcia zur Verfügung (siehe auch Anhang). Der Vortrag wurde auf der internationalen greenGain-Konferenz im Oktober 2016 in Soltau gezeigt.

 

Schlussfolgerungen

Die Abschätzung von Landschaftspflegematerial in einem Gebiet erfordert die Interpretation dessen spezifischer Merkmale und Bedingungen unter Berücksichtigung der lokalen Bestandsaufnahmen und der einzigartigen Biomasseproduktivitätsverhältnisse. Dennoch wurde beobachtet, dass, obwohl Abschätzungen in verschiedenen Ländern und Regionen durchgeführt wurden, wo verschiedene Ernteverfahren angewendet werden und unterschiedliche Regelungen gelten, in allen Fällen das nachhaltige Potenzial dem theoretischen sehr nahe kommt. Dies zeigt, dass in vielen Fällen keine stark einschränkenden Faktoren auf die Nutzung von Biomasse aus der Landschaftspflege Einfluss haben.

Darüber hinaus zeigte die Analyse, dass Landschaftspflegematerial räumlich verteilt ist und das Potenzial pro Gebietseinheit in der Regel viel niedriger ist als im Falle von Biomasse aus land- und forstwirtschaftlichen Gebieten. Dennoch kann die Biomasse aus der Landschaftspflege sowohl in lokale als auch in große Lieferketten integriert werden. In vielen Fällen kann sie alleine keine Biomassequelle darstellen, doch kann das Material durch die Verwendung spezifischer Geschäftsmodelle in andere Zulieferketten eingebunden werden und Teil von integrierten logistischen Lösungen sein.

 

Dieses Projekt wird durch das Förderprogramm Horizont 2020 der Europäischen Gemeinschaft für Forschung, technologische Entwicklung und Demonstration mit der Fördernummer 646443 finanziert.

 


Kontakt:
Aline Clalüna
Projekt greenGain
Telefon: 0511 3665-1443
Telefax: 0511 3665-1513
E-Mail:


Stand: 14.02.2017