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Abschätzung des Biomassepotenzials bei der Pflege von Wallhecken im Landkreis Friesland

Im Juli 2016 beendeten die greenGain-Projektpartner, darunter die Landwirtschaftskammer Niedersachsen, die Abschätzung der potenziellen Biomasse aus der Landschaftspflege in den vier Projektregionen. Der folgende Artikel fasst die Biomassebewertung der Wallhecken im Landkreis Friesland zusammen und gibt einen Überblick über die Ergebnisse.

Alle Wallhecken im Landkreise Friesland sind bei der Unteren Naturschutzbehörde registriert und in einem GIS-System markiert. Die GIS-Shape Files sind auf Anfrage erhältlich und Karten von Abschnitten können online als PDF heruntergeladen werden. In der Biomasseabschätzung wurden alle registrierten Wallhecken berücksichtigt unter Annahme, dass alle zugänglich sind und gepflegt werden können. Laut der neuesten Datenerhebung haben die Wallhecken im Landkreis Friesland eine Gesamtlänge von 490 km. Im Rahmen von greenGain konnten bis zu diesem Zeitpunkt noch keine Hinweise zur Biomasseproduktion direkt aus der Praxis gewonnen werden (weitere Informationen werden in den Pilot-Erfahrungen gesammelt werden), allerdings haben mehrere Studien und Projekte das Thema bereits genauer betrachtet.

Energiequelle Wallhecke

Eine wichtige Quelle für die hier gemachte Abschätzung war der Endbericht des INTERREG IV A-Projektes “Stoken op Streekhout – Energiequelle Wallhecke” (Stockmann, 2012). Darin wurde in fünf verschiedenen Regionen im Nordwesten Deutschlands und Nordosten Hollands Wallhecken gepflegt und dabei verschiedene Faktoren dokumentiert (Kosten, Biomasse, Verschmutzung, …). In jeder Region wurden 2-5 Wallhecken bearbeitet, insgesamt 12, und detaillierte Beschreibungen der gesammelten Daten, auch zu Biomassemengen pro Meter Wallhecke, wurden gemacht. Die Ergebnisse des Projektes zeigten einen Bereich von 50 – 198 t frische Biomasse per km Wallhecke. Zusammen mit den Ergebnissen und Erfahrungen weiterer Studien und Projekte (siehe Tabelle 1) wurde das theoretische Biomassenpotenzial auf den Bereich 24 – 220 t/km festgelegt (Wassergehalt ~ 45%).

Der Einfluss des Standorts

Zusätzlich wurde berücksichtigt, dass an den einzelnen Standorten verschiedene Faktoren das Verhältnis beeinflussen. Für Wallhecken sind dies zum Beispiel der Wallheckentyp (Strauch oder Baum dominiert, Mischung) und die Vegetationsdichte (siehe Tabelle 2). Angaben zu diesen Faktoren für die Wallhecken im Landkreis Friesland stehen im entsprechenden Landschaftsrahmenplan zur Verfügung (siehe Angang). Die Daten zeigen, dass der größte Anteil der Wallhecken in Friesland eine Strauch-Baum Mischung oder Baum dominiert sind. Auch haben alle Wallheckentypen meistens eine dichte Vegetation mit wenigen Lücken. Nach dem Miteinbeziehen dieser für Friesland spezifischen Informationen, wurde der aus der Literatur bestimmte Bereich angepasst. Ertragsverhältnisse von lichten oder Strauch dominanten Vegetationen wurden für die weiteren Berechnungen nicht mehr beachtet (Werte in erster Tabelle mit einem * markiert). Hiermit verkleinert sich das Ergebnis auf 40-220 t/km.

Einschränkungen bei der Pflege

Aspekte hinsichtlich der Durchführbarkeit der Extraktion der Biomasse, die technische und wirtschaftliche Umsetzung, sowie Nachhaltigkeitseinschränkungen wurden zusätzlich als Reduktionsfaktoren (CR= coefficient of reduction) eingeschätzt. Dabei konnten keine signifikanten technischen Einschränkungen festgestellt werden (z.B.: besonders steil, sehr nasser Boden, erschwerter Zugang, etc.), weshalb der technische Reduktionsfaktor (CRtech) klein angesetzt wurde: CRtech= 0.05. Zudem weisen 1.4% der Wallhecken im Landkreis Friesland keinen Bewuchs auf. Dieser Anteil nicht vorhandener Vegetation (CRno vegetation) wurde mit dem Faktor CRnoveg = 0.014 berücksichtigt. Es ist nicht zu erwarten, dass Teile des anfallenden Materials auf der Fläche zurückgelassen werden, da damit der Aufwuchs von Kräutern und Gräsern und damit der ökologische Wert beeinträchtigt würden. Auch kann angenommen werden, dass keine Wallhecke nicht gepflegt wird wegen schwierigen Zugangs. Die meisten befinden sich in der Nähe landwirtschaftlicher Wege oder Flächen, die während der für die Pflegemaßnahmen zulässige Zeitperiode vom 1. Oktober bis letzten Tag Februar bar und somit leicht zu erreichen sind.

Endergebnis

Mit den Informationen aus den Literaturquellen und den Daten zu den Faktoren „Wallheckentyp“ und „Vegetationsdichte“ aus dem Landschaftsrahmenplan ergab sich ein Bereich von 40 – 220 Tonnen holzige Biomasse pro km Wallhecke. Mit insgesamt 490 km Wallhecken konnte die totale vorhandene Biomasse (Biotot) wie folgt berechnet werden:

Biotot = (Länge Wallhecken)*Produktionsverhältnis
= 490 km * (40 bis 220 t/km)
= 19.600 bis 107.800 t

 

Es muss beachtet werden, dass die Pflege der meisten Wallhecken im Landkreis Friesland durch ein EU-Programm finanziell unterstütz wird, und dieses einen Pflegeturnus von ca. 10 Jahren vorgibt. Damit wurde das jährlich anfallende theoretische Potenzial (Biotheo) wie folgt bestimmt:

Biotheo = Biotot / Frequenz =
= 19.600 bis 107.800 t / 10 Jahre
= 1.960 bis 10.780 t/Jahr

 

Um schliesslich das nachhaltige Potenzial zu erhalten, wurden die oben genannten Reduktionskoeffizienten in einem letzten Schritt miteinbezogen:

Bionachh = Biotheo*(1-CRtech)*(1-CRnoveg)
= (1.960 bis 10.780 t)*0,95*0,986
= 1.840 bis 10.100 t/Jahr

 

Jede Wallhecke ist einzigartig

Der weite Bereich des Ergebnisses zeigt, dass eine allgemeine Aussage zu der Biomassemenge aus der Wallheckenpflege im Landkreis Friesland schwierig ist. Das kann sicher auf die unterschiedlichen, hier verwendeten Literaturquellen zurückgeführt werden. Zudem, auch wenn in der Literatur meist gleiche Landschaften und Umgebungen beschrieben sind, werden unterschiedliche Pflegepläne angewandt und die Arbeit unterschiedlich finanziell unterstützt. Schließlich wurden für die meisten Fälle keine Angaben zu Wassergehalt oder Feuchte der Biomasse gemacht, was die Umrechnung der Einheiten für den Vergleich erschwerte. Viel wichtiger ist es jedoch zu erkennen, dass Wallhecken, auch kleinräumig, ganz unterschiedliche Eigenschaften aufweisen können (siehe Daten aus dem Landschaftsrahmenplan), die dann bei der Pflege zu unterschiedlichen Biomassemenge führen.

 

Der vollständige Projektbericht zur Biomassenabschätzung aller in greenGain betrachteten Landschaftspflegetypen, einschließlich der detaillierten Berechnungen, kann am Ende dieser Seite heruntergeladen werden (PDF, auf Englisch).


 

Quellen:

  • DVL, 2008; Deutscher Verband für Landschaftspflege: Erfolgsmodelle der energetischen Nutzung von Biomasse aus der Landschaftspflege; http://bit.ly/2lf7v5h (abgerufen am 02.02.2017)
  • Höhner G., „Heizen mit Hecken,“ Forstmagazin Top Agrar online, edition 2012/2012. http://bit.ly/2kJMOS3 (abgerufen am 02.02.2017)
  • Johst A., Conrady D. 2012. „Energieholz und Biodiversität – Die Nutzung von Energieholz als Ansatz zur Erhaltung und Entwicklung national bedeutsamer Lebensräume,“ Zwischenbericht (Berichtszeitraum 01.04.2011-31.03.2012); NaturSchutzFonds Brandenburg 730/2009, Förderkennzeichen: PtJ 03KB020A-C, Erfurt. http://bit.ly/2kJBCER (abgerufen am 06.02.2017)
  • Schüch A., Friedrich F. 2008. “ Potenzial von Biomasse aus der Landschaftspflege in Mecklenburg-Vorpommern am Beispiel ausgewählter Regionen,“ copyright Agrar und Umweltwissenschaftliche Fakultät Rostock, 2. Rostocker Bioenergieforum.;  http://bit.ly/2jGdBdF (abgerufen am 02.02.2017)
  • Starck H.G., Maier-Staud B., Meyer B. 2011. “Energiepotenzial aus Biomasse und Versorgungsbeitrag für das Jahr 2020”, Studie des Ministeriums für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume Schleswig-Holstein, Kiel. http://bit.ly/2lf2SIs (abgerufen am 06.02.2017)
  • Stockmann F., et. al. 2012. „Schlussbericht Wissenschaftliche Begleitung des INTERREG IV A-Projektes „Stocken op Streekhout - Energiequelle Wallchecke““. Internationales Institut für Wald und Holz.
  • Wiegmann K. (Öko-Institut), Heintzmann A., Peters W., Scheuermann A., Seidenberger T., Thoss C. 2007. „Bioenergie und Naturschutz: Sind Synergien durch die Energienutzung von Landschaftspflegeresten möglich?,“ Endbericht an das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, Darmstadt. http://bit.ly/2kyvmxz (abgerufen am 06.02.2017)
  • Wiehe J. 2003. „Die energetische Nutzung von Holz aus der Landschaftspflege - Wallhecken als Wärmequelle für den Landkreis Grafschaft Bentheim,“ Diploma Thesis University Hannover. Access: June 2016 http://bit.ly/2kyLiQx (abgerufen am 06.02.2017)

 

Dieses Projekt wird durch das Förderprogramm Horizont 2020 der Europäischen Gemeinschaft für Forschung, technologische Entwicklung und Demonstration mit der Fördernummer 646443 finanziert.

 


Kontakt:
Aline Clalüna
Projekt greenGain
Telefon: 0511 3665-1443
Telefax: 0511 3665-1513
E-Mail:


Stand: 28.08.2017