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Höhepunkte des nationalen greenGain Workshops in Soltau

Der zweite nationale Workshop im greenGain-Projekt wurde von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen organisiert und fand am 21. und 22. Oktober 2016 in Soltau statt. Die Veranstaltung wurde von 46 Teilnehmern aus sechs europäischen Ländern besucht. Zwei Ortsbesichtigungen haben den Workshop ergänzt.

Als Einführung zum Workshop wurden die Teilnehmer gebeten, über Fragen und Probleme nachzudenken, die sie im Laufe der Veranstaltung angesprochen haben möchten. Die genannten Punkte wurden anschließend einem der drei Themenfelder "Lokale Initiativen und Verwaltung", "Pflegearbeiten und Transport" und "Rohstoffverwertung" zugewiesen und während der gesamten Veranstaltung für die Zuschauer sichtbar auf Tafeln notiert. Die folgenden Präsentationen von lokalen Experten halfen, die Fragen zu klären und ausführlicher zu diskutieren. Alle Vorträge des Workshops und der vollständige Veranstaltungsbericht können von der Projektwebsite oder der „greenGain Information Platform“ heruntergeladen werden.

 

1) Lokale Initiativen und Administration

Der erste Teil des Workshops begann mit der Präsentation von Jens Eden von der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Friesland (deutsche greenGain-Projektregion), über die Produktion von Bioenergie aus Biomasse, welche bei der Pflege von Wallhecken anfällt. Nachdem er die Eigenschaften von Wallhecken und ihre räumliche Verteilung im Landkreis gezeigt hatte, erläuterte er die Merkmale der Finanzprogramme, die die Erhaltung dieser Landschaftsstrukturen unterstützen. Herr Eden teilte mit, dass bis 2014 die gesammelte Biomasse in den meisten Fällen in traditionellen Osterfeuern verbrannt wurde. Aufgrund einer neuen gesetzlichen Regelung zur Begrenzung dieser Brände, so wie in Zusammenarbeit mit lokalen Akteuren und dem Projekt greenGain will der Landkreis Friesland nun einen neuen Nutzungsweg für diese Biomasse schaffen.

Ulrike Jungemann, Regionalplanerin des Landkreises Rotenburg (Wümme), die zweite deutsche Projektregion in greenGain, referierte im zweiten Teil dieses Themenblocks über die Innovations- und Kooperationsinitiative Bioenergie. Dieses Programm zielt auf die Stärkung der regionalen Wirtschaftskraft durch die Entwicklung lokaler Bioenergienutzung (vorwiegend Biogas und Holz), Schaffung neuer Arbeitsplätze durch den Aufbau regionaler Wertschöpfungsketten, Entwicklung einer langfristigen Perspektive für die Nutzung von Bioenergie und Öffentlichkeitsarbeit zur Akzeptanzförderung. Eine Reihe von Akteuren mit unterschiedlichem Hintergrund (Verwaltung, Privatpersonen) arbeitet in fünf Projektteams, um diese Ziele zu erreichen und ein Netzwerk im Bioenergiebereich zu schaffen. In Kooperation mit greenGain werden weitere Beiträge zur Entwicklung eines regionalen Holzenergiekonzepts gemacht und die Umsetzung der Initiative als informelles Planungsinstrument unterstützt.

 

2) Pflegearbeiten und Transport

Ralf Ratajczak, Leiter der Straßenmeisterei Bremervörde, präsentierte seine Arbeit auf den Landes- und Bundesstraßen unter anderem im Landkreis Rotenburg (Wümme). Sein Team plant die Pflege von Straßenrandvegetation, führt notwendige Ausschreibungsprozesse durch und steuert die Arbeit von Drittfirmen. Die Meisterei führt einen kleinen Teil der Arbeit selbst aus, da ihre personellen und technischen Mittel nur für kleinere Eingriffe ausreichen. Herr Ratajczak hob hervor, dass die Ausschreibung aufgrund von Verwaltungsprozessen zusätzliche Arbeitsbelastung schafft und dass die erforderlichen finanziellen Mittel nicht immer zur Verfügung stehen.

In der zweiten Hälfte dieses Themenblocks stellte Arne Memmen von der Firma AGRARService in Sande dar wie Landschaftspflege in seinem Unternehmen praktisch umgesetzt wird. Vom Schneiden der Vegetation bis zum Sammeln, Hacken, Transportieren und Verbrennen der Biomasse wies er auf die wichtigsten Faktoren hin, die bei der Arbeit berücksichtigt werden müssen. Mit Beispielen aus seinen eigenen Erfahrungen und der Präsentation der Maschinen in seinem Unternehmen unterstrich er seine Ausführungen.

 

3) Rohstoffverwertung

Der letzte Themenblock wurde von Andreas Melle vom Umweltdienstleister [k]Nord eingeleitet. Er stellte die Firma vor und zeigte den Umgang mit Landschaftspflegematerial in der Kompostieranlage des Betriebes. Hierzu stehen die notwendigen Maschinen bei [k]Nord zur Verfügung und in Abstimmung mit dem Verbraucher werden die besten Verarbeitungsschritte definiert. Für die endgültige Verwendung von Landschaftspflegematerial müssen mehrere Faktoren berücksichtigt werden; darunter der Endpreis des Energieträgers, der für die Vorbehandlung erforderliche Aufwand und der rechtliche Rahmen, in dem festgelegt wird, ob und wie die Nutzung dieser Biomasse gefördert wird.

Als letzter Redner zeigte Herr Christian Kühn von der Bayernfonds Best Energy1 GmbH & Co. KG die Verwendung von Biomasse aus der Landschaftspflege für die Energieproduktion in sechs Großkraftwerken in Deutschland. Auf Basis erneuerbarer Rohstoffe produziert das Unternehmen jährlich 235 GWh Strom und 63 GWh Wärme. Gemeinsam verbrauchen die sechs Kraftwerke in einem Jahr rund 370.000 Tonnen luftgetrocknete Holzhackschnitzel vorwiegend aus der Landschaftspflege und von etwa 160 verschiedenen Lieferanten mit klar definierten Qualitätsstandards (Feuchtigkeit, Aschegehalt, Größe etc.).

 


 

Fragen, Diskussion und Schlussfolgerung

Nach den sechs Vorträgen konnten einige der in der Einleitung gesammelten Fragen beantwortet werden. So zeigten die Beispiele der Programme in Friesland und Rotenburg (Wümme), dass die Integration von Naturschutzanliegen in das Management von Landschaftspflegematerial, sowie die Kooperation zwischen Naturschutzbehörden und den Pflegeunternehmen möglich ist. Für andere Regionen ist dies jedoch nicht der Fall, und es wurde der Schluss gezogen, dass die Förderung öffentlich-privater Partnerschaften ein wichtiger Faktor für die energetische Nutzung von Biomasse aus der Landschaftspflege ist.

Auf Anfrage erläuterte Herr Ratajczak wie die Straßenmeisterei grasartige Biomasse verarbeitet. Er erklärte, dass diese heute vor Ort gemulcht und nicht wie früher mit einer Maschine aufgesaugt und gesammelt wird. Da durch dieses Vorgehen auch Insekten und Kleintiere entfernt werden, wurde es auf Nicht-Autobahnen aus Naturschutzgründen verboten. Er wies darauf hin, dass sich mit dem Mulchen im Laufe der Jahre Humus ansammelt und dadurch die Straßenbänke wachsen. Dies wiederum führt zu Problemen mit der Entwässerung der Straßen.

Die Vorträge führten auch zu zusätzlichen Fragen aus dem Publikum. Auf Wunsch präzisierte Frau Jungemann den Anteil der landwirtschaftlichen Fläche, der für die Produktion von Biogassubstrat (hauptsächlich Mais) im Landkreis Rotenburg (Wümme) verwendet wird: 56 % der landwirtschaftlich Anbaufläche im Landkreis wird für Biomasse für Biogasanlagen genutzt. Dies entspricht 23 % der gesamten landwirtschaftlichen Fläche (umfasst z. B. auch Flächen für die Viehzucht). Darüber hinaus erklärte sie, dass Gras von der Straßenrandpflege ein mögliches Substrat für Biogasanlagen im Landkreis sein könnte. Allerdings denken die meisten Betriebsleiter, dass diese Biomasse nicht homogen genug ist und bevorzugen die Pflanzen, die auf ihren eigenen Feldern wachsen.

Herr Memmen beantwortet technische Fragen und bekräftigt, dass er den gleichen Holzhacker für größere Stammabmessungen sowie für buschiges Material verwendet. Ferner erklärte er, dass das Material in etwa 80 % der Fälle ohne weitere Vorbehandlung direkt an das Kraftwerk (auch kleinere Anlagen) geliefert wird. Schließlich fragte Herr Kühn das Publikum, ob Informationen über die potenzielle Menge an Biomasse aus der Landschaftspflege in Deutschland vorliegen. Herr Klaus Lenz vom greenGain-Projektpartner SYNCOM verwies dazu auf das Projekt BioBoost und dessen Ergebnisse.

 

Dieses Projekt wird durch das Förderprogramm Horizont 2020 der Europäischen Gemeinschaft für Forschung, technologische Entwicklung und Demonstration mit der Fördernummer 646443 finanziert.

 


Kontakt:
Aline Clalüna
Projekt greenGain
Telefon: 0511 3665-1443
Telefax: 0511 3665-1513
E-Mail:


Stand: 14.02.2017