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Ernte 2016: Das Wetter als große Herausforderung

Landwirtschaftskammer zu abgelaufener Ernte, Wetter 2016 und künftigem Klima

Badbergen – Das Wetter in diesem Jahr stellte die niedersächsischen Ackerbauern vor große Herausforderungen. Insbesondere der nasse August und der heiße und trockene September machten bei der Ernte große Probleme. „Wie kein anderer Wirtschaftszweig hängt die Landwirtschaft vom Wetter ab“, sagte Gerhard Schwetje, Präsident der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, auf der Erntepressekonferenz seines Hauses, die heute (12. Oktober) in Badbergen (Landkreis Osnabrück) auf dem Hof Elting-Bußmeyer stattfand.

Die Landwirte waren organisatorisch und technisch gefordert, um am Ende Erträge einzufahren, die je nach Kultur von schlecht bis gut reichten. Dass die Gesamtbilanz eher unbefriedigend ausfällt, liegt insbesondere am Getreide, der dominierenden Frucht auf niedersächsischen Äckern, für deren geringe Erträge auch wenig bezahlt wurde. Dieses Minus machten auch günstige Betriebsmittel nicht wett. Dieselkraftstoff und Dünger kosteten deutlich weniger als im Vorjahr. Auch bei Raps gingen die Einkünfte der Landwirte wegen niedriger Erträge und nachgebender Preise zurück.

Besser sieht es dagegen bei Kartoffeln aus, für die – trotz leicht rückläufiger Erträge gegenüber 2015 – die Erlöse dank guter Preise stiegen. Die Anbauer von Zuckerrüben erwarten eine durchschnittliche Ernte, da Rübenerträge und Zuckergehalte bis jetzt zufriedenstellen. Über die guten Erträge beim Mais, die – wie bei allen anderen Ackerkulturen auch – regional stark differierten, konnten sich die Landwirte nur eingeschränkt freuen. Hitze und Trockenheit im September sorgten für eine rasante Abreife der Pflanzen. Viele Silomais-Bestände waren für das Einsilieren zu trocken und wurden als Körnermais geerntet.

Ausführlich ging Kammerpräsident Schwetje auf die witterungsbedingten Schwierigkeiten bei der Ernte ein. Insbesondere Weizen konnte durch die starken Regenfälle im August zum großen Teil nur verzögert und mit schlechten Qualitäten eingefahren werden. Die Ernte von Kartoffeln und Zuckerrüben war durch die lang anhaltende Trockenheit und Hitze im September beeinträchtigt. Der harte Boden erschwerte das Roden und führte bei Kartoffeln zu beschädigten Knollen und bei den Zuckerrüben zu einer unvollständigen Ernte der Rübenkörper, da Teile im harten Boden stecken blieben.

In dem ungewöhnlichen Wetter der vergangenen zwölf Monate sieht Schwetje kein Indiz für einen Klimawandel. „Wir müssen uns aber auf Klimaveränderungen einstellen“, so der Kammerpräsident. Als Beispiel nannte er die Niederschlagsmengen, die über das Jahr zunehmen, aber zu anderen Zeiten als bisher fallen. „Für die Zukunft werden wir beim Wasser kein Mengenproblem, sondern ein Verteilungsproblem zu bewältigen haben“, so Schwetje. Wenn künftig mehr beregnet werden solle, müsse man sich Gedanken darüber machen, Wasser zu speichern.

Auch die Jahresdurchschnittstemperatur werde in Zukunft steigen, zitierte Schwetje Erkenntnisse der Wissenschaft. Darin sieht er auch Chancen für den Ackerbau, denn die Zeit, in der Pflanzen wachsen können, verlängere sich. „Bis Mitte des Jahrhunderts ist mit einem Monat zusätzlicher Vegetationsdauer zu rechnen, und bis Ende des Jahrhunderts sogar mit zwei Monaten“, sagte Schwetje. Er schloss nicht aus, dass künftig innerhalb von zwei Jahren nicht nur zwei Hauptfrüchte wie bisher, sondern eventuell drei Hauptfrüchte auf dem Acker angebaut werden könnten.

In einer solchen Intensivierung der Produktion sieht Schwetje einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz. „Dank der hohen Effizienz unserer Landwirtschaft und der guten Bedingungen in Deutschland“ könnten Lebensmittel hier klimaschonend erzeugt werden. Denn in weniger produktiven Regionen der Erde würden für die gleiche Lebensmittelmenge mehr schädliche Klimagase anfallen. Lokale Vermeidungsstrategien seien deshalb wenig hilfreich. „Hier müssen wir global denken“, lautete Schwetjes Appell unter anderem an die Politik.

Auch die Landwirtschaft selbst könne aktiv zum Klimaschutz beitragen, wenn sie zum Beispiel klimaschonend produzierten Mineraldünger, der kaum teurer sei, einsetze. Als weitere Möglichkeit nannte Schwetje den Ersatz mineralischer Dünger durch organische Dünger wie etwa Gülle. „Wenn organische Dünger nach Menge, Zeitpunkt und Technik optimal ausgebracht werden, dann ist das aktiver Klimaschutz“, sagte der Kammerpräsident.

 


Ernte 2016 im Telegrammstil

Allgemein: große regionale Ertragsunterschiede aufgrund des Wetters; günstige Betriebsmittel wie Diesel und Düngemittel

Mais: gute Erträge; nur ein kurzer Zeitraum für optimales Häckseln; Pflanzen oft zu trocken für die Silage-Gewinnung

Kartoffeln: Erträge leicht unter Vorjahresniveau; schwierige Ernte durch trockene, harte Böden; bisher gute Preise gegenüber dem schwachen Vorjahr

Zuckerrüben: durchschnittliche Erträge; hoher Zuckergehalt; trockener Boden erschwert Rodearbeiten

Getreide: deutlich weniger Erträge als im guten Vorjahr; nasses Wetter beeinträchtigt Ertrag und Qualität; bisher niedrige Preise

Winterraps: deutlich geringere Erträge als im Vorjahr; schwache Preisentwicklung

Grünland: hohe Erträge mit unterdurchschnittlichen Qualitäten; wenig Heu, da Ernte problematisch

Öko-Landbau:

Getreide: durchschnittliche Erträge und Qualitäten; niedrige Preise für Dinkel;

Kartoffeln: unterdurchschnittliche Erträge; oft unbefriedigende Qualität; gute Preise werden erwartet


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Stand: 21.10.2016



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