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Wirtschaftsjahr 2015/16: Bauern machen erneut dickes Minus

Schwetje: „Diese Ergebnisse sind bedrohlich und existenzgefährdend“

Niedersachsens Landwirte haben im zweiten Jahr in Folge hohe Verluste hinnehmen müssen. Wie die Ergebnisse für das Wirtschaftsjahr 2015/16 ausweisen, verharren die Einkommen auf sehr niedrigem Niveau. Haupterwerbsbetriebe erzielten im Durchschnitt ein Unternehmensergebnis von 42.500 Euro* (Vorjahr 42.200 Euro). Damit wurde der Mittelwert der letzten fünf Jahre um 34 Prozent unterschritten. Von den Einkommen müssen Landwirte neben den Privatentnahmen auch Investitionen, Steuern sowie die Altersvorsorge bezahlen.

Als „bedrohlich und existenzgefährdend“ bezeichnete Gerhard Schwetje, Präsident der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, die Ergebnisse auf der Kammerversammlung, die heute (29. November) in Oldenburg stattfand. „Die Märkte haben den landwirtschaftlichen Betrieben schwer zugesetzt“, sagte er. Drei Viertel der Unternehmen hätten weder eine angemessene Verzinsung des gebundenen Kapitals noch eine gerechte Entlohnung der Arbeit erzielt.

Schwetje: „Fakt ist, dass die meisten Betriebe seit Längerem von ihrer Substanz zehren.“ Wie schon im Vorjahr seien Eigenkapitalverluste von 10.000 Euro je Betrieb zu beklagen. „Das ist keine Basis für unternehmerisches Handeln“, sagte der Kammerpräsident und ergänzte, wie unvorhersehbar und risikobehaftet die landwirtschaftlichen Märkte und damit die landwirtschaftliche Produktion geworden seien.

Angesichts der anhaltend prekären wirtschaftlichen Lage, aber auch aufgrund gesellschaftlichen und politischen Drucks, machten sich viele landwirtschaftliche Unternehmer Gedanken darüber, ihre Betriebe aufzugeben. So hätten acht Prozent der schweinehaltenden Betriebe im Wirtschaftsjahr 2015/16 ihre Produktion eingestellt. Das seien deutlich mehr als die bekannten drei Prozent des üblichen Strukturwandels.

In dieser Entwicklung sieht Schwetje auch eine Gefahr für den ländlichen Raum, dessen „Motor“ die Landwirtschaft sei. „Mit ihren vor- und nachgelagerten Bereichen sichert die Landwirtschaft Einkommen, Beschäftigung und Lebensqualität in Regionen, die sonst als strukturschwach bezeichnet werden“, sagte der Kammerpräsident. Auch deshalb müssten sich landwirtschaftliche Betriebe dynamisch weiter entwickeln können und dürfen, forderte Schwetje. Als Gebot der Nachhaltigkeit sei es dabei selbstverständlich, dass die natürlichen Ressourcen Luft, Wasser und Boden geschützt würden.

Die Ergebnisse im Einzelnen:

Die Marktfruchtbetriebe konnten im vergangenen Wirtschaftsjahr erneut gute Ernten einfahren. Die Freude darüber wurde aber durch weiter gefallene Preise für Getreide und Zuckerrüben getrübt. Höhere Umsätze wurden nur im Kartoffelanbau erwirtschaftet. Obwohl Betriebsmittel wie Dünger, Diesel und Pflanzenschutzmittel günstiger wurden, kompensierte das nicht die Einbußen. Je Betrieb lag das Unternehmensergebnis im Durchschnitt mit 73.000 Euro leicht (5 Prozent) über dem Vorjahr. Das fünfjährige Mittel wurde um knapp 20 Prozent verfehlt.

Die Futterbaubetriebe sind wie im Vorjahr Schlusslichter unter den Betriebsformen. Russland-Embargo und Discounter setzten die Milchpreise weiter kräftig unter Druck. Sie brachen gegenüber dem Vorjahr um weitere fünf Cent ein und standen am Ende bei 26 Cent je Kilogramm. Ausgehend von einem indiskutablen Vorjahreswert stieg das Ergebnis leicht (+ 8 Prozent) auf 30.900 Euro je Betrieb. Im zweiten Jahr in Folge wurde gerade einmal die Hälfte des Fünf-Jahres-Durchschnitts erzielt.

In der Veredlung mussten die Betriebe bereits im dritten Jahr in Folge fallende Preise für Schweinefleisch und Ferkel hinnehmen. Da halfen auch die gesunkenen Ausgaben für Futtermittel nicht, das Unternehmensergebnis erträglich zu gestalten. Mit 33.900 Euro liegen die Veredlungsbetriebe 15 Prozent unter dem Vorjahreswert. Zum fünfjährigen Mittel fehlen 33 Prozent.

Angesichts dieser Zahlen ist klar, dass auch die Gruppe der Verbundbetriebe (Gemischtbetriebe) im Vergleich zum Vorjahr deutliche Einbußen hinnehmen musste. Ihr Ergebnis fiel auf 38.500 Euro. Das ist ein Minus von fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr und einem Viertel (- 25 Prozent) gegenüber dem Fünf-Jahres-Durchschnitt.

Ausblick: Für die Milch- und Fleisch-Märkte scheint vorsichtiger Optimismus angebracht zu sein. Allerdings wird nach heutigem Kenntnisstand das am 1. Juli begonnene Wirtschaftsjahr 2016/17 noch keine nachhaltige Trendwende bringen. Konkreteres werden die Vorschätzungen zeigen, die die Landwirtschaftskammern im Januar 2017 durchführen werden.

* Datengrundlage der genannten Zahlen ist eine repräsentative Stichprobe von 900 landwirtschaftlichen Betrieben in Niedersachsen (Testbetriebsnetz). Deren Jahresabschlüsse wertet die Landwirtschaftskammer jährlich im Auftrag der Bundesregierung aus. Das berechnete Wirtschaftsjahr bezieht sich auf den Zeitraum 1. Juli 2015 bis 30. Juni 2016, bei Milchviehbetrieben vom 1. Mai 2015 bis 30. April 2016.


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Stand: 02.03.2017