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Die richtigen Stellschrauben für rentablere Produktion im Stall

220 Teilnehmer beim 10. Milcherzeugerforum der Landwirtschaftskammer in Harsefeld

Harsefeld – Möglichst genau auf den jeweiligen Hof abgestimmt sollten die Produktionsstrategien sein, mit denen Milchbauern in schlechten Zeiten bestehen und in guten Zeiten Rücklagen bilden können. Das ist ein Ergebnis des 10. Milcherzeugerforums der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, das am Dienstag (6. Dezember) in Harsefeld im Kreis Stade stattfand. „Mit einem Gewinn von nicht einmal 31.000 Euro waren die Milchviehbetriebe erneut Schlusslicht unter den Betriebsformen“, fasste Kammerpräsident Gerhard Schwetje die ernüchternde Bilanz des zurückliegenden Wirtschaftsjahres 2015/16 zusammen. „Russland-Embargo, gnadenlose Discounter, aber auch – man muss es selbstkritisch hinzufügen – eine überbordende Milchproduktion setzten den Milchpreis massiv unter Druck“, unterstrich Schwetje die schwierige Situation vieler Höfe.

„Jeder Milchviehbetrieb muss je nach Marktlage seine betriebsindividuelle Strategie entwickeln“, empfahl Dr. Stefan Weber, Fachbereichsleiter für Betriebswirtschaft und Rinderhaltung bei der LMS Agrarberatung GmbH in Rostock, den Gästen in der Harsefelder Festhalle. „Bei der Jungviehaufzucht gibt es auf sehr vielen Höfen noch einen erheblichen Handlungsbedarf“, so der Rinderfachmann. „Die Jungviehaufzucht ist zu kostspielig. Mindestens zwei Jahre lang müssen Landwirte diesen teuren Produktionsprozess vorfinanzieren, bevor der Kapitalrückfluss einsetzt.“ Deswegen sei jeder Betrieb gut beraten, sich Gedanken zu machen, welches System der Reproduktion am besten zum eigenen Betrieb und Betriebsleiter passe.

Auf eine Verbündete können die Landwirte jedenfalls hoffen: Die Milchkuh von morgen habe dank ihrer genetischen Veranlagung durchaus das Zeug dazu, mehr und länger Milch zu geben, sagte Referent Dr. Stefan Rensing vom Rechenzentrum Vereinigte Informationssysteme Tierhaltung in Verden. Seit Jahrzehnten liege die Nutzungsdauer einer Milchkuh bei gut drei Jahren – mit leicht steigender Tendenz. „Die Lebensleistung wird künftig noch deutlicher zunehmen und um 2020 herum die Marke von 30.000 Kilogramm Milch erreichen, auch weil künftig ein deutlicherer, positiver Trend bei der Nutzungsdauer zu erwarten ist“, so Rensing. Aktuell liege die Lebensleistung von Milchkühen bei circa 27.000 Kilogramm.

Hilmar Bernd Schulte geht es bereits heute mehr darum, die vorhandenen Rinder länger als Milchkühe zu nutzen als die Herde weiter aufzustocken. Mit seinen Eltern bewirtschaftet Schulte in Holte im Kreis Leer einen Hof mit 140 Milchkühen und 90 weiblichen Jungtieren. „Durch unser automatisiertes Melksystem ist die Tiergesundheit verbessert worden, gleichzeitig ist auch die Milchleistung der Herde gestiegen“, berichtete der Landwirt von seiner persönlichen Effizienz-Strategie. Von derzeit knapp 2.000 Kilogramm pro Tag möchte Schulte die Milchleistung der Herde im kommenden Jahr auf 2.100 Kilo pro Tag steigern – das sind 33 bis 34 Kilo Milch pro Kuh und Tag. „Sauberkeit im Stall und bei den Tieren ist uns sehr wichtig, insbesondere da dies auch die Eutergesundheit positiv beeinflusst“, betonte Schulte. Die Boxen würden vier Mal täglich kontrolliert, und ein Spaltenroboter sorge für saubere Laufflächen. Daneben gebe es drei rotierende Bürsten zur Fellpflege. „Das steigert das Wohlbefinden der Tiere.“

Nach einem Tief bei 20 Cent pro Kilogramm steige der Milchpreis endlich wieder an, schilderte Kammerpräsident Gerhard Schwetje die aktuelle Marktlage. Milchbauern arbeiteten 365 Tage im Jahr und 24 Stunden am Tag, um ein hervorragendes Produkt zu erzeugen. „Daher verdienen sie es, dass Milch zu anständigen Preisen verkauft wird – und nicht viel billiger als so manches Mineralwasser.“

Das Milcherzeugerforum in Harsefeld war die letzte von zehn Veranstaltungen, mit denen die Kammer aus Anlass ihres zehnjährigen Bestehens die Vielfalt ihrer Aufgaben und Themenschwerpunkte präsentieren und veranschaulichen wollte.


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Stand: 02.03.2017