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Chancen der Digitalisierung effektiv nutzen

Landwirtschaft 4.0 Thema auf Fachtagung der Landwirtschaftskammer – Jeder Betrieb braucht individuelle Strategie

Westerstede – Traktoren, die auf dem Acker dank Satellitennavigation unbeirrbar die Spur halten; neue Agrartechnologien im Kuhstall, die dem Landwirt dabei helfen, das Herdenmanagement zu verbessern: „Die Digitalisierung ist auf den Höfen angekommen“, berichtete Hermann Hermeling, stellvertretender Präsident der Landwirtschaftskammer (LWK) Niedersachsen, am Donnerstag (27. April) auf der Tagung „Europa und seine ländlichen Räume: Digitalisierung und Landwirtschaft 4.0“ in Westerstede (Kreis Ammerland). Veranstalter waren das Europäische Informations-Zentrum in der Niedersächsischen Staatskanzlei und die LWK.

Rund 50 Zuhörer diskutierten in den Deutschen Lehranstalten für Agrartechnik (DEULA) mit Fachleuten aus Politik, Forschung, Lehre und Praxis über technische Voraussetzungen, Investitionsförderung für digitale Technik, über zahlreiche Anwendungsmöglichkeiten wie etwa in der Rinderhaltung und über Datensicherheit. Das gemeinsame Ziel: eine präzisere und nachhaltigere Lebensmittelproduktion. „Wir wünschen uns, dass die Landwirtschaft mehr von der Umsetzung bereits bestehender Initiativen im ländlichen Raum profitiert“, sagte Kammervizepräsident Hermeling. Wichtig seien zum Beispiel der Ausbau des Breitbandnetzes sowie die Bereitstellung spezieller Daten: So könnten Landwirte hochaufgelöste Wetter- und Klimadaten von Satelliten für die Planung des Ackerbaus nutzen. „Die Vorteile der Digitalisierung sind für die landwirtschaftliche Praxis, das Tierwohl und für den Umweltschutz zu nutzen“, so Hermeling.

„Intelligente Roboter-, Sensor- und Satellitentechnik, kombiniert mit Anwendersoftware für mobile Endgeräte, ermöglichen ein fast unbegrenztes Datenmanagement für Pflanzenproduktion, Viehhaltung und Technikeinsatz sowie für die Unternehmensführung und Dokumentation“, fasste Stefan Ortmann, stellvertretender Kammerdirektor der Landwirtschaftskammer Niedersachsen und Moderator der Tagung, die Chancen der Digitalisierung auf dem Bauernhof zusammen.

Die Frage sei, welche Daten sich für die Betriebsführung als sinnvoll erwiesen und einen tatsächlichen Wert hätten, sagte Ortmann weiter. „Dazu braucht es eine betriebliche Digitalisierungsstrategie, die alle denkbaren Anwendungen und Schnittstellen der Betriebszweige erfasst.“ Die Datenhoheit und -übersicht zu behalten und durch Nutzen von Hard- und Software die Kosten zu begrenzen, seien weitere Erfolgsfaktoren: „Jeder Betrieb muss individuell entscheiden, wie viel Digitalisierung eingeführt wird.“

Bei dieser Entscheidung und der praktischen Umsetzung stünden Berater- und Bildungsträger wie die DEULA, die Hochschulen und die Landwirtschaftskammer zur Verfügung, betonten Hermeling und Ortmann.

Die Risiken der zunehmenden Digitalisierung kamen auf der Tagung ausführlich zur Sprache: „Bei Prozessen, die sich selbst steuern, zum Beispiel in der Viehhaltung, ist die Überwachung der einzelnen Schritte schwer möglich“, sagte Prof. Dr. Michael Clasen, Dozent für Wirtschafts- und Agrarinformatik an der Hochschule Hannover. „Und die digitalen Daten, die ein Landwirt beim Betrieb eines modernen Traktors produziert, wird derjenige nutzen, der sie hat.“

In Niedersachsen sind gut 30.000 landwirtschaftliche Betriebe aktiv, davon etwa 19.000 mit Rindern, 9.100 mit Schweinen sowie eine große Anzahl von Betrieben mit Geflügel, Pferden und weiteren Nutztieren. Dazu gibt es rund 3.000 Gartenbaubetriebe. Weiterhin spielt der Bauernhoftourismus eine zunehmend wichtige Rolle.


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Ausführlicher Bildtext des Gruppenfotos: Diskutierten mit den Tagungsgästen über Digitalisierung in der Landwirtschaft (von links): Jürgen Gerken (Landwirt und Lehrer an der DEULA Westerstede), Lydia Vaske (EU-Beauftragte der LWK), Alfons Fübbeker (Landtechnik-Berater bei der LWK), Marco Hundt (Landwirtschaftsministerium), Prof. Dr. Michael Clasen (Hochschule Hannover), Cornelia Zügge (Europäisches Informations-Zentrum Niedersachsen), Hermann Hermeling (stellvertretender Präsident der Landwirtschaftskammer Niedersachsen), Stefan Ortmann (stellvertretender Kammerdirektor der Landwirtschaftskammer Niedersachsen) und Erik Grunwald (Bildungsberater an der DEULA Westerstede).


Kontakt:
Wolfgang Ehrecke
Pressereferent, Redaktion Onlinemedien
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Stand: 04.05.2017