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Ernte 2017: Wenn das Wetter nicht mitspielt…

Kammerpräsident Schwetje: „Die Stimmung bei den Getreidebauern ist nicht gut“

Pressemitteilung vom 19.10.2017


Hannover - Das Wetter entwickelt sich immer mehr zum Unsicherheitsfaktor des niedersächsischen Acker- und Futterbaus. Das wurde auf der diesjährigen Ernte-Pressekonferenz der Landwirtschaftskammer Niedersachsen deutlich, die heute (19. Oktober) in Hannover-Ahlem stattfand. „In diesem Jahr war es Schwerstarbeit für Landwirte und Lohnunternehmer, die Ernte vom Feld zu holen“, sagte Kammerpräsident Gerhard Schwetje vor den Medienvertretern. „Viel organisatorisches Geschick ist nötig gewesen, um die Zeitfenster, die der Wettergott für die Ernte vorsah, auch richtig zu nutzen.“ Trockenheit, Frost, intensiver Dauerregen und Stürme bis hin zu Orkanen hätten die Landwirte kontinuierlich – vom Tag der Aussaat bis zur Ernte – in Atem gehalten. In der Bilanz differierten die Ernteergebnisse stark zwischen den Kulturen. Insgesamt seien sie aber besser ausgefallen als befürchtet.

Bei Getreide berichtete Schwetje von einem Ertrag „leicht unter dem Durchschnitt“. Die Gesamternte von 6,0 Millionen Tonnen (ohne Körnermais) bedeutet ein Minus von drei Prozent gegenüber dem Vorjahr. Als Gründe dafür nannte Schwetje neben den leicht rückläufigen Hektarerträgen auch eine etwas geringere Anbaufläche. Im Vorjahr hatte es bereits einen Ertragsrückgang von nahezu zehn Prozent gegeben. Dagegen zogen die Preise moderat um fünf Prozent gegenüber 2016 an. „Allerdings wurde für Partien von minderer Qualität, von denen es witterungsbedingt viele gab, auch weniger bezahlt“, relativierte Schwetje.

Deutlich schlechter schnitt der Raps ab, dessen Ertrag im dritten Jahr in Folge abnahm. Mit 15 Prozent war der Rückgang in diesem Jahr besonders stark. Ein um zwei Prozent gestiegener Rapspreis konnte das nicht kompensieren. So bleibt unter dem Strich ein Erlösrückgang von 13 Prozent je Hektar. „Das tut auch deshalb so weh, weil es bereits im vergangenen Jahr ein Minus von acht Prozent gegeben hatte“, ergänzte Schwetje.

Zu den Erträgen von Mais, Kartoffeln und Zuckerrüben konnte sich Schwetje nur bedingt äußern, da deren Ernte noch in vollem Gange ist. „Bis vor wenigen Tagen bereitete das nasse Wetter den schweren Erntemaschinen zum Teil erhebliche Probleme“, schilderte Schwetje die Arbeiten auf den Feldern. Das sei an vielen Flächen „nicht spurlos“ vorübergegangen. Ob die Erträge dieser drei Kulturen komplett eingefahren werden könnten, ließe sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht mit Sicherheit sagen. Die vergangenen trockenen und teilweise auch sonnigen Tage stimmten die Landwirte aber zuversichtlich.

Die potenziellen Erträge, die derzeit noch auf den Ackerflächen auf ihre Ernte warten, sind bei Mais und Kartoffeln vielversprechend. Der Mais, dessen Anbaufläche sich leicht zurückentwickelt (- 3,7 Prozent), konnte den vielen Regen in Pflanzenmasse umsetzen. Am Ende stehen sehr hohe Erträge mit guten Qualitäten.

Bei den Kartoffeln stiegen Anbauumfang und Flächenertrag, sodass bei einem weiteren guten Ernteverlauf mit einer Gesamternte von 5,4 Millionen Tonnen, einem Plus von zwölf Prozent gegenüber dem Vorjahr, gerechnet werden kann. Allerdings setzen hohe Erntemengen in Europa die Preise kräftig unter Druck. „Sie liegen derzeit um gut ein Drittel niedriger als im letzten Herbst und damit weit unter den Erzeugungskosten“, erklärte Schwetje.

Bei den Zuckerrüben, deren Anbau in diesem Jahr zum ersten Mal nicht durch EU-Quoten begrenzt war, fielen sowohl der Ertrag als auch der Zuckergehalt gegenüber den Vorjahren ab. Das wurde durch einen um 19 Prozent angewachsenen Anbau (104.200 Hektar) ausgeglichen. „So rechnen wir mit einer insgesamt durchschnittlichen Zuckerrübenernte“, berichtete Schwetje.

Wie stark das Wetter den Aufwand im Ackerbau bestimmt, erläuterte der Kammerpräsident am Beispiel des Getreides. „In diesem Jahr wurde die wirtschaftliche Bilanz nicht nur durch geringere Erträge und schlechtere Qualitäten beeinträchtigt. Auch der Arbeits- und Maschineneinsatz war deutlich intensiver und damit teurer“, so Schwetje. Als Beispiele dafür nannte er eine schwierigere Bodenbearbeitung mit zum Teil zusätzlichen Bearbeitungsgängen, höhere Kosten für den Lohnunternehmer, zusätzliche Aufwendungen für die Trocknung feuchten Erntegutes, eine aufwendige und damit teurere Aussaat sowohl im Herbst 2016 als auch aktuell, und die regelmäßige Reinigung der durch Ernte- und Transportfahrzeuge verschmutzten Straßen.

„Das bedeutet nicht nur Mehrarbeit für Mensch und Maschine, sondern auch einen deutlich höheren Energieverbrauch“, so Schwetje weiter. Im Durchschnitt seien pro Hektar rund zehn bis 20 Prozent mehr Diesel verbraucht worden, der sich zudem im Vergleich zum Vorjahr um zehn Prozent verteuert habe. Auch die Trocknung von feuchtem Getreide bis zur Lagerfähigkeit sei teuer und koste pro Dezitonne etwa 1,50 Euro, wenn das Getreide von 17 auf 14 Prozent getrocknet werden müsse. Das seien etwa zehn Prozent des derzeit bezahlten Getreidepreises.

Am Ende einer solchen Gesamtbetrachtung bleibt den Bauern in diesem Jahr ein Betrag, den Schwetje als „knapp kostendeckend“ bezeichnete. Die Stimmung unter den Getreidebauern sei deshalb nicht gut. Auch bei den übrigen Ackerbauern in Niedersachsen drückten schwierige Ernten und zum Teil unbefriedigende Preise aufs Gemüt. „Wir hoffen deshalb wieder einmal auf bessere Bedingungen im nächsten Jahr“, sagte Schwetje und bezog das sowohl auf das Wetter als auch auf die Entwicklung der Agrarmärkte.

Die Rede von Kammerpräsident Schwetje sowie eine Erntestatistik finden Sie als .pdf-Dokumente im Anhang.

Ernte 2017 im Telegrammstil

Allgemein: massive Beeinträchtigung der Ernte durch das Wetter; Betriebsmittel: Energie und Pflanzenschutzmittel teurer, Düngemittel günstiger

Mais: leicht rückläufige Anbaufläche; gute bis sehr gute Erträge und Qualitäten; sehr schwierige Ernte durch nasse Felder und umgeknickte Bestände

Kartoffeln: leichter Flächenzuwachs; gute Erträge; für die Lagerung eventuell problematische Qualitäten; extrem schwierige Ernte durch aufgeweichte Böden; deutlich schlechtere Preise gegenüber dem Vorjahr

Zuckerrüben: deutlicher Anbauzuwachs; unterdurchschnittliche Erträge; mittlerer Zuckergehalt; erschwerte Rodearbeiten durch nasse Böden

Getreide: geringfügig reduzierte Anbaufläche; kleines Minus bei den Hektarerträgen; Qualitäts-einbußen durch nasse Witterung; leicht gestiegene Preise gegenüber dem Vorjahr; aufwendige Ernte

Winterraps: leichte Zunahme des Rapsanbaus; stark gesunkene Erträge; geringfügig gestiegene Rapspreise; schwierige Ernte

Grünland: ausreichender Ertrag; unterdurchschnittliche Qualität; wenig Heu, das teuer werden wird

Öko-Landbau:

Getreide: durchschnittliche Erträge; befriedigende Qualität; die Preisentwicklung bleibt abzuwarten

Kartoffeln: unterdurchschnittliche Erträge; teilweise unbefriedigende Qualitäten; Frühkartoffelimporte drücken die Preise

Zuckerrüben: erstmals wieder Anbau nach acht Jahren; unbefriedigende Rübenerträge und Zuckergehalte.


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Walter Hollweg
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Stand: 19.10.2017