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Kammern melden mehr Ausbildungsverträge

Über 7.000 junge Menschen haben die Unterstützung der Arbeitsagentur in Anspruch genommen, um einen Ausbildungsplatz zu finden – gut 400 mehr als im Vorjahr. Die drei Oldenburger Wirtschaftskammern melden mehr abgeschlossene Ausbildungsverträge. Es gibt weiterhin freie Lehrstellen und junge Leute, die noch einen passenden Ausbildungsplatz suchen.

Oldenburg – Die 7.000er-Grenze ist geknackt: 7.081 junge Frauen und Männer ließen sich im vergangenen Jahr von der Berufsberatung der Arbeitsagentur Oldenburg-Wilhelmshaven bei der Ausbildungsplatzsuche unterstützen – 6,4 Prozent bzw. 428 mehr als im vorherigen Jahr. Am Stichtag Ende September waren 254 Bewerberinnen und Bewerber noch ohne Ausbildungsplatz.

Einen Rückgang um 5,0 Prozent oder 278 Stellen gab es auf der Angebotsseite: insgesamt meldeten die Unternehmen im Agenturbezirk 5.330 Ausbildungsplätze. Von diesen waren 466 noch unbesetzt. In vielen Berufen gibt es vereinzelt freie Stellen. Eine größere Zahl offener Ausbildungsstellen bieten unter anderem das Baugewerbe, der Einzelhandel und die Gastronomie.

„Das Interesse an Ausbildung ist groß, bei jungen Menschen wie bei Betrieben“, resümiert Dr. Thorsten Müller, Leiter der Agentur für Arbeit Oldenburg-Wilhelmshaven. „Das erkennen wir auch daran, dass mittlerweile fast ein Viertel der uns gemeldeten Bewerberinnen und Bewerber die Fachhochschulreife oder das Abitur hat. Darunter sind auch ehemalige Studenten, die der Hochschule zugunsten einer praktischen Ausbildung im Betrieb den Rücken gekehrt haben. Viele Betriebe sind inzwischen offen für junge Leute, die keine Bestnoten mitbringen. Auch mit einem Hauptschulabschluss haben Bewerber in etlichen Ausbildungsberufen gute Chancen.“

Die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber mit ausländischer Staatsangehörigkeit liegt in diesem Jahr mit 870 um 329 oder 60,8 Prozent höher als im Vorjahr. Damit hat jeder achte Ausbildungsplatz-Bewerber eine andere als die deutsche Staatsangehörigkeit. „Wir motivieren junge Menschen mit Fluchthintergrund dazu, eine Ausbildung zu machen, wenn es ihnen möglich ist“, so Dr. Thorsten Müller. „Dadurch gibt es unter den ausländischen Bewerbern gut 17 Prozent, die 25 Jahre und älter sind. Wir beraten sie intensiv über das deutsche Berufsausbildungssystem, weil sie darüber eine solide Grundlage für einen Beruf legen können.“

Für das kommende Jahr erwartet Müller, dass eine größere Zahl junger Geflüchteter eine Berufsausbildung beginnt: „Zurzeit sind viele sprachlich noch nicht so fit, dass sie dem Berufsschulunterricht folgen könnten. Das berichten auch unsere Berufsberaterinnen und -berater.“ Durch Sprachkurse oder Schulbesuch wachse die Zahl derer, die sich gut verständigen könnten, sodass 2018 deutlich mehr junge Geflüchtete als Bewerber auf die Betriebe zukommen werden.

Die Anzahl der Auszubildenden in den „grünen Berufen“ und der Hauswirtschaft ist nach der ersten, noch vorläufigen Erhebung der Landwirtschaftskammer Niedersachsen auf hohem Niveau relativ stabil. Niedersachsenweit werden circa 5.840 Ausbildungsverhältnisse verzeichnet. Regionale Schwerpunkte der Ausbildung finden sich weiterhin im Ammerland für die gartenbaulichen Berufe und im Raum Südoldenburg für die Berufe Landwirt/-in / Tierwirt/-in.

Mit rund 2.100 Ausbildungsverhältnissen in Niedersachsen zeichnet sich im Beruf Landwirt/in eine ähnlich hohe Nachfrage ab wie in den Vorjahren. Auch in den übrigen Agrarberufen ist die Nachfrage und Besetzung der Ausbildungsstellen überwiegend gut. Noch deutlicher wird die positive Entwicklung im Vergleich zu 2007: Vor zehn Jahren wurden lediglich 1.700 Ausbildungsverträge registriert.

Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen sieht die Entwicklung insgesamt als Bestätigung der Attraktivität der dualen Berufsausbildung. Zumal auch circa 35 bis 40 Prozent der Auszubildenden von ihrer Herkunft her nicht aus dem agrarischen Bereich kommen. Geschätzt wird an diesen Berufen das breite Ausbildungsspektrum und der Umgang mit Pflanzen und Tieren. Die der Ausbildung nachfolgenden Beschäftigungsmöglichkeiten in der Agrar- und Hauswirtschaft sowie in den vor- und nachgelagerten Bereichen sind durchweg positiv.

Angesichts des Bedarfs an Fachkräften im Agrarsektor ist die Nachwuchssicherung ein zentrales Anliegen der Landwirtschaftskammer. Sie bietet in einer Ausbildungslandkarte in dem Portal www.talente-gesucht.de Ausbildungsbetrieben die Möglichkeit, sich vorzustellen und noch zu besetzende Ausbildungsplätze anzubieten. Gleichzeitig sollen hierüber junge Menschen angesprochen werden, die sich in der Berufsorientierungsphase befinden. In kurzen Statements informieren dort Auszubildende oder junge Absolventen aus den Agrarberufen über Besonderheiten in ihrer Ausbildung.

Die Agrarwirtschaft stellt in Niedersachsen und speziell im Nordwesten einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor dar. Durch den Aufbau regionaler Fachkräfteinitiativen mit einschlägigen Partnern, Betrieben und Organisationen entstehen Netzwerke, die durch gemeinsame Aktivitäten das Interesse junger Menschen auf eine agrarische Berufsausbildung lenken und zur Nachwuchswerbung beitragen.

Auch das Handwerk punktet wieder bei jungen Menschen, stellt die Handwerkskammer Oldenburg fest. Bis Ende Oktober sind 2.852 Ausbildungsverträge neu abgeschlossen worden, das entspricht einer Steigerung von 1,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 52 Jugendliche mehr als noch im Vorjahr haben im Oldenburger Land eine Ausbildung im Handwerk gestartet.

„Es zahlt sich jetzt offenbar aus, dass wir in den vergangenen Jahren verstärkt auf die vielfältigen Möglichkeiten und Chancen in den Ausbildungsberufen im Handwerk hingewiesen haben“, so Wolfgang Jöhnk, Geschäftsbereichsleiter Berufsbildung bei der Handwerkskammer Oldenburg. „Mit unserer Handwerkskampagne machen wir seit acht Jahren jungen Menschen Lust aufs Handwerk und sprechen sie vor allem auch über die Social-Media-Kanäle an. Ein Potenzial bilden zudem vermehrt geflüchtete junge Menschen.“

Keinesfalls dürfe man sich auf den Zahlen ausruhen, so Jöhnk weiter. In zahlreichen Handwerksbetrieben konnten nicht alle freien Lehrstellen besetzt werden. Insbesondere im Nahrungsmittelhandwerk und in den Bau- und Ausbauberufen werden dringend Fachkräfte benötigt. „Gerade für kleinere Ausbildungsbetriebe ist es eine große Herausforderung, junge Menschen für eine handwerkliche Berufsausbildung zu gewinnen. Insgesamt hoffen wir durch die zunehmend in Gymnasien stattfindende Berufsorientierung auf noch mehr lernstarke Auszubildende. Gerade für sie wird auch in Zukunft gelten: Handwerk hat goldenen Boden“, betont Wolfgang Jöhnk.

Der positive Trend auf dem Ausbildungsmarkt setzt sich im Bereich der Oldenburgischen Industrie- und Handelskammer (IHK) fort. Die Unternehmen aus Industrie, Handel und Dienstleistungswirtschaft im Oldenburger Land haben bis Ende Oktober 4.290 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen. Das sind 113 Verträge oder 2,7 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Auffallend ist insbesondere der hohe Zuwachs im Landkreis Wesermarsch von 16,7 Prozent (+51 Verträge) und der Rückgang im Landkreis Ammerland von 7,3 Prozent (-32 Verträge). Nach Berufsgruppen gab es im Metallbereich mit 36 Ausbildungsverträgen (+6,8 Prozent) den größten Zuwachs und es folgt der Bausektor mit 31 zusätzlichen Ausbildungsverträgen (+30,7 Prozent). Bei den Bankkaufleuten ist die Zahl der Ausbildungsverträge auf 133 (-12,5 Prozent) gesunken, im Industriebereich auf 330 (-3,5 Prozent).

Er rechne für das Ausbildungsjahr 2017 insgesamt mit einem leicht positiven Ergebnis, so Dr. Thomas Hildebrandt, Geschäftsführer für den Bereich Ausbildung und Weiterbildung bei der IHK. „Die Ausbildungsbetriebe berichten allerdings von größeren Problemen bei der Rekrutierung von Auszubildenden“, sagt er. „Die Firmen setzen trotz des schwierigen Umfeldes mit Trend zum Studium und sinkenden Schülerzahlen weiter auf die duale Ausbildung."

Um dem Trend zum Studium entgegenzuwirken, könnten Unternehmen nur mit guten Rahmenbedingungen und einer hochqualitativen Ausbildung punkten. Zur Verbesserung der Beratung von Ausbildungsunternehmen werde die IHK im nächsten Jahr zwei zusätzliche Ausbildungsberater einstellen, kündigte Hildebrandt an. Außerdem werde die IHK ab der zweiten Jahreshälfte 2018 ein Siegel für Ausbildungsqualität vergeben.

 


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Stand: 02.11.2017