Aufzucht von Flaschenlämmern
In der Praxis der Schafhaltung kommt es immer wieder vor, dass Lämmer ohne Mutter groß gezogen werden müssen. Die Gründe dafür sind vielfältig: Die Mutter nimmt das Lamm nicht an, hat Mastitis, das Lamm ist lebensschwach oder es herrscht große Konkurrenz unter Geschwistern.
- Die Mutter nimmt das Lamm nicht an.
In diesem Fall kann man versuchen, dass Tier zu fixieren, so dass das Lamm trinken kann. Zeigt diese Maßnahme nach ein paar Tagen keine Wirkung, so ist es mit weniger Stress für Tier und Mensch verbunden, wenn man das Lamm mit der Flasche aufzieht.
Eine zweite Möglichkeit ist es, dass Lamm mit der Nachgeburt eines anderen Neugeborenen einzureiben und es dem anderen Mutterschaf zusammen mit dem eigenen Lamm hinzulegen. Diese Methode ist jedoch nur bedingt erfolgreich. - Die Mutter hat Mastitis.
Gleich nach der Geburt des Lammes sollte man das Euter der Mutter kontrollieren und anmelken. Manchmal befinden sich Pfropfen in den Strichkanälen und die Lämmer sind zu schwach, um ihn durch saugen selbst zu entfernen. Stellt man jedoch fest, dass keine Milch kommt oder sich die Euterhälften warm anfühlen, so liegt der Verdacht einer Mastitis nahe. In leichten Fällen hilft meistens eine Spritze, in schwerwiegenderen sollten die Lämmer mit der Flasche aufgezogen werden. - Das Lamm ist zu schwach, um selbst zu trinken.
In diesem Falle sollte man das Lamm zunächst zwangsernähren (es gibt einen Spezialschlauch mit Spritze). Erholt sich das Lamm nach ein paar Tagen, kann es bei der Mutter trinken. - Konkurrenz unter Geschwistern
Besonders bei Drillingen ist ein Tier meistens etwas schwächer als die anderen. Da ein Schaf nur zwei Euterhälften hat, bekommt das schwächste Tier nicht immer genügend Milch, um sich korrekt zu entwickeln. Kann man beobachten, dass sich das Tier nicht oder nur unzureichend entwickelt, so ist es anzuraten, das Lamm mit der Flasche aufzuziehen.
2007 wurden bei der LVA Echem drei Lämmer mit der Flasche aufgezogen:
Nr. 450: Die Mutter hatte fortgeschrittene Mastitis; auch die Behandlung mit Medikamenten blieb ohne Wirkung.
Nr. 46: Die Mutter hat nur ein Lamm von zweien angenommen. Das andere Lamm wurde nicht in der Nähe geduldet.
Nr. 291: Das schwächste Tier von Drillingen. Rapide Gewichtsabnahme in den ersten Tagen.
Ablauf der Flaschenaufzucht
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Alter |
Zeit zum Tränken |
Menge |
Pause nachts |
Sonstiges |
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erste 24 h |
alle 2 h |
50 ml |
Keine |
Kolostrum (Schaf oder Kuh) |
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2./3. Tag |
alle 3 h |
70 ml |
6 h |
Milchaustauscher |
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4./5. Tag |
alle 4 h |
100 bis 130 ml |
8 h |
Milchaustauscher |
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6.bis 10. Tag |
alle 5 h |
von 200 auf 300 ml steigern |
9 h |
Milchaustauscher |
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11. bis 24. Tag |
3 mal täglich (morgens, mittags, abends) |
von 400 auf 500 ml steigern |
12 h möglich, 9 h besser |
Milchaustauscher, Heu und Kraftfutter anbieten!!! |
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25. bis 56. Tag |
3 mal täglich (morgens, mittags, abends) |
von 500 auf 800 ml steigern |
12 h |
Milchaustauscher, Heu und Kraftfutter anbieten! |
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ab 56. Tag |
2 mal täglich |
≤ 800 ml |
12 h |
Milchaustauscher, Heu und Kraftfutter anbieten! |
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LANGSAME ENTWÖHNUNG (ca. 10 TAGE)!!! |
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Wie aus der Tabelle zu ersehen ist, sollten die Lämmer in den ersten 24 Stunden mit Kolostrum getränkt werden, um Immunglobuline aufzunehmen - es kann auch das Kolostrum von einem anderen Schaf oder von einer Kuh sein. Ab dem zweiten Tag kann Milchaustauscher verwendet werden - zu bevorzugen ist dabei Milchaustauscher für Lämmer, da die Milchzusammensetzung von Kuh und Schaf unterschiedlich ist (s. Abb. 3 und 4).
Abb. 3: Milchzusammensetzung von Schaf und Kuh (in %)
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Rind |
Schaf |
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Wasser |
87,1 |
81, 7 |
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Fett |
4,0 |
7,0 |
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Eiweiß |
3,4 |
6,0 |
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davon Kasein (Albumin+Globulin) |
2,7 / 0,7 |
4,5/ 1,5 |
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Milchzucker |
4,8 |
4,4 |
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Mineralstoffe |
0,7 |
0,9 |
Abb. 4: Gegenüberstellung Milchaustauschfutter für Schaflämmer und Kälber (in %) (Differenz zu 100 % bei der Zusammensetzung: Vormischung)
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Schaflämmer |
Kälber |
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Magermilchpulver |
40,0 |
35,0 |
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Pflanzenfett, raff. |
19,5 |
14,3 |
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Molkepulver |
23,0 |
29,7 |
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Weizenkleber |
5,5 |
6,0 |
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Traubenzucker |
2,5 |
2,5 |
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Molkepulver, teilentz. |
5,1 |
7,5 |
Eine Umstellung der Milchaustauscher für Kälber auf Lämmer darf nicht plötzlich erfolgen, sondern muss allmählich ablaufen. Folgende Utensilien benötigt man für das Tränken:
- Milchaustauscher
- Waage
- Wiegeschüssel
- Thermometer
- Schüssel zum Anrühren des Pulvers
- Umfüllbecher
- Tränkeflasche
- Nuckel
Der Milchaustauscher wird bei einer Temperatur von 40 bis 43 Grad Celsius angerührt. Am besten eignet sich hierfür eine Schüssel aus Aluminium, da sich diese miterwärmt und die Milch nicht so schnell auskühlt.
Als Tränkeflaschen eignen sich Glasflaschen, da sie sich beim Trinken nicht zusammenziehen (für kleine Tränkemengen 0,33 l-Flasche und ab einer Tränkemenge von 400 ml eine 0,5 l-Flasche). Im Handel gibt es auch spezielle Tränkeflaschen für die Lämmeraufzucht; diese sind jedoch teurer (5 Euro im Handel, Glasflasche und Nuckel ca. 1,50 Euro) und weisen keine besonderen Vorteile auf, so dass man ohne Bedenken die günstigere Variante wählen kann. Die Glasflasche wird vor der Benutzung warm ausgespült, damit die Milch nicht auskühlt.
Beim Tränken ist darauf zu achten, dass man die Flasche nicht zu steil hält, sonst besteht die Gefahr, dass die Milch in die Lunge gelangt und es droht Erstickungsgefahr.
Eine Alternative zum Tränken mit der Flasche ist die so genannte Lämmerbar (s. Abb. 6). Hiermit kann man mehrere Tiere auf einmal tränken und spart somit Zeit. Der Nachteil einer solchen Bar ist jedoch, dass man keine Kontrolle darüber hat, wie viel Milch die einzelnen Tiere zu sich nehmen.
Nach dem Tränken müssen alle Tränkeutensilien wieder gründlich gereinigt werden. Zuerst mit kaltem Wasser, um den gröbsten Schmutz zu entfernen und um zu verhindern, dass das Milcheiweiß denaturiert und sich absetzt. Anschließend werden die Schüsseln und die Flasche mit einer Bürste und warmen Wasser gesäubert.
Vergleich Flaschenaufzucht - Aufzucht durch das Mutterschaf
In die Auswertung wurden die beiden Flaschenlämmer Nr. 46 und 450, sowie Vergleichslämmer Nr. 300 und 647 (gleiches Geschlecht und gleiches Geburtsgewicht wie die Flaschenlämmer) genommen. Die Lämmer sind einmal wöchentlich vor dem Tränken gewogen worden.
Die Tabellen und Grafiken zum o. g. Vergleich finden Sie in der pdf-Datei, die am Ende dieser Seite aufgeführt ist.
Anhand der Tabellen kann man erkennen, dass sich die weiblichen Lämmer in etwa gleich entwickelten; das Lamm, das bei der Mutter trank, entwickelte sich unwesentlich besser.
Anders sieht es bei den Böcken aus: Hier ist der Entwicklungsunterschied deutlich zu sehen. Das Flaschenlamm entwickelte sich nicht so gut wie das Lamm, das von der Mutter aufgezogen wurde. Dieser Entwicklungsunterschied kann darin begründet sein, dass das Flaschenlamm einen schlechteren Start ins Leben hatte, zunächst aufgepäppelt werden musste und zwischendurch nur sehr schlecht getrunken hat (2./ 3. Lebenswoche). Insgesamt gesehen entwickelten sich die aufgezogenen Lämmer recht gut.
Rentabilität der Flaschenaufzucht
Bleibt abschließend die Frage, ob sich die Aufzucht von Flaschenlämmern lohnt. Neben den Kosten des Milchaustauschers spielt dabei vor allem der Zeitaufwand eine wichtige Rolle: für das Tränken der drei Lämmer ist eine halbe Stunde gebraucht worden (anrühren, tränken, säubern). Bei dreimaligem Tränken entspricht das einem Aufwand von 1,5 h/Tag. Verfügt man nicht über genügend Personal, so ist die Lämmerbar eine Lösung, um hier Zeit einzusparen.
Betrachtet man die Kosten für die Aufzucht der Böcke und den Erlös, den sie einbringen, ist es nicht wirtschaftlich, sie mit der Hand aufzuziehen. Bei den weiblichen Tieren sieht das anders aus: Entwickeln Sie sich gut und stellen sie den gewünschten Zuchttyp dar, so hat sich die Arbeit für die eigene Zucht gelohnt. Vorteilhaft ist es auch, wenn man ein paar Tiere in der Herde hat, die Vertrauen zum Menschen haben. Dies hat zur Folge, dass sich die ganze Herde ruhiger verhält, wenn die Tiere beispielsweise im Sommer umgetrieben werden.
Ob ein Betrieb nun Flaschenlämmer aufzieht oder nicht, hängt also von mehreren Faktoren ab und kann nicht pauschalisiert beantwortet werden.





