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Landessortenversuch Stärkekartoffeln 2009

Der Anbau von Stärkekartoffeln ist für viele Betriebe nach wie vor ein wichtiger Betriebszweig. Ein hoher Knollenertrag und hohe Stärkegehalte legen dafür den Grundstein. Eine Entscheidungshilfe bei der Sortenwahl bieten die aktuellen Versuchsergebnisse.

Insbesondere ein hoher Stärkegehalt fließt bei den Bezahlungsmodellen der Stärkefabriken stark in die Auszahlungspreise mit ein. Dabei steht die Konkurrenz alternativer Kulturen gegenüber der Stärkekartoffel bei der Diskussion über die Wirtschaftlichkeit zunehmend im Focus.

Ein erfolgreicher Stärkekartoffelanbau hängt insbesondere von der Wahl der, für den jeweiligen Standort und Erntetermin richtigen Sorte ab. Wichtige Hinweise hierzu geben die von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen jährlich durchgeführten Sortenversuche mit Stärkekartoffeln. Dazu werden drei unterschiedliche Versuchsserien an mehreren Standorten durchgeführt, die Ergebnisse für verschiedene Rahmenbedingungen liefern:

  1. frühe Rodetermine für Standorte mit geringen phytosanitären Problemen (“Frührodung”, Anfang-Mitte August, Kampangebeginn)
  2. mittlere bzw. späte Rodetermine für Standorte mit geringen phytosanitären Problemen (“Normalrodung”, Anfang-Mitte Oktober)
  3. mittlere bzw. späte Rodetemine für Standorte mit  phytosanitären Problemen , das sogenannte “Emslandsortiment”; ausschließlich Prüfung von Sorten mit breiter Nematoden- und Krebsresistenz (“Normalrodung”, Anfang-Mitte Oktober)

Mit Ausnahme der Frührodung wird in der Regel die natürliche Abreife der Sorten abgewartet, um das jeweilige Leistungsmaximum zu erfassen. Bis auf die Versuchsserie “Emslandsortiment” weisen die Versuchsschläge keinen oder höchstens einen geringen Nematodenbesatz auf. Nachfolgend werden die Ergebnisse der “Normal”- und der “Frührodung” vorgestellt. Die Ergebnisse des “Emslandsortiments” finden Sie hier: LSV Stärkekartoffeln 2009 - Emslandsortiment 

Frührodung

Das Sortiment der “Frührodung” stand auf 2 Standorten (Sand – anlehmiger Sand). Die Kartoffeln wurden Anfang bis Mitte April gepflanzt. Die anschliessende trockene und sehr warme Witterung hatte einen zügigen Auflauf der Kartoffeln zur Folge. Der weitere Vegetationsverlauf zeichnete sich durch eine sehr schnelle Entwicklung der Bestände aus, so dass im Vergleich zu den Vorjahren ein Wachstumsvorsprung von ca. zwei Wochen beobachtet werden konnte. Die beiden Heidestandorte Celle und Hamerstorf konnten beregnet werden, was 2009 in Celle dreimal und in Hamerstorf fünfmal notwendig wurde. Die Ernte erfolgte auf allen Standorten Mitte August. Das Ertragsniveau lag im Mittel der Standorte mit einem Stärkeertrag von 138 dt/ha deutlich über den Vorjahresergebnissen, was in erster Linie auf die im Mittel 2 % höheren Stärkegehalte zurückzuführen ist. Im Sortiment der Frührodung wurden im Jahr 2009 sechs Sorten getestet. Jeweils eine Sorte der Reifegruppe II (Toccata), drei Sorten der Reifegruppe III (Canasta, Kuba und Stärkeprofi) und zwei Sorten der Reifegruppe IV (Burana, Turdus).

Den höchsten Stärkeertrag mit relativ 116 % erzielte die Sorte Burana, gefolgt von Turdus mit 112 %. Kuba als drittplazierte Sorte kann mit 104 % nicht mehr ihre Spitzenstellung des Vorjahres halten, konnte jedoch absolut zu ihrem Ergebnis aus 2008 zulegen. Die Sorte Canasta erreicht mit 103 % Stärkeertrag den vierten Rang, der sich insbesondere aus dem nur durchschnittlichen Knollenertrag ergibt. Die im zweiten Jahr geprüften Sorten Stärkeprofi und Toccata konnten weder im Knollenertrag noch im Stärkegehalt überzeugen, woraus unterdurchschnittliche Stärkeerträge von relativ 87 % und 77 % resultierten.

Die Rodefähigkeit ist in dieser Versuchsserie ein Merkmal, das nur in der Frührodung erfasst wird. Dazu werden die Knollenverluste, die durch unterbliebenes Ablösen vom Kraut entstehen, beim Roden bestimmt und als Maßstab für die Rodefähigkeit zu diesem frühen Zeitpunkt genutzt. Die nachgesammelten Knollen werden dabei nicht zum Ertrag gerechnet. Im Jahr 2009 lagen die Verluste bei allen geprüften Sorten zwischen 2 dt/ha (Canasta) und 21 dt/ha (Burana). Erstaunlich war jedoch vor allem die recht gute Rodefähigkeit der aus der Reifegruppe IV stammenden Sorte Turdus (5 dt/ha Verlust). Die weiteren Eigenschaften der geprüften Sorten können den beigefügten Tabellen entnommen werden.

Unter Berücksichtigung der aktuellen und langjährigen Versuchsergebnisse im Sortiment der Frührodung können folgende Sorten empfohlen werden:

Quadriga:     Mittlere Knollenerträge und hohe Stärkeprozente,  Nematodenresistenz = Ro1-5, gute Rodeeignung, mittlere Krautfäuleanfälligkeit, stark virusanfällig, sehr keimfreudig

Burana:        Hohe Knollenerträge und Stärkeprozente, Nematodenresistenz = Ro 1,4, mittlere Rodeeigning, mittlere Krautfäuleanfälligkeit

Turdus:        Hohe Knollenerträge und Stärkeprozente, Nematodenresistenz = Ro1-5, Pa2 (teilr.), gute Rodeeignung, mittlere Krautfäuleanfälligkeit

Priamos:       Hohe Knollenerträge und mittlere Stärkeprozente, Nematodenresistenz = Ro1,4, mittlere Rodeeignung, hohe Krautfäuleanfälligkeit, virusanfällig

Sommergold: Hohe Knollenerträge und Stärkeprozente, Nematodenresistenz = Ro1, mittlere Rodeeignung, hohe Krautfäuleanfälligkeit, sehr keimfreudig

Kuba:            Hohe Knollenerträge und mittlere Stärkeprozente, Nematodenresistenz = Ro1,4, gute Rodeeignung, mittlere Krautfäuleanfälligkeit, leichte Erwiniaprobleme

Normalrodung

Bei der Auswertung des späten Rodetermines konnten 2009 die 2 Beregnungsstandorte Celle und Hamerstorf sowie der unberegnete Standort Ohrensen berücksichtigt  werden. Die Kartoffeln wurden, wie bei der Frührodung, Anfang bis Mitte April gepflanzt. Die Entwicklung der Bestände war der des Frührodungsversuchs entsprechend. Der Einsatz der Beregnung wurde in Celle um eine Maßnahme ergänzt. Die Ernte erfolgte bei weitgehend abgereiften Beständen zwischen Ende September und Mitte Oktober. Das Ertragsniveau mit einem Stärkeertrag des Standards lag bei 155 dt/ha und übertraf somit das  Vorjahresergebnis deutlich. Die Normalrodung umfasste 15 Sorten, vier aus der Reifgegruppe III und der Rest aus der Reifegruppe IV. 3 Sorten entstammen dabei dem EU-Sortiment.

Spitzenreiter im Stärkeertrag mit relativ 124 % war die Sorte Burana, die somit auch im dritten Versuchsjahr ihre Spitzenstellung mit sowohl hohen Knollenerträgen als auch Stärkegehalten mit Abstand halten konnte. Mit deutlichem Abstand folgten die Sorten Kuras und Mungo, die sowohl beim Knollenertrag, als auch beim Stärkegehalt sehr gute Werte lieferten. Weiterhin deutlich über dem Standard lagen die Sorten Rudawa, Eurobravo und Eurostarch. Allerdings erreichten diese Sorten entweder beim Knollenertrag oder beim Stärkegehalt nicht das Niveau der Spitzensorten. Nicht überzeugen konnten die mehrjährig geprüften Sorten Stärkeprofi und Sofista.

EU-Prüfung

Neben der standardmäßig durchgeführten Prüfung besteht für Züchter im Rahmen der Normalrodung die Möglichkeit, Sorten, die nur in anderen EU Ländern eine Zulassung besitzen, auf einer geringeren Anzahl von Standorten prüfen zu lassen. Bewähren sich diese Sorten dort in zwei Jahren, werden sie anschliessend im normalen Sortiment fortgeführt. Erstmalig wurden die Sorten Altus und Gandawa im EU-Sortiment getestet. Altus zeigte als zweitbeste Sorte ein sehr gutes Bild. Bei dieser Sorte ist insbesondere der extrem hohe Stärkegehalt von 27,4 % für das sehr gute Ergebnis von relativ 117 % verantwortlich, der dadurch den unterdurchschnittlichen Knollenertrag kompensiert. Gandawa wies mit relativ 106 % einen überdurchschnittlichen Knollenertrag auf, konnte jedoch mit 21,4 % Stärke nicht an die Spitze anschließen. Die Sorte Skonto konnte auch im zweiten Jahr mit einem hohen Stärkeertrag von relativ 108 überzeugen. Hervorzuheben ist dabei der Stärkegehalt, der im Vergleich zum Gesamtsortiment mit 25,1 % sehr hoch war.

Eigenschaften der Sorten

Einen Überblick über die Eigenschaften der geprüften Sorten sind ebenfalls in den beigefügten Tabellen zu finden. Besonderes Augenmerk verdient die Nematodenresistenz. Auch auf Standorten, auf denen bisher keine gravierenden diesbezüglichen Probleme bestehen, sollen im Sinne der Vorsorge resistente Sorten beim Anbau bevorzugt werden. Dies gilt insbesondere in engen Kartoffelfruchtfolgen mit Speise- oder Verarbeitungskartoffelanbau, da bei diesen Verwertungsrichtungen der Anteil an hochresistenten Sorten deutlich geringer ist als bei den Stärkekartoffelsorten. Im Stärkekartoffelsortiment spielen Sorten ohne Nematodenresistenz keine Rolle mehr. Ein erfreulich hoher Anteil an Sorten weist eine sehr breite Resistenz gegen Globodera rostochiensis (Ro) oder auch Globodera pallida (Pa) auf.

 


Kontakt:
Dr. sc. agr. Hinrich Hüwing
Berater Pflanzenbau und Pflanzenschutz
Telefon: 0581 8073-115
Telefax: 0581 8073-159
E-Mail:
Thomas Stelter
Berater Kartoffelspezialberatung
Telefon: 0581 8073-166
Telefax: 0581 807399-166
E-Mail:


Stand: 19.04.2010



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