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Freiwillige Qualitätskontrolle Kartoffeln 2014/15

Im Folgenden wird zunächst ein Gesamtüberblick über die Qualitätssituation im 1. Halbjahr 2014/2015 gegeben und ein Vergleich zu den Vorjahren angestellt. Auf die Darstellung und Kommentierung der einzelnen Sorten wird verzichtet, da besonders hervorstechende Sorteneigenschaften bereits im Rahmen des Gesamtüberblicks an geeigneter Stelle angesprochen werden und eine sortenspezifische Auswertung im Jahresbericht erfolgt, der den an der Freiwilligen Qualitätskontrolle teilnehmenden Betrieben auf Wunsch an die Hand gegeben werden kann. 

Aufgrund der milden Winterwitterung konnte die Auspflanzung in diesem Jahr bereits sehr früh beginnen und wurde im Vergleich zu sonstigen Jahren in vielen Fällen auch bereits vor Ostern zu Ende gebracht. Natürlich gibt es immer einige Betriebe, die aus verschiedensten Gründen die Auspflanzung eher nach hinten verschieben.  Der Auflauf der Bestände erfolgte recht zügig. In den Monaten April und Mai fielen deutlich überdurchschnittliche Niederschläge, während die Niederschläge im Juni insgesamt unterdurchschnittlich waren. Insbesondere im April waren daran örtlich teilweise extreme Regenfälle beteiligt. Die Temperaturen lagen im April deutlich über dem langjährigen Jahresmittel. Im Mai und Juni waren diese durchschnittlich.

An Schädlingen traten die Blattläuse bereits relativ früh auf. Allerdings bauten sich nur sehr geringe Blattlauspopulationen auf, die deutlich unter den langjährigen Mittelwerten lagen. Ein wesentlicher Grund für die geringe Blattlausdichte war, dass parallel zur Entwicklung der Blattlauspopulationen sich auch entsprechende Populationen an Gegenspielern und Räubern aufbauten, die die Blattlauspopulation auf einem geringen Niveau hielten. Für die Produktion von Pflanzkartoffeln war dies positiv. Bei der Erzeugung von Speise- und Veredlungskartoffeln werden ohnehin nur in ganz besonderen Jahren, wie z. B.  2008 und noch schlimmer im Jahr 2003, bekämpfungswürdige Blattlausdichten erreicht, um massive Saugschäden etc. zu vermeiden.

Dagegen spielte das Auftreten von Schwarzbeinigkeit durchaus eine Rolle und auch das Auftreten von Krautfäule war dieses Jahr durchaus ein Thema. Teilweise wurde auch Stängel-Phytophthora vorgefunden, die von der Bekämpfbarkeit her noch schwieriger zu betrachten ist als die „normale“ Krautfäule.

Die Ernte der Kartoffeln konnte in Niedersachsen in der Regel unter günstigen Bedingungen durchgeführt werden. Teilweise war es eher zu trocken als zu feucht oder nass. Überwiegend konnte sehr zügig gerodet werden. Allerdings bereiteten die relativ warmen Nachttemperaturen und die hohe Luftfeuchtigkeit für die Abtrocknungs- und Wundheilungsphase mitunter erhebliche Probleme, die sich nicht selten auch im vermehrten Auftreten von fäulnisbehafteten Knollen widerspiegeln. Wenn dann gleichzeitig auch noch die Kartoffeln unsachgemäß in Feldmieten gelagert oder zwischengelagert werden, z. B. ohne Firstentlüftung, waren zahlreiche Partien überhaupt nicht zu halten. Dieses Jahr zeigt einmal mehr, dass ein vorhandenes Kühllager nicht nur für die Langzeitlagerung, sondern auch bereits für die Einlagerungsphase bzw. die Herbstlagerung, große Vorteile bieten kann.

Die erzielten Erträge sind offenbar in Niedersachsen aber auch in anderen Teilen Deutschlands und Europas überdurchschnittlich. Bereits Ende August bzw. Ende September 2014 wurden Erntemengen von ca. 11,5 Mio. Tonnen für Deutschland geschätzt. Das ist zwar noch keine riesige Ernte, wie sie beispielsweise in dem Jahr 2004 mit über 13 Mio. Tonnen angefallen ist, sondern sie bewegt sich in einem Rahmen wie in den Jahren 2007-2009 oder auch im Jahr 2011. Aber dennoch führte dies zu einem gnadenlosen Preisverfall. Es war über einen längeren Zeitraum kaum möglich überhaupt freie Ware zu platzieren und auch bei vertragsgebundener Ware wurden mitunter die qualitativen Anforderungen extrem hochgeschraubt. Dies ist bei den im Folgenden beschriebenen Ergebnissen aus der Freiwilligen Qualitätskontrolle unbedingt zu berücksichtigen. Denn es ist davon auszugehen, dass Partien, die im größeren Maße mit Mängeln behaftet waren, erst gar nicht den Abpackern und Verarbeitern angedient wurden.

Die Freiwillige Qualitätskontrolle Kartoffeln  wird seit 1956 unter wechselnden Bezeichnungen von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen bzw. den Vorgängereinrichtungen durchgeführt. Für den Zeitraum 01.06.-30.11.2014 liegen nun die Ergebnisse von 14.425 begutachteten Kartoffelpartien vor.

Da mittlerweile alle Betriebe die Erfassung der Qualitätsdaten mittels BlackBerry-Technik digital und online erledigen, liegt zum jetzigen Zeitpunkt schon ein sehr umfassendes Datenpaket vor.

Gesamtüberblick, weniger Mängel als im Vorjahr?
Unter Berücksichtigung dessen, dass aufgrund des teilweise gewaltigen Angebotsdrucks nur Ware mit hinreichenden oder guten Qualitäten handelbar ist, überrascht es nicht, dass im Rahmen der Freiwilligen Qualitätskontrolle in diesem Jahr der Durchschnitt an Gesamtmängeln mit  9,8 % unter dem der beiden Vorjahre bleibt. Diese lagen im Jahr 2013 bei 10,1 % und im Jahr 2012 bei 10,4 %. Wie in jedem Jahr weisen nahezu alle bonitierten Partien „fremde Bestandteile“ auf und auch „ergrünte Knollen“ und ebenso weisen annähernd 90 % aller Partien einen Anteil an beschädigten Knollen auf. Die Stärkegehalte gemessen an 2.732 Partien bewegen sich mit durchschnittlich 13,6 % etwas unter dem Niveau des Vorjahres (14,2 %), was vermutlich auch mit durch die hohen Erträge verursacht worden ist, liegen aber etwas über dem Wert im gleichen Zeitraum 2012 (13,4 %).

 Die Mittelwerte für die einzelnen Qualitätsparameter sind in Abbildung 1  (PDF-Anhang, s. blaue Säule, Maßstab links )  dargestellt. Wie immer gibt es hier eine erhebliche Streubreite, die von 0 % bis 81,2 % reicht (s. schwarze Linie, Maßstab rechts). Ergänzend wird in Abbildung 2 (PDF-Anhang) das Auftreten der Mängel dargestellt in den Partien, in welchen die Mängel tatsächlich aufgetreten sind. Dadurch ergeben sich zwangsläufig höhere Mittelwerte für die Einzelmängel.

Die wesentlichen Qualitätsmängel im Einzelnen
Im Folgenden wird zumindest auszugsweise auf die wesentlichen Qualitätsparameter eingegangen, sofern sie in diesem Jahr von Relevanz waren. Theoretisch erfasst werden bis zu 27 Qualitätsparameter für jede einzelne Partie.

Nassfäule:
Aufgrund des geschilderten Vegetations- und Witterungsverlaufs verwundert es nicht, dass die Nassfäulewerte im Durchschnitt etwas höher liegen als in den beiden Vorjahren. Bei den Hauptsorten ist die Betroffenheit tendenziell sogar noch etwas höher. Mit besonders geringen Fäulniswerten traten die Sorten Solist, Berber, Belana, Princess und Hansa in Erscheinung, während Musica, Gala sowie Gunda, Bintje und Annabelle über dem Durchschnitt lagen, wobei der zugrunde liegende Mittelwert über alle Partien bei 0,25 % lag, mit einer Schwankungsbreite von 0 % - 28,5 % Nassfäule. Insgesamt wiesen gut 10 % aller bonitierten Partien Nassfäulemerkmale auf. Bezogen auf diese betrug der Mittelwert allerdings knapp 2,5 %.

Braunfäule:
Auch bei der Braunfäule lag der Mittelwert bezogen auf alle Partien etwas über den Vorjahreswerten mit einer Schwankungsbreite von 0,3 % bis 69 %, jedoch auf einem sehr niedrigen Niveau. Insgesamt wiesen auch nur gut 3 % der bonitierten Partien Merkmale von Braunfäule auf. Bei den Hauptsorten bewegten sich Belana und Musica im Bereich des Mittelwertes. Princess lag darüber. Alle übrigen Sorten lagen mehr oder weniger deutlich unter dem Mittel.

Beschädigungen:
Wie in jedem Jahr stehen bei den Mängeln die Beschädigungen mit oben an (s. Bild). Der mittlere Beschädigungsgrad über alle Partien lag bei 2 % mit einer Schwankungsbreite von 0 % - 42 %. Damit lagen geringfügig mehr Beschädigungen vor, als im Vorjahr, aber weniger als im Jahr 2012/13. Bei den Hauptsorten war wie in den Vorjahren ein über dem Durchschnitt liegender Anteil bei der Sorte Berber festzustellen.

Fraßschäden:
Etwas mehr als 50 % aller Partien wiesen Fraßschäden auf. Das sind weniger als in den beiden Vorjahren. Der Schädigungsgrad war mit durchschnittlich mit 1,85 % über alle Partien höher als im Vorjahr und niedriger als im Jahr 2012/13. Die Spannweite reichte von 0,2 % bis knapp 56 %. Bei den Hauptsorten lagen die niedrigsten Werte bei den Sorten Berber, Hansa, Bintje und Musica vor, während bei Princess, Belana und Gala etwas über dem Durchschnitt liegende Werte festgestellt werden konnten.

Missgestaltung:
Nicht ganz die Hälfte aller bonitierten Partien zeigten einen gewissen Grad an zu bemängelnder Missgestaltung, der über alle Partien gesehen aber unter dem Wert des Vorjahres blieb und es waren auch weniger Partien von Formveränderungen und Ähnlichem betroffen. Besonders gering war der Anteil an missgestalteten Knollen bei den Sorten Gala und Berber, während Bintje, Annabelle und Princess spürbar über dem Durchschnitt lagen.

Ergrünung:
Der mittlere Anteil an ergrünten Knollen in den Partien bewegte sich mit 3,1 % im Rahmen der beiden Vorjahre mit einer Schwankungsbreite von 0,1 % bis 78,3 %. Es gab also gravierende Unterschiede zwischen den Partien und wie in den Vorjahren hoben sich unter den Hauptsorten Hansa und Princess positiv ab. Ebenso erreichte die Sorte Annabelle in diesem Jahr Ergrünungswerte deutlich unter dem Mittel, während die Sorten Musica, Gunda und Berber wie in der Vergangenheit auf deutlich über dem Mittel liegende Ergrünungswerte kamen. Wie in den Jahren zuvor wiesen nahezu alle Partien (94 %) ergrünte Knollen auf.

Eisenfleckigkeit:
Anders als in den beiden Vorjahren spielte das Auftreten von Eisenfleckigkeit durchaus eine Rolle. Bei 9,4 % der Partien wurde Eisenfleckigkeit festgestellt mit einer Schwankungsbreite von 0,4 % bis 29,4 % befallene Knollen. Im Mittel lag der Wert in diesen Partien bei 4,6 %. In den Jahren zuvor waren lediglich rund 3 % bis 4 % der Partien betroffen und auch der Anteil an Knollen mit Eisenfleckigkeitsmerkmalen lag mit 3,4 % bzw. 2,6 % deutlich niedriger. Unter den Hauptsorten wurden bei der Sorte Hansa in diesem Jahr eindeutig die höchsten Werte im Mittel festgestellt.

Schwarzfleckigkeit:
Bei gut 8 % der Partien wurde Schwarzfleckigkeit bonitiert mit einer Schwankungsbreite von 0,3 % bis 50 % und einer mittleren Ausprägung in den betroffenen Partien von 2,75 %. Das entspricht in etwa den Vorjahreswerten bzw. ist sogar noch besser als im Jahr 2012/13. Überdurchschnittlich von Schwarzfleckigkeit betroffen waren die Sorten Hansa, Berber und Bintje, während dies bei den übrigen Hauptsorten kaum eine Rolle spielte.

Oberflächenschorf:
Der Anteil an schorfbefallenen Partien lag mit knapp 15 % deutlich unter den beiden Vorjahren (19-25 %). Die Schwankungsbreite des Befalls mit Oberflächenschorf reichte von 0,3 % bis 61,3 %, war also etwas höher als im Jahr 2012/13 aber deutlich niedriger als in der vorjährigen Ernte. Bei den Hauptsorten stachen Hansa und Bintje besonders positiv hervor, während Gunda, Gala und Musica etwas über dem Mittelwert lagen.

Der Parameter Trockenfäule kam in diesem Jahr bislang auf eine nur geringfügige Bedeutung. Auch die Pfropfenbildung kam nur in einem geringen Umfang zum Tragen, war aber hier durchaus sortenspezifisch in der Form, dass Hansa dies deutlich häufiger zeigte als andere Sorten. Da in diesem Jahr der Anteil an Übergrößen etwas erhöht ist, verwundert es nicht, dass auch der mittlere Anteil an hohlherzigen Knollen etwas höher liegt als in normalen Jahren. Insgesamt waren knapp 4 % der Partien betroffen mit etwas erhöhten Anteilen bei der Sorte Bintje. Glasigkeit und Schwarzherzigkeit traten in diesem Jahr fast so gut wie gar nicht auf und auch Tiefenschorf wurde in weniger als 1 % der Partien festgestellt mit einer auch sehr moderaten Schwankungsbreite. Hinsichtlich des Auftretens von gekeimten Knollen wird sicherlich im Rahmen der Ganzjahresauswertung mehr zu berichten sein. In den bisher bonitierten Partien war dies von sehr untergeordneter Bedeutung. Aus der Praxis hört man jedoch durchaus, dass hier bereits Probleme im Lager diesbezüglich festgestellt wurden. Frost- und Hitzeschäden spielten bislang ebenso wenig eine Rolle wie in den beiden Vorjahren. Eine zusammfassende grafische Darstellung zu den Qualitätsparametern liegt in Abbildung 3 vor.

Fazit
Aufgrund der relativ großen Ernte werden bislang überwiegend qualitativ hochwertige Partien an die Verpacker und Verarbeiter angeliefert bzw. letztendlich von der Abnehmerseite akzeptiert. Diese Ware kommt in den umfassenden Bonituren im Rahmen der Freiwilligen Qualitätskontrolle sogar noch auf etwas geringere Mängelwerte als in den beiden Vorjahren. An Besonderheiten in diesem Jahr sind zu nennen, dass tendenziell etwas mehr Fäule (Nass- und Trockenfäule) festgestellt wurde und Eisenfleckigkeit in diesem Jahr durchaus wieder ein Thema war. Dagegen spielte Kartoffelschorf offenbar eine geringere Rolle als in der jüngeren Vergangenheit. Am Kartoffelmarkt selbst zeigten sich Preisreaktionen, die in keinem Verhältnis zu den tatsächlichen Mengen stehen, aber der Kartoffelmarkt ist so. In manchen Jahren gerät er regelrecht außer Rand und Band. Mittlerweile mehren sich die Anzeichen, dass sich der Markt beruhigt. Es bleibt zu hoffen, dass sich eine derart unbefriedigende Einkommenssituation für die Kartoffelproduzenten sobald nicht wiederholt. Die meisten Kartoffelerzeugungsbetriebe haben in diesem Jahr sicherlich zugesetzt.


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Willi Thiel
Leiter Anerkennungsstelle für Saat- und Pflanzgut
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Stand: 17.02.2015