Grasuntersaaten im Mais und angepasste Herbizidstrategien
Bei betrieblich bedingten engen Maisfruchtfolgen können Grasuntersaaten die Nachteile der Monokultur-Effekte deutlich reduzieren. Durch eine fast ganzjährige Begrünung der Ackerflächen wird die Bodenfruchtbarkeit gefördert. Mehrjährige Versuchserfahrungen belegen die Ertragsneutralität von Grasuntersaaten im Mais.
Außerdem ermöglichen Untersaaten im vegetationsarmen Winter unserem heimischen Wild zusätzliche Äsungsflächen.
Aussaat
Das Gelingen einer Grasuntersaat hängt von mehreren Einflussgrößen ab: Auf leichteren Standorten mit weniger als 20-22 Bodenpunkten kann im Sommer die Untersaat vertrocknen. Die Bestandesdichte und der Maistyp haben einen erheblichen Einfluss auf die Beschattung und somit die Entwicklung der Gräser. Bei der Mais-Engsaat, bzw. stark beschattenden Sorten, kommt es zum frühzeitigeren Bestandesschluss. Unter Berücksichtigung dieser Faktoren und der jeweiligen Witterung wird der Aussaattermin gewählt. Je nach Bodenfeuchtigkeit laufen die Gräser unterschiedlich schnell auf. Bei ausreichender Bodenfeuchte keimen die Gräser bereits nach wenigen Tagen, bei Trockenheit kann es sich bis auf zwei bis drei Wochen hinauszögern. Die Terminierung der Grasuntersaat ist so gewählt, dass unter ungünstigen Witterungsbedingungen beim Mais keine Mindererträge auftreten.
Die Grasmischung aus Deutschem und Welschem Weidelgras hat sich bereits in der Praxis bewährt. Aufgrund der Schnellwüchsigkeit der Gräser erfolgt die Aussaat mit 20 kg/ha bei ca. 60-70 cm Wuchshöhe des Maises breitwürfig ohne Einarbeitung. Dafür bieten sich Pneumatik-Streuer, Schleuderstreuer oder auch Schneckenkornstreuer an. Im Durchschnitt der Jahre erreicht der Mais Ende Juni, Anfang Juli dieses Entwicklungsstadium.
Herbizidwahl
Die Wahl der Unkraut- und Ungraspräparate hat für die Entwicklung der Untersaat eine entscheidende Bedeutung. Neben einer sicheren Herbizidwirkung steht die Verträglichkeit für die Gräser im Vordergrund. Je enger der Abstand zwischen Grasaussaat und der Herbizidbehandlung, desto größer ist das Schädigungsrisiko. Bei Präparaten mit bodenwirksamen Bestandteilen können je nach Bodenfeuchtigkeit schwankende Verträglichkeiten auftreten. Die Mittelwahl bei Grasuntersaaten gegen Unkräuter und Hirsen ist deutlich eingeengt. Bei den unkrautwirksamen Präparaten wie z. B. Certrol B (Bromoxynil) und Peak treten keine Verträglichkeitsprobleme auf. Die hirsewirksamen Triketone wie Mikado, Callisto und Clio ergänzen die Herbizidpalette. Für das neu zugelassene Laudis müssen noch Erfahrungen gesammelt werden. Die gräserwirksamen Sulfonyle Cato, Motivell/Milagro und MaisTer schließen die Wirkungslücken bei Borstenhirse, Einjährige Rispe und Quecken. Aufgrund der Bodenwirkung dieser Präparate sollten zwischen letzter Herbizidanwendung und der Grasaussaat mindestens 2-3 Wochen liegen. Dagegen treten bei den bodenwirksamen Präparaten wie Gardo Gold , Dual Gold, Clio Super, Terano WG und Successor T mit den zugelassen Aufwandmengen erhebliche Schädigungen bei der Untersaat auf. In abgeschwächter Form trifft dies auch für den Wirkstoff Terbuthylazin zu.
In den Regionen mit enger Maisfruchtfolge und entsprechender Verhirsung hat sich in den letzten Jahren die Unkrautbekämpfung im Splittingverfahren durchgesetzt. Basierend auf diese Herbizidstrategie bieten sich auch für Maisbestände mit Untersaaten entsprechende Herbizidmöglichkeiten an. Teilmengen von weniger gut verträglichen Präparaten frühzeitig appliziert, minimieren die Verträglichkeitsprobleme. So sollte bei der ersten Teilmengenspritzung im 3-Blattstadium des Maises die Aufwandmenge von z.B. Gardo Gold auf max. 1,0 l/ha begrenzt bleiben. Als Ausgleich kann die Aufwandmenge des Triketonpartners (z.B. Callisto) erhöht werden. Neue Ansätze bietet die Spritzfolge aus Calaris ( Terbutylazin + Mesotrione ) und der Nachlage mit einer Kombination aus z.B. Mikado und einem Sulfonyl ( z.B. Motivell ). Die Unkrautwirkung kann durch den Zusatz von z.B. Certrol B oder Peak verstärkt werden. Diese Spritzfolge bietet bei guter Untersaatverträglichkeit eine sichere Unkraut- und Ungrasbekämpfung. Die Herbizidtermine Mitte Mai bzw. Anfang Juni lassen einen Zwischenraum zur Grasaussaat von 2-3 Wochen zu. Die Untersaat entwickelt sich bis zur beginnenden Maisabreife nur langsam. Erst mit stärkerem Lichteinfall im Bestand bzw. nach der Ernte setzt stärkeres Graswachstum ein.
Die je nach Schnitthöhe 20-50 cm langen Maisstängel bergen ein künftiges Risiko. In den letzten Jahren breitet sich der Maiszünsler immer weiter nach Norden aus. Dieser nachtaktive Kleinschmetterling überwintert in den unteren Stängelabschnitten. Durch einen zusätzlichen Mulchgang müssen die Maisstoppel zerkleinert werden, um die Überwinterung des Schädlings zu erschweren. Die gleichzeitige Einkürzung der Gräser ist positiv zu sehen, da die Bestockung angeregt wird.
Da die Untersaat den norddeutschen Winter meist recht gut übersteht, ist eine Bekämpfung der Gräser im Frühjahr einzuplanen. Die Glyphosat-Behandlung sollte spätestens Ende März erfolgen, weil sonst die Untersaat auf leichteren Standorten die Winterfeuchtigkeit schnell verbraucht.
Fazit
Mit angepassten Herbizidstrategien können Grasuntersaaten ertragsneutral etabliert werden. In der Praxis bewährte sich die spät gesäte Grasmischung aus Deutschem und Welschem Weidelgras. Nährstoffe in Mengen von ca. 40 kg N/ha werden pflanzlich gebunden, und stehen der folgenden Frucht zur Verfügung. Bessere Befahrbarkeit zur Ernte, Erosionsschutz, mögliche Biogasnutzung und nicht zuletzt Äsungsflächen für das heimische Wild in der vegetationsarmen Jahreszeit sind weitere Pluspunkte. In Wasserschutzgebieten werden Untersaaten außerdem im Rahmen der freiwilligen Vereinbarungen gefördert.
Eigentlich genügend Gründe, um über den Einsatz von Grasuntersaaten im Mais nachzudenken!




