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Mais: Erkenntnisse aus der Unterfußdüngung mit Gülle

Der Maisanbau in Niedersachsen gewinnt weiter an Bedeutung. Die Düngung ist dabei das zentrale Thema in der Umweltwirkung. Die Unterfußdüngung mit Gülle anstatt mit Mineraldünger wurde in diversen Versuchen getestet.

Der Mais fand seinen Platz in der Fruchtfolge besonders in Regionen mit einer hohen Viehdichte. Hier zeigten sich zwei große Vorteile dieser Pflanze, zum einen liefert sie hohe Erträge und hochwertiges Futter, zum anderen zeichnet sie sich durch eine hohe Nährstoffausnutzung bei organisch betonter Düngung aus. So kann die Futterpflanze auch ideal mit den vorhandenen tierischen Exkrementen gedüngt werden.
Bei der Düngung der Maisbestände hat sich auch bei relativ hohen Nährstoffgehalten im Boden eine Unterfußdüngung als vorteilhaft erwiesen. Die Jugendentwicklung wird begünstigt, wenn im nahen Umfeld des Saatkorns hohe Stickstoff- und Phosphatkonzentrationen vorhanden sind.

Bislang wird die Unterfußdüngung ausschließlich mit Mineraldüngern durchgeführt. Unterfußdüngung und Aussaat lassen sich hierbei gut kombinieren. Im Mineraldünger liegen die Nährstoffe in konzentrierter Form vor. Es müssen nur relativ geringe Düngemengen transportiert und ausgebracht werden. Der Phosphorbedarf der Pflanzen wird dabei zu ca. einem Drittel über die mineralische Unterfußdüngung abgedeckt.
In landwirtschaftlichen Betrieben mit intensiver Veredlung fallen insbesondere bei schweine- und geflügelhaltenden Betrieben phosphatreiche Güllen an, deren Verwertung in der Maisdüngung durch die mineralische P-Unterfußdüngung begrenzt wird. Ein dadurch notwendig werdender Export von Überschussgülle verursacht ebenso Kosten für den Transport wie der Zukauf mineralischer Düngemittel.
In den annähernd geschlossenen Phospatkreislauf von Biogasbetrieben mit sehr hohen Maisanteilen in der Fruchtfolge stellt sich diese Problematik ebenfalls ein, da dieser Kreislauf jährlich mit zusätzlichem Phosphat angereichert wird.
Hieraus ergibt sich die Frage, ob die Absicherung der Erträge auch über eine Unterfußdüngung mit Gülle möglich ist.
Nach einer dreijährigen Versuchsreihe zu dieser Thematik im Körnermais mit sehr positiven Ergebnissen, durchgeführt Ende der neunziger Jahre, werden seit 2006 wieder Versuche in Silo- und Körnermais von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen angelegt.
Ziel dieser neuen Versuche ist es, herauszufinden, mit welcher Verteiltechnik bei der Gülleausbringung vergleichbare Erträge und Qualitäten, wie mit einer mineralischen Unterfußdüngung (UFD), erreicht werden können.
In der Erprobung der Verfahren wurde sowohl eine Injektion der gesamten Güllemenge beidseitig der Maisreihen als auch die Injektion einer Teilmenge mit den entsprechenden Nährstoffmengen einer mineralischen UFD geprüft. Auch wurde die Wirkung der reinen UFD ohne eine weitere Gülledüngung getestet, hier wurden je 40 kg/ha N und 30 kg/ha P2O5 mineralisch und über Gülle ausgebracht. Des Weiteren wurde die Bandablage der Gülle mit auf 75 cm zusammengefassten Schleppschläuchen und anschließender vertikaler Einarbeitung (Fräse oder Zinkenrotor) sowie die Ausbringung mit entsprechend zusammen geschobenen Schleppschuhen, die eine etwas tiefere Ablage ermöglichen, getestet. Zur Überprüfung der Standorte wurde noch eine Nullparzelle mit angelegt, in der keine Düngung erfolgte, und eine Variante mit Güllebreitverteilung und ohne Unterfußdüngung.
Die beschriebenen Varianten standen 2008 und 2009 in mehreren  Versuchen an verschiedenen Orten.
Es zeigte sich, dass der Ersatz des mineralischen Düngers durch Schweine- aber auch Rindergülle durchaus möglich ist. Allerdings kann die genaue Wirkung nur schwer vorhergesagt werden. Die einzelnen Ergebnisse zeigen sowohl gleiche und auch bessere Erträge bei der Gülleinjektion gegenüber dem Standardverfahren als auch Mindererträge der Testvarianten.

Bei der Auswertung über alle Standorte und Jahre fallen diese Unterschiede nicht mehr auf und gleichen sich aus (siehe Grafiken 1 und 2).
Die mehrjährigen Ergebnisse erwecken den Eindruck, dass ein Ersatz des mineralischen durch einen organischen Dünger ohne weiteres möglich ist. Bei genauerer Betrachtung der Einzelergebnisse fällt allerdings auf, dass im gleichen Jahr an unterschiedlichen Orten deutlich unterschiedliche Ergebnisse erzielt wurden. So wurde in den Versuchen im letzten Jahr an einem Standort in beiden Varianten mit Gülleinjektion (volle Menge und Teilmenge) ein signifikanter Mehrertrag erreicht, während am anderen Standort einmal ein gleicher und einmal ein nachweislicher Minderertrag festgestellt wurden. Somit kann weder gesagt werden, das Verfahren klappt, noch kann behauptet werden es klappt nicht. Vielmehr muss dieses Verfahren weiter untersucht und ausprobiert  werden, denn es scheint auch vom jeweiligen Standort abzuhängen.
Die Varianten Bandablage mit Einarbeitung durch einen Zinkenrotor und Schleppfuß- ausbringung (zusammengeschobene Schleppschuhe) scheinen unsicherer zu funktionieren als die Injektionsvarianten. Doch auch hier ist eine eindeutige Aussage aufgrund der unterschiedlichen Ergebnisse noch nicht zu treffen.
Doch unabhängig von den zum Teil stark schwankenden Versuchsergebnissen ist dieses Verfahren durchaus interessant. Es bietet mehr als nur den Austausch des herkömmlichen Unterfußdüngers durch betriebseigene Gülle.

Die Ausbringung insbesondere beim Injektionsverfahren erfolgt ohne Ammoniakverluste, da die Einarbeitung durch die Ausbringung erfolgt. Nitratverluste durch starke Niederschläge im Frühsommer werden verringert, da die Gülle nicht in der gesamten Krume verteilt wird und somit weniger „Angriffsfläche“ im Boden bietet. Die Umwandlung zu Nitrat wird durch die rel. hohe Ammoniumkonzentration im Bereich der Maisreihe deutlich verlangsamt.
Diese Effekte führen zu einer effizienteren Ausnutzung der Düngung, wodurch auch Einsparpotenziale entstehen können. Weiteres Einsparpotenzial ergibt sich direkt durch den Verzicht auf zusätzliche mineralische Düngemittel. In der Arbeitserledigung setzen viele Betriebe auf Lohnunternehmer. Diese können durch die Kombination von Gülleausbringung und Maisaussaat nicht nur ihre eigenen Arbeitsspitzen reduzieren, sondern auch auf den landwirtschaftlichen Betrieben für Entlastungen sorgen. Neben der Kombination der Arbeitsgänge Gülleausbringung, Einarbeitung und Maisaussaat kann auch das getrennte Verfahren mit vorheriger Gülledüngung und anschleißender Maisaussaat durchaus interessant sein.
Dies wird möglich durch die Nutzung von satellitengestützen Lenkhilfen, aber auch Spuranreißer am Gülleausbringfahrzeug oder andere deutliche Markierungen wie z. B. kleine Dämme über der in den Boden eingebrachten Güllespur ermöglichen eine Saatgutablage in direkter Nähe zum Nährstoffdepot. Allerdings sollten Ausbringfahrzeug und Maissägerät dann die gleiche Arbeitsbreite haben.
Erste Anwendungen dieser Techniken in der Praxis verfolgen beide Möglichkeiten, sowohl das absetzige als auch das kombinierte Verfahren.
Die Landwirtschaftskammer untersucht auch in Zukunft diese Möglichkeit der Unterfußdüngung, um die Düngung der wichtigsten Kulturpflanze weiter zu optimieren und somit den Maisanbau noch nachhaltiger zu gestalten als er es ohnehin schon ist.


Kontakt:
Karl-Gerd Harms
Berater Mais
Telefon: 0441 801-418
Telefax: 0441 801-432
E-Mail:
Dr. Matthias Benke
Leiter Fachbereich Grünland und Futterbau
Telefon: 0441 801-420
Telefax: 0441 801-432
E-Mail:


Stand: 30.03.2010



PDF: 10298 - 27.3212890625 KB   Grafiken UFD 2008-2009   - 27 KB