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Mais silieren und erfolgreich etwas gegen die Nacherwärmung tun

Warm gewordenes oder verpilztes Futter ist stets mit hohen Verlusten an Futtermasse, Energie sowie Nährstoffen und damit auch mit einem nicht unerheblichen Geldwert verbunden.  Nachfolgend wird beschrieben, worauf Sie bei der Silierung von Mais im Allgemeinen zu achten ist.

 

Bei Vortragstätigkeiten berichtete Frau Dr.Kalzendorf, dass es mehr Beratungsfälle für den Mais als für das Gras gibt. Hinsichtlich der bevorstehenden Maisernte wollten die Land&Forst nun wissen, welche konkreten Empfehlungen zu Silierung gegeben werden. 

Die Reifeprüfung hat aktuell begonnen und damit naht auch die Silomaisernte. Was raten Sie den Landwirten in Niedersachsen in Bezug auf die Silierung?

Zunächst sollte man Rückschau halten und sich dabei fragen, ob bislang die Qualität der Maissilage ausreichend gut war. Wenn es immer wieder Probleme bezüglich der Nacherwärmung oder auch der Verpilzung gab, ist zu hinterfragen, wie diese verlustreichen Verderbprozesse minimiert werden könnten. Bei vielen Beratungsfällen stellt sich immer wieder heraus, dass der Futtervorschub nicht ausreichend ist. Deshalb sollte man sich damit auseinandersetzen, wie die Silogeometrie in 2017 gestaltet werden kann, um mindestens 1,50 m  je Kalenderwoche im Winter voranzukommen. Dort, wo von dem Silo auch noch bis in den Sommer hinein gefüttert wird, ist das Silo so schmal und lang anzulegen, dass ein Vorschub von mindestens 2,50 m je Kalenderwoche gesichert ist.

Zur Vorbereitung der Silomaisernte gehört auch, sich den Zustand des Silomaises der Einzelflächen anzusehen, um daraus die Reihenfolge der Ernteflächen entweder unter Berücksichtigung des Abreifegrades oder des Gesundheitszustandes  festzulegen.

Der Silomais gehört doch zu einer leicht vergärbaren Pflanze. Warum gibt es dennoch  Probleme?

Grundsätzlich muss man zwischen der anaeroben und der aeroben Stabilität unterscheiden. Ist die Silage ohne Anzeichen an Fehlgärungen und enthält sie keine Buttersäure und nicht zu viel Essigsäure (über 3,0 %), spricht man von einer anaerob stabilen Silagen. Ganz schlicht ausgedrückt: es liegt eine gute Gärqualität vor. Diese Eigenschaft ist typisch für die Maissilage.

Das Problem für die Maissilage wird vorzugsweise während der Verfütterungsphase in Form von Verpilzung oder auch der Erwärmung deutlich. Die unzureichende

aerobe Stabilität der Maissilage hat verschiedene Gründe, die zum einen mit der guten Gärqualität und zum anderen mit dem relativ hohen Keimbesatz an Hefepilzen in Zusammenhang stehen. In buttersäurehaltigen Grassilagen werden beispielsweise die Hefepilze unterdrückt. In Maissilagen fehlt die hefehemmende Buttersäure. Zudem bieten Maissilagen den Hefen viele leicht abbaubare Nährstoffe. Darüber hinaus zeigen aktuelle Untersuchungen, dass der Hefebesatz im Siliergut von Mais überdurchschnittlich hoch ist. Das Phänomen scheint Sorten unabhängig zu sein. Lediglich anhand des Abreifegrades lassen sich Korrelationen mit dem Hefebesatz in Verbindung bringen: je stärker die Restpflanze vergilbt, desto höher sind die Keimzahlen.

Kann man etwas gegen Hefepilze tun? 

Die Hefepilze werden in Fachkreisen vereinfacht auch als Allrounder beschrieben. So haben Hefen die Eigenschaft, unter sauerstofffreien Bedingungen, wie in einem Silo, ihren Stoffwechsel durch Gärung zu betreiben.

Wird aber das Silo geöffnet und kommt damit wieder Luft an den Futterstapel heran, schalten die Hefen ihren Stoffwechsel auf Atmungsprozesse um. Das macht deutlich, dass die Hefen im Gegensatz zu Buttersäurebakterien durch eine gute Vergärung nicht gehemmt werden. Zudem werden Hefen in ihre Aktivität nicht durch den pH-Wert der Silagen eingeschränkt. Auch das ist ein Unterschied zu vielen anderen unerwünschten Gärkeimen, die relativ einfach durch eine schnelle und intensive Ansäuerung im Silofutterstock auszuschalten sind.

Aufgrund dieser besonderen Eigenschaften der Hefepilze ist es sehr schwierig, das Problem der Nacherwärmung mit hoher Sorgfalt siliertechnischer Maßnahmen in Griff zu bekommen.

Also bringt ein ordnungsgemäßes Silierverfahren keine Lösung?

Die Schlussfolgerung so zu treffen, wäre eine zu starke Vereinfachung für diese Problematik. Für eine gute Gärqualität haben uneingeschränkt eine gute Verdichtungsarbeit, die Anpassung der Häcksellänge unter Berücksichtigung des Abreifegrades, ein unverzüglicher Siloverschluss nach Silobefüllung und eine lange Verschlusszeit hohen Stellenwert. All diese grundsätzlichen Arbeiten sind gleichzeitig wichtig, um auch Schimmelpilze zu unterdrücken. An dieser Stelle sei zugleich betont, dass die zeitliche Länge des Siloverschlusses einen nachhaltigen Hemmeffekt auf den hartnäckigen Blauschimmelpilz hat. Vor allem die Maissilagesilos, für die ein Verfütterungszeitraum bis in das Frühjahr oder den Sommer hinein geplant sind, muss eine Verschlusszeit von mindestens sechs besser gar acht Wochen gesichert sein. Falls die Maissilage für den Tierbestand im Herbst früher benötigt wird, sollte vorzugsweise ein kleineres, separates Silo angelegt werden. Es kann  so bemessen sein, dass ein Verfütterungszeitraum von 6-8 Wochen gewährleistet ist.

Sollten grundsätzlich Siliermittel eingesetzt werden?

Jein. Prinzipiell darf an dieser Stelle differenziert werden. Dort, wo es bislang keine Probleme mit aerob instabilen Silagen gab, muss nicht zwingend ein Siliermittelzusatz erfolgen.

Siliermittel sollten dann eingesetzt werden, wenn die Nacherwärmung trotz bester Silier- und Fütterungstechnik aufgetreten ist. Ob Siliermittel dann ganzflächig oder nur für die Oberflächenschicht zu nutzen sind, ist einzelbetrieblich unter Berücksichtigung der Problemfälle aus den Vorjahren zu entscheiden.

 


Mehr Energie durch Hochschnitt

Mit Hilfe des Hochschnitts gelingt es, höhere Energiewerte in den Maissilagen zu erzielen, da auf einen wesentlichen Anteil des rohfaserreichen Stängels verzichtet wird. Im Allgemeinen gilt, dass mit einer Erhöhung der Stoppel um 20 cm die Energiekonzentration um 0,1 MJ NEL/kg TM zunimmt, während der Ertrag um etwa 5% und der Strukturwert um 0,1 abnehmen. Gleichzeitig steigt der Trockenmassegehalt  um circa 1 bis 2 % je 20 cm höherer Stoppel an. Das gilt es für die Entscheidungsfindung zu beachten, insbesondere, wenn der Mais schon überständig ist. Mit einem kürzeren Häckseln und einem Intensivieren der Walzarbeit muss dann unbedingt die Verdichtungsarbeit auf dem Silo gesichert werden.


Tipps zur optimalen Verdichtung

  • Je kleiner der Silomais gehäckselt wird, desto besser kann insgesamt verdichtet werden. Für die Silierung des Silomais sollte die Häcksellänge in dem Bereich von 4  bis 7 mm liegen.
  • Je älter bzw. reifer das Siliergut ist, desto kürzer muss gehäckselt und desto  intensiver verdichtet werden.
  • Für das Festfahren des Futters ist auf eine gleichmäßig dünne Futterschicht mit Schichtstärken von maximal 30 cm zu achten.
  • Der Reifendruck sollte beim Walzschlepper 2,0 bis 3,5 bar betragen. Die maximale Arbeitsgeschwindigkeit des Walzschleppers liegt bei 4,0 km/h.
  • Die Walzleistung bestimmt die Geschwindigkeit des Ernteprozesses. Als Richtwert für die Maissilagebereitung gilt eine Bergeleistung von 20 – 25 t Trockenmasse je Stunde (entspricht 60 – 75 t FM bei TM-Gehalt von 33 % TM)  für jeweils ein Walzfahrzeug.
  • Es ist ein Verdichtungsaufwand pro Tonne Erntegut von 2 – 3 Minuten anzustreben. Bei dem Festfahren je Futterschicht muss soviel Zeit verbleiben, dass mindestens drei Überfahrten auf derselben Stelle gesichert sind.

 


Kontakt:
Dr. Christine Kalzendorf
Beraterin Grünland, mehrj. Ackerfutterbau und Futterkonservierung
Telefon: 0441 801-428
Telefax: 0441 801-432
E-Mail:
Dr. Matthias Benke
Leiter Fachbereich Grünland und Futterbau
Telefon: 0441 801-420
Telefax: 0441 801-432
E-Mail:


Stand: 20.09.2017